Special - 5 neue Games von Raw Fury : Der Blue-Prince-Publisher hat noch mehr Indie-Geheimtipps in Arbeit
- PC
Der schwedische Publisher Raw Fury beweist schon seit einigen Jahren ein erstaunlich gutes Händchen für originelle und innovative Indie-Perlen. Vor kurzem erst landete er mit Blue Prince den verdienten Überraschungs-Hit. Bei einem Besuch in Stockholm durften wir fünf neue Spiele antesten, die sich dort im Moment in Entwicklung befinden.
Man muss nicht lange suchen, um beim Blick auf die fünf neuen Spiele einen roten Faden festzustellen, der sich quer durch die Spiele-Philosophie von Raw Fury zu ziehen scheint. Jedes davon weckt sofort Assoziationen mit bekannten Games. Aber mit einem ganz bestimmten Twist, der es neu und frisch und einzigartig macht. Meist entsteht dieser Effekt dadurch, dass die Spiele zwei bekannte Spielkonzepte miteinander kreuzen, die man in dieser Form nie erwartet hat – aber erstaunlich viel Sinn ergibt, wenn man sie mal in Aktion gesehen hat.
Monsters are Coming
Vampire Survivors meets Tower Defense: Und da wären wir schon bei der ersten Liaison aus zwei unterschiedlichen Spielen, die sich bislang der Vermählung zu verweigern schienen. Denn Monsters Are Coming reiht sich nicht schlicht in die Unmenge an derzeit erscheinenden Vampire-Survivors-Klonen ein, sondern gibt dem Spielprinzip einen erfrischend neuen Anstrich, indem es ihn mit der Essenz von Tower-Defense-Spielen vermischt.
Denn wie in dem erfolgreichen Autobattler-Roguelike setzt ihr euch gegen eine unermüdlich anstürmende Zahl von Monstern zur Wehr, während euer Held automatisch angreift und sich mithilfe eingesammelter blauer Perlen und dadurch erworbene Buffs zunehmend stärker macht.
Gleichzeitig müsst ihr aber eure Stadt beschützen, die wie eine von selbst fahrende Festung dem Levelende entgegen rollt. Wie in einem Tower-Defense-Spiel baut ihr sie nach und nach aus, mit verstärkten Mauern, automatischen Geschütztürmen und Pechkesseln, die eine giftige Spur nach sich ziehen.
Dadurch erhält das chaotische Spielprinzip eine erfreulich taktische Facette, weil ihr euch eben nicht nur durch die Gegnerhorden metzelt, sondern immer auch den Zustand eurer Stadt im Blick haben müsst und zudem Ausschau nach wertvollen Power-ups halten solltet, um mit den immer stärker werdenden Gegnern mitzuhalten.
The Séance of Blake Manor
The Case of the Golden Idol + Sherlock Holmes + Agatha Christie: Allein diese Kombination dürfte wie Musik in den Ohren von Fans narrativer Krimi-Puzzle-Games klingen. In der Rolle eines Detektivs untersucht ihr das rätselhafte Verschwinden einer Diva in einem Anwesen, das in seinem Grafikstil erkennbar an Blue Prince erinnert.
Wie in einem Agatha-Christie-Roman befragt ihr dazu das illustre Personal der Gäste, von denen jeder auf seine Weise in die mysteriösen Vorfälle verstrickt zu sein scheint, sammelt Hinweise und kombiniert sie wie in den Sherlock-Holmes-Adventuren zu Schlussfolgerungen. Eure Erkenntnisse fasst ihr sodann regelmäßig in eurem Gedankenpalast zusammen, indem ihr sie wie in den Golden-Idol-Spielen zu logisch sinnvollen Sätzen kombiniert.
Und als wäre das noch nicht genug im Best-of der Spielmechaniken einschlägiger Detektiv-Abenteuer, hängt das Geschehen zudem stets von der aktuellen Uhrzeit ab, die mit jeder Aktion voranschreitet. Denn wenn sich die Gäste etwa zur Mittagszeit zum Lunch im Salon einfinden, könnt ihr dort ihre Gespräche belauschen – oder heimlich ihre Zimmer durchsuchen. Auf diese Weise ergeben sich für die, laut Entwicklern, ohnehin schon stattlichen 15-20 Stunden Spielzeit immer wieder unterschiedliche Verläufe.
Craftlings
Lemmings + Die Siedler: Mit dieser Kombination hätten wir wohl am allerwenigsten gerechnet. Umso erstaunlicher fällt nach einer Stunde Anspiel die Erkenntnis aus, wie blendend sie funktioniert: Craftlings erinnert sofort und ganz eindeutig an den 90er-Jahre-Klassiker Lemmings. Eure wuseligen Craftlings fallen durch ein Tor in die pixelige 2D-Spielwelt und sind dort ohne eure Hilfe aufgeschmissen. Also gebt ihr ihnen Aufgaben, blockiert Wege, die sie in den sicheren Tod führen würden, und knobelt an einer Vorgehensweise, sie zum Levelausgang zu geleiten.
