Preview - skate. : Wie viel Herz besitzt der Free-to-Play-Reboot der Reihe noch?
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Seit 15 Jahren warten wir auf ein neues Skate. Knapp die Hälfte meines Lebens zog ins Land, die Welt sah Präsidenten, Wahlen, drei Konsolengenerationen, ja selbst Duke Nukem Forever erschien in der Zwischenzeit. Jetzt entschied sich EA endlich, die Funsport-Reihe zurückzubringen und enttäuscht dennoch im großen Stil. Denn bei den drei Worten „Free to Play“ zieht sich einem instinktiv alles zusammen. Nach mehreren Stunden in einer Vorabversion bin ich schlauer, aber nicht unbedingt weniger besorgt.
Das Team von Full Circle betont einen Punkt gebetsmühlenartig immer und immer wieder: Wir haben es hier nicht mit Skate 4 zu tun. Auch ein Reboot soll es nicht sein, ein Remake gleich dreimal nicht, und so stehe ich hier und denke mir: Was soll dieser alberne Tanz? Wenn das Spiel kein direkter Nachfolger zu Skate 3 sein soll, dann nennt es Reboot und gut. Aber klar, das passt nicht so ganz zum Free-to-Play-Live-Service-Ansatz, den EA verfolgt.
Port Carverton schlägt San Vansterdam
Ihr rollt in skate. durch einen neuen Schauplatz, der einen furchtbaren Namen trägt, aber jede Menge Potenzial für ausgiebige Sessions bietet. Full Circle ließ sich beim Stadtbild von San Vansterdam sichtlich von Skate-Metropolen wie San Francisco, Barcelona und auch Amsterdam inspirieren, in jeder der vier Städte gibt es haufenweise Spots zu entdecken.
In der örtlichen Kirche findet sich ein kleiner Skatepark (Llanera in Spanien lässt grüßen), unter der Highway-Brücke erwartet euch ein riesiger Vert-Park, überall finden sich ellenlange Rails, massive Stairsets und Gaps. Schon in den ersten drei Teilen gehörte ein scharfer Blick zum essenziellen Skillset, um so viele Clips wie möglich zu filmen – ganz wie im echten Leben. Skateboarden und Architektur sind enger verwoben, als man denkt.
Doch bei all dem Lob komme ich nicht umhin zu bemerken: San Vansterdam erreicht einfach nicht den Charme und die Güteklasse von Port Carverton aus Skate 3. Bei meinen Runden durch die Stadt wirkte sie weniger wie aus einem Guss, sondern mehr wie ein zusammengewürfelter Haufen möglichst brachialer Spots. Fehlt euch etwas, platziert ihr mit dem altbekannten Objekt-Dropper einfach selbst Rails, Ramps und mehr.
Ich jammere hier auf hohem Niveau, aber ein weiterer Faktor steht sinnbildlich für den Ansatz, den das Team verfolgt: San Vansterdam ist viel zu sauber. Das mag albern klingen, aber zum Skateboarden gehört Dreck. Wer sich mal so richtig lang gemacht hat, weiß genau, wovon ich rede. Nach einer ordentlichen Session fließt der Schmutz in Strömen vom Körper. Skate. ist deutlich mehr Red Bull als Thrasher.
Skaten ist wie Fahrradfahren
Die Steuerung funktioniert im Kern wie in den Vorgängern, soll heißen: Mit dem rechten Stick zieht ihr Flip-Tricks, indem ihr die Bewegungsabläufe aus der realen Welt nachahmt. Dazu kommen Grabs über die Schultertasten, Manuals bei nicht ganz durchgedrückten Knüppeln und Grinds, indem ihr einfach auf Rails springt.
Zu Fuß bewegt ihr euch nun deutlich effektiver und erklimmt dank des Parcours-Systems sogar höher gelegene Spots. Damit offenbaren sich ganz neue Ebenen der Stadt, was einen echten Mehrwert darstellt. Chapeau!
