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Special - Playstation 5 Pro : Meinung: Ein fragwürdiges Upgrade

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800 Euro. In Worten: achthundert. Als bei der Vorstellung der Playstation 5 Pro der Preis genannt wurde, dachte ich zuerst an einen schlechten Scherz – wie so viele andere auch. Aber nein, Sony meinte es bierernst. Das sind ganze 300 Euro Aufpreis zur normalen Playstation 5. Sowas muss man erstmal sacken lassen …

Ich bin grundsätzlich sehr anfällig für den Kauf verbesserter Konsolen-Varianten. Meine Xbox 360 löste eine Elite ab, auch die Xbox One erhielt das Elite-Upgrade und die PS4 wich beizeiten der Pro-Ausgabe. Vor allem daran denke ich zurück, denn die PS4 Pro brachte saftige Argumente für den Kauf mit sich: Ein stärkerer Prozessor und eine doppelt so starke GPU ermöglichten eine (wenn auch nicht native) 4K-Auflösung und den Supersampling-Modus, der vor allem ältere Spiele optisch aufwertete. Hinzu kam eine aufgebohrte oder stabile Bildrate – für mich damals einer der wichtigsten Faktoren, auf das neue Modell umzusteigen. Der Preis für all das waren rund 400 Euro. Sicher nicht günstig, aber aus meiner Sicht fair.

>> Playstation 5 Pro im Test: Wie viel Luxus braucht man als Gamer? <<

Acht Jahre später verlangt Sony für die PS5 Pro das Doppelte. Keine Frage, unter der Haube steckt eine (im Vergleich) wesentlich leistungsfähigere Technik. Und seit dem Launch der normalen Variante sind schon vier Jährchen vergangen – im Elektronik-Bereich eine halbe Ewigkeit. Dass Sony bei der Hardware nachrüsten würde, war darum längst klar. Ein 4K-Fernseher oder entsprechender Monitor steht längst in jedem Gaming-Zimmer. Doch leider kriegt es kaum ein PS5-Titel hin, die vollen 3.820 x 2160 Pixel darzustellen. Schon gar nicht, wenn alles mit halbwegs stabilen 60 Bildern pro Sekunde über den Schirm laufen soll, am besten inklusive Raytracing. Häufig müssen wir uns gar mit (ruckelnden) 30 FPS zufriedengeben, wenn die reine Optik nicht sichtbar leiden soll.

Als aktuelles Beispiel fällt mir Star Wars Outlaws ein. Ich bin ein großer Fan der allgemeinen Aufmachung und Ästhetik, schlicht ein Star-Wars-Fan. Doch die grafischen Kompromisse, die ich eingehen muss, stören mich sehr. Sollen Beleuchtung und Details im Mittelpunkt stehen, wähle ich den Qualitätsmodus. Und gleich im nächsten Moment nervt mich das Ruckeln bei jedem noch so kleinen Kameraschwenk. 30 Frames mit Einbrüchen im Jahr 2024? Ganz toll! Also doch auf Performance umstellen? Schafft 60 Bilder, läuft aber keinesfalls flüssig und mit verringerter Detailauflösung, Artefakten sowie einer reduzierten Beleuchtung, die viel von der Atmosphäre zerstört. Einen Mittelweg gibt es auf der PS5 nicht, und das trifft inzwischen auf viele Titel zu.

Keine technischen Kompromisse – oder?

Ein Ende dieser ständigen Kompromisse zwischen Auflösung und Bildrate verspricht nun die PS5 Pro. Native 4K-Bilder und dazu sattelfeste 60 Bilder pro Sekunde – hört sich super an, oder? Ich gebe zu, ziemlich gespannt zu sein, ob sich ein Wow-Effekt wie damals bei der PS4 Pro einstellen wird. Allerdings muss dieser riesig ausfallen, damit ich nur darüber nachdenke, eine Pro für 800 Euro zu kaufen.

Das Auspacken und Einrichten der Konsole klappt fix, schließlich ist das Menü identisch mit der normalen Playstation 5. Danach geht es ans Installieren beziehungsweise Kopieren der Software von der externen Festplatte. Nach einem Blick auf die offizielle Liste der für die Playstation 5 Pro optimierten Spiele fällt meine Wahl auf EA Sports FC 25, Resident Evil 4, Ratchet & Clank: Rift Apart und natürlich Star Wars Outlaws.  

