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Test - EverQuest II : Spiel der Woche 50/04

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Wenn der Charakter das Zeitliche segnet, braucht man nicht mit drakonischen Strafen oder Einbußen zu rechnen. Durch das Ableben verliert man sozusagen seine Seele, was auch die Attribute verringert, allerdings erhält man diese durch das 'Aufsammeln' wieder zurück. Einzig das Ausgleichen des negativen Erfahrungskontos mit ein paar zusätzlichen Kämpfen kann als Bestrafung angesehen werden.

Von Herausforderungen und Abenteuern

Einen Großteil der Spielzeit wird man, neben dem Spiel in Gruppen, mit der Erledigung von Quests und der Suche nach ihnen zubringen. Dabei ist die Auswahl recht umfangreich, denn jeder NPC ist zumindest ansprechbar oder ist zu einem kleinen Schwätzchen bereit, und nicht gerade wenige haben Arbeit für den freiberuflichen Helden parat. In Berührung mit Quests und Aufträgen kommt ihr auf der Insel für Anfänger schon ziemlich früh; wenn ihr das sehr gut gemachte Tutorial durchlauft, bereits hier. Damit ihr in der weitläufigen Spielwelt zu Beginn nicht verloren geht und, wie leider bei vielen Vergleichstiteln der Fall, das Spiel verfrüht in die Ecke pfeffert, helfen euch beim Start zwei wichtige Dinge: das Quest-Tagebuch, in dem die einzelnen Schritte der Aufgaben eingetragen sind und ein leuchtender, roter Faden, der euch zum jeweiligen Bestimmungsort leitet. Dass dieser Gold wert ist, werdet ihr spätestens nach der Ankunft in den Vororten von Freeport oder Queynos erfahren. Es handelt sich dabei zwar noch nicht um die eigentlichen Hauptstädte, sondern nur um deren Randgebiete, die aufgrund ihrer bereits stattlichen Größe Anfänger verwirren können. Auch hier läuft das Tutorial weiter und macht euch langsam mit der Umgebung und wichtigen Örtlichkeiten der Stadt bekannt. Später entfällt diese Hilfe bei Quests, es können aber immer noch die Wachen nach dem Weg zu wichtigen Personen befragt werden, woraufhin der leitende Faden wieder erscheint.

Am Schluss steht die Reifeprüfung auf dem Plan: der Erwerb des Bürgerrechts in der jeweiligen Stadt. Schon hier wird deutlich, dass neben den üblichen Tötungs- und Botenaufträgen mehr Wert auf das Rollenspiel gelegt wird. In der betreffenden Quest werden von euch Entscheidungen verlangt, um zu sehen, ob ihr die Zeitgenossen, auf die ihr dort treffen werdet, richtig einschätzen könnt - ob also ein Kampf oder die Diplomatie die bessere Wahl sei. Weitere wichtige Aufgaben folgen an bestimmten Stationen des Charakterlebens. Die klassenspezifischen Aufgaben, die der weiteren Entscheidung für eine Unterklasse vorausgehen, sind nur ein Beispiel dafür. Insgesamt entsteht bei den größeren und zusammenhängenden Quests eine angenehme Rollenspielatmosphäre, die immer wieder zum Weitermachen motiviert. Die Jagd nach aussichtsreicher Belohnung in Form von beeindruckender Ausrüstung und Waffen trägt ihr übriges dazu bei. Diejenigen, die ganz in die Welt der mutigen Helden und weisen Zauberer aufgehen möchten, können sich sogar für alle Mitspieler und Gleichgesinnte sichtbar als Rollenspieler ausflaggen lassen. Im späteren Spielverlauf werden Ausflüge in die Instanzen, abgeschlossene Gebiete für kleine und große Gruppen, den Spielalltag bereichern.

