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Preview - Atomfall : Angespielt: Viel mehr als nur ein britisches Fallout

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Eine atomare Katastrophe lässt das Land verstrahlt zurück. Die verbliebenen Menschen scheinen langsam den Verstand zu verlieren und einige mutieren sogar zu schrecklichen Bestien. Nun ist es an euch, das verwüstete Gebiet zu erkunden, mehr über die Hintergründe herauszufinden und mit allen Mitteln zu überleben.

Wer jetzt an Fallout, S.T.A.L.K.E.R. oder Chernobylite denkt, der liegt vollkommen daneben. Denn mit Atomfall bringen die Sniper-Elite-Macher von Rebellion einen neuen Kandidaten in der Kategorie “Survival-Shooter-Action-Rollenspiel-Gemisch mit atomarer Katastrophe als Setting” ins Rennen. Ich durfte bereits anderthalb Stunden reinspielen und widme mich der Frage: Ist Atomfall ein strahlender Stern am Spiele-Himmel oder eher ein atomarer Totalausfall?

Erstmal ist Atomfall ein Survival-Action-Spiel, dessen Story von einer wahren Begebenheit und Tragödie inspiriert ist. Im Atomreaktor Windscale in Nordengland brach 1957 ein Feuer aus und über mehrere Tage hinweg entwich radioaktives Material ins umliegende Gebiet. Zum damaligen Zeitpunkt das schlimmste und wohl erste große Reaktorunglück überhaupt.

Mehr Geschichtswissen ist allerdings nicht nötig, denn Atomfall nimmt das Windscale-Fire zwar als Ausgangspunkt, mixt das Szenario aber in einer alternativen Zeitlinie mit einer ordentlichen Kelle Verschwörungstheorien und Science-Fiction im Stil der 50er, 60er und frühen 70er Jahre. Vor allem britische Pulp Fiction und Folk Horror wie The Day of the Triffids, The Wicker Man oder frühe Episode von Doctor Who haben es den Entwicklern wohl angetan.

Fünf Jahre nach dem Unfall ist der Lake District, in dem Windscale liegt, eine militärisch abgeschirmte Quarantäne-Zone. Niemand kommt rein oder raus, was es umso merkwürdiger macht, dass ihr eines Tages ohne jedwede Erinnerung mitten in der Zone aufwacht.

Da ihr weder wisst, wer ihr seid, noch was ihr hier eigentlich wolltet, bleibt euch nur übrig, nach einem Weg in die Freiheit zu suchen. Die Vorab-Version, die ich spielen durfte, startet allerdings bereits ungefähr anderthalb Stunden nach dem eigentlichen Beginn des Spiels. Es bleibt die Tatsache, dass weder mein Charakter noch ich wissen, wer wir sind und wo wir jetzt hin sollen.

Strahlend wie eine Lampe aus den 70ern

Obwohl von führenden (und auch allen anderen) Radiologen dringend davon abgeraten wird, treiben sich im verstrahlten Gebiet um das zerstörte Kraftwerk allerhand merkwürdige Gestalten herum: zwielichtige Händler, diverse Gruppen an Banditen und die Druiden. Letztere sind eine Gruppierung von Menschen, die Masken aus Baumrinde und Stroh tragen und sofort auf mich losgehen, wenn ich mich ihnen nähere.

Eine waschechte Sekte anscheinend, deren Mitglieder behaupten, dass die Erde mit ihnen sprechen würde. Keine wirklich vertrauenerweckende Nachbarschaft. Angeblich sollen auch irgendwo ein paar Militärs abhängen, die bekomme ich aber in meiner Session nicht zu Gesicht. Ist vielleicht auch besser so.

Stattdessen erwarten mich ganz andere Abenteuer. Nur weiß ich anfangs nicht genau, wo die sich befinden. Auf ein Quest-System im eigentlichen Sinn verzichtet Atomfall nämlich. Stattdessen findet ihr unterwegs Hinweise, denen ihr folgt oder eben nicht. Meistens kommen sie in Form von Schriftstücken, die in der Gegend herumliegen, teilweise müsst ihr dafür aber auch mit den Bewohnern der Zone sprechen und die richtigen Dialog-Optionen auswählen. Auf dicke rote Kringel auf der Karte, die euch sagen, wo es langgeht, dürft ihr aber nicht hoffen.

Recht schnell stolpere ich über einen abgestürzten Helikopter. In der Hoffnung auf Loot (und natürlich, um eventuellen Überlebenden zu helfen) durchsuche ich das Wrack. Statt Waffen oder anderen Schätzen finde ich aber nur eine Notiz. Eine Überlebende schreibt sinngemäß: “Habe den Absturz überlebt, alle anderen sind tot. Vielleicht finde ich in der nahegelegenen Stadt ja Hilfe.”

Mein jahrzehntelang geschulter Gamer-Instinkt lässt mich schlussfolgern, dass ich eventuell in der nahegelegenen Stadt etwas oder jemanden Interessantes finden könnte. Also nehme ich die Beine in die Hand und laufe erstmal in die komplett falsche Richtung.

Ein Hinweis! Ein Hinweis!

Was nach einem Versagen meinerseits klingt, stellt sich aber im Nachhinein als kongenialer Plan heraus, denn in Atomfall gibt es ja theoretisch überall etwas zu entdecken. Man kommt keine 20 Meter weit, ohne auf ein Lager der Druiden zu stoßen, über einen Händler zu stolpern oder ein anderes Geheimnis zu finden. Die Geschichte von Atomfall wird nämlich auch nicht-linear erzählt. Statt einer langen Reihe an Hauptquests zu folgen, puzzelt ihr euch eine Story aus vielen einzelnen Schnipseln zusammen.

