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Test - A Plague Tale: Innocence : Das beste Spiel, das du wahrscheinlich gar nicht auf dem Schirm hast

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Es gibt vermutlich nur zwei Arten von Menschen: diejenigen, die noch nie von A Plague Tale gehört haben – und diese dürften (leider) in der Überzahl sein. Und diejenigen, die sehr gespannt darauf sind. Denn wer auch immer nur einen winzigen Blick auf einen der mittlerweile sehr zahlreichen Gameplay-Trailer erhascht hat, ist üblicherweise binnen Sekunden verzaubert. Vom einzigartigen, schmutzigen Mittelalter-Look, der sofort spürbaren, zum Schneiden dichten Atmosphäre, der rührenden Verbindung zwischen Heldin Amicia und ihrem kleinen Bruder und dann … oh mein Gott, die Ratten! Unmengen an Ratten! A Plague Tale: Innocence ist ein Spiel, das du dieses Jahr unbedingt gespielt haben solltest.

Schon die Einführung in A Plague Tale: Innocence ist eine Wucht: Als Aristokraten-Töchterchen Amicia (gesprochen: Amiesia) gehen wir mit dem Vater im Wald spazieren: mit dem Hund Gassi, wir lernen an einem Apfelbaum den Umgang mit der Steinschleuder und machen Jagd auf ein Wildschwein – typische Tutorialsachen eben. Doch dann wird der Hund buchstäblich vor unseren Augen vom Erdboden verschluckt und sofort wird klar: Hier treiben Mächte ihr Unwesen, die weit über unser Vorstellungsvermögen hinausgehen.

Als Amicia in Panik nach Hause zurückkehrt, bricht ihre heile Welt endgültig zusammen: Die Soldaten der Inquisition greifen ihr Haus an, töten ihre Familie und verwüsten den Hof. Von nun an sind Amicia und ihr kleiner Bruder Hugo auf der Flucht – vor der Inquisition, die im Blut ihres kranken Bruders ein Heilmittel gegen die Pest vermutet, vor den abergläubischen Dorfbewohnern, die sie für die Krankheit verantwortlich machen, und schließlich einer übermenschlichen Bedrohung, die der allgegenwärtigen Pest, all dem Leid und dem Tod, die damit assoziiert werden, eine konkrete, verheerende Form verleiht: den Ratten, die sich wie ein manifestierter Fluch zu Tausenden in tödlichen Schwärmen organisieren, alles fressen, das auch nur in ihre Nähe gerät, und nur eines fürchten: Licht, das fortan unser wichtigster Verbündeter wird.

Die Inszenierung: atemlos!

Was der bislang weitgehend unbekannte französische Entwickler Asobo allein in dieser, die Vorgeschichte vermittelnden Einleitung abliefert, ist in jederlei Hinsicht sensationell. Wenn Amicia vor den Häschern der Inquisition durch den Wald flieht, die Bäume brennen, die Speere fliegen und die Ratten wie eine Naturgewalt aus dem Boden quillen, um die Soldaten des Inquisitors innerhalb von Sekunden in Stücke zu reißen, geschieht das in einer atemlosen Inszenierung, wie man sie von einem Naughty Dog, Infinity Ward oder Rockstar Games erwarten würde, aber einem kleinen Indiestudio niemals zugetraut hätte, das bis vor Kurzem noch ausschließlich Portierungen zu Titeln wie Toy Story 3, Monopoly Plus und Garfield: A Tail of Two Kitties abgeliefert hat.

Doch A Plague Tale ist nicht bloß ein Spiel des Bombasts und des Gescheppers. Vor allem die Details machen seine Inszenierung so außergewöhnlich: wenn Amicia im Vorbeigehen ihren Hund tätschelt, der Schmied ihr von Ferne einen Gruß zuwirft oder ihr die ängstlichen Dorfbewohner die Fensterläden vor der Nase zuschlagen. A Plague Tale legt Wert auf zahllose, oft kaum wahrnehmbare Kleinigkeiten, die sich sonst eigentlich nur Spiele mit AAA-Budget leisten können.

Die Grafik: Referenzklasse!

