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Test - MOZA mBooster Aktiv-Pedal : Test: Die Konkurrenz mit Hi-Tech ausgebremst

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MOZA haut mit einem neuen Racing-Pedal richtig auf den Tisch, um die Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Das mBooster Active Pedal ist ein elektronisch gesteuertes Präzisionswerkzeug, das bis zu 200 Kg Widerstand bei der Bremskraft aufbringt und dadurch Extravaganzen wie etwa das Stottern einer ABS-Regulierung simuliert. MOZA unterbietet dabei die Aktivpedale der Elite-Marke Simucube durch einen halb so hohen Kampfpreis. Bleibt nur die Frage: taugt es was?

In der Welt des Sim-Racing gibt es nichts, was es nicht gibt. Alles, was sich auf irgendeine Weise hydraulisch oder durch Motorkraft simulieren lässt, kann man auch kaufen. Ist bloß eine Frage des Kontostands. Wobei gewisse Lösungen mit der Zeit immer preiswerter werden, wenn auch nicht immer so günstig, dass auch Spieler jenseits des E-Sports damit liebäugen dürfen. Und doch tut sich einiges. Vor wenigen Jahren ging es mit Direct-Drive-Motoren für Lenkrad-Basen los, und es scheint, als seien aktive Pedale der nächste Knaller für Simracing-Normalverbraucher.

Aktive Pedal? Was soll das denn wieder?

Normale Simracing Pedale gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Im unteren Preissegment simulieren sie Bremswiderstände und Pedalwege durch Schaumstoff-Einlagen und Federn. Für etwas mehr Geld erhält man Load-Cell-Sätze, die Gegendruck in ein elektronisches Signal verwandeln. Sie garantieren einen kontinuierlich steigenden Widerstand, der zwar nicht dynamisch ist, aber um einiges realistischer wirkt als ein Stück Schaumstoff. Das ist für gutes Bremsen keineswegs Luxus, denn eure Füße können ein Druckverhältnis einfacher ausloten als einen zurückgelegten Pedalweg, und dieses Druckverhältnis kann man sich auch intuitiver merken. So lernt ihr, genau jene Bremskraft einzusetzen, die ihr gerade braucht, statt immer nur mit vollem Druck auf die Klötzer zu treten.

Aktivpedale denken diesen Ansatz zu ende. Ähnlich wie beim Force Feedback am Lenkrad liefert ein aktives elektronisches System einen dynamisch steuerbaren Gegendruck. Vom System her eine einfache Angelegenheit: Das Pedal liegt auf einer Gewindestange. Diese Stange wird durch einen Servomotor geführt. wodurch ihre Einschraubung exakt bestimmt werden kann. Davon bekommt ihr optisch aber nichts mit. Das Pedal surrt zwar im Betrieb leise, aber davon bekommt ihr beim Racing nie etwas mit.

Diese mechanische Motorisierung erlaubt das Simulieren unterschiedlicher Bodenverhältnisse wie auch Bremsmethoden. Zudem könnt ihr das Verhalten der Bremse so exakt einstellen, dass es sich genauso anfühlt wie in einem echten Auto, sei es wie bei einem getunten Sportflitzer oder einer alten Rostlaube. Soll sie ein wenig schleifen? Wollt ihr die Trommelwirkung spüren? Das Stottern des ABS bis in den Oberschenkel vernehmen? All das ist möglich.

Ein Aktivpedal ist allerdings nicht auf die Funktion als Bremse beschränkt, Es kann auch als Gaspedal oder Kupplung eingesetzte werden. Es liefert in dem Fall zwar nicht ganz so viele spürbare Features, aber auch in solchen Fällen steigt das Gefühl von Authentizität enorm. Wer will, kann damit einen authentischen Schleifpunkt beim Kuppeln einrichten, oder das Gaspedal schwerer machen. Das Motortuckern am Fuß spüren? Klar, auch das gehört dazu.

Fußwerkzeug für Enthusiasten

Braucht jeder so viel Simulation am Fuß? Wahrscheinlich nicht, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell an diesen Luxus. Gerade Sim-Fans, die auch im realen Leben ein Auto fahren, finden erstaunlich flink einen Bezug zu den möglichen Features. Um ein Schnäppchen geht es allerdings nicht, denn ein einzelnes mBooster Aktivpedal kostet 900 Euro. Viel Geld, wenn auch nur halb so viel wie ähnliche Pedale bei Simucube.

