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Test - Dying Light : Lauf, Zombie, lauf!

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MacGyvers Erbe

Erfahrungspunkte werden in drei Kategorien verteilt. Überlebenspunkte bekommt ihr durch Haupt- und Nebenmissionen sowie das Einsammeln von GRE-Paketen. Mit ihnen levelt ihr eure Basisfertigkeiten wie Inventargröße und Bastelgeschick. Wendigkeitspunkte werden durch Laufen, Klettern und Springen – am besten in Kombination – erworben. Mit ihnen könnt ihr zum Beispiel eure grundlegenden Parkour-Fähigkeiten verbessern und lernt besondere Aktionen wie einen wuchtigen Dropkick. Kampfpunkte sind vor allem für Angriff und Verteidigung entscheidend. So haltet ihr mit den entsprechenden Perks mehr Schaden aus oder macht eure Waffen länger haltbar.

 

Bei diesen ist anfangs Improvisationstalent gefragt. Eisenstangen, Stahlrohre und Holzlatten werden kurzerhand zu Mordwerkzeugen umfunktioniert. Die lassen sich dann durch gefundene oder selbst gebastelte Bausätze aufwerten, wofür bei Dying Light keine Werkbänke mehr vonnöten sind. Ähnlich wie in Dead Island leveln eure Todbringer quasi mit euch mit. So findet ihr später immer häufiger Baseball-Schläger, Beile und sogar Schusswaffen. Doch während der Nahkampf an sich gut funktioniert und ein authentisches Gefühl von Wucht erzeugt, sind die Schusswaffen etwas zu hakelig ausgefallen. Da das Zielen über Kimme und Korn zudem nicht wie sonst üblich über den linken Trigger erfolgt, passierte es oft, dass wir stattdessen wertvolle Molotow-Cocktails oder Granaten vergeudeten.

Wer in Harran überleben will, sollte nicht nur seine Waffen pflegen, sondern auch alles einsacken, was nicht niet- und nagelfest ist. Vor allem in verlassenen Läden und Wohnungen findet ihr zahlreiche Materialien wie Mullbinden, Nägel oder Reinigungsmittel, aus denen Crane die erwähnten Waffenverbesserungen, Dietriche oder die extrem wichtigen Medipacks bastelt. Das Loot- und das Levelsystem funktionieren in Dying Light fast tadellos. Wer will, kann natürlich die Videospiellogik infrage stellen: Warum gibt eine Eisenstange bereits nach zwei Dutzend Schlägen ihren Geist auf? An Waffen mangelte es uns die komplette Spielzeit hinweg jedenfalls nie. Im Gegenteil, oft mussten wir unser Inventar ausmisten, da der Platz zu knapp war. Die Verbesserungen in den drei Skill-Bäumen sind deutlich spürbar, auch dank des guten Levelrhythmus, den das Spiel hier vorgibt.

"Ich hätte da eine kleine Bitte."

Die Kampagne von Dying Light wird euch 25 bis 30 Stunden beschäftigen. Wollt ihr wirklich jede Nebenaufgabe erfüllen, könnt ihr sogar noch ein bisschen was draufrechnen. Die Hauptquest bemüht sich um Abwechslung, auch wenn sie, wie schon erwähnt, ein paar abgedroschene Elemente aufweist. Aufträge, die ihr in der offenen Welt der beiden großen Areale Harrans angeht, wechseln sich mit eher lineareren Abschnitten ab, die euch zum Beispiel in eine Schule oder ein abrissreifes Hochhaus führen.

Die Nebenquests bieten oft die sattsam bekannten "Von-A-nach-B"- oder "Sammle-Gegenstand-X"-Missionen, können die Story aber mitunter durch neue Details und zusätzliche Informationen bereichern. Wenn euch das nicht reicht, greift ihr auf verschiedene Herausforderungen zurück, bei denen ihr unter Zeitdruck Checkpoints abklappert oder eine bestimmte Anzahl von Zombies meuchelt. Habt ihr das zweite Gebiet des Spiels betreten, könnt ihr fortan an einem zentralen Knotenpunkt zwischen beiden Stadtteilen hin- und herspringen. Davon abgesehen wurde auf eine Schnellreisefunktion verzichtet. Fallt ihr der Zombie-Epidemie oder feindlichen Lootern zum Opfer, geht es in der am nächsten gelegenen Sicherheitszone weiter.

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Rollentausch

Wie schon Dead Island bietet auch Dying Light auf Wunsch einen Koopmodus für bis zu vier Spieler. Ein- und Austritt können jederzeit erfolgen. Da der Koopmodus direkt in die Story integriert ist, seid ihr nicht auf spezielle Multiplayer-Aufgaben angewiesen, sondern könnt theoretisch das komplette Spiel mit ein paar Kumpels an eurer Seite bestreiten.

Mittels des kostenlosen DLCs "Be the Zombie" lässt sich die Perspektive wechseln. Wollt ihr wissen, wie das untote Leben eines Superzombies in Harran so abläuft? Jetzt habt ihr die Gelegenheit. Alle Spieler, die das in ihren Einstellungen zulassen, können fortan in ihrem Spiel „invaded“ werden. Dying Light wechselt dann in einen speziellen Spielmodus, bei dem die menschlichen Spieler versuchen müssen, Nester zu zerstören, während ihr als Zombie das macht, was ihr am besten könnt: töten. Dabei verfügt ihr über einen eigenen Skill-Baum und könnt mittels Greifhaken große Distanzen überwinden und eure Opfer aus der Luft anfallen.