Merkwürdige Intention und lückenhafte Lokalisation

Fans gepflegter Reichs-Schlachten, wie man sie aus 'Dark Age of Camelot' kennt und die dort für einen nicht unerheblichen Teil der Langzeitmotivation sorgen, werden vermutlich ziemlich enttäuscht sein, dass bis jetzt nicht an einen vergleichbaren Konflikt auf den normalen Servern gedacht wurde. Das Gut vs. Böse-Setting würde sich doch geradezu perfekt dafür anbieten. Zwar ließ man sich die Möglichkeit eines eigenen PvP-Servers in der näheren Zukunft noch offen, ob dies aber mit dem oben angesprochenen und vor allem sehr beliebten Modell ebenso erfolgreich angenommen würde, ist sehr fraglich. Diejenigen aber, die aus diesem Grund vor anderen Titeln geflüchtet sind, liegen bei diesem PvE-Setting natürlich wiederum goldrichtig.

Zum allgemeinen Fantasy-Feeling trägt zu einem nicht unerheblichen Teil die ausgezeichnete Spielmusik bei. Die orchestralen Stücke bedienen dabei ein Spektrum von eher geheimnisvoll und bedächtig bis hin zu einer krachenden Geräuschkulisse, die einem harten Kampf würdig ist. Konnte uns schon in der US-Beta die erstmals in einem MMORPG komplett vertonten Dialoge der NPCs mit ihren mannigfaltigen Nuancen und Eigenheiten ziemlich begeistern, kann sich auch die deutsche Synchronisation durchaus einer qualitativen Machart rühmen. Leider waren zum Testzeitpunkt noch nicht alle Dialoge ins Deutsche übersetzt.

Aber auch einige Macken sorgen für Unstimmigkeiten: So hört man manchmal deutsche Dialoge, der Text wird aber noch in Englisch ausgegeben. Verwirrend erweisen sich zudem die Angaben in Quests zu wichtigen Örtlichkeiten in Deutsch, während die Bezeichnungen in der Spielwelt oder bei den Transportern noch in Englisch gehalten sind. Die Lokalisation zeigt also noch deutliche Mängel, die hoffentlich in der nahen Zukunft behoben werden.

Fazit

von Stephan Lindner
Nach den durchweg etwas flauen oder mit Macken behafteten MMORPGs der jüngeren Vergangenheit, die das Genre nicht gerade populärer machten, steht uns jetzt mit ’EverQuest 2’ endlich wieder ein rundum spielenswerter Titel bevor. Schon lange konnte mich kein MMORPG dermaßen in einer Fantasy-Welt fesseln, wie es ’EverQuest 2’ tut. Wo der bisher größte Konkurrent ’World of WarCraft’ krankt, hat ’EverQuest 2’ eindeutig seine Stärken: eine tiefgehende Rollenspielatmosphäre, welche nicht zuletzt durch die beeindruckende Komplettvertonung der NPC-Dialoge fasziniert und die zweifellos die Spieler fesseln wird. Zum anderen findet sich doch eine Vielzahl an individuellen Möglichkeiten und Spezialisierungen. An der stellenweise noch lückenhaften Lokalisation muss aber noch gearbeitet werden, da diese bis jetzt ziemlich verwirrend ist. Schade auch, dass bisher kein Player vs. Player-Konflikt eingebaut wurde. Vor allem diejenigen, die schon länger mit dem Gedanken spielen, einmal ein MMORPG auszuprobieren, aber bisher wegen möglicher Anfängerfeindlichkeiten lieber die Finger davon gelassen haben, sollten ’EverQuest 2’ unbedingt ausprobieren. Nicht zuletzt schon wegen des vorbildlichen Tutorials. Für alte ’EverQuest’-Hasen und erfahrene Umsteiger, die ein MMORPG der neuesten Generation erleben wollen, ist dieser Titel sowieso nur zu empfehlen.

Überblick

Pro

  • stimmige Fantasy-Umgebung
  • Spezialisierungspunkte im Charakterleben
  • ausgeprägtes Handwerkssystem
  • abwechslungsreiches Kampf- und Zaubersystem
  • NPC-Sprachausgabe mit Atmosphäre
  • Honorierung von gutem Teamplay mit Heldenmöglichkeiten
  • extrem einsteigerfreundlich

Contra

  • lückenhafte Lokalisation
  • hohe Hardware-Anforderungen
  • keine Integration von PvP in PvE geplant

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