Es besteht kein Zwang, sämtliche Pedale eures Lenkrad-Sets aufzurüsten. Das mBooster-Pedal funktioniert nämlich als autonomes Gerät per USB-Anschluss samt eigenem 240 Watt-Netzteil. Ihr könnt es aber auch mit einem bestehenden CRP2-Pedalset in Reihe schalten, beziehungsweise ein Bundle mit einem Gaspedal für etwa 1100 Euro erwerben. In dieser Konfiguration haben wir das Pedal getestet (siehe unsere Fotos).

Dank eines passenden Ports ist es noch immer möglich, eine verkabelte Verbindung zu einer MOZA Wheelbase einzurichten. Konsoleros schauen trotzdem in die Röhre, denn dieses Luxus-Pedal ist ausschließlich für den PC gedacht und benötigen aktive Unterstützung durch entsprechenden Programmcode. Als reine Eingabegerät werden sie von fast allen Spielen erkannt – Moza Pit-House-Software sei Dank. Aber damit ABS, Traktionskontrolle und andere spürbare Effekte durch den Motor simuliert werden, müssen entsprechende Signale mit der Engine verknüpft sein.

So findet ihr ABS-Simulation bislang in vielen PC-Sims wie etwa Assetto Corsa, Assetto Corsa Competizione, RaceRoom, iRacing, Automobilista 2 und EA WRC vor, nicht aber in Formel 1-Spielen, Forza Motorsport, R-Factor oder LeMans Ultimate.

Bei der Traktionskontrolle wird die Liste noch etwas dünner. Assetto Corsa und AC Competizione simulieren es, iRacing und Automobilista 2 hingegen nicht. Kann sich natürlich noch ändern.

Endlose Einstellungsmöglichkeiten

Das mBooster-Pedal offeriert euch unzählige Nutzungs- und Einstellungsmöglichkeiten. Auf den ersten Blick wirkt es zwar sehr steil aufgestellt, was an Pedale für Open-Wheel-Fahrzeuge erinnert, doch das täuscht. Ihr könnt nämlich den Wirkungsgrad wie auch die Maximalreichweite der mechanischen Teile frei bestimmen - und das solltet ihr auch, weil die Ausgangskonfiguration sehr hart ausfällt.

Bei Maximal 200 Kg Gegendruck müsst ihr schon Beine wie Arnold Schwarzenegger haben, um das Pedal überhaupt nur zu bewegen, geschweige denn eine Vollbremsung zu vollziehen. Wir haben Leg Day nicht geschwänzt und trotzdem erschienen uns 50 Kilogramm mehr als großzügig. 40 würden bestimmt auch genügen. Aber lässt sich ja alles nach eigenem Gutdünken konfigurieren.

Wie tief ihr genau gehen könnt, welchen Maximalwinkel für Start und Endpunkt ihr bevorzugt wie auch welche Kraft ihr zu jedwedem Moment aufbringen wollt, stellt ihr in ausführlichen und übersichtlichen Graphen in der MOZA-Pithouse Software ein. Dabei könnt ihr auf Lineare und logarithmische Vorgaben zurückgreifen oder händisch Fixpunkte legen. Beispielsweise, wenn ihr bis zur Hälfte der Maximalbremskraft eine lineare Steigerung haben wollt und der Widerstand erst zum Schluss steil ansteigen soll.

Die Anzahl der möglichen Effekte, die an en Fuß vermittelt werden können, ist am Anfang ein wenig Überwältigend, zumal sich gewisse Nuancen so arg ähneln, dass man sie kaum noch voneinander unterscheiden kann. War das nun das ABS oder nur der aufheulende Motor? Manchmal schwer zu unterschieden, weil sie ähnliche Rüttel und WIderstandsfrequenzen verwenden. Wir gingen schnell dazu über, das ABS-Rütteln auf eine erheblich gröbere Frequenz zu stellen als alles andere. Es dauerte eine Zeit, bis wir herausgefummelt hatten, was uns am Wichtigesten war und in welcher Stärke wir diese Effekte haben wollten.

Einmal richtig konfiguriert - also so, dass ihr euch einerseits damit wohlfühlt und andererseits die Effekte der Rennstrecke und des Wagens ausreichend spürt – ist das Spielgefühl allerdings phänomenal. Und der Lerneffekt noch dazu. Ein aktives Pedal hat exakt dieselbe Wirkung auf euch wie gutes Force-Feedback: Es ergänzt die Wahrnehmung um jene Nuancen, die das Videospiel von einer realen Erfahrung trennen. Ihr spürt genauer, wann ihr zu steil auf die Bremse geht, wo ihr an Effizienz verliert, beziehungsweise wo sich der Wagen wehrt.

Aus vollem Herzen Empfehlen können wir diese Technik aber nur für Bremse und Gaspedal. Für die Kupplung ist es Overkill, egal wie genial es sein mag, einen authentischen Schleifpunkt für‘s Kuppel zu spüren.

