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Test - Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden : Test: So sinnlos, dass es schon fast wieder geil ist

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Cozy-Lebenssimulationen erleben aktuell eine kleine Renaissance. Es hat aber auch einfach was für sich, eine eigene Welt aufzubauen, deren Bewohner zu verwalten und im ganz eigenen Tempo vor sich hin zu siedeln. Pokémon Pokopia beispielsweise mauserte sich in den letzten Wochen zum Achtungserfolg für Nintendo, und auch Animal Crossing: New Horizons erlebt dank des Switch-2-Upgrades einen zweiten Frühling. Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden schlägt nun als nächster Nintendo-Titel in diese Kerbe und ist bisweilen durchaus verwirrend.

Im Kern geht es bei Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden lediglich darum, eine Insel zu bevölkern und die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner zu erfüllen. Hier zeigen sich auch Parallelen zu Die Sims, denn ihr erstellt sie alle einzeln und von Hand. Sie kommen aber keinesfalls realistisch daher, sondern in der ikonisch-gruseligen Mii-Optik. Bis zu 70 Leutchen tummeln sich maximal auf eurem Eiland.

Euch kenn’ ich doch!

Natürlich erlaubt die freie Charaktererstellung allerlei Unfug. Wollt ihr lieber Menschen aus eurem Privatleben nachbauen? Soll die Insel von Promis bevölkert werden? Baut ihr euch einen eigenen Harem auf? Verbannt ihr ein Geschlecht komplett von eurer Insel? Die Entscheidung überlässt Nintendo komplett euch. Dazu definiert ihr auch die Wesenszüge: Handelt es sich eher um eine introvertierte oder extrovertierte Person? Ist sie vorsichtig? Wie direkt äußert sie Gedanken und Wünsche?

Durch jede Menge Nasen, Münder, Frisuren, Hautfarben und Körperformen lassen sich die Miis auch rein optisch erstaunlich vielfältig anpassen. Besonders schön ist außerdem der Umstand, dass ihr nun auch die sexuelle Orientierung festlegen dürft. Auch nicht-binär gibt es als neue Option, womit die größten Kritikpunkte bezüglich mangelnder Inklusion des Vorgängers eliminiert wurden.

Eine Sache wurde aber glücklicherweise nicht geändert, und zwar die Sprachausgabe. Denn jeder einzelne Mii brabbelt ohne Punkt und Komma vor sich hin, wobei sich ihre Stimmchen sogar in Höhe, Tonlage, Geschwindigkeit und vielen weiteren Punkten anpassen lassen. Erwartet aber keine professionellen Sprecherinnen und Sprecher, denn Nintendo setzt abermals auf computergenerierte Text-to-Speech-Sprachausgabe.

Dadurch entsteht in Kombination mit der ohnehin schon seltsamen Optik der Miis eine durchaus ungewöhnliche Stimmung. Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden setzt mit dieser bewussten Entscheidung der seltsamen Sprachausgabe eine ganz eigene Duftmarke im Bereich der Lebenssimulationen, die im eigentlichen Spiel noch intensiver und seltsamer wird.

Der Traum vom Eigenheim

Nach der Mii-Erstellung platziert ihr noch sein oder ihr Haus auf der Insel, und schon wuselt die kleine Figur durch die Gegend und geht unterschiedlichsten Aktivitäten nach. Die Buden der Buben und Mädels erscheinen nach dem Bau sehr traurig und trist: vier Wände und eine Farbe, die zum Wesen des Miis passt – das war's.

Zum Glück für eure Untergebenen gibt es aber einige Shops, die ihr nach und nach freischaltet. Darunter auch ein Inneneinrichtungs-Center, das unterschiedlichste Designs bietet. Sollen die Ein-Zimmer-Buden nach einem Raum für japanische Teezeremonien aussehen oder doch lieber wie die futuristische Zentrale eines Hackers? Abgesehen von der Optik macht das übrigens keinen großen Unterschied.

Selbiges gilt für die Klamotten, die ihr ebenfalls in einem Shop erwerben könnt. Zu Beginn latschen die Miis in simplen Hosen und Pullis basierend auf ihren Wesenszügen umher. Wollt ihr ihnen andere Optik gönnen, dann stehen auch hier von Kleidern über Hosenanzüge hin zu Froschhüten alle möglichen Optionen zur Verfügung.

Ein glücklicher Mii ist ein glücklicher Mii

Grundsätzlich agiert ihr als Gott der Miis und dürft entsprechend schalten und walten, wie ihr wollt. Diktatoren machen sich aber nur bedingt beliebt, daher solltet ihr stets auf eure Untertanen hören. Die äußern nämlich regelmäßig Wünsche, die unterschiedlicher kaum ausfallen könnten. Mal wollen sie was zu essen (bekommt ihr im Supermarkt), mal verlangt ihre Garderobe nach einem Update oder die Bude soll einen frischen Anstrich erhalten.