Als Fußballfan, der fast täglich im Ultimate-Team-Modus abhängt, starte ich mit EA Sports FC 25. Die Möglichkeit, zwischen verbesserter Beleuchtung und höherer Auflösung zu wählen, existiert auf der PS5 Pro nicht mehr. Stattdessen bekomme ich beides serviert. Das ist grundsätzlich schön, aber im Spiel praktisch nicht zu merken. Die einzigen sichtbaren Verbesserungen betreffen Standardsituationen und Torjubel, denn die laufen nun mit 60 Bildern pro Sekunde ab. Nett, aber spielerisch komplett belanglos. Gewünscht hätte ich mir 120 Hertz für das gesamte Geschehen auf dem Rasen.

Ich wechsle zu Ratchet & Clank: Rift Apart, das mich im Test anno 2021 grafisch aus den Socken gehauen hat. Und es sieht heuer noch besser aus! Die neue Konsole sorgt nämlich für die volle Dröhnung aus Raytracing-Effekten, 4K-Auflösung und 60 FPS. Nun folgt das Aber: Besagte Bildrate in der Einstellung “Wiedergabetreue Pro” bekomme ich ausschließlich, weil mein OLED-Fernseher über einen 120-Hertz-Modus und VRR (Variable Refresh Rate) verfügt. Ohne den Einsatz der TV-Software sehe ich Ruckler bei Kamerabewegungen sowie Unschärfen im Mittel- und Hintergrund.

“Leistung Pro” liefert mir eine stabile Bildrate, reduziert allerdings die Intensität der Reflexionen und Umgebungsverdeckung. Im direkten Vergleich gewinnt für mich die Wiedergabetreue klar, weil hier verstärktes Raytracing und astreine Bildrate zusammenkommen. Allerdings nur dank meines 55-Zöllers mit 120-Hertz-Modus – ohne diesen müsste ich mich erneut zwischen zwei suboptimalen Grafikmodi entscheiden. 

Resident Evil 4 bietet volle 4K bei 60 FPS, inklusive Raytracing-Effekten und einer verbesserten Darstellung von Haaren. Richtig, schönere Haare dank Pro-Power. Die machen das Spiel nicht unbedingt besser, bei genauem Hinsehen jedoch um Nuancen hübscher. Die Einstellung “High Framerate” ist dagegen gut gemeint, erreicht die angepeilten 120 Bilder pro Sekunde allerdings selten, trotz einer auf Full-HD reduzierten Auflösung. Danke, darauf verzichte ich.

PlayStation 5 Pro - Launch-Trailer zum Konsolen-Release

Anlässlich der Veröffentlichung der PS5 Pro hat Sony natürlich auch einen Launch-Trailer veröffentlicht.

Keine Wahlmöglichkeiten habe ich schließlich bei Star Wars Outlaws. Ubisofts Open-World-Abenteuer läuft in 4K und 60 FPS über den Schirm. Im Vergleich mit der “normalen” Version profitiert der gesamte Bildeindruck von der höheren Auflösung und dem aktiven Raytracing: Alles wirkt schärfer, diffiziler, kerniger. Makel wie flimmernde Kanten an Tischen und Stühlen fallen weniger auf, aber weg sind sie eben nicht. Auch Feineinstellungen, beispielsweise hinsichtlich der Qualität von Beleuchtung und Effekten, darf ich keine vornehmen. Aber genau das scheint mir an einigen Stellen etwas zurückhaltend zu sein. Da ginge sicherlich mehr, doch vermutlich würde das Einbußen an anderer Stelle bedeuten – selbst auf der leistungsstarken PS5 Pro. Da sind sie wieder, die Kompromisse.

Ein zu teurer Spaß

Mein Blick schweift ab und wandert über das Regal mit PS5- und PS4-Spielen, die ich als Disc-Versionen besitze. Red Dead Redemption 2 könnte ich mir ebenfalls mal anschauen, vielleicht kann die PS5 Pro da was hübscher machen. Nein, kann sie nicht, weil ein Laufwerk fehlt. Dafür würden noch einmal satte 120 Euro anfallen. Sogar ein Standfuß müsste erneut angeschafft werden, weil die alte Variante nicht mit der schlankeren Pro-Konsole kompatibel ist. Aua!

