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Preview - Mycopunk : Dieser irre Shooter schreit förmlich nach Devolver

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Grafik wie ein Gemälde von Jean „Moebius“ Giraud, unkonventionelle Waffen, seltsame Missionsziele und schräge Figuren – all diese Elemente würden AAA-Studios aus Angst vor einem kommerziellen Flop wohl nie wagen. Die Indie-Spieleschmiede Pigeons at Play sorgt sich um derlei Nichtigkeiten aber nicht und hat mit Devolver Digital auch genau den richtigen Publisher für ein solches Projekt aufgerissen.

Kooperative Spiele erfreuen sich nicht erst seit einer gewissen Pandemie größter Beliebtheit. Gemeinsam zocken tröstet über drohende Einsamkeit hinweg und hält Freundschaften über hunderte Kilometer aufrecht – oder schafft ganz neue Beziehungen mit unbekannten Personen. Auf den ersten Blick bietet Mycopunk nicht viel mehr als einen klassischen Koop-Shooter mit ungewöhnlicher Grafik. Hinter der Moebius-Optik verbergen sich aber spannende Ideen.

Second-Hand-Roboter im Kampf gegen die Infektion

Die Prämisse von Mycopunk erklärt sich schnell, verwirrt aber enorm: Als Teil einer dreiköpfigen Truppe von ausrangierten Robotern einer Gigafirma säubert ihr Planeten von einem bösartigen Pilz und findet dabei heraus, was es mit der Infektion auf sich hat und rettet so die Galaxie. Dadurch kommt auch der Koop-Ansatz zustande und selbst die Notwendigkeit der Ressourcensammlung für Upgrades ergibt Sinn. Oder kennt ihr eine Robotersöldnertruppe, die ohne verbesserte Bauteile und Waffen auskommt?

Eure Schießprügel bieten dabei alles andere als Standardkost. Eine Wumme markiert Feinde, feuert aber in den Himmel und lässt es erst ein paar Sekunden später Projektile regnen. Wieder eine andere haut euren Feinden von Wänden abprallende Schrotkugeln um die Ohren und ein futuristisches Repetiergewehr mausert sich nach genügend Schüssen und einer dadurch aufgeladen Batterie zu einer waschechten Railgun.

Doch nicht nur die funky Mechaniken sorgen für theoretisch einige Abwechslung, mit Upgrades passt ihr die Knarren noch weiter an. In einer Punkte-Matrix verteilt ihr Upgrades und versucht die zur Verfügung stehenden Knotenpunkte möglichst effektiv auszufüllen und mehr Schaden, schnelleres Nachladen, Elementareffekte und weitere Aufwertungen freizuschalten.

Theoretisch bieten sich hier sogar geniale Möglichkeiten für aufeinander abgestimmten Setbau mit euren Begleitern und Begleiterinnen. Die tatsächlichen Auswirkungen der Elementareffekte müssen sich zwar erst zeigen, genügend Potenzial wäre aber definitiv vorhanden.

Die zur Erstellung nötigen Ressourcen und manchmal auch ganze Upgrades findet ihr auf euren Missionen. Eure Auftragsziele gewinnen dabei keinen Innovationspreis, in der von mir gespielten Demo-Version galt es, bestimmte Punkte auf der Karte zu erreichen und dort Schalter zu bedienen oder wuchernde Pilz-Sporen zu zerstören. Dabei stellt sich euch natürlich allerhand Getier in den Weg.

Was zum Cronenberg bekämpfe ihr hier eigentlich?

Die Gegner von Mycopunk lassen sich gar nicht so genau beschreiben. Am ehesten trifft es wohl eine Mischung zwischen den absurden Designs von David Cronenberg, ewig langbeinigen Spinnen und deformierten Mechs. Ihre Körperteile wirken wahllos an diversen Gelenken zusammengekloppt und irgendwie zappeln sie auch nach ihrem vermeintlichen Ableben noch weiter über den Boden. So fiel es mir in meinen wenigen Runden schwer nachzuvollziehen, wann sie wirklich tot sind.

An das offensichtliche große Vorbild heranzureichen, schafft Mycopunk bislang nicht ganz: die Rede ist natürlich von Borderlands. Zwar handelt es sich bei dem Devolver-Kabniettstück nicht um einen Loot-Shooter im engeren Sinne, trotzdem finden sich ganz klar etliche Elemente des durchgeknallten Pandora-Trip aus dem Hause Gearbox. Nicht umsonst fällt im Promo-Material das Wort „Kammerjäger“.

Aber auch der seltsame Humor erinnert an Borderlands, von sprechenden Kakerlaken über bösartige Großkapitalisten-Overlords gibt es doch einige Parallelen. Dazu die kreativen Waffen-Designs inklusive Elementeffekten und der Koop-Aspekt.

Doch beim Trefferfeedback fällt Mycopunk deutlich ab. Weder ausgeteilte noch eingesteckte Treffer gehen mit der nötigen Wucht einher. Es fehlt aktuell noch das letzte Quäntchen Genialität, um ganz oben mitzuballern.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Hier steht ein vergnüglicher Shooter für bequeme Koop-Runden ins Haus

Zunächst könnte man vermuten, Mycopunk würde sich auf den ungewöhnlichen Grafikstil verlassen. Doch der optische Sirenengesang lockt tatsächlich zu einem gut durchdachten Koop-Shooter mit witzigen Ideen, zumindest meinem Ersteindruck nach. Das Upgrade-System mit seinen Knotenpunkten verlangt gleichermaßen nach Glück bei den gefundenen Aufwertungen und cleverem Puzzlen, um das Maximum herauszuholen.

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Auch das Zusammenspiel offenbart potenziell jede Menge Möglichkeiten, und aufeinander abgestimmte Sets könnten etwas Ordnung ins Chaos bringen. Denn oftmals raffte ich nicht so ganz, was bei Mycopunk vor sich geht oder ob meine Feinde wirklich tot sind. Im Vergleich mit offensichtlichen Vorbildern wie Borderlands flacht zudem das Gunplay etwas ab, was die ungewöhnlichen Schießprügel aber wiederum zu einem guten Teil ausgleichen. Ich behalte den Shooter in jedem Fall weiter im Auge. Und wenn es nur daher rührt, dass Qualitätsgarant Devolver ihn vertreibt.

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