Erfüllt ihr diese Anfragen, verdient ihr etwas Geld, das ihr wiederum in eure Miis und den Ausbau der Insel steckt. Doch dazu gibt es noch eine Art Wunschenergie, die ihr am zentralen Wunschbrunnen abliefert und so regelmäßig im Level aufsteigt. Das dient nicht nur als dezentes Fortschrittssystem, durch das ihr beständig neue Shops und Inselerweiterungen freischaltet, auch Freischaltungen winken.

Entweder sucht ihr euch neue Dekorationen für eure Insel aus – von Getränkeautomaten über Sitzbänke hin zu neuen Bodenbelägen ist alles geboten. Es gibt aber auch Eigenarten, die bestimmen, ob ein Mii breitbeinig durch die Gegend stolziert, bestimmte Ausrufe benutzt oder ihr ihm ein Geschenk wie eine Gitarre, eine Yoga-DVD oder Seifenblasen überreicht. Diesen Tätigkeiten gehen sie dann regelmäßig nach und kommen so eventuell mit anderen Miis ins Gespräch.

Allerdings werft ihr nicht einfach mit Geschenken um euch; das geht nur, wenn der Zufriedenheitslevel eines Bewohners oder einer Bewohnerin steigt. Natürlich geht das durch erfüllte Wünsche; trefft ihr dabei den Geschmack des Miis, geht das deutlich schneller. Ob er aber nun lieber Curry oder Sandwiches mampft, findet ihr nur durch stumpfes Trial-and-Error heraus.

Ich liebe Sie

Ein hübsches Outfit, ein dickes Haus und eine perfekt gestimmte Gitarre helfen natürlich nur bedingt, wenn man all die tollen Sachen mit niemandem teilen kann. Auch Miis sind soziale Wesen, und in eurer Eigenschaft als ihr Gott müsst ihr für jede Menge Beziehungen sorgen. Entweder packt ihr eine Person und bringt sie mit einer anderen in Kontakt, wodurch sie direkt anfangen, miteinander zu quatschen. Themengebiete gebt ihr nach und nach durch manuelle Texteingabe frei.

Hier zeigt sich übrigens ein Kuriosum von Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden: Es gibt keinen Filter. Ihr dürft tatsächlich jeglichen Schweinkram eintragen, der euch in den Sinn kommt. So reden die Miis auf meiner Insel über Monster Hunter, Bier trinken, Popel essen, Romano und auch andere, weitaus weniger jugendfreie Themen. In Kombination mit der seltsamen Sprachausgabe sorgt das immer wieder für ein Schmunzeln.

Theoretisch kann es auch passieren, dass sich die Miis untereinander nicht so gerne haben, wie ihr euch das vorstellt. Wollt ihr beispielsweise euch und eure Frau nachstellen, kann es schon passieren, dass es auf den ersten Blick nicht passt. Doch als Gott habt ihr weiterhin das letzte Wort. Denn bevor sie sich gegenseitig ihre Liebe gestehen, einen Heiratsantrag machen oder zusammenziehen, fragen sie nach eurer Meinung. Und seid ihr dagegen, gehorchen sie. Brav. Selbiges gilt übrigens auch für ganz normale Freundschaften.

Kurios gestaltet sich hingegen die Familienplanung. Denn bei der Erstellung eines jeden Miis dürft ihr definieren, mit welchen anderen Figuren er oder sie verwandt ist. Doch auf der Insel angekommen, sind sich Vater und Tochter, Mann und Frau, Bruder und Schwester dennoch fremd.

Und wofür das alles?

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wo liegt das Spielziel von Tomodachi Life? Existiert es überhaupt? Oder reicht es Nintendo, eure Allmachtsfantasien zu erfüllen und euch zum Herrscher (oder zur Herrscherin) über eure eigene Insel zu machen?

Ganz klar trifft der zweite Punkt zu. Sehr schnell fehlt eine Karotte vor der Nase, wie es sie beispielsweise durch die Story bei Pokémon Pokopia gibt. Oftmals erwischt ihr euch dabei, stumpf auf den Bildschirm zu schauen und das seltsame Treiben zu beobachten, während ihr auf den nächsten Wunsch eines Miis wartet.

Der eingangs getroffene Vergleich mit Die Sims trifft durchaus zu. Tomodachi Life will euch einfach nur ganz entspannt über eine Insel herrschen lassen. Ihr baut die Zivilisation auf, die ihr wollt; es gibt kein Drama, keinen Stress, keinen Druck. Zwar benötigt ihr Geld, das ihr durch erfüllte Wünsche verdient, aber kommt es heute nicht, kommt es halt morgen.

