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Test - Tron: Catalyst : Zoom, swoosh, wrooom: Leuchtende Motorräder und Kampf-Frisbees im Test

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Die Fahrzeuge in Tron: Catalyst kommen sämtlich ohne Katalysator aus, bewegen sich aber umso rasanter über den Bildschirm. In einer sprichwörtlichen Automaten-Welt zu kämpfen und cruisen, Zeitreise-Schleifen starten und gesellschaftliche Strukturen aufbrechen, klingt nach einem Science-Fiction-Traum. Doch wie in tatsächlichen Träumen üblich, verwehren ein paar unlogische Momente die Vollendung.

Ihr seid gerade ganz entspannt und dem Ruhepuls nahe? Das können wir ändern! Bitte einmal an den letzten missglückten Paketempfang denken. Realitätsfern der Abwesenheit beschuldigt werden, mühselig die Benachrichtigungskarte entziffern, schließlich selbst nach der Sendung suchen müssen im Lager eines Ladens, der in jedem Film die Kulisse für irgendwelche kriminellen Geschäfte oder wenigstens Teleportationen wäre. Um einiges davon geht es auch in Tron: Catalyst – nur dass unsere Reise hier mit einer Sendung beginnt, die zwar abgeliefert wird, aber danach gleich explodiert.

Richtig, unsere Anwesenheit in der Nähe der Detonationszustellung hat uns zu einer Person öffentlichen Interesses gemacht – wobei Person es nicht ganz trifft, denn im Tron-Universum sind anthropomorphe Programme unterwegs, die im Inneren von Computern und ursprünglich einem Arcade-Automaten ihre eigene Gesellschaft mit entsprechenden politischen, weltlichen und unterweltlichen Ambitionen formen. Unsere Protagonistin Exo muss nun also durch den Grid genannten Siliziumbau und einerseits aufklären, was es mit den Verschwörungen auf sich hat, und dabei andererseits natürlich die eigene digitale Haut retten.

Atmosphärisch, aber unpraktisch

Wir steuern Exo entweder mit dem Gamepad oder per WASD und Tastatur, wobei die Bedienung klar auf ersteres abgestimmt scheint. Insbesondere mit den „Light Cycles“, die pfeilschnellen E-Motorräder im Grid, kann die Navigation kurvenreicher Strecken sehr viel unfreiwillige Begegnungen mit Häuserwänden mit sich bringen. Die Iso-Perspektive tut uns hier auch nicht den Gefallen, etwa wie bei den Uralt-GTA-Titeln mit zunehmender Geschwindigkeit etwas weiter herauszuzommen. Somit kann die Bewegung nicht immer überzeugen – und angesichts der ordentlichen Laufwege nervt das dabei, die Welt so zu erfahren, wie sie es verdient hätte.

Mit der größte Pluspunkt von Tron: Catalyst ist nämlich seine großartige Atmosphäre, welche die Optik und Akustik der Film-Welt und auch des spielerischen Vorgängers Tron: Identity mehr als würdig einfängt. Egal ob in einer verruchten Bar, in Kampf-Arenen oder auf offener Strecke, alles wirkt dicht und trägt zu einer glaubhaften Welt bei. Lediglich die etwas zu geschwätzige und auch nur in Teilen vertonte Geschichte verlangt in der ersten halben Stunde etwas viel Glauben daran, dass es später bestimmt noch interessanter wird.

Und auch wenn sich die Spielwelt, der Arq Grid, formal weitgehend offen durchqueren lässt – natürlich gibt es Story-bedingte Straßen-Sperren und Schnellreise-Systeme – , bleibt der spielerische Mehrwert davon gering. Hier ein paar optionale Gespräche, dort ein paar Kisten für einen etwas schnelleren Level-Aufstieg, das war’s auch schon.

Wozu die Level-Aufstiege? Weil Exo im Grid nicht nur rennen, e-bike-fahren und reden muss, sondern natürlich auch zahlreiche Widersacher verschiedenster Fraktionen zu bekämpfen hat. Die Kämpfe zu Fuß und zu Bike bieten dabei eine vertraute Kombination aus Nahkampfaktionen und Blockieren, aus Fernwürfen mit unserer Disc – einem leuchtenden Kampf-Frisbee – und einigen Spezialfähigkeiten.

