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Preview - Pragmata : Angespielt: Hacken, Ballern, Babysitten

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Wenn euch ein Spiel gleichzeitig zum Ballern, Hacken und Babysitten zwingt, dann ist es wahrscheinlich Pragmata. Capcoms Sci-Fi-Abenteuer schickt einen verletzten Astronauten und ein Android-Mädchen durch eine ziemlich kaputte Mondstation und nach der neuesten Anspielrunde wird immer deutlicher, warum dieses seltsame Duo so gut funktioniert.

Pragmata spielt in der nahen Zukunft. Die Menschheit hat auf dem Mond eine gewaltige Forschungsstation errichtet und arbeitet dort an einer Technologie, die alles verändern könnte. Das sogenannte Lunafilament funktioniert im Grunde wie ein gigantischer 3D-Drucker, nur kann diese Maschine praktisch alles erschaffen: Technik, Ausrüstung oder gleich ganze Straßenzüge.

Als plötzlich der Kontakt zur Mondbasis abreißt, wird Astronaut Hugh gemeinsam mit seinem Team losgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Doch kaum sind sie gelandet, erschüttert ein heftiges Mondbeben die Station. Hugh wird schwer verletzt und von seiner Crew getrennt. In letzter Sekunde rettet ihn ein Android mit dem Aussehen eines kleinen Mädchens. Gemeinsam machen sich die beiden daran, dem scheinbar außer Kontrolle geratenen Stationscomputer den Stecker zu ziehen.

Bei meiner letzten Anspiel-Session stapfte ich noch durch klassische Korridore einer Raumstation. Diesmal ging es überraschend nach New York. Zumindest in etwas, das stark danach aussieht. Offenbar hat die Besatzung mithilfe des Lunafilaments versucht, ein Stück Erde auf dem Mond nachzubauen.

So verschieden wie Android und (Big) Apple

Einen romantischen Spaziergang im Mondschein durch den Big Apple solltet ihr trotzdem nicht erwarten. Die Gegner, denen ihr begegnet, sind nahezu immun gegen alles, was Hugh ihnen an Geschossen entgegenschleudert. Bevor der Schaden überhaupt ankommt, muss zunächst ihre Verteidigung geknackt werden und hier kommt Hacker-Göre Diana ins Spiel.

Sobald ihr einen Feind anvisiert, öffnet sich ein kleines Minispiel. Darin müsst ihr möglichst schnell eine Art Labyrinth lösen. Gelingt das, werden die Schwachstellen des Gegners freigelegt und Hugh darf endlich losballern.


Gerade als ich mich wieder an diese Hacken-und-Schießen-Mechanik gewöhnt hatte, tauchten plötzlich neue feindliche Roboter auf. Die sehen nicht nur erschreckend großen Menschen (beziehungsweise Kindern) ähnlich, sondern bringen auch meine ganze schöne Taktik durcheinander. Diese Modelle projizieren Schutzschilde, die Diana am Hacken hindern. Also muss Hugh zunächst die Generatoren zerschießen, bevor sie wieder eingreifen kann. Eine schöne Umkehr des üblichen Prinzips, bei dem normalerweise Diana die Feinde vorbereitet und Hugh den Rest erledigt.

Der Endboss des Abschnitts setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Das wolkenkratzerhohe Ungetüm nutzt die Lunafilament-Drucker der Umgebung, um euch Hindernisse und zusätzliche Gegner direkt vor die Nase zu setzen. Dazu kommen die Anti-Hacker-Schilde der Menschenroboter, Laserattacken, kurze Verfolgungssequenzen und ein paar „Der Boden ist Lava“-Momente. Der Kampf hatte es durchaus in sich. Aber wie so oft gilt: Je größer sie sind, desto tiefer fallen sie am Ende.

Wie A…ndroid auf Eimer!

Die Kombination aus Shooter und Hacking-Minigame dürfte wohl das große Alleinstellungsmerkmal von Pragmata sein. Vermutlich werden Gespräche über das Spiel in ein paar Jahren mit den Worten beginnen: „Ach, das war doch das, wo man gleichzeitig schießen und hacken musste, oder?“

Doch je öfter ich Pragmata anspiele, desto mehr wächst mir vor allem das Duo aus Hugh und Diana ans Herz. Der menschliche Astronaut und seine Androiden-Hacker-Göre sind einfach ein wunderbar ungleiches Gespann.

