Test - Strong Bad’s Cool Game for Attractive People Episode 5: 8 Bit Is Enough : Das große Adventure-Finale

  • PC
Von Kommentieren

Schluss mit lustig: Die fünfte Episode von Strong Bad's Cool Game for Attractive People ist (vorerst) die letzte. Diese ist ganz den guten alten Zeiten gewidmet, als schlichte Action-Spiele auf 8-Bit-Konsolen herrschten und zweckmäßig gezeichnete Adventure-Figuren den PC bevölkerten.

Wenn Realität und Fiktion verschmelzen

Würde die Welt von Strong Bad's Cool Game for Attractive People der Wirklichkeit entsprechen, dann müssten wir locker 80 Prozent aller Spiele verbieten. 8 Bit Is Enough schließt direkt an Dangeresque 3 an: Durch einen versehentlichen Rempler wachsen Strong Bads Spielhallenautomaten Arme und die Maschine erwacht zum Leben. Eigentlich würde ein Austausch des Logic-Boards (dem Apple-Äquivalant zum Mainboard) ausreichen, doch dies löst das eigentliche Unglück erst aus. Die Welt der 8-Bit-Spiele wird ein Teil der Realität: Überall wuseln pixelige Bitmap-Figuren herum, Strong Bads Freunde mutieren zu stereotypischen Videospielcharakteren und der Feuer speiende Drache Trogdoor entpuppt sich als eine sehr ernst zu nehmende Gefahr für alle.

8 Bit Is Enough ist die ultimative Hommage an uralte Klassiker, sei es VCS-2600-Arcadekrams oder PC-Adventures aus dem Hause Sierra. Wer von den älteren Spielern erinnert sich nicht an die pixeligen King's-Quest-Männchen, die das Adventure-Genre ab 1984 revolutionieren sollten? Genau solchen begegnet ihr auch in Telltales neuestem Streich.

Ein ganz "normale" Episode

Durch die Verknüpfung zweier Welten ist der Umfang im Vergleich zu den anderen Episoden leicht angestiegen, schlicht weil es gefühlsmäßig mehr Locations zu besuchen gilt. Allerdings hat dies auf die Spielzeit nur wenig Einfluss: Erwartet erneut um die zwei bis drei Stunden Rätselspaß, wobei der Anspruch im Vergleich zu Dangeresque 3 wieder leicht gestiegen ist. Gleichzeitig gibt es keine allzu abstrusen Puzzles, weshalb 8 Bit Is Enough den besten Kompromiss aus Logik und Abgedrehtheit im Rahmen der Serie darstellt.

Wenn es etwas an dem Finale zu meckern gibt, dann dass es sich nicht wie eines anfühlt. Die jeweils letzte Episode von Sam & Max - Season One sowie Season Two stellten einen storytechnischen Abschluss dar, wo man zuvor offen gehaltene Fragen beantwortete und ein Bogen um die entsprechenden Serien gespannt wurde. 8 Bit Is Enough wirkt hingegen wie eine eigenständige Geschichte, woran auch der direkte Anschluss an das Ende von Dangeresque 3 nichts ändert.

Resümee

Insgesamt ist Strong Bad's Cool Game for Attractive People doch noch ein ziemlich gutes Adventure geworden, trotz des enttäuschenden Anfangs. Habt ihr euch einmal an den schlichten Grafikstil und die bewusst laienhaft gehaltene Sprachausgabe gewöhnt, dann könnt ihr auch den stellenweise grandiosen Humor und das gute, wenn auch nicht eindrucksvolle Rätseldesign genießen. Beide Sam-&-Max-Serien waren jedoch eindeutig stärker, egal, ob in Sachen Präsentation, Spieldesign oder Storyentwicklung. Einzig Dangeresque 3 erreicht einen ähnlich hohen Genialitätsfaktor dank der fantastischen Geschichte und der einmaligen Regie.

Für das Protokoll: Die Endwertung für die komplette Serie von Strong Bad's Cool Game for Attractive People beträgt 79%.

Fazit

Andreas Altenheimer - Portraitvon Andreas Altenheimer
Am Anfang war ich kein großer Strong-Bad-Freund, doch ein halbes Jahr später sieht mein Fazit bedeutend freundlicher aus. Einige der Geschichten, speziell jene in Dangeresque 3 und 8 Bit Is Enough, sind so irrwitzig ausgedacht, dass ich die schlichte Präsentation gerne vergessen mag. Gleichzeitig ist dies der Nachteil im Vergleich zu Telltales Sam-&-Max-Geniestreichen: Strong Bad wäre ohne das Bizarre und ohne die vielen Anspielungen auf uralte Videospiele der frühen 80er-Jahre nahezu nichts wert. Die Rätsel sind noch weitestgehend gut, jedoch selten revolutionär. Ihr müsst definitiv ein Faible für gewollten Trash besitzen, wozu auch die Qualität der Minispiele passt. Deshalb kann Telltale die Brillanz von Sam & Max nicht halten, aber dank ihres eigenwilligen Humorverständnisses der angepeilten Zielgruppen, nämlich Fans der Comics sowie unverbesserlichen Retro-Zockern, ein paar sehr lustige Stunden bescheren.

Überblick

Pro

  • erneut eine geniale Story-Idee
  • besitzt mehr Szenarios als jede andere Strong-Bad-Episode
  • Rätseldesign sehr schön logisch und diesmal nicht ganz so leicht wie in Dangeresque 3
  • leicht zugänglich
  • cooles Minispiel im Stil alter Atari-VCS-2600-Module

Contra

  • reine Spielzeit erneut sehr knapp, speziell für den Abschluss einer Serie
  • fühlt sich nicht wie ein Finale an, sondern nur wie eine weitere Episode
  • schlichte Präsentation

Wertung

  • PC
    76
    %

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel