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Test - Constance : Test: Das deutsche Silksong ist der ideale Metroidvania-Happen

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Nach mehreren Jahren Entwicklungszeit und auslaufenden Fördergeldern ist Constance endlich fertig. Der überraschende Release von Hollow Knight: Silksong vor einigen Wochen mag unglücklich sein, das neue Spiel der bildundtonfabrik solltet ihr aber keinesfalls ignorieren. Dafür spielt es sich zu gut und bietet auch ein paar Alleinstellungsmerkmale.

Die Eckdaten von Constance unterscheiden sich herzlich wenig von anderen Metroidvanias. Ihr bewegt euch durch eine verzweigte Spielwelt, viele Wege bleiben euch zunächst verschlossen. Durch die Architektur erschließt sich aber ganz klar, dass euch lediglich fehlende Skills am Voranschreiten hindern.

Nicht nur die Welt selbst ist euer Feind, auch zahlreiche Gegner trachten euch nach dem virtuellen Leben. Ihr wehrt euch mit einem Riesenpinsel, der wie ein Schwert funktioniert. Das Moveset eurer Heldin fällt allerdings vergleichsweise gering aus. Normale Angriffe nach links und rechts müssen zunächst reichen, selbst nach mehreren Stunden verfügt ihr über nur wenige offensive Fähigkeiten verglichen mit anderen Metroidvanias.

Inspiration an jeder Ecke

Im Vergleich mit Hollow Knight: Silksong fehlen vor allem die Attacken nach oben oder unten. Diese erhaltet ihr erst mit einem separaten Schlag, der etwas härter ausfällt. Der beseitigt zudem lästige Barrieren und eröffnet so neue Pfade. Von Gegnern oder Stacheln auf dem Boden abprallen könnt ihr mit diesem aber ebenfalls nicht, dafür gibt es einen extra Skill, der an den Pogo-Sprung aus Duck Tales erinnert.

Dazu gesellen sich noch ein Dash und ein Manöver, bei dem ihr in eine Wand hinein- und sie so hinaufgleitet. Das erklärt sich durch die grundlegende Thematik von Constance: Kunst. Diverse Themen wie Musik, Malerei und Fotografie werden aufgegriffen, eure Heldin selbst nutzt Farbe für den Einsatz ihrer Skills und um sich selbst zu verflüssigen.

Farbe fungiert auch als eigene Ressource, ähnlich der Ausdauer in anderen Spielen. Sie regeneriert sich automatisch, doch geht sie euch aus, wenn ihr bei ihrem Einsatz Lebensenergie verliert. Knifflige Plattforming-Abschnitte sind zumeist so sauber bemessen, dass ihr mit dem letzten Klecks durchkommt. Leider stieß ich auf zwei oder drei Segmente, die ich selbst beim Einsatz meines gesamten Skills nicht ohne Lebensverlust absolvieren konnte.

Etwas unter die Arme greifen euch passive Fähigkeiten, die sogenannten Inspirationen. Ihr findet sie an geheimen Orten in der Spielwelt und dürft sie nur an Rastpunkten wechseln (hallo Silksong). Beispielsweise schaden euch eure Dashes nicht mehr, wenn euch die Farbe ausgeht. Oder eure besondere Spezialattacke heilt euch auch um ein kleines Stück. Mit gefundenen Kristallen wertet ihr die passiven Skills sogar noch weiter auf.

Verbautes Navigationssystem

Wegfindung gehört zu den wohl größten Feinden von Metroidvania-Fans. Die Maps fallen riesig aus, Hinweise auf das nächste Ziel existieren üblicherweise nur in homöopathischer Menge. Constance fällt deutlich gnädiger aus als vergleichbare Genrevertreter. Die Karte erhaltet ihr früh und automatisch im Spielverlauf, seht stets, wo ihr seid, und sogar Questmarker für die Hauptmission gibt es oftmals.

Außerdem bietet Constance ein ausgewachsenes Tagebuch, das die wichtigsten Informationen zu euren Haupt- und Nebenmissionen zusammenfasst. Manchmal fallen die Hinweise etwas kryptischer aus, manchmal stößt euch das Spiel fast schon direkt in die richtige Richtung. Besonders für Neulinge im Genre eignet sich das Spiel entsprechend ideal.

Dazu sind die Sidequests einigermaßen kreativ. Beispielsweise bekommt ihr früh eine Kamera geschenkt. Mit dieser nehmt ihr Fotos auf, die fortan auf eurer Karte gespeichert sind, was ihr als Gedächtnisstützen nutzt – wie in Prince of Persia: The Lost Crown. Sie dient euch bei einer Nebenmission, aber auch bei der Suche nach Geistern, die ihr nämlich nur auf Bildern erblickt. Oftmals laufen diese optionalen Aufgaben entspannt nebenher.

Auch der Schwierigkeitsgrad fällt vergleichsweise gering aus. Zumindest die normalen Gegner und regulären Plattforming-Segmente sollten euch vor keine allzu großen Probleme stellen, habt ihr im Leben auch nur einen Sidescroller gespielt. Natürlich steigert sich die Herausforderung graduell, die Kurve fällt aber sehr angenehm aus.

Ihr verliert auch keine Leben, stürzt ab, und nach einem Tod dürft ihr wählen: Geht es ohne Malus zurück zum letzten Speicherpunkt oder startet ihr den aktuellen Raum erneut? Dafür halten die Gegner aber mehr aus, verlieren im Gegenzug aber Lebensenergie, wenn ihr sie erledigt.