Formfaktor

Da sich das mBooster-Pedal autonom einsetzen lässt, kann es sowohl ein Teil eures Moza-Setups sein, als auch Teil jeder beliebigen anderen Pedal-Kombination einer anderen Marke, solange ihr irgendwo das große Netzteil unterbekommt und nicht auf Konsolen unterwegs seid. Das Einzige, was euch dabei eventuell im Wege steht (und zwar buchstäblich) ist der Formfaktor.

Mit seinen 34 cm Länge und 7 cm Breite bei rund 8 Kilo Eigengewicht passt es nicht auf alle Rigs. Selbst ein CRP-2-Set von MOZA muss um eine stützende, separat erhältliche Platte erweitert werden. Das um diese Platte erweiterte CRP-2-Set misst stolze 47 cm in der Länge und ragte so weit über die Fußschiene unseres Rigs hinaus, dass wir beschlossen, die mBooster-Komponente ohne Platte direkt anzuschrauben. Selbst das war nicht in jeder beliebigen Anordnung möglich, weil nur drei Aussparungsstellen für die Verschraubung bestehen. Durchaus problematisch, wenn ihr Trailbraking anwenden wollt, aber die Abstände zum Gaspedal nicht stimmen.

Das sind Kinderkrankheiten solcher neuen Systeme, die auch mal den Einsatz einer Bohrmaschine verlangen, bis sich Rig-Hersteller an die neuen Bedürfnisse anpassen.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Geniale Technik für enthusiastische Simracing-Fans

Mit dem mBooster Aktivpedal liefert MOZA ein überzeugendes Alleinstellungsmerkmal. Seit meinem ersten Probespiel auf der letztjährigen Gamescom klebte dieses Gefühl der erhöhten Immersion an meinem Fahrverständnis. Meine „normalen“ Load-Cell-Pedale fühlten sich wie halbgare Kompromisse an. Nun endlich, nach meinem etwa dreiwöchigen Test der Hardware, festigt sich meinen Eindruck: Dies ist der nächste Schritt für Simracing-Enthusiasten, dem sich kein Hardware-Hersteller auf lange Sicht entziehen kann. An Anfang musste ich zwar viel Experimentieren, um passende Einstellungen für meine Assetto-Corsa-Competizine-Sitzungen zu finden, aber einmal korrekt eingestellt, wuchs der Spaß immens. Nie fühlte sich Sim-Racing so realistisch und nachvollziehbar an.

MOZA legt als erster Massenmarkt-kompatibler Versorger vor und vollbringt zugleich das Kunststück, den Preis des Innovators Simucube zu halbieren, ohne an der Qualität zu sparen. Das Material ist top, die Software umfangreich, aber verständlich, und die Kompatibilität schon jetzt sehr hoch. Klar ist aber auch: Mit diesem Preis erreicht das mBooster-Pedal Einsteiger und Gelegenheitsfahrer keineswegs. Ist auch nicht zwingend nötig angesichts des Anspruchs. Trotzdem sind 900 Euro je Pedal ein hoher Einsatz. Wer weiß, ob der Preis nicht noch etwas niedriger ausfallen könnte, wenn Moza auf die exorbitanten 200 Kg Gegenkraft verzichtete. 80 Kg hätten es auch getan, zumal damit der Stromverbrauch niedriger wäre. Es geht um eine relativ neue Technik, da muss sicherlich noch einiges ausgelotet werden.

Nur eines nervt wirklich und sollte in zukünftigen Hardware-Revisionen unbedingt verbessert werden: Man kann den Motor nicht ausschalten. Wollt ihr das leise Surren loswerden, das permanent zu hören ist (also auch wenn ihr nicht spielt), dann müsst ihr den Netzstecker ziehen. Das klingt nach Erbsenzählerei, ist aber leider eine nervige Eigenschaft. Davon abgesehen gibt es nicht viel zu meckern. Schlagt zu, wenn ihr mindestens ein Mal pro Woche dem Simracing-Hobby nachgeht und es euch leisten könnt.

Überblick

Pro

  • autonom einsetzbar
  • sehr gut verarbeitet
  • stabile Materialien
  • enorme 200 Kg Gegenkraft
  • hervorragend als Bremse oder Gaspedal
  • nach eingänglicher Abstimmung sehr gut spürbare Fahrzeug- und Oberflächen-Effekte

Contra

  • permanentes Surren des Motors hörbar
  • hoher Stromverbrauch
  • eingeschränkte Verschraubungsmöglichkeiten
  • am Anfang viel Experimentierfreude vonnöten

Awards

  • Hardware Tipp

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