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Test - Super Meat Boy 3D : Test: Fleischeslust oder Platforming-Frust?

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Ein Studio, das nur eine einzige Marke bedient und sich sogar nach dieser benennt? Klingt komisch, ist im Fall von Team Meat aber wirklich so. Mit Super Meat Boy 3D wagt der fleischige Klops erstmals den Sprung in die dritte Dimension. Dieser Schritt kostete schon so manchem Franchise die Fans, doch in diesem speziellen Fall bleiben alle Qualitäten des Originals erhalten, ohne die knüppelharten Alleinstellungsmerkmale zu verlieren.

Die Eckdaten von Super Meat Boy 3D fallen ganz ähnlich aus wie im Original von 2010 – verdammt, bin ich alt geworden. Ihr spielt einen kleinen Fleischklops, der auf der ewig währenden Mission ist, seine Freundin zu retten. Doch der böse Dr. Fetus macht euch einen Strich durch die Rechnung, und so sterbt ihr euch Level für Level in Richtung Spielende.

Dabei geizt Super Meat Boy 3D auf den ersten Blick an Spielelementen. Euer fleischiger Freund läuft, sprintet, springt, dasht und rutscht an Wänden herum. Viel mehr Optionen gibt euch das Spiel nicht an die Hand, aber in dieser Simplizität liegt eben auch der Reiz und die Herausforderung.

Keine Fehler erlaubt

Die Levels nehmen selten mehr als 20 Sekunden eurer Zeit in Anspruch – zumindest auf dem Papier. Denn bis ihr den einen perfekten Run absolviert, verrinnt deutlich mehr Sand in der Uhr. Die Abschnitte sind gespickt mit Fleischwölfen, Kreissägen, Stacheln, Flammen und vielen anderen Fallen, die kurzen Prozess mit eurem proteinreichen Protagonisten machen. Ein Fehler reicht, und ihr segnet das Zeitliche. Checkpoints gibt es keine, es geht zurück an den Anfang.

Nach dem Ableben erwarten euch keine langen Ladezeiten; ihr dürft euch direkt in den nächsten Versuch stürzen. So beugt Super Meat Boy 3D einem gewissen Frust vor und kitzelt diesen einen Nerv im Hirn, der für das „Noch eine Runde"-Syndrom zuständig ist.

Um es aber noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Wenn ihr mit schweren Spielen nicht klarkommt, ist das hier nichts für euch. Schon die auf fünf Welten verteilten regulären 75 Levels verlangen euren Reflexen und Skills nahezu alles ab. Von Waldwegen über Mülldeponie bis hin zu einer Fabrik ist aber zumindest jede Menge Abwechslung beim fröhlichen Sterben geboten.

Sollte euch wider Erwarten die Herausforderung in den regulären Levels nicht ausreichen, gibt es noch die Dark World. Hier findet ihr besonders harte Versionen der regulären Abschnitte, die das Team von Sluggerfly bisweilen massiv umgebaut hat. Somit bietet Super Meat Boy 3D insgesamt 150 Levels; Langeweile kommt so schnell entsprechend nicht auf.

Zumal ihr die Dark World nicht einfach so spendiert bekommt. Ein jedes Level hier schaltet ihr erst frei, wenn ihr in der Light World eine vordefinierte Zeit unterboten habt. Letztlich erreicht ihr das nur durch perfekte Performance; Motivation gibt es also mehr als genug. Zumal es noch weitere versteckte Abschnitte gibt, die besonders kreativ daherkommen. Sich in PlayStation-1-Optik als fleischiger „Solid Steak" an Scheinwerfern vorbeizumogeln, habe ich definitiv nicht erwartet.

Sprung in eine neue Dimension

Das Grundprinzip geht also ähnlich gut auf wie im 2D-Original, aber eine Frage bleibt: Hat Sluggerfly es geschafft, den Sprung in die dritte Dimension sauber hinzukriegen? Über weite Strecken muss ich diese Frage überrascht bejahen. Aufgrund der zugrundeliegenden Simplizität kann sich das Team gar nicht in überkomplexen Mechaniken verrennen, und in den meisten Fällen lassen sich Entfernungen gut einschätzen.

