Test - POCO F7 : Ein Flaggschiff-Smartphone zum Budget-Preis?
- Mob
Im Meer der Mittelklasse-Smartphones schwimmen viele Fische. Da kann es schon einmal zur großen Herausforderung werden, sich das richtige Modell herauszuangeln. Xiaomi schlingerte mit der POCO-Linie immer knapp an der vollumfänglichen Empfehlung vorbei und verwirrt bei der F7er-Serie durch scheinbar unsinnig verteilte Features über die drei Modelle hinweg. Ausgerechnet die Basis-Version scheint aber Hitpotenzial zu haben.
Schon alleine das Datenblatt des POCO F7 liest sich etwas zu gut: In dem Smartphone werkelt ein Qualcomm Snapdragon 8s Gen4, ihr bekommt 12 GiB Speicher und 256 oder 512 GB nicht erweiterbaren UFS-4.1-Speicher. Das OLED-Display misst 6,83 Zoll bei einer Auflösung von 2.772 x 1.280 Pixeln und 120 Hertz. All das ist schon mehr als ordentlich, der Akku setzt dem Ganzen aber die Krone auf: Fette 6.500 Milliamperestunden bietet er, die ihr dank 90-Watt-Schnellladung in etwa 50 Minuten volltankt.
Auf dem Papier liest sich das POCO F7 also wie ein wahr gewordener Traum, und blicken wir auf den Preis am Ende der Rechnung, stellt sich nur noch eine Frage: Wo ist der Haken? Wie kann Xiaomi uns das alles für gerade einmal 449,90 Euro UVP bieten?
Lieferumfang und Betriebssystem
Ersteindrücke haben ein fatales Problem: Es gibt sie nur einmal. Überzeugen Personen oder Produkte nicht von der ersten Sekunde an, fällt die Grundstimmung direkt skeptisch aus. Das POCO F7 kommt in einem wertigen schwarz-gelben Karton. In diesem findet ihr neben dem üblichen SIM-Wechsel-Tool nebst Schnellstartanleitung und Sicherheitshinweisen noch eine wertige matte Silikonhülle sowie ein weiteres Highlight: Xiaomi packt euch ein USB-A-auf-C-Kabel nebst einem 90-Watt-Stromadapter zu dem Smartphone dazu. Ihr könnt also ohne zusätzliche Kosten direkt das Schnellladen nutzen – ein Geschenk, das euch selbst dreimal so teure Smartphones nicht machen.
Das Design des Smartphones erinnert mit dem matten Aluminiumrahmen und abgerundeten Ecken durchaus an moderne iPhones. Im Dschungel der extrem auffälligen Mittelklasse-Smartphones, die euch mit Pfauen-Taktiken zum Kauf bewegen wollen, weiß das subtile Design aber durchaus zu gefallen. Die Rückseite gibt es entweder in Weiß, Schwarz oder einer verspiegelten Limited Edition. Letztere stellte Xiaomi mir für diesen Test zur Verfügung. Diese ist mit ihren zwei Farben und dem Snapdragon-Logo etwas auffälliger und schicker, aber auch ein echter Fingerabdruck-Magnet.
Auf der Unterseite des Smartphones findet ihr den USB-C-Port, links daneben den Dual-SIM-Slot und rechts die Lautsprecher. Mit 216 Gramm gehört das POCO F7 nicht zu den Leichtgewichten im Smartphone-Segment, fiel uns aber zu keinem Zeitpunkt unangenehm auf. Für die Preisklasse unter 500 Euro ungewöhnlich fällt die IP68-Zertifizierung aus. Das Gerät ist gegen Staub und kurzzeitiges Untertauchen in maximal 1,5 Metern Tiefe für bis zu 30 Minuten geschützt. Die Verarbeitung wirkt keinesfalls wie die eines Mittelklasse-Smartphones. Es fallen keine unsauberen Spaltmaße auf, und die rechts angebrachten Power- und Lautstärke-Tasten haben einen angenehm deutlichen Druckpunkt.
Betriebssystem und Konnektivität
Nach dem Einlegen einer oder beider SIM-Karten steht eine einfache und selbsterklärende Einrichtung an, bevor ihr in HyperOS 2 landet, das auf Android 15 basiert. Xiaomi verspricht vier Jahre Android-Updates sowie sechs Jahre Sicherheitspatches – durchaus anständig. Wollt ihr das Smartphone im Urlaub nutzen, ist eine Information vermutlich sehr wichtig: Das POCO F7 unterstützt keine eSIM, ihr müsst also zwangsläufig eine physische Karte fürs Ausland kaufen.
Bei HyperOS 2 orientiert sich Xiaomi sehr offensichtlich an iOS, einige Gesten und Design-Entscheidungen könnten direkt aus Apples Betriebssystem stammen. Insgesamt fällt die Optik aber sehr sauber und selbsterklärend aus und läuft weitestgehend sauber. Einige verschachtelte Menüs müsst ihr allerdings ebenso in Kauf nehmen wie teilweise unsaubere Performance. Interessanterweise gerät das POCO F7 bei vergleichsweise anspruchslosen Tätigkeiten wie dem Scrollen durch Instagram oder eure Fotos ins Stottern.
