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Test - Red Dead Redemption 2 : PC-Test: Viel schöner geht nicht

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Rockstars Wild-West-Epos Red Dead Redemption 2 erreicht nach einem Jahr Konsolenexklusivität endlich den PC. Wie erwartet stellt es grafisch so ziemlich alles in den Schatten, was derzeit an Open World-Spielen zu haben ist. Selbst Spiele mit geschlossenen Levelstrukturen müssen sich in Sachen Detaildichte warm anziehen, denn das einzige moderne Stilmittel, das in RDR2 nicht genutzt wird, ist Raytracing. Wir haben uns für euch ein weiteres Mal in das Abenteuer gestürzt, um der PC-Fassung auf den Zahn zu fühlen.

Ihr habt es bestimmt schon mitbekommen: Der Rockstar Launcher zickte bei Vorbestellern ganz schön herum. Zumindest behaupten das einige Leute im Netz. Unsere Fassung, die ebenfalls über den Rockstar Launcher startet, erlebte nicht einen einzigen Absturz - weder vor dem Start, noch während des laufenden Spiels. Dank des neuesten Updates sollen Abstürze und etwaige DRM-Probleme sowieso der Vergangenheit angehören, darum ignorieren wir dieses Thema und wenden uns gleich dem eigentlichen Spiel zu.

Allen puristisch veranlagten PC-Gamern, die sich vor Spoilern fürchten, sei zu erst einmal versichert, dass wir in diesem Test keine Details preisgeben, auch wenn man den Ablauf der Story seit gut einem Jahr auf YouTube nachvollziehen kann. Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Technik des Spiels, da der Inhalt sowieso weitreichend bekannt ist und sich so gut wie nichts geändert hat. Solltet ihr nach Information zum grundsätzlichen Spielablauf suchen, dann haltet euch bitte an unseren ausführlichen Red Dead Redemption 2 Test der PS4- und Xbox-One-Fassung.

Starke Story, mäßiges Gunplay

Nur eines sei der Vollständigkeit halber gesagt: Red Dead Redemption 2 ist ein stark von der Handlung getriebenes Spiel. Es enthält viele Missionen, in denen scharf geschossen wird, aber man spielt es nicht des Gunplays wegen. Das wäre Zeitverschwendung, denn in diesem erzählerischen Meisterwerk schneidet die Technik hinter der Ballerei gerade mal durchschnittlich ab. Dass ihr das Fadenkreuz nun wahlweise mit der Maus anstelle eines Gamecontrollers ausrichten dürft, ändert daran nichts. Tatsächlich fühlt sich die Tastatur-Maus-Kombo in gewissen Spielszenen etwas umständlich und grob an – etwa beim Ballern zu Pferde.

Obwohl man faktisch von einem Actionspiel sprechen muss, geht es vielmehr um ein Wild-West-Drama, das von diversen Erlebnisfaktoren lebt. Allem voran vom Gefühl der Freiheit in einem Land, das zwar längst erschlossen, aber zu großen Teilen noch immer unberührt und natürlich ist. Durch die Prärie zu reiten, legt eine nostalgisch romantische Ader frei. Es ist so einfach, in der Schönheit eines pechschwarzen Sternenhimmels zu versinken, während ein paar Kaninchenschenkel über einem kleinen Lagerfeuer brutzeln. Das Leben hier ist rau und ungerecht, aber auch entschleunigt und ehrlich.

Es geht um das Überleben in Zeiten eines gesellschaftlichen Wandels, um Freundschaft und Zusammenhalt und um Figuren mit Charakter, die euch wenige Stunden vor dem Ende das Herz brechen. Wer die mannigfaltigen Zwischensequenzen dieses Spiels ungeduldig abbricht oder immer nur wie eine verspätete Postkutsche von A nach B reitet, um Handlungsstationen abzuklappern, kommt womöglich in weniger als 50 Spielstunden durch, verpasst aber das Beste.