Allerdings kommt es selbst nach einigen Stunden im Spiel noch vor, dass ein Winkel nicht ganz ideal ausfällt oder der Meat Boy nicht wie gedacht an einer Wand entlanglaufen will. Auch lassen sich die Levels nicht immer direkt sauber lesen, wodurch der Weg ins Ziel manchmal unklar ist. Habt ihr dann aber den Flow eines Levels verstanden, sorgt es für umso mehr Freude, im perfekten Affenzahn durchzurennen.

Natürlich winkt am Ende jeder Welt ein Boss. Um ihn anzugehen, müsst ihr nur einen Teil der Levels abschließen, und naturgemäß stellen sie Highlights dar, bei denen aber noch mehr Trial-and-Error ansteht als ohnehin. Während euch ein riesiger Holzfällerroboter verfolgt, bleibt halt keine Zeit, um sich die Umgebung groß anzusehen.

Ein nettes Detail aus dem Original hat ebenfalls seinen Weg in Super Meat Boy 3D gefunden: Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Levels läuft ein Replay, das sämtliche Versuche auf einmal anzeigt. Das irre Gewusel bestätigt noch einmal die eigenen Bemühungen und zeigt auf, wofür der ganze Ärger denn jetzt gut war.

Gemeinsam sind wir stärker

Natürlich hat Sluggerfly in den Levels auch wieder Pflaster platziert. Diese befinden sich zumeist an besonders schwer zugänglichen Stellen und verlangen euch noch mehr Skill ab. Zum erfolgreichen Abschluss eines Abschnitts müsst ihr sie nicht einsammeln, aber sie belohnen euch mit neuen Charakteren.

Die sehen zum einen ganz nett aus; als Zombie- oder Skelett-Meat-Boy durch die Gegend zu rennen, hat auf jeden Fall seinen Charme. Aber sie bringen auch Modifikatoren ins Spiel, die euch das Leben in den meisten Fällen eher schwerer als leichter machen. Super flink und leicht zu sein, klingt zunächst nach einem Vorteil, aber ihr rauscht halt auch schneller in die nächste Kreissäge. Die Speedruns von Super Meat Boy 3D dürften aber irre interessant werden.

Greift zu, wenn...

… ihr das Original von 2010 liebt und keine Scheu vor einer knallharten Herausforderung habt.

Spart es euch, wenn...

… Frusttoleranz nicht zu euren Stärken zählt und Jump-and-Runs für euch der Entspannung dienen.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Keine Kompromisse machen aus dem Sprung in die dritte Dimension ein knallhartes wie motivierendes Jump-and-Run

Was habe ich 2010 beim originalen Super Meat Boy geflucht! Die knuffige Optik mit dem alles vollblutenden Fleischwürfel verbarg ein enorm forderndes Spiel, das in all seiner Simplizität ein wahnsinnig hohes Niveau am Gamepad forderte. Jetzt sitze ich hier 16 Jahre später und fühle mich wie damals – im Guten wie im Schlechten.

Denn der größte Vorteil von Super Meat Boy 3D kann für einige von euch auch direkt ein Grund sein, den Kauf sein zu lassen: Es fühlt sich sehr stark nach dem Vorbild an. Soll heißen: knallharter Schwierigkeitsgrad, kein Raum für Fehler und tausend Tode. Doch genau hier liegt eben auch der Reiz des Spiels, der mich immer weiter antreibt und motiviert.

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Die Lesbarkeit der Levels könnte etwas besser ausfallen, und nicht immer ist die Tiefe der Abschnitte sauber einzuschätzen. Insgesamt hat Sluggerfly aber einen sehr würdigen neuen Ableger für den Hardcore-Platformer geschaffen, der keine Gefangenen nimmt, aber irrsinnig viel Spaß macht, wenn man sich drauf einlassen will.

Überblick

Pro

  • schnelles und packendes Prinzip
  • irre präzise Steuerung
  • 75 reguläre Levels, 75 in der Dark World
  • freischaltbare Charaktere für mehr Abwechslung
  • gute Umsetzung in die dritte Dimension

Contra

  • Levels nicht immer sauber lesbar
  • Tiefe der Abschnitte nicht immer sauber einschätzbar
  • Schwierigkeitsgrad schwankt bisweilen

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