Der absolute Irrsinn

Regelmäßig entstehen dann aber doch Momente, die für verwirrende Abwechslung sorgen. Manchmal lauern Miis einander auf und erschrecken sich gegenseitig ohne wirklich erkennbaren Grund. Oder ihr erwischt eine Figur bei einem Nickerchen und infiltriert ihren Traum. Hier schubst ihr sie ein Sprungbrett herunter, beobachtet sie bei okkulten Tänzen um einen Virtual Boy herum und noch vieles mehr.

Bei einem Liebesgeständnis helft ihr dabei, Nervosität zu eliminieren, und zwar im Stil eines klassischen Shoot-em-Ups. Ihr fliegt umher und ballert alles vom Bildschirm, was für blöde Situationen sorgen könnte; sonst verhaut es der Mii und nennt die andere Person beim falschen Namen.

Oder die Miis fordern euch zu Minispielen auf. Hier sollt ihr an Silhouetten erkennen, welche Person sie zeigen, spielt eine Runde „Nicht nachsagen" oder erkennt Lebensmittel auf Basis stark herangezoomter Bilder. Als Belohnung winken neben Geld und Wunschenergie noch Geschenke, die einfach als Collectibles fungieren und von denen es mehrere Hundert gibt.

Es wirkt regelmäßig so, als hätte Nintendo bei der Entwicklung Brainstorming-Sessions abgehalten und jede aufgekommene Idee einfach ungefragt im Spiel verbaut. So entsteht in Kombination mit der seltsamen Mii-Optik und schrägen Sprachausgabe ein oftmals immens verwirrender Titel, der sich deutlich von anderen Lebenssimulationen abhebt.

Greift zu, wenn...

… ihr keine Karotte vor der Nase braucht und kindliche Freude daran habt, eure eigene Insel aufzubauen und über das Schicksal ihrer Miis zu entscheiden.

Spart es euch, wenn...

… ihr ein größeres Ziel verfolgen wollt und klar definierte Regeln für Vorlieben von Figuren erwartet, nach denen ihr handeln könnt.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Die ungewöhnlichste Lebenssimulation des Jahres verlangt Geduld, belohnt dafür mit Irrsinn

Ganz ehrlich, oftmals habe ich mich während meiner Zeit mit Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden gefragt, was die Leute bei Nintendo eigentlich geraucht haben. Das grundlegende Konzept klingt gar nicht so viel anders als Animal Crossing, aber die Darreichungsform spottet tatsächlich jeglicher Beschreibung. Von den teils urkomischen Momenten bis hin zu Grafik und Audio kann man durchaus sagen: So etwas gibt es kein zweites Mal.

Für all jene unter euch, die reale Personen und Beziehungen möglichst genau nachbauen wollen, bietet Tomodachi Life tatsächlich jede Menge Optionen und erstaunlich viel Tiefe hinter der schrägen Präsentation. Euch bieten sich haufenweise Wesenszüge für die Miis, unterschiedlichste Geschenke und die Macht über Partnerschaften und das Design eurer Insel.

Dabei kommuniziert das Spiel einige Punkte nicht sonderlich klar; beispielsweise müsst ihr für die Vorlieben in Sachen Essen und Klamotten einfach herumprobieren, und selbst dann ergeben sie nicht immer Sinn. Warum gefällt einer Figur denn ein Band-Shirt, die dazu passende schwarze Hose samt Sneakern dann aber nicht? Vermutlich sollte man nicht zu viel nachfragen.

Wenn ihr also in Animal Crossing und Pokémon Pokopia bereits all eure Ziele erreicht habt, eignet sich Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden durchaus für euch. Allerdings müsst ihr euch im Klaren sein, dass regelmäßig größere Downtime auftritt. Ihr habt nicht ständig etwas zu tun, und das Geld geht schnell aus, versorgt ihr eure Miis mit neuen Zimmern, Essen und Klamotten. Aber vielleicht liegt für euch ja genau in dieser Entschleunigung der Reiz.

Überblick

Pro

  • charmante Mii-Optik
  • haufenweise Möglichkeiten bei der Charaktererstellung
  • Jede Menge Klamotten, Gebäudestile und weitere Anpassungsoptionen
  • irrsinnige Ideen, wie sie sich sonst in keiner Lebenssimulation finden
  • ihr bleibt stets in der Kontrolle über das Schicksal der Miis
  • theoretisch unendlich spielbar

Contra

  • Vorlieben fallen willkürlich aus
  • kein fest definiertes Spielziel
  • viel Leerlauf
  • Situationen können sich mit der Zeit wiederholen

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