Im Gaming-Bereich hingegen ließ sich das Smartphone nichts zu Schulden kommen. Titel wie Zenless Zone Zero oder Persona 5: The Phantom X laufen ohne Probleme, und auch die Benchmark-Ergebnisse stechen nahezu alle Konkurrenz in der Mittelklasse aus. Der Single-Core-Test in Geekbench liefert über 2.000 Punkte, im Multicore-Profil verpasst das POCO F7 die 6.500 Punkte nur knapp. Alles in allem bekommt ihr für den Sparpreis also hervorragende Leistung, lediglich die Hitzeentwicklung kann etwas hoch ausfallen. In Genshin Impact entwickelte das Smartphone erstaunlich viel Hitze, die Hände verbrennt ihr euch aber nicht.
Natürlich setzt auch Xiaomi auf jede Menge KI-Features. Hinter dem Einstellungspunkt „HyperAI“ findet ihr Googles Assistent Gemini inklusive seiner liebgewonnenen Features: KI-Schreiben, Circle to Search, Spracherkennung, Übersetzungen, Untertitel und vieles mehr erleichtern euch das Leben.
Auf Software-Seite sieht also alles rosig, wenn auch nicht perfekt, aus – aber ihr müsst POCO-typisch mit haufenweise Bloatware rechnen. Die lässt sich größtenteils aber problemlos deinstallieren, was nur etwas Zeit kostet, aber sonst nicht weiter schmerzt.
Das POCO F7 lässt bei der Konnektivität kaum Wünsche offen. Es bietet WiFi 7, Bluetooth 6.0, NFC, 5G, und auch Dual-GPS ist an Bord. Dank Codec-Unterstützung für beispielsweise aptX, LDAC, LHDC 5.0 lauscht ihr eurem Content in bester Qualität und mit minimaler Verzögerung. Die Stereo-Lautsprecher klingen insgesamt ordentlich, schwächeln aber vor allem beim Bass.
Kameras und Akkulaufzeit
Zwei Kameras plus eine Selfie-Linse verbaut Xiaomi im POCO F7. Der Hauptsensor bietet 50 Megapixel, und die zusätzliche Ultraweitwinkellinse immerhin 8 Megapixel. Die geschossenen Fotos mit der Hauptkamera sehen brauchbar aus, ohne zu begeistern. Etwas reduzierte Farben stören nicht großartig, und es gibt herrlich wenig Bildrauschen bei guten Lichtverhältnissen. Allerdings macht sich bei genauerem Hinsehen etwas zu viel nachträgliche Schärfung bemerkbar. Außerdem solltet ihr so oft wie möglich den Fokus manuell setzen, sonst liegt er etwas daneben.
Mit Kunstlicht neigen die Bilder zu einem leichten Gelbstich, und der Nachtmodus tut seinen Dienst, überzeugt aber kaum. Die Fotos fallen viel zu stark aufgehellt aus, und jegliche Dynamik einer Szene geht verloren. Im Zweifel versucht ihr es bei genügend Restlicht also lieber ohne den Nachtmodus.
Der Weitwinkel hingegen wirkt nur auf dem kleinen Smartphone-Display überzeugend. Betrachtet ihr die Bilder auf einem größeren Bildschirm, macht sich schnell Unschärfe bemerkbar, und sobald die Lichtverhältnisse schwanken, erhöht sich sehr schnell auch das Bildrauschen. Für Schnappschüsse reicht die Qualität gerade so.
Verschickt ihr hingegen regelmäßig Selfies, solltet ihr auf gute Belichtung achten. Selbst unter idealen Bedingungen wirken Gesichter zwar etwas weichgespült, die Fotos sind aber gerade so noch in Ordnung. Doch unter schlechten Lichtbedingungen fällt die Auflösung heftig ab, und der HDR-Modus gleicht schlechte Verhältnisse auch nicht zuverlässig aus.
Videos nehmt ihr in 4K-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde auf, was für ein Mittelklasse-Smartphone schon keine Selbstverständlichkeit ist. Die Qualität hält selbstverständlich mit Highend-Geräten nicht mit, besonders die Bildstabilisierung überrascht aber positiv. Doch Fokuspumpen steht ebenso an der Tagesordnung wie seltsame Farbwechsel beim Zoomen. Im Ultraweitwinkel gibt es nur 30 Bilder pro Sekunde in 1080p-Auflösung, und die Selfie-Kamera bietet die gleiche Auflösung mit 60 FPS.
Der Akku mit seinen beeindruckenden 6.500 Milliamperestunden bringt euch ohne Probleme über den Tag, selbst knappe zwei Tage sind bei moderater Nutzung möglich. Allerdings sieht die Sache ganz anders aus, wenn ihr viel zockt: Dann sinkt die Laufzeit rapide, über den Tag solltet ihr aber noch immer kommen. Im Benchmark von PCMark erreicht das POCO F7 einen Wert von knapp über 18 Stunden. Dank Quick Charge ist der Akku schnell wieder voll, nur kabelloses Laden fehlt. Reverse Charging erlaubt sogar, andere Geräte mit euren Smartphone aufzuladen.
Greift zu, wenn...… ihr ein Smartphone mit exzellenter Leistung und guter Akkulaufzeit sucht, das euch nicht arm macht.
Spart es euch, wenn...… ihr großen Wert auf gute Fotos legt und viel im Ausland seid, wofür ihr eine eSIM einer zweiten physischen Karte vorzieht.


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