Da steht man gerade noch knietief in frisch zerlegten Roboterteilen und um die Ecke wartet dank Lunafilament plötzlich ein komplett gedeckter Küchentisch für eine ganze Familie. Diana hat so etwas noch nie gesehen und versteht überhaupt nicht, warum Menschen sich zur „Treibstoffaufnahme“ zeitlich verabreden sollten. Aber wie erklärt man einem Androidenmädchen, wie wichtig gemeinsame Mahlzeiten und soziale Bindungen sind, wenn es das Konzept von Familie gar nicht kennt? Hugh versucht es zumindest.


Unterwegs findet ihr immer wieder Gegenstände von der Erde, die ihr Diana schenken könnt. Diese landen anschließend in eurer Basis und lösen kleine Gespräche oder Animationen aus. So entdeckt ihr beispielsweise die Daten für einen alten Röhrenfernseher inklusive 90er-Jahre-Fernsehschrank. Der Lunafilament-Drucker verwandelt das Ganze im Handumdrehen in ein Stück Wohnzimmer mitten in eurem Hub.

Es folgt eine kurze Diskussion über die klobige Flimmerkiste und deren fragwürdiges Design, bei der ich mich (und vermutlich auch Hugh) plötzlich ziemlich alt fühle. Danach lernt Diana die Freuden des Zappens kennen. Für die Generation Netflix: Das ist dieser Vorgang, bei dem man ständig den Sender wechselt, weil „eh nichts Gutes läuft“. Außerdem bekommt sie praktische Reparaturtipps („einfach mal mit der flachen Hand gegen den Fernseher hauen“) und endet schließlich wie Klein-Basti vor 30 Jahren vor den Sonntagmorgen-Cartoons.

Die Dynamik zwischen Hugh und Diana erinnert stark an eine Vater-Tochter-Beziehung. Ich bin mir ziemlich sicher (und ehrlich gesagt auch ein bisschen nervös), dass das im Verlauf der Geschichte noch eine große Rolle spielen wird. Trotz ihrer kindlichen Naivität wirkt Diana dabei nie wie ein bloßes Anhängsel, um das man sich ständig kümmern muss. Während Hugh ihr die menschliche Welt erklärt, kennt er sich auf der Mondstation kaum aus. Entsprechend oft ist sie es, die ihm das Leben rettet.

Diese Wechselwirkung funktioniert erstaunlich gut und genau deshalb kann ich es inzwischen kaum noch erwarten zu sehen, wohin sich diese Beziehung entwickelt. Zum Glück hat Capcom den Release vorgezogen. Die Mondbasis öffnet ihre Tore bereits am 17. April.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Das Herz von Pragmata schlägt im Duo

Nach mehreren Anspielrunden wirkt Pragmata immer weniger wie ein seltsames Sci-Fi-Experiment und immer mehr wie ein ziemlich vielversprechendes Action-Abenteuer. Die Mischung aus Third-Person-Shooter und Hacking-Minigame sorgt dafür, dass Kämpfe sich anders anfühlen als in vielen Genre-Kollegen. Statt einfach nur draufzuhalten, müsst ihr Gegner erst clever aushebeln, bevor Hugh überhaupt Schaden anrichten kann.

Noch spannender ist allerdings das Herzstück des Spiels: das Duo aus Hugh und Diana. Die Dynamik zwischen dem verletzten Astronauten und dem neugierigen Androidenmädchen funktioniert schon jetzt erstaunlich gut und bringt neben all der Roboter-Action auch eine gute Portion Charme und Humor mit. Gerade die kleinen Momente zwischen den beiden lassen erahnen, dass hinter dem Sci-Fi-Spektakel auch eine emotionale Geschichte steckt.

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Natürlich bleibt abzuwarten, wie abwechslungsreich das Hacking-System auf Dauer bleibt und ob die Kämpfe über ein ganzes Spiel hinweg frisch wirken. Doch die bisherigen Eindrücke machen definitiv Lust auf mehr. Wenn Capcom die Balance aus Action, Rätseln und Charakterentwicklung hält, könnte Pragmata am Ende deutlich mehr sein als nur „das Spiel mit dem Hacken und Schießen“. Es hat das Potenzial, eine der ungewöhnlicheren Sci-Fi-Geschichten der nächsten Zeit zu werden.

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