Test - Bonaparte – A Mechanized Revolution : Mechs in der Französischen Revolution: klingt bizarr. Fetzt ordentlich
- PC
In verrauchten Clubhäusern Allianzen schmieden, Runde für Runde um die Macht in den Provinzen Frankreichs schachern und schlachten, dabei eine solide Wirtschaft abbauen: Klingt schon einmal gut. Was, wenn wir dabei noch gigantische Kampf-Maschinen zum Einsatz bringen könnten?
Manche Konzepte klingen beim ersten Lesen ein wenig seltsam – und bleiben es auch tatsächlich in der Praxis. Wer möchte, könnte zum Beispiel das Heimatstadt-Prinzip aus Age of Empires 3 als Kann-man-mal-Probieren-Ansatz sehen, der aber prompt im Nachfolger kassiert wurde. Manche Konzepte hingegen … gehen deutlich besser auf, als der ersten Synapsen-Blitz vermuten ließe. Richtig geraten, Bonaparte ist ein Beispiel dafür. In einem alternativen Szenario der Französischen Revolution mit Mechs („Colossi“) für Royalisten, Moderate oder Revolutionäre durch Frankreich zu ziehen, macht trotz kleiner Schwächen schon ordentlich Laune.
Doch der Reihe nach. Hefte raus, Test: Was geschah am 14. Juli 1789? Richtig, der Sturm auf die Bastille. Genau da geht es für uns los. Wir wählen einen spielbaren Charakter Céline oder César Bonaparte und werden nach einigen (zu) langen Textpassagen direkt auf das Straßenschlachtfeld der französischen Hauptstadt geschmissen.
Noch ehe wir im Reise-Wörterbuch nachschauen können, ob zwischen „Wie finde ich zum Bahnhof?“ und „Was kostet das Croissant?“ auch „Greift sie von hinten mit der Reiterei an!“ steht, müssen wir die erste Tutorial-lastige Schlacht durchstehen. Rundenweise geht es dabei über ein Raster-Schlachtfeld – in diesem Fall durch die Gassen des revolutionären Paris, später auch verschiedenen Landschaften des ländlichen Frankreichs.
Robespierre oder Royalismus?
Noch im Laufe dieser ersten Rauferei werden wir vor die Wahl gestellt: Helfen wir den unterdrückten Bürgerinnen und Bauern, die von den Ludwigs mit ihren Etepetete-Numeralen ausgebeutet werden? Oder stellen wir uns auf die Seiten der Bourbonen, das rechtmäßige Gott-hat-es-so-gewollt- und Brauchen-wir-gar-nicht-drüber-diskutieren-Königshaus?
Unsere Entscheidung hat eine unmittelbare Auswirkung: Im Anschluss an die erste Schlacht dürfen wir uns wieder durch Dialoge klicken und anschließend unsere Fraktion auswählen. Haben wir uns aber zum Beispiel gegen den König gestellt, bleibt der Weg zu den Royalisten verständlicherweise versperrt. Auch später haben wir in den verschiedenen „Club-Räumen“ der Gesellschaften politische und diplomatische Entscheidungen zu treffen.
In den folgenden Spielzügen und -stunden entfaltet sich eine Mischung aus Kampf- und Wirtschaftsstrategiespiel, wobei der Wirtschafts- und Politikteil dankenswerterweise auf überschaubarer Komplexität bleibt. Auf einer Welt-, pardon, Frankreich-Karte (mit angrenzenden Gebieten Südenglands, könnte ja relevant werden) sehen wir die verschiedenen Provinzen und welche Fraktion sie gerade beherrscht. Runde für Runde rekrutieren wir Einheiten und verschieben unsere Armeen zwischen Ostatlantik und Oberrhein. Die rivalisierenden Fraktionen tun leider das Gleiche.
Die diversen Provinzen bieten dabei nicht nur gezwungenermaßen Platz für unsere Einheiten, sondern auch für Gebäude in verschiedenen Ausbaustufen. Einfaches Beispiel: Ein Lazarett sorgt dafür, dass sich Einheiten in der entsprechenden Provinz besser regenerieren. Und wenn neben Material- auch Propaganda-Schlachten wichtig sind, schadet der Aufbau einer Druckerei sicherlich nicht.
Zwangsläufig geraten wir und die übrigen Fraktionen ab und an doch an Punkte, die sich nicht diplomatisch klären lassen. Dann wechselt das Bonaparte in den Kampfmodus, wo wir zunächst wie üblich unsere Truppen nah der Ausgangsposition positionieren und dann auf die gegnerischen Einheiten losschicken. Dabei gelten übliche Konventionen – begrenzte Angriffs- und Aktionspunkte, Boni für nicht-frontale Angriffe und ein Moral-System.
Der untertitelgebende Clou sind die im Spiel Colossi genannten Mechs, laut Ingame-Erzählung noch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zum Einsatz gekommen. Die Kolosse verfügen natürlich über um Dimensionen mehr Lebenskraft als einfache Fußtruppen, ihr Einsatz gibt dem Spiel ordentliche „Et boum, c’est le choc!“-Momente.
Wir können jedoch nicht nur mit den Mechs durch die Gegend heizen und fünfmal hintereinander auf „Plattmachen“ klicken – denn die Dinger überhitzen je nach Konfiguration unterschiedlich schnell und brauchen auch mal eine Kühlungspause – dafür eine Spezialaktion zu nutzen, fühlt sich zwar verschwenderisch an, der höhere Schaden im überhitzten Zustand ärgert aber noch mehr.
Das zusammen sorgt für ein charmantes, wenn auch etwas zu gesprächiges Gesamterlebnis, das Rundenstrategie-Fans bekannte und funktionierende Mechanismen vorsetzt, aber gleichzeitig auch eigene Ideen voranbringt.
Greift zu, wenn...… ihr leicht abgedrehten historischen Szenarien und Rundenstrategie etwas abgewinnen könnt.
Spart es euch, wenn...… selbst mittellange Texte euch jeden Spielspaß vergrämen.


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