Das funktioniert ordentlich. Für Genervte lässt sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit anpassen bis hin zu einem sehr entspannten Story-Modus, im normalen Niveau bleibt der Titel fordernd, aber nicht unfair. Manchmal helfen uns kleine KI-Macken, wenn insbesondere Gegner auf Bikes mit verwinkelten Straßenzügen überfordert sind. Größtes Manko dabei: Im überschaubaren Fertigkeitenbaum geht es nur sehr langsam voran mit zusätzlichen Möglichkeiten für Angriff und Verteidigung. Mit unserer Disc mehrere Gegner auf einmal ausschalten? Gerne, aber nur mit viel Geduld.

Zeit-Schleifen und Bike-Streifen

Der Arq Grid wird von einer autoritären Gruppe („Core“) regiert, nebenher gibt es eine Rebellen-Fraktion und eine, die auf die Liste für mögliche Plot-Twists kommt. Apropos Twist: Durch die eingangs erwähnte Explosion haben wir die Möglichkeit, eine Zeitschleife zu starten. Das ist auch regelmäßig erforderlich, wenn wir etwa ungewollt in eine Kampf-Situation verwickelt wurden und Core das Alarm-Level in der ganzen Stadt erhöht hat. Schwupps neustarten – die meisten Programme werden sich nicht an uns erinnern, aber wir können so mit mehr Wissen und Fähigkeiten wieder durch die Stadt gleiten. Auch das: Eine nette, aber nicht immer elegante Mechanik, mit einigen von der Geschichte erzwungenen Neustarts, die etwas bemüht wirken.

Tron: Catalyst kann somit insgesamt in vielen Strecken überzeugen und ganz besonders eine dichte Tron-Atmosphäre erzeugen – hinter den eigenen Ambitionen bleibt es jedoch zu oft zurück.

Greift zu, wenn...

… ihr schon beim Namen Tron den Daft-Punk-Soundtrack in innerer Dauerschleife hört. I fight for users!

Spart es euch, wenn...

… ihr in einem Action-Adventure gerne schnell in Geschichte und Stärke eurer Figur voranschreitet.

Fazit

Christian Burtchen - Portraitvon Christian Burtchen
Fantastische Tron-Atmosphäre – leider mit etlichen Makeln

Meine Arbeitshypothese zu den gemächlichen Zügen in der Schweiz: Die Eidgenossen lassen die Bahnen absichtlich langsamer fahren, damit das Land größer wirkt. So ähnlich kommt mir der zaghafte Spielfortschritt in Tron: Catalyst vor, das mit seinen Zugewinnen an neuen Möglichkeiten ordentlich geizt.

Zusammen mit den kleineren Mängeln in der Spielwelt und ihrer Durchquerung verwehrt das dem Titel die Leichtfüßigkeit und Zugänglichkeit, die heutzutage erwartet wird. Angesichts der atmosphärischen Dichte und des sichtlichen Ideenreichtums (Zeitschleifen!) ärgert das viele verschenkte Potenzial.

>> Gefangen auf dem Spielraster: Die 10 besten Roguelike-Games <<

Den Ausflug in den Arq Grid habe ich trotzdem genossen – mit dem Licht-Bike düsen und meine Disc in hitzigen Kämpfen schwingen, das hat was. Für ein Lob ohne deutliche Einschränkungen gibt es zu viel Zetermaterial, aber immerhin kann ich so tief in die Phrasen-Kiste des Spieletestens greifen: Für Fans der Tron-Serie klar einen Blick wert!

Überblick

Pro

  • Kinoreifer Soundtrack
  • Großartige Atmosphäre fängt Tron-Welt gut ein
  • Geschichte nach anfänglichem Hänger spannend
  • Solides Kampfsystem

Contra

  • Zu langsame Progression
  • Zu gemächlicher Einstieg
  • Offene Welt bietet nicht viel Beschäftigung
  • Vehikel-Steuerung mit Tastatur unpraktisch

Awards

  • Sound
    • PC

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