Bei den Bossen gestaltet sich das Geschehen doch etwas anders. Natürlich fordern sie cleveren Einsatz eurer Fähigkeiten und setzen eigene Taktiken voraus. Ihre Designs variieren vom mystischen Monster aus einer anderen Dimension über ein Spielkartendeck hin zu einem großen Schleim. Knackeschwer sind sie aber allesamt und stellen bisweilen heftige Spitzen im Schwierigkeitsgrad dar. Mit etwas Geduld und dem Erlernen des Movesets können sie bezwungen werden, die Schere zu den normalen Segmenten ist aber sehr auffällig.

Wollt ihr wirklich alle passiven Skills und Upgrades für Lebensenergie wie Farbe erhalten, müsst ihr euer Können in besonders kniffligen Plattforming-Abschnitten auf die Probe stellen. In Sekundenbruchteilen wechselt ihr zwischen euren Skills und passt euch an die Situation an. Trial-and-Error gehört hier zum Tagesgeschäft. Dabei bleibt Constance aber stets fair.

Die Leiden der jungen Künstlerin

Ihr mögt euch in Constance durch eine Fantasiewelt bewegen, diese wartet aber mit einigen realen Versatzstücken auf. Eine abstrahierte Universität besucht ihr ebenso wie eine Stadt voller Neonleuchten und einen botanischen Garten. Gelegentlich auftretende besondere Spielabschnitte erklären diesen Umstand: Das gesamte Spiel findet wohl im Kopf einer jungen Künstlerin statt.

In diesen Segmenten klebt ihr Fotos in ein Album ein, während ihr immer wütender und auch trauriger werdende Nachrichten eures Bruders ignoriert. Ihr vertieft euch in die Zeichnung eines Bildes, der Vorgang wird jedoch durchgehend von visualisierten Selbstzweifeln unterbrochen, und ihr erlebt sogar einen Arbeitstag am Desktop, inklusive einer wahren Flut von Nachrichten und der damit verbundenen Überforderung.

Verpackt ist das Geschehen in eine wunderschöne, handgezeichnete Optik mit kreativen Designs. Ihr stellt euch seltsamen Maschinen entgegen, wehrt euch gegen bizarre Monster und findet allerhand Verbündete wie außergewöhnliche Zirkusdirektoren. Das Geschehen begleitet ein manchmal melancholischer, manchmal antreibender orchestraler Soundtrack, der sich perfekt ins Geschehen einfügt.

Constance behandelt harte Themen wie Burnout, Traumata und Depressionen. Auch wenn das Spiel sie sehr feinfühlig und oftmals auch indirekt anspricht, sollte an dieser Stelle eine Triggerwarnung ausgesprochen werden. Befindet ihr euch in einer psychischen Notlage: Ihr seid nicht alleine. Die Telefonseelsorge erreicht ihr rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222.

Greift zu, wenn...

… ihr ein vergleichsweise entspanntes Metroidvania mit präziser Steuerung, kreativen Ideen und wunderschöner Optik sucht.

Spart es euch, wenn...

… euch das Genre nicht zusagt und ihr 60-stündige ausufernde Abenteuer erwartet, die euren gesamten Skill prüfen.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Ein kurzes, aber gelungenes Metroidvania nicht nur für Genre-Fans

Constance befand sich seit der Steam-Demo auf meinem Radar, dementsprechend verfolgte ich die Entwicklung mit großem Interesse. Der mehr oder weniger erzwungene Release durch die auslaufende Förderung machte mir zwar etwas Sorge, zumal er so kurz nach dem ewigen Hype-Titel Hollow Knight: Silksong erfolgt. Ich hoffe aber einfach mal, dass das Spiel eher von der aktuell erhöhten Aufmerksamkeit auf das Genre profitiert.

Verdient hat es Constance allemal. Das Balancing mag etwas dünn ausfallen und mit Fokus auf die Hauptmissionen und gelegentlichen Sidequests seid ihr bereits nach acht bis zehn Stunden fertig, aber genau ein solcher Snack eignet sich doch perfekt, wenn ihr Silksong gerade beendet habt oder eure ersten Schritte in das Genre wagen wollt.

>> Meilensteine des Hype-Genres: Die 10 besten Metroidvania-Games <<

Zumal das Spiel dank präziser Steuerung, kreativer Ideen und der Farb-Mechanik genügend eigene Akzente setzt, um trotz der Ähnlichkeiten nicht als purer Hollow-Knight-Klon zu gelten. Die Story nahm mich an einigen Stellen überraschend mit, scheut sich nicht vor heftigen Themen und hebt Constance von der Genre-Konkurrenz ab. Für mich eine absolute Metroidvania-Empfehlung, auch abseits von Silksong.

Überblick

Pro

  • wunderschöne, handgezeichnete Optik
  • interessante Farbmechanik
  • präzise Steuerung
  • vergleichsweise viele Hilfestellungen
  • haufenweise unterhaltsame Nebenmissionen
  • feinfühliger Umgang mit dem Thema psychischer Erkrankungen
  • fair platzierte Schnellreisepunkte

Contra

  • Balancing bisweilen sehr wackelig
  • relativ kurze Spieldauer (acht bis zehn Stunden)
  • die meisten Skills sind vergleichsweise Standard-Kost

Awards

  • Games Tipp
    • PC
  • Design
    • PC

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