Test - Mouse: P.I. For Hire : Test: Wenn Disney doch nur mal wieder einen Film auf diesem Niveau liefern würde
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2024 liefen in den USA die Urheberrechte für die ersten drei Micky-Maus-Cartoons aus, wodurch sie gemeinfrei wurden. Die Folge: gleich mehrere Low-Budget-Horrorfilme, in denen Darsteller mit hässlichen Micky-Masken Jagd auf junge Erwachsene machen. Ja nun, auf die hätte ich gut verzichten können. Aber hey, es gibt auch was Gutes: Mouse: P.I. For Hire. Das Actionspiel im Schwarz-Weiß-Look der alten Disney-Trickfilme ist endlich da und sieht nicht nur fantastisch aus, sondern ist auch spielerisch ein echtes Highlight für alle Fans von Oldschool-Shootern.
Die Optik ist natürlich das auffälligste Element von Mouse: P.I. For Hire. Entwickler Fumi Games hat sich die Mühe gemacht, handgezeichnete 2D-Charaktere, die den Rubberhose-Stil der alten Cartoons von Walt Disney perfekt einfangen, in eine 3D-Spielwelt zu integrieren. Das Ergebnis ist unglaublich stilsicher und strotzt nur so vor detailreichen, merklich liebevoll gestalteten Charakteren und Animationen.
Jeder Gegnertyp hat seine ganz eigene Art und Weise, den Löffel abzugeben. Immer wieder könnt ihr friedliche NPCs in den Levels beobachten, wie sie ihrer Arbeit nachgehen, oder kleinere Tiere entdecken. Einmal erblickte ich ein Spinnennetz, dessen Bewohnerin Messer und Gabel in den Händen hielt, während ihr das Wasser aus dem Mund lief und eine kleine eingesponnene Fliege davor unzählige Tränen vergoss. Da konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen und gleichzeitig die Detailverliebtheit der Entwickler nur bewundern.
Einfach zeitlos
Der Mix aus 3D und 2D in Kombination mit der Schwarz-Weiß-Optik funktioniert hervorragend und sorgt dafür, dass Mouse: P.I. For Hire auch noch in 20 Jahren gut aussehen wird. Zeichentrickfiguren altern eben einfach kaum, während 3D-Charaktere in der Regel eine Halbwertszeit von bestenfalls einem Jahrzehnt haben.
Fumi Games hat außerdem darauf geachtet, dass die Spielwelt stets gut lesbar ist. Alle interaktiven Objekte haben, auch wenn es sich um dreidimensionale Modelle handelt, diesen Zeichentrick-Look mit klar erkennbaren, schwarzen Rändern und sind permanent in Bewegung. Dadurch ist es unmöglich, wichtige Gegenstände wie Heilmittel und Munition zu übersehen, sofern sie nicht absichtlich versteckt sind.
Ein Spiel für Film-noir-Fans
Genauso offensichtlich ist, dass Mouse: P.I. For Hire eine Reminiszenz ans gute alte Film-noir-Genre ist. Die Handlung spielt in den 1930ern in der fiktiven Stadt Mouseburg, die von Verbrechern und korrupten Polizisten regiert wird. Hier arbeitet Jack Pepper als Privatdetektiv, ganz fantastisch vertont von Troy Baker (Joel in The Last of Us, Higgs in Death Stranding, um nur zwei seiner unzähligen Rollen zu nennen) – generell ist die Sprachausgabe in dem Shooter auf sehr hohem Niveau. Auf eine deutsche Vertonung müsst ihr verzichten, es gibt aber ausgezeichnet geschriebene deutsche Texte.
Jack muss im Verlauf der Handlung drei große Fälle lösen. Da geht es um einen verschwundenen Star-Zauberer, eine ermordete Schauspielerin und die Deportation einer ganzen Volksgruppe, den Spitzmäusen. Viel mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn wir haben es hier mit richtig spannenden Kriminalgeschichten zu tun, die gut miteinander verwoben sind und die anfängliche Linearität des Spiels auch gerne mal aufbrechen, wenn ihr selbst entscheiden dürft, welchen Fall ihr als nächstes weiter verfolgen möchtet.
Die klassischen Film-noir-Elemente sind allesamt vertreten: Jack ist der desillusionierte Privatdetektiv, der früher im Krieg gekämpft hat, den nichts mehr wirklich schockieren kann und dessen Gedanken wir ständig in inneren Monologen zu hören bekommen. Korruption, Entführungen und Morde stehen in Mouseburg an der Tagesordnung, es gibt eine Femme fatale, schmierige Politiker und Gangster. Dabei spielt im Hintergrund die meiste Zeit lang Jazz-Musik – ruhige während Dialogen und der Erkundung, schnelle und lautere, wenn geballert wird.
