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Test - Chernobylite : Weit entfernt vom S.T.A.L.K.E.R.-Klon

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Anfangs wurde Chernobylite von Farm 51 ziemlich massiv als S.T.A.L.K.E.R.-Klon gehandelt. Doch damit hat es trotz gleichem Schauplatz und ähnlicher Thematik herzlich wenig zu tun. Zu groß sind die spielerischen Unterschiede. Chernobylite entpuppt sich als leicht sperriger, sehr ambitionierter, aber auch nicht immer gelungener Mix aus verschiedenen Genres, irgendwo zwischen eigenartig und eigenständig. Das allerdings mit dem Pluspunkt eines moderaten Preises von unter 30 Euro, was den Titel sogleich um einiges interessanter macht.

In Chernobylite übernehmt ihr die Rolle des Physikers Igor Chiminuk, der sich 30 Jahre nach den Ereignissen von Tschernobyl nebst des einhergehenden Verschwindens seiner innig geliebten Tatjana wieder ins Gebiet des Reaktors begibt, um nach ihr zu suchen. Warum erst nach 30 Jahren, das erfahren wir nicht wirklich. Wäre es nicht einfacher gewesen, einen Blick zu riskieren, bevor sich Mutanten und brutale NAR-Söldner dort tummeln? Nun, wir wissen es nicht.

Immerhin ist Igor nicht allein. Begleitet von zwei Kameraden dringt er in das Gebiet ein, um eine Basis zu erreichen, die das Trio zuvor gemietet hat. Auf dem Weg kommt allerdings einer der Kameraden ums Leben, nachdem die kleine Truppe von einem seltsamen Wesen, dem Schwarzen Stalker, attackiert wird. Mit dem verbliebenen Kameraden Olivier nistet sich Igor in der neuen Basis ein, um auf die Suche nach Informationen zu gehen und sich letztendlich auszurüsten, um in den eigentlichen Reaktor einzudringen.

Mit Erreichen der Basis verändert sich die bis dahin lineare Erzählstruktur. Die Basis dient als Zentrum für verschiedene Missionen, die sich in fünf verschiedenen Arealen abspielen. Pro Tag könnt ihr fortan quasi eine Mission pro Tag selber spielen, sowie eure Kameraden separat auf jeweils eine andere Mission schicken. So sie denn wollen und können, aber dazu gleich mehr. Manches sind Nebenmissionen, in denen es mehr oder minder nur darum geht, überlebenswichtige Ressourcen zu sammeln. Andere Aufträge treiben die Story voran oder dienen dazu, neue Mitglieder für euer Team zu rekrutieren.

Ohne Team und vernünftige Ausrüstung habt ihr im finalen Angriff keine Chance und ihr verbringt nicht wenig Zeit damit, eben jenen vorzubereiten. Besagte Nebenmissionen können mitunter etwas ermüdend werden trotz einer gewissen Notwendigkeit, da es eben mehr oder weniger darum geht, alles einzusammeln, was nicht festgenagelt ist. Das hat durchaus seinen Sinn, denn zum einen müsst ihr eure Basis weiter ausbauen, zum anderen euer Team ausrüsten, versorgen und bei Laune halten.

Eine offene Spielwelt gibt es nicht, ihr werdet immer wieder in fünf Areale rund um den Reaktor geschickt. Dazu dient eine Wurmlochpistole, die mit dem seltsamen Material Chernobylite betrieben wird, das als Namensgeber des Spiels fungiert. Portal hin, Mission erledigen, Portal zurück. Meist habt ihr ein oder mehrere Hauptziele zu erledigen, es gibt aber noch weitere, optionale Zielpunkte, die auf eurem Kompass markiert werden und euch zu Hinweisen, Ereignissen, NPCs oder anderen mehr oder minder wichtigen Örtlichkeiten führen.

Die fünf Areale sind immerhin abwechslungsreich und können frei erkundet werden, auch wenn sie nicht sonderlich weitläufig sind. Positiv spielt hinein, dass sich die Areale mit Fortschreiten der Story und ab und an abhängig von euren Entscheidungen verändern. NAR-Söldner werden stärker und sind besser ausgerüstet, Mutanten tauchen häufiger auf und/oder sind fieser, Naturgewalten wie Chernobylite-Stürme werden häufiger und gefährlicher.

