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Test - Synduality: Echo of Ada : Test: Im Mechselbad der Gefühle

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Ausflüge in gefährliche Welten müssen sich lohnen, so will es das ungeschriebene Videospielgesetz. Wann immer euch ein Game in mit Gegnern vollgestopfte Außenbezirke schickt, muss das Loot das Risiko wert sein. Extraction-Shooter treiben den Nervenkitzel durch ein simples Spielelement auf die Spitze: Ihr verliert jeglichen Loot und eure Ausrüstung, wenn ihr im Einsatz das Zeitliche segnet. Trotz des Hypes schaffen es aber nur wenige Titel, sich fest im Genre zu etablieren. Jetzt versucht es Bandai ebenfalls und bringt sogar ein Alleinstellungsmerkmal an den Tisch.

Ob Escape from Tarkov oder Hunt: Showdown, eine Sache haben so ziemlich alle Platzhirschen des Extraction-Shooter-Genres gemein: menschliche Protagonisten. Ihr zieht als Soldat, Revolverheld oder anderweitig anmutender Fleischklumpen los und versucht euch am Überleben in bösartigen Umgebungen. Synduality: Echo of Ada hingegen steckt euch in die harte Hülle eines Mechs. Doch auch abgesehen davon schraubt der Titel an einigen Stellschrauben des Genres.

Baukasten ohne Anspruch

Wir kennen und lieben es aus Titeln wie MechWarrior oder Armored Core, es ist das Öl im Getriebe des Mech-Genres: die Anpassung der tödlichen Metallkolosse. Je nach verbauten Teilen offenbaren sich besondere Vor- und Nachteile. Im Gegensatz zu den genannten Kollegen präsentiert sich Synduality: Echo of Ada aber vergleichsweise zurückhaltend. Ihr wechselt Körper, Arme und Beine eures Mechs aus, was sich aber nur minimal auswirkt. Letztlich bestimmt eure Konfiguration die maximale Zuladung und Boostgeschwindigkeit sowie Lebensenergie. Dadurch fühlt sich das Spiel deutlich arcadiger an, was aber natürlich nicht automatisch schlecht ist.

Allerdings fehlt dadurch auch die Finesse, die das Mech-Genre so spannend macht. Wo ich in Armored Core VI durch kleinste Anpassungen aus schier unschaffbaren Missionen plötzlich Sonntagsspaziergänge machte, fühlt sich bei Synduality: Echo of Ada jeder Build sehr ähnlich an. Dadurch löst sich die mechanische Neugier schnell in Wohlgefallen auf und ihr wählt einfach stumpf die Bauteile mit den offensichtlich besten Werten, ohne besondere Attribute oder Skills zu beachten – die existieren schlicht nicht.

Ein Wert sollte in jedem Fall im Fokus stehen, sonst fallen eure Ausflüge in die Außenwelt sehr kurz aus: Das Zuladungsgewicht erweist sich als enorm wichtig, schließlich müsst ihr in Synduality: Echo of Ada hauptsächlich Kristalle ernten, um Geld zu verdienen. Diese haben zudem eine gewisse Story-Relevanz, zur gänzlichen Irrelevanz der Geschichte komme ich aber später noch.

Jedenfalls sucht ihr an der Oberfläche der zerstörten Erde nach dem kostbaren Material und wehrt euch dabei gegen die ewig gleichen drei oder vier außerirdischen Monstertypen. Entweder ballert ihr böse Hunde, fliegende Quallen oder Sandwürmer vom Bildschirm oder halt andersfarbige und damit stärkere Versionen von ihnen.

Die Feuergefechte bestreitet ihr mit den üblichen Verdächtigen der Schießprügel-Fraktion: Schrotflinten, Maschinengewehre, Maschinenpistolen. Dazu wählt ihr zwischen Energie- und Projektil-Munition, was sich vor allem auf den Rückstoß auswirkt. Immerhin stellen sich euch nicht nur die öden Monster in den Weg, auch andere Mechs trachten nach eurer Beute – klar, Extraction-Shooter kommen nicht ohne eine gehörige Portion Bedrohung aus. Genügend Munition und Reparatur-Kits gehören also in jedes gut sortierte Loadout.