So weit das Auge reicht

Techlands hauseigene Chrome Engine mag nicht das Prestige der Unreal Engine oder der CryEngine haben, zu verstecken braucht sie sich vor ihrer Konkurrenz aber nicht. Das haben schon optisch ansprechende Titel wie Call of Juarez: Bound in Blood gezeigt und auch Dead Island gehörte grafisch zu den hübscheren Titeln seiner Zeit. Was bei Dying Light schon im Tutorial ins Auge sticht, ist die tolle Sichtweite. Das Stadtpanorama macht sofort Lust aufs Erkunden und Entdecken. Auch die Lichtstimmung – bei diesem Spiel kein unwichtiger Faktor – weiß zu gefallen. Der Morgen liegt stets in leichtem Dunst und verschwinden abends die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont, wird eine dichte Atmosphäre erzeugt, die auf den Nervenkitzel der kommenden Stunden einstimmt. Auch die Qualität der Umgebungstexturen ist auf einem guten Niveau.

Dem gegenüber steht ein vor allem in den Innenarealen etwas zu bequemes Copy-and-Paste-Design. Anscheinend haben alle Bewohner von Harran ihre Einrichtung einst beim selben Möbel-Discounter erworben. Davon, dass das Level-Design nach Entwicklerangaben unter Berücksichtung von Umweltpsychologie und mithilfe erfahrener Stadtplaner entwickelt wurde, ist auch nicht allzu viel zu spüren. Unterwältigend sind die Charaktermodelle von sowohl lebendem als auch untotem Personal. Viele Zombies sehen aus der Nähe aus wie hässliche Schaufensterpuppen, die mit Ketchup und Gekröse bekleckert wurden.

Beim Test der PC-Version hatten wir nach dem Tutorial mit extremen Performance-Einbrüchen zu kämpfen, die das Spiel nahezu unspielbar machten. Wie auf Steam und in verschiedenen Foren zu lesen ist, leiden viele PC-Nutzer unter diesem Problem. Auch die hohen Systemanforderungen machen vielen zu schaffen. Techland hat einen Patch angekündigt, der die Probleme schnellstmöglich beheben soll. Wir halten euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden. Unsere PC-Wertung bezieht sich daher auf eine Version des Spiels, bei der die Einstellungen zum Teil stark heruntergeschraubt werden mussten. So war es uns zum Beispiel nur möglich, in einer Auflösung von 720p zu spielen. Zudem stören auf dem PC Tonfehler, bei denen Cranes Stöhnlaute auch dann noch zu hören sind, wenn er eine Kletterpassage längst überwunden hat.

Fazit

Tim Hopmann - Portraitvon Tim Hopmann
Kein Meisterwerk, aber die Kernelemente funktionieren

Dying Light ist sicherlich nicht die Revolution, zu der es von den Machern im Vorfeld erklärt wurde. Vieles kennt man aus anderen Titeln und bedient sich bekannter Muster und Formen, die sich so oder ähnlich zwar dutzendfach in anderen Open-World-Titeln bewährt haben, aber eben nicht ausreichen, um dem eigenen Produkt mehr Profil zu verleihen. Denkt euch die Untoten weg und ersetzt die improvisierten Waffen mit einem Säbel und einer Klinge im Ärmel und Techlands Spiel ist gar nicht mehr so weit weg von einem Assassin's Creed. Auch die Story und ihre Präsentation wirken ein wenig lustlos und hätten mit ein bisschen mehr Hingabe weit mehr als die x-te Rekapitulation eines Zombie-Apokalypse-Szenarios sein können. Dennoch: Die zwei Kernelemente des Spiels funktionieren prima und machen Dying Light dann doch zu mehr als nur einem Quasinachfolger von Dead Island, bei dem Tropen- gegen Stadttexturen getauscht wurden. Vor allem das Parkour-Feature überzeugt und sorgt für spaßige Streifzüge durch Harran. Auch das Sammeln von Ausrüstung und die Suche nach immer besseren Waffen motivierte mich immer wieder aufs Neue. Mir gefällt, dass ich mich nicht einfach durch Horden von Gegnern durchschnetzeln kann (wenn ich das will, spiele ich ein gewisses Zombie-Spiel aus dem Hause Microsoft), sondern mit Bedacht vorgehen muss. Wer bei den Wörtern „Zombies“ und „Open World“ nicht mit den Augen rollen muss und auch nicht vor deftiger Gewaltdarstellung zurückschreckt, macht mit Dying Light grundsätzlich nicht viel falsch.

Christian Rebel - Portraitvon Christian Rebel

Als großer Zombie-Fan kam ich natürlich nicht an Dying Light vorbei. Der Einstieg ist zwar etwas zäh, aber der Spielspaß, der sich später durch den Koop-Modus einstellt, macht für mich vieles wett. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist es ein Kinderspiel, von Haus zu Haus zu springen. Das Parkour-Element ist wirklich gut gelungen und erinnert stark an Mirror's Edge. Wer Dead Island schon nicht mochte, wird auch mit Dying Light nicht warm werden. Doch diejenigen, die Spaß mit Dead Island hatten, wozu auch ich gehöre, werden dieses Spiel lieben. Man könnte es ebenso gut Dead Island 2.0 nennen, denn alle Mechaniken, die man kennt, sind vorhanden und wurden verfeinert.

Überblick

Pro

  • spaßiges Parkour-Element
  • anderes Gameplay bei Nacht
  • Kampfsystem hat Wucht
  • kein simples Buttonmashing möglich
  • viel Loot und gutes Bastel-Feature
  • tolle Weitsicht
  • atmosphärische Lichteffekte
  • ansprechender Ambient-Soundtrack
  • Koop- und Zombie-Modus

Contra

  • dünne Story mit unsympathischem Hauptcharakter
  • teils repetitive Aufgabenstellungen
  • schwache deutsche Lokalisierung
  • technisch teilweise unsauber
  • wenig Variation des üblichen Open-World-Schemas
  • keine Schnellreisefunktion

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