Dafür müsst ihr Ressourcen abbauen, um Gebäude zu errichten, mit denen ihr wiederum andere nützliche Gerätschaften und Fähigkeiten freischaltet. Ähnlich wie in Die Siedler. So schickt ihr eure Craftlings zum Holzfällen, damit sie eine Hütte bauen, die Spitzhacken produziert, um damit Steine zu klopfen, die dann zu den Mauern einer Burg verarbeitet werden.
Craftlings lebt von seinem putzigen „Wuselfaktor“ – ein geflügeltes deutsches Wort, das mittlerweile gar beim schwedischen Publisher zum festen Sprachschatz gehört. „Casual“ wird es dennoch lange nicht. Denn wie schon im Klassiker Lemmings werden die Levels schon bald ziemlich knifflig und richten sich damit weniger an Fans der gemütlichen Siedler, als vielmehr Freunde anspruchsvoller Knobelspiele.
Esoteric Ebb
Disco Elysium + Planescape: Torment: Schon 2018 begann der Ein-Mann-Entwickler von Esoteric Ebb mit der Arbeit an seiner Vision, ein Rollenspiel zu entwickeln, das dem Spieler die Freiheit einer Pen-and-Paper-Partie von Dungeons & Dragons voller Möglichkeiten und Entscheidungen bieten sollte. Aber ohne Kämpfe. Nur mit Dialogen. Und einer vielschichtigen Geschichte, die zahlreiche politischen und philosophischen Fragen aufwirft. Doch war so etwas überhaupt möglich? Und wollten so etwas die Spieler überhaupt haben?
Vier Wochen, nachdem er mit der Entwicklung begonnen hatte, erschien Disco Elysium und beantwortete all seine Zweifel mit einem klaren: ja! Entsprechend ist Esoteric Ebb anzumerken, dass sich Christoffer Bodegard in der Freude über seine Brüder im Geiste Etliches an Inspiration von ihnen borgte. Denn wie in dem Indie-RPG von ZA/UM halten auch hier eure „Fähigkeiten“ ständige innere Zwiesprache mit dem Helden und kommentieren mögliche Entscheidungen mit ihren eigenen Interessen. Während „Stärke“ etwa stets auf eine beherzte Lösung eines Konflikts pocht, beharrt „Weisheit“ auf Ausgewogenheit, und „Charisma“ gibt euch Tipps, wie ein Disput durch Eloquenz statt Fäuste geregelt werden kann.
Die Geschichte spielt in einer Fantasy-Welt, deren unsicherer Frieden zu kippen droht. Fünf Tage habt ihr Zeit, die unterschiedlichen Parteien aus Zwergen, Elfen und Göttern zu versöhnen - oder gegeneinander aufzubringen. Denn dann findet die Wahl des neuen Herrschers statt, und wie diese ausgeht, obliegt euren Entscheidungen allein.
Regions of Ruin: Runegate
Regions of Ruin: Runegate ist der Nachfolger zum 2017 erschienenen Indie-Hack-n-Slash und trägt nur deshalb nicht die 2 im Titel, weil die Entwickler damit betonen wollen, dass das Spiel auch für solche Spieler geeignet ist, die den Vorgänger nicht kennen.
Wenn ihr zu dieser Gruppe gehört: In Regions of Ruin spielt ihr einen Wikinger und schnetzelt euch durch seitwärts scrollende 2D-Pixel-Landschaften. Dadurch häuft ihr Ressourcen an, die ihr in eurem Dorf in den Ausbau von Gebäuden investiert, und gewinnt neue Gefährten, die ebenfalls dort mit ihrer Arbeitskraft aushelfen. Dadurch seid ihr in der Lage, in immer weiter entfernte Regionen der Spielwelt vorzudringen, höherwertige Belohnungen zu sammeln und so weiter und so fort. Klassischer Gameplay-Loop also aus süchtig machendem Crafting und spaßigem Haudrauf-Gehäcksel.
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Neu am zweiten Teil von Regions of Ruin ist, dass ihr durch das titelgebende Runegate in andere Welten reisen könnt, die mit unterschiedlichen Szenarien wie Wald, Wüste und Dämonenhölle für Abwechslung bürgen. Dabei deckt ihr eine epische Hintergrundgeschichte auf über die Ursachen des üblichen Fantasy-Wirrwarrs aus Goblin-Intrigen und Ork-Invasionen.

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