Mehr Stimmung, mehr Dichte, mehr Detail

Das Beste ist – ganz zweifellos – die Vermittlung der Spielwelt, die sich in Flora und Fauna manifestiert. Red Dead Redemption 2 sah auf den Konsolen schon irre gut aus. Vor allem auf der Xbox One X, die letztes Jahr nicht nur echtes 4K auf die Mattscheibe brachte, sondern auch die bisher höchste Detaildichte. Dass man das bisherige Maximum dank der Kraft leistungsstarker Grafikkarten überflügeln darf, überrascht kein bisschen, aber wie viel diese Detaildichte zur Stimmung und zur Vermittlung der Authentizität beiträgt, ist wahrlich erstaunlich.

Es ist, als ob jeder Grashalm eines Hügels eine eigene Geschichte zu erzählen hätte. Der Blick an den schier endlos weit entfernten Horizont war auf den Konsolen bezaubernd. Auf dem PC leiert er euch die Kinnlade aus. Vorausgesetzt, ihr habt die dazu nötige Hardware. Der Vorteil gegenüber den Konsolen liegt dabei vornehmlich in gesteigerter Dichte und besserer Sichtweite. Fell wirkt wuschiger und voller, Gräser dichter bei höherer Darstellungsdistanz. Aufgedrehte Werte für Verdeckungsschatten (Ambient Occlusion) und eine erhöhte Reflexionsstufe für den indirekten Lichteinfall verleihen Licht und Schatten feinere Nuancen. Obwohl einige dieser Effekte einzeln betrachtet kaum herausstechen, machen sie in der Summe einen erheblichen Unterschied.

Überall, wo viele Echtzeit-Lichter die Szene füllen – also in Bars oder belebten Zimmern – kommen Kleinigkeiten zum Vorschein, die auf der Konsole untergingen. Da können Schatten von kleinsten Utensilien sein oder einfach nur Hautfalten bei Nahaufnahmen. Aber auch auf dem offenen Feld scheinen Sonne und Mond ein weicheres, natürlicheres Bild zu zeichnen. Spuren im Schnee profitieren von feinerer Tesselation und erscheinen dadurch weniger kantig, Wasser kräuselt dank besserer Reflexionen feiner. Kurzum: Die Wildnis wirkt noch ein Stück authentischer.

Allerdings kann zum aktuellen Zeitpunkt kein PC eines Normalsterblichen die Maximalwerte ausreizen, ohne das Spiel in eine Diashow zu verwandeln. Geforce 2080 Ti? Pah! Auch dieses Schlachtross von Grafikkarte reitet Rockstars Epos noch weit unter den „Ultra“-Einstellungen zu Tode. Red Dead Redemption 2 ist für die Zukunft ausgelegt, für Grafikkarten und Prozessoren, die noch gar nicht existieren.

Darum gibt es auch keine festen Abstufungen im Grafikmenü. Man darf die allgemeine Grafikqualität anhand eines Sliders erhöhen oder senken, allerdings ändern sich dadurch nicht alle Detaileinstellungen in gleichmäßigen Intervallen. Vielmehr schlagen euch die Grafiker von Rockstar über den Slider ein rational bewertetes und an Effizienz gekoppeltes Schema vor, das sich langsam an die Maximalwerte herantastet. Wer will, darf eine unübersichtliche Anzahl einzelner Detaileinstellungen manuell bestimmen, droht dabei jedoch, die Übersicht zu verlieren – trotz des jederzeit zur Verfügung stehenden Benchmark-Tests.

4K oder 60 FPS?

Letztendlich stehen selbst gut ausgerüstete PC-Spieler vor der Qual der Wahl: 4K oder 60 FPS? Beides zugleich ist auch mit High-End-Rechnern nur dann stabil machbar, wenn man die Detailqualität unterhalb des Konsolenlevels ansiedelt, was einmal mehr zeigt, wie gut die Konsolenversion optimiert wurde. Das Problem in der Darstellung ist ja letztendlich nicht die Geometrie, sondern das Sammelsurium an Effekten und Filtern, inklusive der Echtzeit-Lichter, die der Geometrie aufliegen. Die Bildaufbauzeit regelmäßig unter 16 Millisekunden zu halten, dürfte selbst bei einer ideal optimierten Engine an Hexerei grenzen.