Habt ihr bereits einen Skate-Teil gespielt, greift das Muskelgedächtnis innerhalb weniger Minuten, und es stellt sich direkt das altbekannte und enorm befriedigende Gefühl ein. Nach mehreren dutzend Anläufen endlich einen Trick zu stehen, verschafft einen Endorphinrausch, wie man ihn vom echten Sport kennt. Dabei zeigt sich skate. vergleichsweise gnädig und korrigiert euch auch gerne mal auf eine Rail, wenn ihr sie eigentlich verpassen würdet – für meinen Geschmack oftmals etwas zu stark.
Ob das durch den Wechsel auf EAs hauseigene Frostbite-Engine kommt oder dem Free-to-Play-Publikum in die Hände spielen soll, wage ich nur zu mutmaßen. Lasst mich nur so viel sagen: In Kombination mit den grässlichen Fortnite-Cartoon-Charakteren wirken die Korrekturen mehr wie ein Zugeständnis an die Casual-Gamer als eine notwendige Änderung zu den Vorgängern.
Allerdings wollte skate. nie eine knüppelharte Simulation wie Session sein, entsprechend kreide ich die Hilfestellung nicht zu heftig an. Diverse Schwierigkeitsgrade wie in Skate 3 hätten diesen Faktor aber elegant ausräumen können.
Keine Skate-Story
Allerdings macht sich anhand des grundlegenden Spielablaufs ein weitaus größeres Problem bemerkbar. Denn als waschechter Live-Service-Titel bietet skate. keine klassische Karriere. Zwar lotst euch ein seelenloser Roboter durch ein paar Aufgaben, aber der Charme von Coach Frank fehlt, Profi-Skater fehlen sowieso komplett, und irgendwelche Stadträte, die früher Profi-Skater waren, haben ungefähr die Glaubwürdigkeit eines Donald Trump.
Vielleicht ändert sich hier noch etwas im Early-Access-Verlauf, doch in meiner Vorabversion wurde schnell klar: Ihr sollt euch möglichst jeden Tag einloggen, die Daily Challenges zocken und vielleicht noch ein paar Euro dalassen. Hier geht ja auch der perfide Teil meiner bisherigen Zeit mit skate. los, denn vom Echtgeldshop fehlte in der Preview-Demo noch jede Spur. Sobald das Spiel online ist, liefere ich meine Eindrücke aber definitiv nach, verlasst euch drauf!
Doch auch ohne potenziell räuberische Mikrotransaktionen zeigen sich die Probleme der Kombination aus skate. und Free-to-Play deutlich. Die täglichen Challenges fordern nicht mehr bestimmte Tricks, stattdessen sollt ihr in Lines einfach einen Grind oder Grab einbauen. Schicke Magazincover fehlen ebenso wie konkrete Aufgabenstellungen.
Wer auf eine Rückkehr der abstrusen Hall-of-Meat-Herausforderungen hoffte, wird zumindest halbwegs besänftigt. Regelmäßig müsst ihr euch von Dächern schmeißen und im Sturzflug bestimmte Objekte ins Visier nehmen und treffen. Habt ihr alle erwischt, winkt die meiste Belohnung. Ganz ehrlich: Da war Skate 3 mit seinen übertriebenen Bails und den Darstellungen der Knochenbrüche wesentlich unterhaltsamer.
Die verdiente Ingame-Währung haut ihr im Shop auf den Kopf und erhaltet so neue Board-Parts, Klamotten und Accessoires. Doch wenn ihr jetzt denkt, dass ihr einfach zum begehrten Thrasher-Shirt eurer Wahl greift, irrt ihr gewaltig. Denn tatsächlich handelt es sich auch hier um Lootboxen, in denen sich eine Auswahl aus zehn oder elf Objekten befindet – im schlimmsten Fall müsst ihr also enorm grinden (Pun absolut intended), um an das begehrte Kleidungsstück zu kommen.
Das stieß mir schon enorm sauer auf, und ich will gar nicht wissen, wie wild die Mikrotransaktionen letzten Endes ausfallen werden – aber wie gesagt, dazu gibt es sicher ein ausführliches Update. Immerhin winken ein paar echte Marken wie Vans oder Thrasher, und auch bei der Musik gibt sich EA keine Blöße und packt einige passende Künstler und Künstlerinnen auf den Soundtrack. Von Turnstile über Denzel Curry wird nahezu alles geboten.


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