Die visuelle Darstellung der Areale kann zumeist beeindrucken dank viel Liebe zum Detail, schönen Lichtstimmungen und einem hohen Grad an Authentizität. Gerade an Prypjat sieht man sehr deutlich, dass die Entwickler sich die realen Umgebungen sehr genau angeschaut haben, um diese möglichst naturgetreu zu implementieren und das macht am Ende viel vom Reiz der Areale aus. Schade nur, dass die Areale insgesamt recht unbelebt sind. Auch Gegner sind relativ selten und eher pointiert eingesetzt. Die Kämpfe sind allerdings durchaus knackig und gegen drei oder mehr Gegner vorzugehen, will gut überlegt sein.

Gekämpft wird, wenn nötig, in klassischer First-Person-Shooter-Manier, allerdings mit Rollenspielelementen. Munition ist allerdings knapp, von daher ist es nicht die schlechteste Idee, sich an Gegner heranzuschleichen oder Kämpfen gar völlig aus dem Weg zu gehen. Das Töten von Gegnern hat zudem negative Auswirkungen auf euren psychischen Zustand, bis hin zu ernsten gesundheitlichen Problemen. Nichts, was nicht durch eine Flasche Wodka nach dem Einsatz behoben werden kann. Klischeehaft, aber auch irgendwie originell.

Die Shooter-Mechanik erfüllt ihren Zweck, ist allerdings nicht wirklich gut. Vor allem am Trefferfeedback hapert es und die Darstellung der Gegner mit riesigem Gesundheitsbalken wirkt eher unbeholfen. Ähnlich unbeholfen wie die KI, die meist festen Pfaden folgt und ansonsten oft zwischen Genie (selten) und Wahnsinn (oft) agiert. Immerhin könnt ihr eure Waffen in der Basis modifizieren und dort auch für Körperschutz sorgen, um eure Überlebenschancen zu verbessern. Aber wie gesagt, auch die Konkurrenz schläft nicht und rüstet mit der Zeit auf.

Die Missionen haben insgesamt durchaus ihren Reiz, vor allem aufgrund der wirklich gelungenen Atmosphäre in den Arealen und einiger Überraschungen, die mit der Story zu tun haben. Allerdings sind es am Ende vor allem die Storymissionen, die einen aus der doch eher öden Routine des notwendigen Ressourcensammelns herausziehen. Ein echter Spielfluss mag durch die zerstückelte, aber immerhin nicht-lineare Missionsstruktur allerdings nicht aufkommen.

Auch der plakatierte Survival-Horror hält sich in Grenzen, die Atmosphäre ist zwar spannend und bedrückend, aber nur selten wirklich furchteinflößend. Meist spielen seltsame Vorkommnisse, Visionen und der eine oder andere kleine Jumpscare eine Rolle, die für die eine oder andere Gänsehaut sorgen, einen aber nicht die Bude zusammenkreischen lassen.

Solltet ihr mal ins Gras beißen, wird es allerdings so richtig durchgeknallt. Ihr landet dann in einer Art alternativer Realität und bekommt dort die Möglichkeit, einzelne "Erinnerungen" zu verändern und damit zum Beispiel Entscheidungen anders treffen, als ihr es zuvor getan habt. Ein Beispiel: in einer Mission tötet ihr einen vermeintlichen Verräter, müsst jedoch später in der Story feststellen, dass der Typ eigentlich harmlos ist (ohne zu sehr ins Detail zu gehen). Das könnt ihr nach eurem Tod in dieser Erinnerungsebene quasi ungeschehen machen, allerdings müsst ihr mit den entsprechenden Konsequenzen leben.

