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Special - No Man’s Sky : Warum ich nach dem Voyager-Update wieder hunderte Stunden im All verbracht habe

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Aktuell ist die Weltraum-Simulation No Man’s Sky wieder in aller Munde und lockt zeitweise bis zu 100.000 Spieler (allein auf Steam) in die kühlen Weiten des Alls. Dabei ist der Titel bereits neun Jahre alt, und einer der meisten Kommentare, die ich in den letzten Tagen zu dem Thema gehört habe, ist “Hä? No Man’s Sky? Das hab ich damals zu Release gespielt und das war gar nicht mal so gut!” Warum übt No Man’s Sky nach so langer Zeit immer noch eine solche Faszination aus und warum pilgern die Leute ausgerechnet jetzt wieder in Scharen zu ihren staubigen Raumschiffen?

Will man über No Man’s Sky reden, dann kommt man an Sean Murray nicht vorbei. Murray war Entwickler bei EA und hatte es irgendwann satt, nur noch ein Sequel nach dem nächsten zu entwickeln. Also gründete er zusammen mit einigen Kollegen 2008 die Indie-Klitsche Hello Games. Ihr erster Titel Joe Danger war dann auch gleich ein ansehnlicher Erfolg und das Studio wurde mit Preisen überhäuft. Doch das bedeutete für Sean eine drohende Wiederholung seines Albtraums: Joe Danger sollte ein Sequel bekommen.

Um nicht wieder in den gleichen Trott zu verfallen wie bei EA, begann Sean heimlich allein das Spiel zu entwickeln, das wir heute als No Man’s Sky kennen. 2013 kündigte Hello Games ihren neuen Titel offiziell an und die Pressearbeit für das Spiel übernahm niemand anderes als Sean Murray selbst, was sich noch als Fehler herausstellen sollte.

Immer wenn Sean auf ein Feature in seinem Spiel angesprochen wurde, versprach er, dass das natürlich kommen würde. Milliarden an prozedural generierten Planeten? Klaro! Spieler können sich theoretisch zufällig auf Planeten treffen? Unwahrscheinlich, aber möglich! Erkundung, Kämpfe, Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade? Alles dabei! Das sorgte bei Presse und Fans natürlich für einen irrsinnigen Hype, wie man ihn bis dahin selten erlebt hat.

Der Weltraum: ziemlich endliche Weiten

Das fertige Spiel erschien 2016 und konnte natürlich bei Weitem nicht mit den großen Versprechungen mithalten. Es gab zwar ohne Ende Planeten, doch die waren sich alle sehr ähnlich und boten nur bedingt etwas zu tun. Die Story war mit “Reise zum Mittelpunkt der Galaxie” bereits vollständig umrissen und nach kurzer Zeit hatte man auch schon alles gesehen. Außerdem entpuppte sich jede Form von Multiplayer als Lüge und man war allein in einer großen, leeren Galaxie. Der Release von No Man’s Sky wurde zum Sinnbild für enttäuschten Hype schlechthin.



Nun hätten Hello Games einfach den Kopf in den Sand stecken, sich mit der Kohle aus dem Vorverkauf aus dem Staub machen und sich neuen Projekten (vielleicht einem weiteren Sequel zu Joe Danger) widmen können, aber stattdessen entschied man sich für einen anderen Weg.

Sei es aus Trotz, Ehrgeiz oder Leidenschaft - seit 9 Jahren erscheinen regelmäßige Patches und große Updates für No Man’s Sky im Abstand von maximal wenigen Monaten. Wikipedia listet allein über 40 große Updates, die nicht lediglich kleinere Bugs gefixt, sondern komplett neue Mechaniken ins Spiel gebracht oder vorhandene Systeme grundlegend überarbeitet haben.

Mittlerweile haben die Spieler unter anderem die Möglichkeit (bitte vor dem Lesen dieser Liste einmal geistig tief Luft holen) eine eigene Basis zu bauen, mit verschiedenen Fahrzeugen über die Planetenoberflächen zu düsen, Unterwasserwelten zu erkunden (und dort Basen errichten), verfallene Frachter im Weltraum zu plündern (eine Art Mini-Horror-Dungeon), Tiere zu züchten und abzurichten, Vorsteher einer kompletten Alien-Siedlung zu werden, eine eigene Pilotenstaffel zu gründen und zu verwalten, Piraten zu jagen, Handel in Raumstationen zu betreiben, paläontologische Relikte auszubuddeln - und natürlich zu angeln.



Hinzu kommt eine Story mit über 30 Stunden Inhalt und zahlreiche neue Planetenbiome. Außerdem wurde No Man’s Sky zwischendurch auf die neue Konsolengeneration upgedatet und sogar Crossplay ist möglich. Zeitlich begrenzte Events (sogenannte Expeditionen) sorgen für regelmäßige neue Inhalte und einzigartige Belohnungen, selbst wenn ihr die Story bereits hinter euch habt. Und wer vollkommen in die Welt eintauchen will, der darf sogar sein VR-Headset mitbringen und sich zu Hause auf der Couch wie ein richtiger Raumschiff-Pilot fühlen.

