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Test - The Callisto Protocol : Endlich wieder ein gutes Dead Space!

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Mit Dead Space revolutionierten Glen Schofield und sein Team bei EA Redwood 2008 mal eben das Horror-Genre. Der Ausflug auf die Ishimura gilt bis heute als Blaupause für subtilen Horror mit nahezu perfekt gesetzten Schockern. Nach diversen Ausflügen in andere Genres kehrt der Grusel-Guru zurück und plant die Herzattacken-Rate mit The Callisto Protocol massiv in die Höhe zu treiben. Die Parallelen zu seinem Klassiker lassen sich dabei nicht von der Hand weisen – was mehr eine Auszeichnung als einen Kritikpunkt darstellt.

Der Tag von Jacob Lee läuft wirklich mies. Eigentlich wollte der Raumschiffpilot nur ganz bequem ein paar Frachten von und nach Kallisto liefern und Feierabend machen. Doch dann kommt alles ganz anders. Unbekannte kapern sein Schiff, und aus dem Handgemenge zwischen ihm und den Unholden resultiert ein Absturz auf dem Jupiter-Mond.

Doch das ist erst der Anfang einer langen Kette unglückseliger Ereignisse. Denn kaum aus dem brennenden Wrack befreit, landet Jacob als Insasse im Black-Iron-Gefängnis, das sich auf Kallisto befindet. Die Haftdauer erweist sich überraschenderweise als kaum erwähnenswert, bereits nach seinem ersten Nickerchen kann Jacob die Zelle wieder verlassen. Blöd nur, dass der Grund dafür der Ausbruch einer seltsamen Seuche ist, die andere Häftlinge und Wachen in blutrünstige Mutanten verwandelt.

Wunderschön und angsteinflößend

Ihr schleicht fortan durch die Hallen von Black Iron, die Gefahr stets im Nacken. Entfernte Schreie zeugen von sterbenden Menschen, in der Ferne spielen sich regelmäßig grausame Szenen ab. Personen werden in der Mitte auseinandergerissen, von den Mutanten zu einer undefinierbaren breiigen Maße geprügelt und unter lautem, panischen Protest in Lüftungsschächte gezogen.

Unterstützt wird die bedrohliche Stimmung vor allem auch durch die Technik von The Callisto Protocol. Die Playstation 5 zaubert wunderschöne Szenen auf den Bildschirm, die dank geschickt gesetzter Beleuchtung nicht selten wie aus Alien oder Das Ding aus einer anderen Welt wirken. Auch an kleinen und großen Details mangelt es nicht. Mit Blut an die Wand geschmierte Nachrichten zeugen von den bedauernswerten Opfern der Biophagen, Kratzer an den Türen und eingetrockneter Lebenssaft erzählen hingegen Geschichten von Machtmissbrauch durch die Wachen des Zuchthauses.

Schaurig-schöne Umgebungen, hoher Detailgrad, was fehlt noch zur grafischen heiligen Dreifaltigkeit? Richtig, schicke Charaktermodelle mit wuchtigen Animationen. Egal ob Jacob oder die wenigen NPCs, auf die ihr trefft, sie sehen glaubhaft und realistisch aus, inklusive Mimik und Gestik. Zu Anfang eures Aufenthalts in Black Iron stanzt eine Ärztin Jacob ein Core-Modul in den Nacken, das die Lebensenergie und den Aufladezustand des GRP anzeigt. Munitionsstände schweben direkt über den Waffen, so stört kein HUD die Immersion. Lediglich die Lippensynchronität in der deutschen Version lässt zu wünschen übrig. Wenn die gesprochenen Zeilen zu den Mundbewegungen passen, dann höchstwahrscheinlich nur durch einen glücklichen Zufall.

Abgesehen davon saugen die Bewegungsabläufe aber so sehr in die Spielwelt, dass es regelrecht erschreckend ist. Wenn Jacob sich Schweiß oder Blut aus dem Gesicht wischt oder panisch über die Schulter blickt, sobald es aus einem Lüftungskanal scheppert, meine ich, die Flüssigkeiten selbst auf meinem Gesicht zu spüren, und bin geneigt, mich panisch umzudrehen. Im Kampf gegen die Biophagen fällt das Feedback für jeden Treffer extrem wuchtig aus, sodass die Einschläge geradezu spürbar werden – nicht nur dank des hervorragend eingebundenen Dualsense-Controllers.