Ein echtes Highlight sind hingegen die Kameraden, die ihr nach und nach um euch schart und auf Missionen schicken könnt. Die Kerlchen sind erfreulich gut ausgearbeitet und variantenreich, mit ihren ganz eigenen Geschichten und ihren eigenen Macken. Olivier, der euch von Beginn an begleitet, ist beispielsweise eher der ruhige, besonnene Typ, während Mikhail, der später zu euch stoßen kann, ein ziemlicher Choleriker ist, euch dafür aber viel über Wildnis und Ernährung beibringt. Eure kleine Crew müsst ihr allerdings bei Laune halten, denn sonst werden sie störrisch, vegetieren krank vor sich hin oder verlassen euch sogar. Hierbei kommt die Basis erneut ins Spiel.

Eure Basis will nämlich ausgebaut werden und es gibt verflucht viel, um was ihr euch kümmern müsst. Energieversorgung, Werkbänke, Unterkunft, Dekoration … es gibt irrsinnig viel Zeug, dass ihr in eure heiligen Hallen pflanzen könnt, und das ist miteinander verzahnt. Werkbänke und andere Einrichtungen erfordern Energie. Die nötigen Generatoren versauen allerdings die Luft in der Basis, sodass ihr Luftfilter benötigt, ansonsten werden eure Kameraden krank. Die aufgestellten Luftfilter sorgen wiederum dafür, dass ihr mehr für Wohnkomfort und Dekoration tun müsst. Und so weiter und so fort.

Chernobylite - Igor Story Trailer

Kurz vor dem Release am 28. Juli gibt es hier noch einmal einen Story-Trailer zum Sci-Fi-Survival-Horror-RPG Chernobylite.

Im Grunde dreht sich die gesamte Basis darum, euch und euer Team auszurüsten und zu versorgen. Ihr produziert Waffen, Rüstungen, Medikamente, Nahrung, müsst auf die Bedürfnisse und den Zustand der einzelnen Charaktere achtgeben und sie auch mit Waffen und Rüstungen ausstatten. Glücklicherweise artet das weniger in Arbeit aus, als es den Anschein hat, denn Ressourcen bekommt ihr recht reichlich und das Baumenü ist halbwegs simpel gehalten. Schade ist nur, dass es so wenige visuelle Auswirkungen gibt.

Euren Teammitgliedern ist kaum anzusehen, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Etwaige Einrichtungen wie Betten, Möbel oder Geräte werden nicht sichtbar genutzt. Schade, da hätten wir gern noch etwas mehr Leben gesehen. Immerhin könnt ihr von den Kerlchen etwas lernen. Ihr bekommt, ganz rollenspieltypisch, Erfahrungspunkte und könnt die daraus resultierenden Skillpunkte nutzen, um bei den Jungs in Ausbildung zu gehen. So verbessert ihr beispielsweise euer Schleichen oder eure Genauigkeit beim Schießen. Jeder Charakter bietet dabei sein eigenes Kontingent an. So werdet ihr langsam vom Physiklaborhengst zum echten Überlebenskämpfer und baut gleichzeitig eine Beziehung zu eurer Crew auf.

Am Ende ergibt sich eine merkwürdige Mischung aus oft vergleichsweise kurzen, atmosphärisch beeindruckenden, aber nicht immer spannenden Missionen und dem Basisbau nebst einer Portion Mikromanagement. Alles irgendwie interessant, aber teilweise auch zu ambitioniert oder nicht so ganz konsequent umgesetzt. Immerhin geht die Mischung, die euch rund 15 bis 20 Stunden beschäftigt, in Ordnung und dank der nichtlinearen Struktur könnt ihr euch in gewissem Rahmen frei entscheiden, wo ihr die Prioritäten setzt. Hervorzuheben ist noch, dass es immer wieder zu Entscheidungen kommt, die den Verlauf der Story und andere Elemente nachhaltig verändern. Aber da wollen wir nicht spoilern, es gibt einige Überraschungen, selbst, wenn es euch mal niederraffen sollte.

Wer übrigens deutsche Sprachausgabe sucht, wird diese nicht finden. Die Dialoge gibt es wahlweise in Russisch oder Englisch, deutsche Untertitel sind möglich. Wir empfehlen tatsächlich die russische Sprachausgabe. Nicht nur, weil sie der Atmosphäre des Spiels durchaus zuträglich ist. Die russische Version hat schlicht deutlich bessere Sprecher als die englische Sprachversion.

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