No Man’s Sky 2025 ist also definitiv nicht mehr dasselbe Spiel wie noch zu Release, sondern eher das Spiel, welches zu Release versprochen wurde. Aber eine Sache hat bisher zur ultimativen Space-Phantasie gefehlt und genau die ist der Grund, warum aktuell wieder Tausende Spieler ihre alten Raumschiffe entstauben.

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff

Wichtiger Teil im bisherigen Gameplay und vor allem im Endgame war die Jagd nach dem perfekten Schiff. Dockt ihr zum Beispiel an einer Raumstation an und auf dem Landefeld neben euch steht ein Schiff, das euch gefällt, haut ihr einfach den (NPC-)Besitzer an und fragt, ob er nicht tauschen möchte. Gegen etwas Kleingeld zur Ablöse sind die meisten Piloten durchaus bereit, sich von ihren Schmuckstücken zu trennen.



Wer die Schiffssuche lieber zum Abenteuer machen will, der hat ebenfalls genug Auswahl. Folgt ihr fragwürdigen Gerüchten zu den legendären Solar-Schiffen, brütet merkwürdige Alien-Eier aus, um ein lebendiges Schiff in die Hände zu kriegen, oder nehmt direkt den hoch entwickelten Wächtern ihre Jagdschiffe ab? Die Anzahl an Schiffen und die Möglichkeiten dranzukommen, sind fast so zahlreich wie die Sterne in der Galaxie.

Bisher gab es nur eine große Einschränkung: Alle Schiffe waren Einsitzer! Steht ihr vor eurem Transportmittel, drückt ihr einfach einen Knopf und teleportiert euch ins Cockpit. Mit dem Voyagers-Update wird nun endlich der feuchte Traum vieler Sci-Fi-Nerds wahr: Die neuen Corvette-Schiffe sind vollständig begehbar, ausbaubar und können in Design und Funktion komplett individualisiert werden.

Dazu kauft oder sammelt ihr einzelne Bauteile und setzt sie auf einer Raumstation zusammen. Cockpit, Reaktor, Antrieb und Wohnmodul zusammengeklatscht und ZACK! steht da der erste eigene Space-Wohnwagen. Zu kaufen gibt es allerdings nur die absoluten Basis-Teile. Wollt ihr mehr Individualität, bessere Waffen oder eine schickere Inneneinrichtung, dann müsst ihr abgestürzte Schiffe auf Planeten oder Wracks im All nach brauchbaren Überresten untersuchen.



Das Innere eurer Corvette lässt sich anschließend mit verschiedenen Modulen wie Kochnischen, Deko, zusätzlichem Stauraum oder sogar einer lebendigen Wand, an der ihr Pflanzen züchten könnt, ausbauen. Damit habt ihr eure Basis immer mit dabei und könnt sogar Freunde einladen, um mit eurem Flaggschiff anzugeben oder direkt gemeinsam die Galaxie zu erkunden.

Steht euch unterwegs der Sinn nach einer kleinen Pause, dann schaltet ihr einfach den Autopiloten an und kümmert euch während des Flugs um eure Blümchen oder ihr haltet direkt an und mach einen kleinen Weltraumspaziergang. Wer so richtig wagemutig unterwegs ist, der öffnet nach Eintritt in die Atmosphäre eines Planeten einfach die Luke und nähert sich der Oberfläche in freiem Fall. Kann dann auch nicht mehr lange dauern, bis euch Red Bull sponsort.

>>Mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Die 10 ikonischsten Reittiere in Videospielen<<

Natürlich ist noch Luft nach oben, wenn es um die neue Corvette geht. Bisher fehlen ein wenig die Möglichkeiten für andere Crewmitglieder als den Captain, sich während des Fluges zu beschäftigen. Blümchen pflücken ist auf Dauer nicht wirklich erfüllend. Auch dürfte es gerne noch mehr verschiedene Module geben. Unabhängig von den Hauptgeschützen bemannbare Geschütztürme würden zum Beispiel dem Weltraum-Kampf eine neue Dimension hinzufügen und so weiter.

Aber wenn ich mir da bei einem Team keine Sorgen um Verbesserungen und weitere Updates mache, dann ist es definitiv Hello Games. No Man’s Sky bietet inzwischen die ultimative Spielwiese für Scifi-Fans und im Gegensatz zu anderen Spielen, die eine ähnliche Erfahrung versprechen (*husthust* Star Citizen *husthust*), ist es komplett spielbar und kostet euch im Moment auf Steam nicht mal 24 Euro. Nur auf No Man’s Sky 2 werden wir wahrscheinlich noch lange warten müssen, denn wenn Sean Murray eines hasst, dann sind es Sequels.

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