So gut mir die PS4 Pro damals gefallen hat, so wenig kann ich der PS5 Pro abgewinnen. Klar, sie sorgt für Verbesserungen bei einer ganzen Reihe von neuen und älteren Spielen. Aber selbst ich, der bereits bei geringen Framerate-Einbrüchen argwöhnisch mit den Augenbrauen zuckt, muss mir die Brille putzen und ganz nah an den Fernseher heranrücken, um die Unterschiede zur gewöhnlichen PS5 zu erkennen. Statt eines Wow-Effekts steht Erbsenzählen auf dem Programm, oder besser gesagt Pixel- und Frame-Zählen. Daran wird sich in Zukunft kaum etwas verändern. Vermutlich werden viele kleinere Studios das Potenzial der Pro kaum oder überhaupt nicht nutzen, weil der Fokus auf der Spiele-Optimierung für die normale PS5 liegt – verständlicherweise, denn die ist viel weiter verbreitet.

Mit Blick auf die Verkaufszahlen der PS5 Pro scheint meine Einstellung zu den gesalzenen Anschaffungskosten allerdings die Ausnahme zu sein. Konkrete Zahlen nennt Sony zwar nicht, aber die geäußerte Zufriedenheit mit dem bisherigen Absatz dürfte keine Lüge sein. Mit welcher Größenordnung man gerechnet hatte, ist unklar. Jedoch sicher nicht mit Verkäufen wie bei der Standard-PS5. Vielmehr zielt der Konzern mit der verbesserten Hardware auf die treu ergebenen Fans ab. Und von diesen gibt es einige. Sie lassen sich vom Preis keinesfalls abschrecken, sondern geben liebend gerne 800 Euro für das Gerät aus. Vermutlich hätte Sony sogar 1000 Euro aufrufen können.

Nun kann man in Richtung PC schielen und argumentieren, dass dort allein der Kauf einer guten (nicht hervorragenden) Grafikkarte mit 800 Euro oder mehr zu Buche schlägt. Da erscheint eine PS5 Pro beinahe günstig. In beiden Fällen handelt es sich um ein Upgrade, das mal langfristig und mal kurzfristig für Verbesserungen sorgt. Mit Blick auf die neue Sony-Konsole trifft jedoch eher Letzteres zu, weil sie schon bei aktuellen Spielen (zum Beispiel Alan Wake 2) kein Paket aus 4K und 60 FPS zu schnüren vermag. In zwei Jahren könnte es sein, dass ich mich erneut zwischen Grafikqualität und Framerate entscheiden muss. Und was kommt danach? Vermutlich die nächste Generation.

Schlechte Vorzeichen

Wenn die PS6 eines Tages erscheint, dann keinesfalls mit billigen Komponenten unter dem Gehäuse. Schließlich erwartet man von einer neuen Playstation in Sachen Technik und Grafik einen sichtbaren Sprung nach vorne. Native 4K-Auflösung plus Skalierung auf 8K, umfangreiches Raytracing und (hoffentlich) 120 Hertz bei vielen Spielen dürften die Eckpfeiler der Konsole sein. Das erfordert einen leistungsfähigen Prozessor, eine kräftige GPU sowie ausreichend RAM. Dazu noch einige Terabyte SSD-Speicher, aktueller Bluetooth-Standard nebst Wi-Fi, frischer Controller – das kostet in der Produktion. Und weil Sony mit dem Gerät zudem etwas Geld verdienen möchte, dürfte die PS6 nicht billiger, sondern eher teurer als eine PS5 werden.

>> Grafik-Kracher für die Playstation 5 <<

Dabei könnte der bisherige Erfolg der PS5 Pro sogar ein zusätzlicher Preistreiber sein. Es zeigt sich schließlich, dass vielen Leuten bereits ein kleines Plus an Leistung einen satten Aufpreis wert ist. 800, 900 oder gar 1000 Euro für die nächste “Playsi”? Krass und trotzdem keinesfalls unrealistisch. Der Andrang, gerade zum Launch, dürfte einmal mehr enorm ausfallen. Warum sollte Sony das nicht ausnutzen und eine preisliche Schippe drauflegen? Gibt es dann noch ein oder zwei Spiele mit toller Grafik, werden nicht nur die zahlreichen Sony-Jünger ohne Zögern ihre Kreditkarten zücken. Beim Kauf einer Playstation werden eben keine Kompromisse gemacht.

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