Tatsächlich bricht Red Dead Redemption 2 in dieser Hinsicht regelmäßig aus, selbst wenn ihr versucht, die Bildrate dank halbiertem V-Sync auf 30 FPS (also 33,2 Millisekunden Frametime) zu beschränken. Das heißt im Klartext: euer PC muss nicht nur rechenstark sein. Auch der Datenfluss muss flitzen. Wer auf dem PC dieselbe Qualität erleben möchte wie auf der Xbox One X – also natives 4K bei 30 FPS bei einigen niedrig eingestellten Effekten – braucht mindestens eine Geforce 1070 Ti samt 8 GB Grafikspeicher, 12 GB DDR4-RAM bei 3200 MHz und einen i5-Prozessor.

In dieser Rechnung gibt es kein Overhead-Polster. Schon die „normale“ Geforce 1070 (also ohne Ti) verlangt bei gleichem Detaillevel eine Senkung der Auflösung auf 1800p bei Zuschaltung des internen Scalers, sonst drohen in besonders rechenaufwändigen Szenarien sichtbare Einbrüche unterhalb der 30er-Marke. Bestes Beispiel dafür wäre die Stadt St. Denis, die viele Passanten, Pferde, Kutschen und eine Straßenbahn umherwuseln lässt.

Da viele PC-Gamer eine Bildrate von 30 FPS meiden und in elitären Kreisen sogar snobistisch verachten, dürften niedrigere Auflösungen bevorzugt werden, um 60 Bildern nahe zu kommen. Sie zu halten, ist bei allen Auflösungen jenseits der 1080p schwierig, weil szenenabhängig. In der Praxis konnten wir auf einem System mit einer Geforce 2070 samt i7-Prozessor immerhin 1440p anpeilen, wenn wir den Grafik-Level-Slider auf zwei Striche über dem Durchschnittswert stellten. Das empfanden wir als guten Kompromiss zwischen Detaildichte, Bildrate und Auflösung, auch wenn der Benchmark-Test an gewissen kritischen Stellen unter 40 Bilder die Sekunde fiel.

Dass solche Schwankungen allem voran im Online-Modus nachteilig sein können, dürfte allgemein bekannt sein, darum muss jeder selbst entscheiden, wie stark die Darstellungsqualität zugunsten der Stabilität gesenkt werden muss. Dabei sei aber auch erwähnt, dass eine schnelle Festplatte das System entlasten kann. Auf einer SSD installiert, fallen die Ladezeiten vor Spielstart erträglich aus und Ruckler durch nachladende Assets verschwinden fast vollständig. Auch für dieses Problem bietet die Stadt St. Denis den nötigen Härtetest. Kein Wunder also, dass eine Gameplay-Szene in dieser Stadt (samt Feuergefecht) zum festen Bestandteil des Benchmarks gehört.

Rockstars HDR-Problem

Leider gibt es ein grafisches Detail, das auch die PC-Fassung nicht verbessert: die HDR-Farbgebung. Wie auf den Konsolen stehen zwei Muster zur Verfügung, nämlich die Film-Kolorierung und eine frei definierbare. Beide loten die Extreme aus und können nicht so recht zufriedenstellen, was angesichts der wunderschönen Grafik ein unangenehmer Minuspunkt ist. Der Film-Modus wirkt zwar farblich authentisch, hält jedoch die Strahlkraft von blauem Himmel, saftigen Wiesen und glitzerndem Schnee arg zurück. Der freie Modus ist viel kräftiger, hat jedoch sichtbare Probleme mit übersättigten Rottönen.

Siehe etwa das Schneegebiet im ersten Kapitel. Die Gesichter der Darsteller sollen von der eiskalten Luft rot anlaufen, wirken jedoch wie glühende Clownsnasen und grell überschminkte Wangen. Feuer sieht bei angeschaltetem HDR richtig schön orange aus - eben farbecht - tendiert aber im freien HDR-Modus ebenfalls zu Übersaturierung ins Rote. Wir haben alle Modi auf einem HDR-Monitor und zwei HDR-Fernsehern durchprobiert. Selbst wenn wir das Rot-Problem durch manuell gesenkte Kontraste ausmerzten, schien uns das Ergebnis verfälscht, weil andere Farben zu blass wirkten. An dieser Stelle sollte Rockstar unbedingt noch einmal die Feile anlegen.

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