Das gilt für die gesamte Grafik des Spiels: Wie die Sonnenstrahlen durch das goldene Herbstlaub der Bäume brechen, mit welcher Liebe zum Detail die prächtigen Burgen und Kirchen dieses französischen Mittelalters modelliert sind, und dann erst: diese Gesichtsanimationen, wie man sie allenfalls in Großproduktionen wie Uncharted oder God of War in dieser Qualität zu sehen bekam – einfach sensationell! Dass Publisher Focus in der Disziplin Grafik mittlerweile durchaus Einiges draufhat, war zuletzt bereits in hübsch gezeichneten Titeln wie The Council oder Call of Cthulhu zu sehen. Doch wo dort die steifen Animationen stets das verhältnismäßig geringe Budget offensichtlich zum Vorschein treten ließen, lässt sich A Plague Tale an keiner Stelle lumpen.

Die Heldin: zum Verlieben!

Doch die größte Sensation von A Plague Tale ist nicht seine traumhaft schöne Grafik, die packende Inszenierung oder die dichte Atmosphäre, sondern seine Heldin. Amicia ist wahrscheinlich eine der interessantesten Videospielfiguren seit Ewigkeiten. Allein die Art und Weise wie es den Entwicklern ganz nebenbei und unprätentiös gelingt, sie vom ersten Moment an von Grund auf sympathisch zu zeichnen, als junge Frau, die wenngleich noch mit kindlich verspieltem Gemüt für ihr Abenteuer nicht im Mindesten bereit wirkt, doch innerhalb kürzester Zeit auf übermenschliche Weise über sich hinauswachsen muss und sich fortan eine Last zu tragen gezwungen sieht, die alle körperlichen und moralischen Grenzen überschreitet - das ist große Erzählkunst.

Die Beziehung zu ihrem Schützling Hugo muss in Zukunft in einem Atemzug mit der von Kratos und Atreus in God of War oder Joel und Ellie in The Last of Us genannt werden. Nach dem Tod ihrer Familie übernimmt Amicia die Verantwortung für ihren kleinen Bruder, dessen kindlicher Verstand noch gar nicht in der Lage ist, die ständig drohende Lebensgefahr ihrer Situation zu erfassen, der das tödliche Versteckspiel mit den Soldaten als eben solches, als Spiel, begreift und auf die Strapazen der Flucht mal mit Trotz, mal mit Verzweiflung und mal mit der Unbekümmertheit eines launischen Bengels reagiert.

Gameplay: das bessere The Last of Us?

In dem Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten schimmert sehr viel von der Strahlkraft eines The Last of Us durch, mit dem A Plague Tale auch spielerisch am ehesten verglichen werden kann. Grob gesagt handelt es sich dabei um ein linear strukturiertes Schleich-Spiel mit etwa 12 bis 15 Stunden Spieldauer, in dem ihr euch hinter Mauern und im hohen Gras vor Wachen versteckt und sie ablenkt, indem ihr mit eurer Schleuder auf metallene Gegenstände wie scheppernde Ritterrüstungen schießt. Dieses Prinzip wird im Spielverlauf durch immer neue Elemente ergänzt, etwa Säuregeschosse, die die Helme der Soldaten verätzen, oder Wasserbomben, die Fackeln löschen und so den vorausliegenden Weg in schützende Dunkelheit tauchen – eben wie man es von Schleichspielen seit Thief: The Dark Project kennt.

Was es allerdings in keinem Spiel je zuvor zu sehen gab, sind die Ratten. Wie ein reißender Fluss aus Abertausenden Körpern und leuchtenden Augen ergießen sie sich durch die Straßen und überziehen den Weg wie ein sich windender Teppich des Todes. Wer ihn betritt, wird innerhalb von Sekunden bei lebendigem Leib gefressen. Das einzige Mittel, das gegen diese mörderische Brut existiert, ist das Licht. Solange ihr im schützenden Schein eines Lagerfeuers steht, befindet ihr euch in Sicherheit.

Habt ihr eine Fackel zur Hand, lässt sich damit ein schützender Perimeter erschaffen, der den Schwarm in einem kleinen Umkreis auf Abstand hält wie eine schützende Glocke, ein winziges Eiland der Sicherheit inmitten eines tosenden Meer des Todes. So bahnt ihr euch vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzend den Weg durch den flirrenden Schwarm aus Körpern, der wie eine einzige wabernde Masse, eine tosende Brandung des Teufels wirkt. Doch Gott bewahre, wenn die Fackel abgebrannt ist …

Um diese, auf den ersten Blick recht simple, Spielmechanik bauen die Entwickler einen Großteil ihrer Rätsel: Mit Brandgeschossen entzündet ihr ferne Fackeln, die fortan wie kleine Leuchttürme der Sicherheit erstrahlen. Mit Scheinwerfern brennt ihr euch schmale Schneisen in die tobende Rattenschar, und Köder locken sie für einen Moment an einen anderen Ort, wodurch sich die Zwischenzeit zum Passieren nutzen lässt.

