Special - Titan : Details zu Blizzards Sci-Fi-MMO

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Sieben Jahre lang werkelte Blizzard Entertainment am im Übrigen streng geheimen MMO-Projekt Titan. Hin und wieder gab es den ein oder anderen Infohappen rund um den Stand der Entwicklung, einen kompletten Neustart der Arbeiten vor etwas mehr als einem Jahr inklusive. Handfeste Details zum Inhalt des Titels wurden aber nie bekannt. Jetzt hat Blizzard einen Schlussstrich gezogen und das ambitionierte Projekt, das den Erfolg von World of WarCraft in einer neuen MMO-Generation fortsetzen sollte, eingestampft. Eingestellt deshalb, weil man das Gefühl hatte, mit dem Spiel den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, aber wohl auch, weil sich die Zeiten geändert haben, weg vom Abomodell, hin zu Free-to-Play.

Es bedurfte nun eben jener Einstellung des Projekts, dass einige Mitarbeiter nun erstmals einige Infos zum Inhalt des Spiels preisgaben, wenngleich lediglich unter Wahrung der Anonymität, denn eigentlich ist das seitens Blizzard weiterhin strikt untersagt. Was also verbarg sich hinter dem sagenumwobenen Titan aus dem Hause Blizzard? Die nächsten Absätze sollen euch diesbezüglich einige tiefere Einblicke gewähren.

Die englischsprachigen Kollegen von Kotaku begaben sich auf die Suche nach Antworten und haben nun auch einige erhalten. Über den Zeitraum von sieben Jahren hinweg sei der Entwicklungsprozess fließend gewesen, das heißt, die Entwickler haben Details des Titels über das grundlegende Setting hinaus stets immer wieder Änderungen unterzogen. Die Quellen von Kotaku, die nun geplaudert haben, waren zwischen 2007 und 2012 mit Arbeiten an Titan betraut.

Titan wäre demnach ein waschechtes Massively Multiplayer Online Game für den PC geworden, angesiedelt auf einer Science-Fiction-Version der guten alten Erde. In der nahen Zukunft hatte die Menschheit mit einer Invasion von Aliens zu kämpfen, vermochte sich aber erfolgreich zu verteidigen. Nach diesem Krieg ist ein kalter Krieg um die Kontrolle des Planetens ausgebrochen. Spieler hätten sich für eine von drei Fraktionen entscheiden müssen. Die für das Spiel eingeplanten Zonen hätten von der Westküste der Vereinigten Staaten bis Europa, Südamerika und Australien gereicht, also einen Großteil des Planetens abgedeckt. Die Spielwelt sollte wirklich riesig werden. Nach der Veröffentlichung hätten weitere Zonen in Erweiterungen hinzugefügt werden sollen.


(StarCraft: Ghost)

Das Spielprinzip sah vor, dass ihr am Tag einem Job nachgeht - als Metzger, Ingenieur oder Unternehmer. Bei Nacht oder zwischen den Arbeitszeiten jedoch drehte sich alles um die geheime Kriegsführung gegen die gegnerischen Fraktionen. Ein mögliches Szenario sah beispielsweise vor, dass ihr einer Firma dabei helft, einen Laden am Laufen zu halten. Währenddessen werdet ihr zu einer Mission eurer Fraktion gerufen, so dass ihr euch zum Aufzug begebt, euer Outfit wechselt und anschließend mit Freunden oder einer Gruppe Alliierter in die Schlacht zieht. Ihr hättet die Anforderung wahlweise aber auch ignorieren können, um schlicht weiter eurem Job in der Spielwelt nachzugehen - die Möglichkeiten diesbezüglich hätten nahezu grenzenlos sein sollen.

Für ein MMO typisch wären auch verschiedene Klassen zur Auswahl gestanden, darunter der Reaper, der Jumper, der Titan, der Ranger oder auch der Juggernaut. Jede Klasse hätte spezifische Kampffähigkeiten und Gegenstände erhalten. Hinter den Jumpern hätten sich zum Beispiel agile Scouts verborgen, die sich unter anderem durch Teleportation schnell hätten fortbewegen können. Titans wären die klassische Tank-Klasse geworden, während Ranger mit ihren Tarnmöglichkeiten die Rolle von Scharfschützen übernommen hätten. Wer an Ranger denkt, kann durchaus Quervergleiche mit dem ebenfalls eingestellten StarCraft: Ghost tätigen.