Eine Welt am Ende

Passend zur Gegner-Monotonie präsentiert sich auch die Welt selbst nicht sonderlich spektakulär. Willkürlich platziert wirkende Gebäudekomplexe knüpfen nahtlos an die immer gleichen Waldstücke an. Die allgemein leicht verwaschene Grafik (auf der Playstation 5) rundet den optisch durchwachsenen Gesamteindruck noch weiter ab. Immerhin fällt die Farbpalette der Welt angenehm abwechslungsreich aus, es gibt nicht nur mausgraue Städte, immer wieder brechen blau leuchtende mysteriöse Alienkonstrukte die Szenerie auf.

Eine spielmechanische Designentscheidung von Synduality: Echo of Ada ließ mich regelmäßig kopfschüttelnd zurück. Neben eurer Lebensenergie müsst ihr auch die Wetterfestigkeit eures Mechs im Auge behalten. Regen entpuppt sich nämlich als gefährlich. Sobald das kühle Nass vom Himmel fällt, gilt es, schnell Unterschlupf zu suchen. Das sorgt für teils minutenlange Zwangspausen oder ihr nehmt in Kauf, Schaden zu nehmen.

Bei euren Trips begleitet euch stets ein KI-Buddy, den ihr optisch deutlich vielfältiger als den Mech anpassen dürft. Das Hologramm eurer Begleitung kommt dabei im klassischen Stil einer Anime-Dame daher, womit die Zielgruppe von Synduality: Echo of Ada auch schnell geklärt sein dürfte. Immerhin fallen die Mikrotransaktionen meinem Eindruck nach fair aus. Im Battle Pass winken keine Objekte, die euch das Spiel erleichtern, stattdessen erhaltet ihr für den Echtgeldeinsatz neue Outfits für eure KI-Begleiterin und Skins für die Mechs.

Allerdings ist eure Assistenz nicht bloßes Zierwerk. Ihr dürft auch besondere Skills wählen. Beispielsweise einen mächtigen Multischuss, der auch gerne mal feindliche Mechs mit einem Mal vom Bildschirm fegt. Oder einen Schutzschild, durch den ihr vor den Auswirkungen des Regens gefeit seid. Jedoch fällt der Cooldown der Fähigkeiten viel zu lang aus, weshalb ihr sie pro Expedition in aller Regel nur ein- bis zweimal einsetzt, was sie nahezu nutzlos macht.

Aller Einstieg ist leicht

Extraction-Shooter sind vor allem durch ihr knallhartes Grundprinzip bekannt. Das offenbart sich zumeist schon beim ersten Spielstart. Erklärungen sucht ihr vergebens, der erste große Gegner ist das Verständnis. Wo euch normale Titel an die Hand nehmen und mit Taschenlampe durch den dunklen Wald der Einstiegshürden führen, lassen euch die Hardcore-Shooter blind draufloslaufen und stellen euch dabei sogar noch ein Bein.

Syndualiaty: Echo of Ada hingegen verpackt den eigenen Einstieg so frustfrei, dass es bisweilen schon fast schmerzt. Sämtliche Grundmechaniken vermittelt das Spiel in der nötigen Ausführlichkeit und selbst PvP schaltet sich erst nach einigen Stunden im Spiel frei. Allerdings übertreiben es die Entwicklerinnen und Entwickler bisweilen mit den Tutorial-Nachrichten, was den Spielfluss mitunter enorm stört.

An anderer Stelle erklärt das Spiel wiederum deutlich zu wenig, insbesondere wenn es um eure Basis geht. Diese baut ihr ohnehin nur in trockenen Menüs weiter aus, allerdings verrät euch Synduality: Echo of Ada nur selten, was beispielsweise der Schlafraum oder die Küche konkret für Vorteile bringen. Aber unter uns, die meisten Zimmer könnt ihr ohnehin links liegen lassen, wirklich spannend ist in erster Linie die Werkstatt, mit der ihr eigene Teile und Verbrauchsgegenstände herstellt. Diese schaltet ihr aber ohnehin im Verlauf der Story frei.