Keine Sprachbarriere

Lobenswerterweise kommt The Callisto Protocol mit einer kompletten deutschen Übersetzung daher. Damit sind nicht nur Bildschirmtexte und Sprachausgabe gemeint, sondern auch sämtliche Schriften in der Spielwelt, etwa an die Wände gemalte Abteilungsnamen oder Anzeigen auf den Monitoren, bisweilen allerdings noch mit kleinen sprachlichen Unsauberkeiten. Die lassen sich aber sicherlich schnell mit einem kleinen Patch beheben.

Selbiges gilt auch für die allgemeine Feinabstimmung beim Sound. Nicht selten flüstern Stimmen im einen Moment fast schon unhörbar vor sich hin, um euch wenige Sekunde später durch fast schon geschriene Aussagen aus dem Sessel hochschrecken zu lassen. Schockmoment mal anders. In der Testversion waren außerdem ein paar letzte englische Audiozeilen enthalten.

Abgesehen von diesen kleinen, leicht zu behebenden Ärgernissen dröhnt die Audiokulisse durchaus glaubhaft aus den Boxen oder (idealerweise) Kopfhörern. Auch wenn The Callisto Protocol natürlich am besten in einem dunklen Raum genossen wird, würde ich das nur den Hartgesottenen unter euch empfehlen. Entwickler Striking Distance steckte hörbar viel Liebe in diesen Bereich. Es knarzt, schreit, grunzt oder tippelt regelmäßig, die Musik hält sich dezent zurück, sodass sie die Atmosphäre nicht mit vorgefertigter Stimmung aus der Dose plakativ zu übertünchen versucht.

Auf gemeinsten wird es aber, wenn ihr nichts hört. Die trügerische Stille einer Raumstation, die eigentlich vom höllischen Lärm einer Mutanten-Invasion erfüllt sein sollte, macht den Griff zu den Erwachsenenwindeln so verführerisch wie kaum etwas anderes. The Callisto Protocol überzeugt technisch auf der PS5 so vollumfänglich, die Power der Next-Gen war selten so seh- und hörbar.

Die Waffen eines Häftlings

Bedrückende Horror-Stimmung schön und gut, aber sich nur in die Hose machen hilft nicht bei der Flucht von Kallisto. Im Laufe eurer Reise erhaltet ihr beständig neue Werkzeuge, die dabei helfen, sich gegen die Biophagen zu wehren. Als besonders nützlich erweist sich der Elektro-Schlagstock, den ihr einer vorzeitig verstorbenen Wächterleiche abnehmt. Auch wenn der Schadens-Output nicht riesig sein mag, benötigt er keine Munition, ein im späteren Spiel sehr knappes Gut von The Callisto Protocol.

Mindestens genauso essenziell für euer Überleben ist der GRP, ein Antischwerkrafts-Handschuh. Mit ihm packt ihr die Biophagen und schleudert sie gegen Wände oder werft ihnen explosive Gastanks an den Kopf. Noch viel effektiver ist aber, sie direkt in riesige Ventilatoren, Holzhäcksel-Anlagen oder praktischerweise überall verbaute Stacheln an den Wänden zu werfen und anschließend im Blutregen zu baden.

Freilich dürft ihr den GRP nicht unbegrenzt nutzen, je schwerer der Gegner, desto schneller entleert sich sein Akku. Bis er sich wieder voll auflädt, geht einige Zeit ins Land, taktischer und vorsichtiger Einsatz macht sich also bezahlt. Allerdings findet ihr auch immer wieder Batteriemodule, die automatisch angezapft werden, falls nötig.

Neben diesen beiden außergewöhnlicheren Hilfsmitteln bietet The Callisto Protocol noch eine kleine aber feine Mischung an konventionellen Schießprügeln. Eine Pistole, Schrotflinte, Maschinenpistole und wenige weitere Wummen warten darauf, Biophagen zum Platzen zu bringen. Durch gefundene Credits wertet ihr sie an den überall verteilten 3D-Druckern in Punkten wie Rückstoßreduktion, Schaden oder Magazingröße auf und stattet sie mit alternativer Munition oder sogar zusätzlichen Schlagvarianten für den Wachen-Stock aus.

Ein Knastausbruch ist kein Spaziergang

Mit all diesen Hilfsmitteln sollte die Flucht von Kallisto eigentlich kein Problem darstellen, oder? Falsch gedacht. Denn schon auf dem mittleren von drei Schwierigkeitsgraden fordert The Callisto Protocol bisweilen ordentlich, was aber nicht zwangsläufig am Mangel an Munition oder Lebensspritzen liegt. Hier gibt definitiv weniger Survival als Horror den Ton an. Vielmehr gilt es, aufzupassen, sich nicht einkreisen zu lassen und die Mutanten immer im Auge zu behalten. Ein einziger eingesteckter Treffer kann schon dazu führen, dass ihr aus dem Tritt kommt und Jacob mit einer der zahlreichen Exekutions-Animationen in die ewigen Jaggründe geschickt wird.