Im Ergebnis hätten die verschiedenen Quellen jeweils Vergleiche zu Team Fortress beziehungsweise Team Fortress 2 hergestellt, sowohl was die Ästhetik des Spiels betrifft, als auch die Spielmechanik in den Kämpfen. Eine andere Quelle beschrieb Titan dagegen als eine Mischung aus den Ingame-Cinematics von StarCraft II und Pixars "Die Unglaublichen". Je nach Wunsch oder Spielsituation hätte sich die Perspektive zudem von First-Person zu Third-Person und umgekehrt ändern lassen.


(The Secret World)

Andere Vergleiche wurden zum MMO The Secret World gezogen, schließlich hätte Titan wie erwähnt auch in zwei Spielbereiche aufgeteilt werden sollen: die "echte Welt" und die "Schattenwelt". In der echten Welt hättet ihr Gegenstände hergestellt, soziale Kontakte aufgebaut und gepflegt sowie gearbeitet. In der Schattenwelt drehte sich alles um den Kampf gegen eure Feinde. Von Deathmatches über weitere klassische Shooter-Inhalte wie Capture the Flag sei hier alles dabei gewesen. Blizzard wollte beide Spielbereiche möglichst interessant gestalten, so dass es wirklich den Spielern selbst überlassen werden sollte, wo sie sich länger aufhalten und wie sie das Spiel spielen wollen.

Damit der Ablauf in der "echten Welt" keineswegs uninteressant würde, hatte Blizzard zudem verschiedene neue Mechaniken in Planung. Ihr hättet dort nicht nur eure eigenen Shops betreiben, sondern auch Beziehungen zu NPCs aufbauen können. Sogar das Gründen einer Familie sei dank eines komplexen KI-Systems angedacht gewesen, wozu man sogar ehemalige Maxis-Mitarbeiter angeheuert hatte, die aufgrund ihrer Erfahrungen mit Die Sims bei der Umsetzung helfen sollten.

Im Ergebnis sollten dadurch Städte entstehen, die sich wie tatsächlich lebende Welten hätten anfühlen sollen. Geregelte Tagesabläufe, verschiedenste Läden und Verhaltensweisen, die sich bei den Charakteren ändern, je nachdem, was gerade passiert - alles sei von Blizzard äußerst ambitioniert angegangen worden. Auch hätten sich KI-gesteuerte Charaktere stets an den Spieler und dessen früheren Verhalten erinnern können und entsprechend reagiert. Eine Bedienung im Laden hätte euch beispielsweise auch anders begrüßen sollen, wenn ihr dort häufiger eingekauft hättet.

Das alles sei jedenfalls zunächst der große Plan für Titan gewesen, inwieweit dieser zuletzt noch umgesetzt worden wäre, ist offen. Unbekannt ist nämlich, inwieweit Blizzard das Spiel beim Neustart der Entwicklung im Jahr 2013 über den Haufen geworfen hat. Ein Großteil des Teams sei abgezogen oder entlassen worden und die Pläne hätten ab diesem Zeitpunkt auch in eine komplett andere Richtung gehen können. Auch die Quellen, die nun über das Spiel sprachen, waren dann jedenfalls nicht mehr involviert.

Unter dem Strich bleibt aber die Aussage von CEO Mike Morhaime, wonach Titan eingestellt wurde, weil man es schlicht nicht als "spaßig" empfunden habe; man hätte keine Passion, keine Hingabe für das Spiel entwickeln können. Das Spiel war einfach nicht gut genug, um den Ansprüchen von Blizzard gerecht zu werden. Und auch, wenn die Einstellung Blizzard nach Schätzung mehrerer Analysten zwischen 50 und 140 Millionen Dollar gekostet haben mag, so sind sich doch alle einig: Zum guten Ruf von Blizzard Entertainment hätte ein weniger gutes Spiel einfach nicht gepasst.

Doch wer weiß: Vielleicht werden (gelungene) Teile des Konzepts ja doch noch umgesetzt. Laut Kotaku sei ein kleiner Teil des Entwicklerteams immer noch intakt. Dass Titan unter anderem Namen und in abgewandelter Form doch noch das Licht der Welt erblickt, ist somit zumindest nicht gänzlich auszuschließen.

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