A Plague Tale findet auf diese Weise einen perfekten Rhythmus zwischen Schleichpassagen vorbei an Wachen, originellen Rätselabschnitten, in denen ihr einen kreativen Weg durch höchste Gefahr austüfteln müsst, aber auch bewegenden Erzählmomenten und rasanten Verfolgungsjagden. Für jeden einzelnen Takt in dieser Symphonie breiten die Entwickler eine neue Kulisse aus, um ihrer Aufführung stets die passende Bühne zu bieten. Jedes Kapitel besitzt seine ganz eigene Stimmung: das trügerische Idyll eines abgeschiedenen Bauernhofes, die bedrohliche Architektur einer nächtlichen Kirche und ganz besonders das Schlachtfeld, das übersät ist mit den Leichen der Gefallenen, über die Amicia nur mit größtem Widerwillen und Anstrengung zu steigen vermag.

Die Atmosphäre: fast schon körperlich schmerzhaft

Seine inszenatorisch packendsten Momente bezieht A Plague Tale aber nicht aus dem Spektakel brennender Kathedralen und berstender Belagerungsmaschinen, sondern aus Szenen, in denen es die spielerische Notwendigkeit zum Handeln und das menschliche Drama, das damit auf verhängnisvolle Weise verbunden ist, in fast schon körperlich schmerzhafte Aktionen aufgehen lässt: so etwa wenn wir die Fackel patrouillierender Wachen mit einer Wasserbombe löschen und sie damit dem Inferno des Rattenschwarms ausliefern. Ein Tod, den man selbst seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Oder wenn Amicia sich dazu gezwungen sieht, einen eingesperrten Soldaten bei lebendigem Leib den Ratten zum Fraß vorzuwerfen, weil wir sie nur so aus dem Weg bekommen. A Plague Tale: Innocence trägt das Wort „Unschuld“ fast schon höhnisch im Namen.

Das alles wird untermalt von einem Soundtrack zwischen mittelalterlicher Instrumentierung und dennoch modern-avangardistischem Arrangement, der die Atmosphäre weniger unterstützt als sie direkt zu atmen scheint. Genau wie das Spiel selbst pendelt er unablässig zwischen Extremausschlägen: mal verträumt wie ein Sommerurlaub in der Provence, mal treibend wie der Schlag eines panisch pochenden Herzens, dann wieder unkontrolliert flirrend wie ein tanzender Albtraum, mal alles auf einmal wie diese Welt, die aus den Fugen geraten ist.

Die Kritikpunkte: marginal!

Wenn es etwas an A Plague Tale zu kritisieren gibt, dann allenfalls Kleinigkeiten, die sich fast zwangsläufig aus einer solchen Art von Spiel ergeben: Das Crafting für wirkungsvollere Schleudern oder größere Taschen etwa ist spielerisch eigentlich gar nicht nötig und steht der Immersion eher im Wege, weil man ständig in Szenen höchster Dramatik zunächst Ausschau nach sammelbarem Krimskrams hält, anstatt der Dringlichkeit der Situation nachzugehen oder sich vom Eindruck des Geschehens überwältigen zu lassen.

A Plague Tale: Innocence - Gameplay Overview Trailer
Der Gameplay-Overview-Trailer verrät euch alles Wissenswerte zum nahenden Action-Adventure A Plague Tale: Innocence.

Auch wer seine Schleichspiele lieber als spielerisch vielfältige Sandkästen wie in Hitman mag oder die räumliche Offenheit eines Assassin's Creed schätzt, der wird mit dem streng linearen Aufbau von A Plague Tale möglicherweise hadern. Die spielerischen Hindernisse sind hier weniger taktische Herausforderungen als vielmehr spielmechanische Rätsel, die nur selten richtig anspruchsvoll werden und wenn, dann zumeist in einer Abfolge von Trial & Error bis zum erfolgreichen Versuch gelöst werden - gegen Ende in gelegentlich nervigem Trial & Error.

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Und wenngleich die Geschichte noch etwas mehr Breite hätte vertragen können und die Rätsel mehr Raffinesse, so kann ich A Plague Tale: Innocence nur jedem ans Herz legen, der The Last of Us mochte. Oder mal wieder ein durch und durch schön inszeniertes, lineares Stealth-Adventure spielen will. Die aufstrebenden Entwickler von Asobo haben eure Unterstützung verdient!

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A Plague Tale: Innocence
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