Dem Vorruhestand entgegen wirken die Skill-Shots. Nach einer erfolgreichen Kombo mit dem Schlagstock blitzt ein Icon an einem der empfindlichen Körperteile des mutierten Gegners auf. Zückt ihr schnell genug die Waffe und feuert darauf, verursacht ihr besonders viel Schaden und trennt idealerweise ein Arm, Bein oder den Kopf ab. Nicht vergessen dürft ihr außerdem, beherzt auf jedem besiegten Feind herumzustampfen. So bekommt ihr Items wie Lebenspacks oder Munition spendiert.

Noch viel mehr solltet ihr aber darauf achten, ob plötzlich Tentakeln aus den Biophagen wachsen. Diese deuten nämlich an, dass eine Mutation bevorsteht. Und das wollt ihr keinesfalls. Denn nach der Verwandlung hauen sie noch härter zu, halten noch mehr aus und sind nur mit sehr viel bleihaltiger Überzeugungskunst zu töten.

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Ganz allgemein hat Striking Distance das Balancing nicht immer ganz im Griff. Besonders fiel mir das beim dritten Aufeinandertreffen mit dem „Zweiköpfigen“ auf. Der Zwischenboss frisst einiges an Kugeln, Ausweichen ist keine valide Option, da sofort ein nachgesetzter Hieb droht. Habt ihr zufällig nicht genug Munition stecken, müsst ihr vor dem Kampf unbedingt Kugeln am Drucker anfertigen. Nicht genug Credits dabei? Blöd gelaufen. Wie schwer sich The Callisto Protocol bisweilen gestaltet, zeigt mein Ingame-Counter: Nach den Credits zeigte er bei mir sechseinhalb Stunden an, tatsächlich habe ich aber eher elf Stunden vor der Konsole verbracht. Das waren viele Tode.

Pure Gewalt hilft allerdings nicht immer weiter. Oftmals sichert leises Vorgehen das Überleben deutlich besser. Besonders bei einem Mutantentyp, der an die Clicker aus The Last of Us angelehnt zu sein scheint. Die sehen nichts, sobald ihr euch aufrecht fortbewegt, nehmen sie aber eure Geräusche wahr und prügeln euch innerhalb kürzester Zeit zu Klump. Nutzt bei ihnen also Stealth-Kills, indem ihr euch geduckt heranschleicht, oder packt sie mit dem GRP und schleudert sie in eine Stachelwand. Denn praktischerweise werden die Viecher nur hellhörig, wenn ihr euch falsch fortbewegt. Zerstampft ihr direkt neben ihnen eine Leiche, werft einen ihrer Kumpels mit einem lauten Spratzen in eine Todesfalle oder stecht einen Mutantenkopf mit eurem Schraubenschlüssel-Messer auf, bleiben sie für all diese Aktionen dennoch taub.

Prison Break mal anders

Ihr durchstreift in The Callisto Protocol aber nicht nur die Black-Iron-Anstalt, sondern streift auch auf der Oberfläche des Jupiter-Mondes herum. Für Abwechslung sorgen zudem weitere Schauplätze wie eine verfallene Kolonie und ein verlassenes Forschungszentrum.

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Rätsel setzt euch The Callisto Protocol indes kaum vor. Die Aufgaben überhaupt in irgendeiner Weise mit geistiger Arbeit gleichzusetzen, erscheint mit ehrlich gesagt fahrlässig. Es läuft eigentlich stets darauf hinaus, einem roten Kabel zu folgen, Tür-Sicherungen aufzutreiben oder das Core-Modul aus dem Nacken einer Wache zu schneiden, um damit einen Durchgang zu öffnen.

Gefahr sich zu verlaufen besteht aufgrund der schlauchigen Levels ebenfalls nicht. Stolpert ihr doch mal in einen falschen Gang, ist die Chance groß, dass es sich um eine optionale Route handelt, die mit Credits und Munition belohnt. Oder mit Audio-Logs, in denen Mitarbeiter von Black Iron Hintergrundinfos zur Geschichte offenbaren. Keine elegante Storytelling-Methode, besonders, da ihr die Schnipsel nur im Menü hören dürft.

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