Test - Kingdom Come: Deliverance II – Legacy of the Forge : DLC-Test: Mein Vater war Schmied und ich bin’s jetzt auch
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Wer Kingdom Come: Deliverance II spielt, weiß: Heinrichs Leben ist ein einziges Auf und Ab zwischen Intrigen, Kriegen und moralischen Zwickmühlen. Mit dem DLC Legacy of the Forge, oder auf gut deutsch Das Vermächtnis der Schmiede, rückt nun aber etwas ganz Bodenständiges in den Mittelpunkt, nämlich der alte Beruf seines verstorbenen Vaters. Nach Heinrichs Ankunft in Kuttenberg stolpert er über das halb verkohlte Gebäude der Schmiede, in der eben jeder seinerzeit gearbeitet hat. Unter der Asche verbirgt sich eine der charmantesten Erweiterungen, die Warhorse bisher gebaut hat.
Der Einstieg in Legacy of the Forge ist angenehm unspektakulär. Statt mit Paukenschlag und epischer Schlacht beginnt alles mit einem Gespräch mit der Witwe des früheren Schmieds, die Heinrich die Ruine überlässt, nachdem sie erfährt, dass er der Sohn dessen Lehrlings ist. Dazu müsst ihr allerdings im Hauptspiel bereits Kuttenberg erreicht haben und euch dort frei bewegen können. Großartig suchen müsst ihr nicht, ein entsprechendes Questsymbol ist auf der Map zu sehen, und zwar im Ostteil der Stadt, etwas links vom Rattenloch. Damit das Ganze offiziell wird, muss Heinrich zunächst der Schmiedegilde beitreten – ein kleiner, aber wichtiger Schritt, der die Basis für alle weiteren Aktivitäten legt.
Von da an öffnet sich die neue Spielschleife: Heinrich räumt die Schmiede aus, repariert, erweitert und gestaltet sie nach und nach zu einer vollwertigen Heimatbasis. Dabei gibt es zwar keine frei platzierbaren Objekte, aber eine überraschend große Auswahl an Objekten, Designs und Dekorationen. Wände lassen sich in verschiedenen Farben streichen, Betten und andere Objekte bieten nicht nur optische, sondern auch spielerische Boni. Gebäudeteile des Haupthauses können ausgetauscht oder renoviert werden. Aus der heruntergekommenen Ruine wächst so Schritt für Schritt ein echtes Handwerker-Refugium. Dafür braucht ihr nur einiges an Groschen und müsst durch Quests und Aufträge euren Ruf als Schmied aufbauen.
Die Schmiede bleibt dabei nicht nur Bauplatz, sondern wird zum multifunktionalen Zentrum. Neben dem Herzstück, der eigentlichen Schmiedewerkstatt, könnt ihr etwa ein Alchemielabor, eine Räucherkammer, einen Bienenstock oder sogar eine Waschstelle für eure Klamotten hinzufügen. Wer einfach nur schmieden will, kann die gefertigten Waren bei Händlern verkaufen oder sie in eine Verkaufskiste legen, wo sich Heinrichs Vertraute Magdalena um den Handel kümmert. Das dauert zwar etwas, ist aber praktisch, wenn man nicht ständig selbst zu den Händlern rennen will.
Neben eurem neuen Refugium in Kuttenberg wartet auch eine Story auf euch. Dabei dreht sich alles darum, nicht nur die Schmiede auf Vordermann zu bringen, sondern die seit langem defekte Rathausuhr von Kuttenberg zu reparieren. Beim Entrümpeln entdeckt Heinrich nämlich entsprechende Aufzeichnungen. Das bedeutet allerdings einiges an Arbeit. Spezialisierte Handwerker, die früher in der Schmiede gearbeitet haben, müssen gesucht und angeheuert werden, ebenso wie mechanische Bauteile der Uhr gefunden oder hergestellt werden müssen.
Spannend sind auch die Quests, die rund um die Gilde auf Heinrich warten. (Spiel)Tägliche Aufträge steigern sein Ansehen und bringen Abwechslung in den Alltag und Geld in die schnell klamme Kasse: mal geht’s auf Banditenjagd, mal in ein Duell, mal an den Schießstand. Dazwischen stehen kleinere Gefälligkeiten für die Gildenkollegen, Aufträge in der Schmiede selbst oder sogar Einbrüche für den guten Zweck. Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass so schnell keine Langeweile aufkommt.
Ein bisschen "grindy" wird es nur, wenn man das Hauptspiel bereits komplett durch hat, bevor man den DLC startet und auf die Wartezeiten einzelner Aufgaben stößt – optimal funktioniert der DLC also als begleitender Handlungsstrang, sobald Kuttenberg freigeschaltet ist. Die Quests werden oft mit einem Augenzwinkern erzählt. Ob ein Streit über die Größe von Heinrichs Händen beim Würfelspiel oder absurde kleine Gefallen innerhalb der Gilde – Warhorse beweist ein gutes Gespür für eine niemals zu alberne Komik, die das Mittelalter-Flair auflockert.
Ganz nebenher ist Legacy of the Forge auch endlich der Money-Sink, der im späten Spiel gefehlt hat. Selbst wer einige 10.000 Groschen auf der Kante hat, wird diese schnell los, wenn er die ganzen Gebäude, Einrichtungen und Dekorationen verbaut. Ohne hochwertige Schmiedeaufträge wird selbst eine gute gefüllte Kriegskasse schnell klamm.
Umfangstechnisch darf man sich ebenfalls nicht beschweren: Mindestens zehn Stunden zusätzlicher Spielzeit sind realistisch, je nachdem, wie früh man einsteigt und wie sehr man sich mit Ausgestaltung und Nebenquests beschäftigt. Wer wirklich alle Ausbauten anschaffen will, kann sich sogar noch weitaus länger damit vergnügen, da die täglichen Schmiedeaufträge ohnehin weiterlaufen, auch nach Abschluss der Story. Damit fügt sich das DLC nahtlos ins Hauptspiel ein und verstärkt das Gefühl, wirklich im mittelalterlichen Kuttenberg zu leben.
Ganz ohne Probleme kommt Legacy of the Forge allerdings nicht daher. Bekannte Bugs aus dem Hauptspiel haben erneut den Sprung in den DLC geschafft, dazu gesellen sich neue – etwa fehlerhafte Darstellungen bei der Animation von Kessel, Tiegeln und Sanduhren im Alchemiesystem. Und schade: ein Platz fürs Pferd fehlt offenbar, sodass unser treues Ross regelmäßig mitten auf der Straße herumsteht. Wenigstens einen Anbindeplatz vor der Schmiede hätte Warhorse dem Kriegspferd spendieren können.
Das parallele Update des Hauptspiels sollten wir übrigens auch noch erwähnen, auch wenn es nicht alle Bugs behebt. Mit dem Update bekommt das Spiel nämlich einen HDR-Modus, der das Leben in Kuttenberg noch mehr verschönert. Ebenso dabei ist die Option für ein adaptives HUD, dass Elemente ausblendet, wenn sie nicht benötigt werden. Zudem hat der Fotomodus einige Ergänzungen erhalten und mit Intel XeSS 2 kommt ein weiterer Upscaler zur Verbesserung der Performance hinzu.
Greift zu, wenn...… ihr euer Mittelalterleben um Handwerk, Basisbau und humorvolle Quests bereichern und damit noch etwas authentischer gestalten wollt.
Spart es euch, wenn...… ihr mit dem Aufbau- und Handwerkskram nichts anfangen könnt und euch die Hauptstory gereicht hat.




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