Test - The Great Perhaps : Charmante Zeitreise durch die Apokalypse

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100 Jahre Kryo-Sschlaf im All und dann mal kurz die Welt retten? Im dystopischen Puzzle-Adventure The Great Perhaps geht das nicht ohne eine gehörige Portion Schwermut einher. Ob sich der kleine Kosmonaut aus dem russischen Entwicklerstudio Caligari Games damit gegen Adventure-Größen behaupten kann, lest ihr im Test.

In The Great Perhaps schlüpft ihr in die Rolle eines russischen Kosmonauten, der auf einer Raumstation in der Erdumlaufbahn 100 Jahre in Kryo-Schlaf versetzt wurde und nach dem Aufwachen feststellen muss, dass eine Katastrophe alles Leben auf der Erde vernichtet hat. Um den Geschehnissen auf den Grund zu gehen, schnappt ihr euch eure Schiffs-KI und reist zurück zur Erdoberfläche, um zu sehen, was es noch zu retten gibt.

Dort angekommen, zeigt sich ein eher niederschmetterndes Bild: keine Menschen, keine Städte, kein Leben. Nichts als verlassene Behelfsunterkünfte und verfallene Ruinen zieren die Landschaft. Nur ein kleines Gadget springt euch sogleich ins Auge: eine Laterne. Sie ist das Kernelement des Spiels, denn sie lässt euch zeitweise einen Abstecher in die Vergangenheit unternehmen – in welches Jahr ist aber nicht ganz klar. Dafür könnt ihr euch in der Zeitlinie vor dem Weltuntergang genauso bewegen wie in der Gegenwart und sogar Objekte über temporale Grenzen hinweg mitnehmen.

Gut gespickt und selbst erdacht

Genre-Veteranen kennen ähnliche Mechaniken mit unterschiedlichen Spielebenen etwa aus Lilly Looking Through, Vane oder The Silent Age, das auch in der Handlung einige Parallelen zu The Great Perhaps aufweist. Euren Kosmonauten steuert ihr jedoch nicht in traditioneller Point-&-Click-Manier, sondern ausschließlich über die Tastatur.

Das ist zwar im ersten Moment für diese Art von Adventure eher ungewohnt, gibt den Entwicklern jedoch die Möglichkeit schnellere Verfolgungsjagden einzubauen. Denn ihr seid nicht allein auf der Erde! Zwar gibt es keine Spur von menschlichem Leben mehr, jedoch lauert hier und da ein fieses Schattenmonster, das euch aus zunächst ungeklärten Gründen den Garaus machen will. Diese Action-Passagen benötigen manchmal ein gewisses Maß an Trial and Error und könnten Adventure-Puristen gegen den Strich gehen, doch glücklicherweise drängen sie sich im Spielverlauf nicht allzu sehr auf und setzen faire Respawn-Punkte.

Knobelfrei und hakelig

Etwas zu kurz kommen dafür klassische Rätsel.Abgesehen von gelegentlichen Rohr-Puzzles auf Grundschulniveau und den üblichen „diese Tür ist verschlossen, lenke die Wache ab und krall dir den Schlüssel“-Spielereien kommen Rätsel-Fans nicht wirklich auf ihre Kosten. Außerdem ist die Steuerung manchmal etwas umständlich. Weil eure Zeitreiselaterne fest in der linken Hand verwurzelt ist, habt ihr nur die Rechte frei, um Gegenstände aufzunehmen. Wollt ihr ein zweites Objekt greifen, lasst ihr das erste an Ort und Stelle fallen. Das führte mehr als einmal zu verzwickten Situationen, in denen es nicht mehr gelingen wollte, ein verlorenes Item wieder aufzunehmen. Einmal war es sogar nötig, das Level zurückzusetzen.

Dafür gleicht das knapp zweistündige Weltuntergangsintermezzo fehlende spielerische Tiefe mit atmosphärischen Schauplätzen, düsterer Grundstimmung und Handlungssträngen zum Mitfühlen aus. Der Kontrast zwischen verwahrloster Gegenwart und der lebendigen Vergangenheit kommt besonders gut in Levels wie einem Jahrmarkt oder dem Zoo zur Geltung. Entwickler Caligari Games schafft es, zwischen all der Eintönigkeit und Dystopie, die jeden Schritt in The Great Perhaps begleiten, die Hoffnung des gelegentlich schwankenden Kosmonauten bis zum Schluss nicht zu zerschmettern und damit einen angenehm schwermütig-hoffnungsvollen Stimmungsbogen zu halten.

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