Die benötigten Ressourcen zum Ausbau eurer Basis findet ihr natürlich auch im Verlauf eurer Expeditionen. Meistens sammelt ihr das Zeug entspannt im Vorbeigehen ein, doch wehe euch, wenn ihr etwas Bestimmtes sucht. Objekte auf der Wunschliste markiert eure KI-Begleiterin zwar auf der Map und weist euch auf sie hin, das läuft aber alles andere als zuverlässig ab. Zumal ihr oftmals so viel braucht, dass ihr stundenlang durch die Gegend irrt, bevor ihr alle Nötige zusammenhabt.

Wo wir schon bei der Story wären: Die ist kaum der Rede wert. Die Menschheit verzog sich nach einer großen Katastrophe unter die Erde, lediglich die „Drifter“ wagen sich an die Oberfläche. Richtig geraten, zu dieser Mech-reitenden, Kristall-sammelnden tollkühnen Truppe zählt auch ihr. Die Menschheit lebt aber nicht alleine unter Tage, auch eine KI treibt dort ihr Unwesen, die euch ja auch in Form eurer reizenden Anime-Assistenz begleitet.

Während die Ausgangslage der Geschichte von Synduality: Echo of Ada gar nicht verkehrt ausfällt, haut die Erzählung selbst auf keiner Ebene um. An manchen Stellen gibt es seltsame Cartoon-Zwischensequenzen mit Fallout-Verwandtschaft, dann findet ihr wieder Lore-relevante Objekte, deren Texte mehr verraten und auch in den Ladescreens vor einer Expedition erfahrt ihr mehr. So kommt natürlich nicht mal der Hauch von erzählerischem Momentum auf.

Greift zu, wenn...

… ihr unbedingt jeden Extraction-Shooter oder Mech-Titel spielen müsst, den es gibt.

Spart es euch, wenn...

… euch ewiger Grind und potenzieller Loot-Verlust den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Ein gutes Alleinstellungsmerkmal macht noch kein gutes Spiel

Mechs und Extraction-Shooter bilden eine Kombination, die zumindest auf dem Papier ideal zusammenzupassen scheint. Im Fall von Synduality: Echo of Ada geht diese Formel aber nur bedingt auf, denn es hakt an zu vielen Stellen. Die Anpassung des Mechs geht viel zu mühselig vonstatten, da der Ingame-Shop nur langsam um neue Bauteile erweitert wird, und auch von erlegten Gegnern im Feld findet ihr nur selten spannende neue Parts.

So fühlt sich das Spiel schnell nach einem nicht enden wollenden Botengang an, in den gelegentlich Feuergefechte eingestreut werden. Die bringen ebenfalls kaum etwas Neues in die Werkstatt, ob Waffen, Granaten oder die viel zu selten einsetzbaren Spezialskills, alles kennt man besser aus anderen Spielen schon.

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Besonders schade finde ich auch die verspielten Chancen bei der Story. Aber ganz allgemein wäre bei Synduality: Echo of Ada einfach mehr drin gewesen. Mech-Spiele gibt es deutlich bessere und auch Extraction-Shooter haben ihre verdienten Platzhirsche. Letztlich hat Bandai hier zwar die richtige Idee gehabt, sie aber nur halbherzig umgesetzt. Schade. Denn so bleibt ein halbgarer Titel für Die-Hard-Mech-Fans.

Überblick

Pro

  • Einstieg deutlich gnädiger als bei der Konkurrenz
  • im Kern interessante Story
  • typische Risk-Reward-Motivation kommt im Ansatz auf

Contra

  • Spielwelt insgesamt zu eintönig
  • Grind fällt viel zu stark aus
  • Spezialskills zu selten einsetzbar
  • Mech-Anpassung eher nebensächlich
  • Grafik wirkt zu verwaschen

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