Preview - Terrinoth: Heroes of Descent : Dungeon-Crawl mit Brettspiel-DNA
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Videospiel-Adaptionen von Brettspielen können manchmal etwas mechanisch sein oder sich anfühlen wie ein schlecht übersetztes Regelbuch. Terrinoth: Heroes of Descent will genau das Gegenteil. Ein echtes Dungeon-Crawl-Abenteuer, das die DNA von Descent zwar zitiert, vornehmlich aber ein gutes Videospiel ist. Bleibt also die Frage, ob die Entwickler der Artefacts Studios diesen schmalen Grat ohne zu stolpern beschreiten.
Das Grundprinzip des Spiels ist dabei schnell erklärt. Ihr stellt ein Team aus Helden zusammen, erkundet gefährliche Orte in der mittelalterlichen Fantasy-Welt von Terrinoth und kämpft euch durch Räume voller Fallen, Monster und Architektur, die nur dazu geschaffen scheint, euer Leben drastisch zu verkürzen. Klassen, Ausrüstung, Fähigkeiten und Charakterentwicklung orientieren sich klar an der Vorlage. Es gibt Tanks, Fernkämpfer und Support-Charaktere, nur den einen Kumpel, der immer vergisst, seine Fähigkeiten zu benutzen, müsst ihr selbst mitbringen.
“F” steht für “Freunde”
Genauer gesagt könnt ihr bis zu drei Freunde dazu überreden, mit euch in die Tiefen der Dungeons hinabzusteigen. Die schalten sich dann einfach online dazu und unterstützen euch bzw. behindern euch hoffentlich möglichst wenig. Das Gefühl eines klassischen Brettspielabends, an dem ihr eure Mitspieler einfach nur anschreien wollt, weil die nur Blödsinn machen, darf durchaus erhalten bleiben.
Aber eben auch das gemeinsame Planen, das triumphale “Ich hab’s doch gesagt!” und die geteilte Freude, wenn der Boss dann endlich im Staub liegt, sollen laut der Entwickler eingefangen werden. Alleine spielen geht natürlich auch. Aber wie beim Brettspiel gilt: Mit Freunden macht es einfach mehr Spaß. Und immerhin fällt die stundenlange Wartezeit weg, wenn einer erstmal die ganzen Regeln lesen muss, denn die übernimmt ja der Computer für euch.
Entweder ihr folgt dann gemeinsam der brandneuen Hauptgeschichte, die sich über mehrere Dungeon-Besuche (und somit wahrscheinlich auch über mehrere Sessions) hinwegzieht und die versprochene epische Storyline vorantreibt, oder ihr wählt einfach eine in sich geschlossene Mission in einem einzigen Dungeon aus. Wenn eure Freunde also keinen Bock haben, sich auf eine ganze Kampagne einzulassen, oder ihr keinen Bock habt, euch für eine ganze Kampagne auf eure Freunde einzulassen, bleibt euch immer noch der losgelöste Spieleabend im Wunsch-Dungeon.
Dungeons and … Dungeons
Davon gibt es ganze 20 Stück, die alle riesig sein sollen und ihr eigenes Thema und Mechaniken bekommen. Wobei “Dungeon” jetzt nicht zwangsläufig unterirdische Kellergewölbe und Kerker bedeuten muss. Es sind auch einige sehr schöne Stadtkulissen oder Sumpfgebiete dabei. Vor jedem Dungeon wählt ihr aus acht verschiedenen Helden eure bevorzugte Crew und rüstet euch aus. Hinterher nutzt ihr dann die gefundenen Ressourcen und den Loot, um aufzuleveln und euer Equipment zu optimieren, bevor es anschließend wieder ins nächste Abenteuer geht.
In den Kämpfen kombiniert ihr die Fähigkeiten der Helden und habt bis zu einem gewissen Grad auch Einfluss auf die Umgebung. Rote Fässer wollen natürlich gesprengt werden, aber sollten sich eure Feinde diese zunutze machen, kann eure Magierin mit einem Eiszauber die Lunte aber auch wieder löschen. Diese Kleinigkeiten geben noch ein bisschen taktische Tiefe und erfordern Planung, wenn man nicht in ausweglose Situationen kommen möchte, in denen man nur noch zusehen kann, wie sich die eigene Gruppe in Rauch und Feuer auflöst.
Hinzu kommen dann noch Höhenunterschiede, die sich taktisch nutzen lassen. Einige Helden besitzen Fähigkeiten, diese leichter zu überwinden, was die Wahl eurer Gruppe wieder essenziell für den Erfolg bzw. den Schwierigkeitsgrad des Dungeons macht.
Als rundenbasiertes Taktik-RPG kann sich Terrinoth dem Vergleich mit einem Baldur’s Gate III natürlich nicht verwehren. Und ja, an vielen Stellen fühlt man sich an Larians riesiges Epos erinnert. Zu sagen, Terrinoth sei besser oder schlechter als BG3 wäre aber eine Themaverfehlung. Wem die Kämpfe in BG3 prinzipiell gefallen, sich aber manchmal überfordert gefühlt hat ob der schieren Unmenge an Skills und Zaubern, der ist bei Terrinoth gut aufgehoben. War es aber die Entscheidungsfreiheit in der Geschichte oder deren Ausmaß, das euch gefesselt hat, ist Terrinoth keine Alternative für euch.
Terrinoth: Heroes of Descent ist ein Taktik-RPG, das klassischer nicht sein könnte und den Geist des Brettspiels auf eine digitale Plattform hievt, ohne dass man 200 Euro für das Brettspiel ausgeben oder hinterher Stunden mit Aufräumen verbringen müsste.


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