Preview - Resident Evil Requiem : Angespielt: Wir stürzen uns kopfüber ins Grauen
- PC
- PS5
- XSX
Nachdem Protagonist Ethan Winters jetzt über zwei Spiele hinweg vor Mutanten, kleinen Mädchen, Kannibalen, Vampiren und Werwölfen weg- und seiner Frau und Tochter hinterherlaufen musste, bringt Resident Evil Requiem eine neue Protagonistin und frischen Wind. Ob es sich dabei um ein laues Grusel-Lüftchen oder einen ausgewachsenen Horror-Tornado handelt, kann ich nach der 15-Minuten-Demo, die ich spielen durfte, zwar noch nicht abschließend sagen, aber der Stallgeruch eines waschechten Resident Evil ist zumindest nicht verflogen - ganz im Gegenteil!
FBI-Analytikerin Grace Ashcroft wird von ihrem Chef nach Raccoon City geschickt, die Stadt, die nach dem Ausbruch einer Zombie-Seuche vor einigen Jahren per Bombenabwurf größtenteils dem Erdboden gleich gemacht wurde (siehe Resident Evil 2 und 3). Und dann soll Grace auch noch ausgerechnet in die Überreste des Hotel Wrenwood, in dem vor acht Jahren ihre Mutter umgebracht wurde. Die Ermittlungen im Fall einer Reihe merkwürdiger Todesfälle treffen also auf knallharte Konfrontationstherapie.
Welcome (back) to Raccoon City
Die Demo fing jedoch mit einer anderen Szenerie an, die wir auch schon aus dem Trailer und bereits veröffentlichtem Gameplay-Material kennen. Grace wacht kopfüber hängend und an eine Krankenliege gefesselt auf, während ihr in ungesunden Mengen Blut abgezapft wird - eigentlich ein ganz normaler Sonntagmorgen also. In dieser misslichen Lage darf sie aber gleich mal zeigen, was für ein Badass an Hauptcharakter sie eigentlich ist.
Mit einem beherzten Ruck am Transfusionsschlauch reißt sie die Flasche mit ihrem Blut zu sich heran, die daraufhin zerbricht. Mit den Scherben schneidet sie ihre Handfesseln durch, wirft mal eben (immer noch kopfüber) ihr Krankenbett um, durchtrennt ihre Fußfesseln und befreit sich so endgültig. Das hätte selbst MacGyver nicht besser hinbekommen - vor allem nicht, wenn ihm kurz vorher noch literweise das Blut aus dem Arm gepumpt wurde.
Natürlich stolpert Grace bei ihrer Erkundung des Gebäudes nach kurzer Zeit über die ersten Leichen, als sich plötzlich eine 3 Meter große Zombie-Dame erschreckend leise von hinten in mein Sichtfeld schiebt, um sich den Kopf einer herumliegenden Leiche als Snack zu gönnen. Wer jetzt allerdings sofort Lady Dimitrescu vor seinem inneren Auge manifestiert, der darf sich den Sabber gleich wieder aus den Mundwinkeln wischen. Viel Anmut und Grazie ist hier nicht zu erwarten.
Unsere neue “Freundin” übernimmt zwar die Rolle als wiederkehrender Antagonist im Stile einer Lady Dimitrescu (Village), Mr. X (Resi 2) oder Nemesis (Resi 3), erinnert aber eher an ein gescheitertes Gen-Crossover zwischen der Alien-Queen und einer frustrierten Lateinlehrerin. Zumindest hat sie eine fragwürdige Mundhygiene, klettert an den Wänden und der Decke entlang und will mir den Kopf abreißen - eben genau wie meine Lateinlehrerin damals.
Im Gegensatz zu mir hat Grace allerdings ihre Hausaufgaben gemacht und mit etwas gutem Timing und ein paar taktisch geworfenen Glasflaschen zur Ablenkung (Waffen gab es in der Demo keine) schleicht sie sich durch die Gänge, bis sie vor einem verschlossenen Rolltor steht, das sich beharrlich weigert sich zu öffnen, wenn wir nicht vorher irgendwo noch eine zweite Sicherung auftreiben.
Schwer zu sagen, wie repräsentativ der kurze Abschnitt für das komplette Spiel ist, aber viel mehr Resi als eine Suche nach Sicherungen geht ja eigentlich gar nicht mehr. Das, was ich bisher von Requiem spielen konnte, schlägt eindeutig in dieselbe Kerbe wie Resident Evil 7 und Village und setzt erneut den Fokus eher auf die Atmosphäre und den Horror als auf die Action der früheren Teile. Dank überarbeiteter RE-Engine wirkt die Umgebung so düster und bedrohlich wie noch nie und durch das großartige Sound-Design stellen sich mir jetzt bereits vor Spannung die Nackenhaare auf. Außerdem kehrt noch ein Feature zurück, das Serien-Veteranen freuen dürfte.
Alles Ansichtssache
Eine der größten Neuerungen in der jüngeren Serien-Geschichte ist der Wechsel von der klassischen Third-Person-Perspektive hin zur Ego-Ansicht. Seit Resi 7 soll durch diese First-Person-Sicht die Immersion und damit der Horror noch verstärkt werden, was aber nicht bei allen Fans gut ankam. Requiem lässt euch deswegen zum ersten Mal selbst die freie Entscheidung zwischen beiden Varianten. Per Optionsmenü dürft ihr sogar jederzeit umschalten.
Egal wofür ihr euch entscheidet, in Zwischensequenzen springt die Kamera wieder in die erste Person. Das degradiert die Third-Person irgendwie schon zu einem Anhängsel und den First-Person-Modus zum eigentlichen Standard, aber hier wird sich erst im fertigen Spiel zeigen, wie störend der dauernde Sprung am Ende wirklich ist.
Ich war zunächst auch skeptisch, denn für gewöhnlich profitieren Horrorspiele dann doch von der eingeschränkten Perspektive des Protagonisten und die Gefahr wird dadurch noch greifbarer und persönlicher. Aber nachdem ich beides ausprobieren konnte, muss ich sagen, dass ich die “neue” Schulter-Perspektive in manchen Situationen sogar ein wenig bevorzuge.
Zum einen sind die Animationen von Hauptfigur Grace großartig gelungen, von denen man ja sonst überhaupt nichts mitbekommen würde. Auf der Flucht vor dem Monster bin ich sogar einige Male gestolpert und hingefallen, was mir in der First-Person nicht mal aufgefallen ist. In der dritten Person kam schon allein dadurch Anspannung auf, als ich Grace bei ihrem qualvoll langsamen Aufsteh-Versuch zugucken musste.
Außerdem sorgt die neue Sichtweise für mehr Überblick. Aktionen der Monster, die sich nicht direkt in eurem Blickfeld abspielen, bekommt ihr so eher mit und das verstärkt den Horror stellenweise sogar noch. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob ich wissen wollte, wohin das Monster genau verschwunden ist. Denn was ich nicht sehen kann, das kann mir bekanntlich auch nichts tun … oder?


Kommentarezum Artikel