Allerdings führt nicht jeder Hinweis auch automatisch zu einem Fund oder bringt euch in der Geschichte weiter. Ein paar rote Heringe sind dabei, die euch in Sackgassen führen. Das ist mir zwar nicht passiert, aber ich stelle es mir schon recht demotivierend vor, wenn man stundenlang einer Spur gefolgt ist, nur um dann festzustellen, dass alles umsonst war. Mal sehen, wie oft das im fertigen Spiel vorkommen wird.

Keine zwei Durchläufe sind gleich, denn folgt ihr anderen Hinweisen, erlebt ihr unter Umständen auch eine völlig andere Geschichte. Zwar führen alle Pfade irgendwann ins Kraftwerk, aber was ihr dort macht und wie ihr da hinkommt, hängt von euren Entscheidungen und eurem gewählten Weg ab.

Das sorgt für einen extrem hohen Wiederspielwert. Es soll sogar möglich sein, einfach jeden NPC, den ihr trefft, um die Ecke zu bringen. Selbst dann könnt ihr das Spiel noch zu Ende spielen, auch wenn ihr es euch damit verdammt schwer gemacht habt.

Ist also gar nicht so dumm, einfach mal auf gut Glück den nächst besten interessant aussehenden Punkt anzusteuern. Das Atomkraftwerk in der Ferne, aus dem blaue Blitze in den unheilvollen, dunklen Strudel am Himmel schießen, lasse ich aber erstmal aus. Stattdessen suche ich mir Streit mit ein paar Kultisten und bonke sie so lange beherzt mit dem Kricketschläger, bis sie umkippen.

Schlagballspiel mit zwei Mannschaften

Der Charakter auf meinem Spielstand ist zwar bereits bis an die Zähne mit Shotgun und Karabiner bewaffnet, die Dinger sind allerdings so rostig und alt, dass sich das Zielen meist nicht lohnt. Nachdem ein wütender Druide (Ich hab wirklich nichts gemacht!) nach dem zweiten Shotgun-Schuss in die blanke Brust immer noch kampfbereit ist, greife ich seufzend eben wieder zum Kricketschläger. Nach zwei Hieben entscheidet der Druide sich dann doch endlich, die Erde, die zum ihm spricht, mal aus allernächster Nähe zu begutachten. Eine kluge Entscheidung.

Mal abgesehen von der geringen Durschlagskraft ist die Design-Philosophie hinter den Schusswaffen eigentlich recht erfrischend. Da Atomfall nicht irgendwo in Amerika, sondern in Großbritannien spielt, liegt nicht an jeder Ecke eine M4 herum. Waffen und Munition sind also recht rar gesät.

Die rostigen Weltkriegs-Wummen, die ihr findet, lassen sich zwar upgraden, dafür müsst ihr allerdings schon eine Menge Materialien bzw. Waffen zum Ausschlachten sammeln. Ihr und eure Gegner greifen also zwangsläufig häufiger auf Nahkampfwaffen oder den guten alten Pfeil und Bogen zurück.

Die einzige “Survival”-Komponente im Spiel scheint übrigens das Crafting zu sein. Es gibt zwar einige britische kulinarische Spezialitäten zu finden, aber Essen dient allein zur Heilung von Lebenspunkten. Auf Hunger oder Durst müsst ihr nicht achten. Das einzige körperliche Bedürfnis, das euch sonst noch quält, ist euer Puls. Rennt, kämpft und klettert ihr zu viel oder zu schnell, steigt eure Herzschlagfrequenz, eure Sicht wird eingeschränkt und ihr hört nicht mehr so gut. Der beste Tipp für das Überleben in Atomfall ist also ebenfalls sehr britisch: ruhig bleiben und Tee trinken (denn der füllt eure Lebenspunkte wieder auf)!

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Bitte, bitte, sei kein Atom-Rein-Fall!

Auch wenn das Konzept auf dem Papier erstmal nach billigem Abklatsch klingt, fühlt sich Atomfall komplett anders an als andere Titel mit ähnlichem Setting. Allein schon die wunderschöne Landschaft des Lake District mit seinen weiten Hügeln und saftig grünem Gras, so weit das Auge reicht, bietet einen krassen Kontrast zu den sonst vorzufindenden Staubwüsten oder tiefen, osteuropäischen Wäldern. Die Umgebung in Atomfall ist nicht trist und leer, sondern wunderschön und lebendig, aber dennoch nicht weniger tödlich.

Nach gerade mal 90 Minuten kann ich noch nicht sagen, ob der nicht-lineare Ansatz der Geschichte wirklich aufgeht. Damit steht und fällt aber das gesamte Spiel. Das Spinnennetz aus zahlreichen Hinweisen, denen man nach eigenem Gutdünken folgt, klingt zumindest verheißungsvoll.

>>Überleben (nicht nur) in Großbritannien: Die 10 besten Survival-Games<<

Bei 15-25 Stunden pro Durchlauf würde ich dann liebend gern noch einen zweiten oder dritten Run nachlegen. Vor allem Spieler, die bei modernen Quest-Systemen das Gefühl haben, zu sehr an die Hand genommen zu werden, könnten hier ihr neues Lieblingsspiel finden. Spricht euch der britische Retro-Sci-Fi-Vibe an, dann solltet ihr Atomfall ohnehin im Auge behalten.

Atomfall erscheint am 27. März für Xbox Series X|S, Xbox One, Playstation 5 und 4 und per Epic oder Steam für den PC. Außerdem wird Atomfall wohl ab Tag 1 im Xbox Game Pass enthalten sein.

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