Dank der Optik und viel Humor ist MOUSE: P.I. For Hire alles andere als deprimierend. Dafür sorgen die teils sehr schrulligen Figuren und so manche Anspielung auf Filme oder auch andere Videospiele.
Im Herzen ein Boomer-Shooter
MOUSE: P.I. verzichtet auf moderne Shooter-Trends. Na ja, oder auch nicht, wenn man das Untergenre der Boomer-Shooter selbst als modernen Trend betrachtet. Wer mit Maus und Tastatur spielt, bewegt sich sehr schnell durch die Levels (für meinen Geschmack etwas zu schnell). Es gibt stets klar erkennbare Kampfarenen mitsamt Türen, bei denen Totenköpfe über dem Rahmen signalisieren: “Achtung, hier werden Feinde rausstürmen!” Gegner laufen in Scharen auf euch zu und wenden keine ausgeklügelten Taktiken an, sondern sind größtenteils Kanonenfutter. Masse statt Klasse ist hier das Motto.
Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist MOUSE: P.I. For Hire nicht sonderlich anspruchsvoll. Widersacher mit Feuerwaffen sind zwar recht treffsicher und fügen euch auch ordentlich Schaden zu, Heilmittel sind aber sehr großzügig in den Levels verteilt. Neben Schnapsflaschen (selbstverständlich reden wir hier von Käseschnaps), die sich Jack direkt hinter die Binde kippt, sobald ihr sie aufnehmt, gibt es Käsestücke zum Sammeln, mit denen ihr jederzeit auf Knopfdruck Lebenspunkte regenerieren könnt.
Die Gegnervielfalt ist nicht sonderlich hoch, geht aber in Ordnung. Es gibt Nahkämpfer, die mit Knüppeln auf euch zugelaufen kommen, diverse Schützen, sehr bullige Ratten, die euch gerne tackeln, fliegende Gegner und bissige Hunde. Die Highlights sind die Bosse, die sehr viel Varianz bieten. Mal habt ihr es mit einem wildgewordenen Roboter zu tun, der Laser verschießt, mal mit einem Alligator, der mit einer fetten Gatling Gun auf euch feuert. Jeder Bosskampf hat seinen eigenen Kniff und obwohl sich die spielerischen Herausforderungen auch hier in Grenzen halten (sofern ihr den Schwierigkeitsgrad nicht hochschraubt), machen die Begegnungen immer sehr viel Spaß.
Das liegt auch daran, dass Movement und Gunplay in MOUSE: P.I. For Hire schlicht hervorragend sind. Jack steuert sich sehr direkt, was in sporadischen Platforming-Passagen von großem Vorteil ist. Nie hatte ich das Gefühl, nicht genau bestimmen zu können, wo ich nach einem Sprung lande. Das Shooter-Gameplay macht dank der vielfältigen Waffen und dem tollen Trefferfeedback richtig Laune. Hätte MOUSE: P.I. For Hire nicht diesen farblosen Zeichentrickstil und wären die Figuren keine anthropomorphen Nagetiere, wäre es ein ziemlich brutaler Shooter, so oft wie hier die Köpfe platzen und das Blut literweise verspritzt wird.
Das Waffenarsenal bietet neben normalen Knarren wie einer Pistole, der James Gun (angelehnt an die klassische Thompson-Maschinenpistole) und einer Schrotflinte auch abgefahrenes Zeug wie eine dicke Kanone, die tatsächlich Kanonenkugeln verschießt, und ein Terpentingewehr, das eure Feinde dahinschmelzen lässt – also wortwörtlich. Oder wie wär's mit einer Eiskanone, die eure Widersacher einfriert?
Ihr könnt aber auch einfach mit bloßen Fäusten auf Gegner zustürmen und sie windelweich prügeln. Das ist nicht nur eine Notfalloption, sollte mal die Munition knapp geworden sein (wobei eigentlich immer genügend Nachschub herumliegt), sondern mehr als wirksam, wenn Kontrahenten eh direkt vor euch stehen. Achtet nur darauf, dass euch die Ausdauer nicht ausgeht!
Mehr Drumherum als gedacht
Jeder Schießprügel lässt sich in drei Stufen upgraden. Dadurch erhöhen sich nicht nur Schaden, Magazingröße, Schussfrequenz und Genauigkeit, ihr schaltet auch alternative Feuermodi frei. So könnt ihr mit der Pistole etwa statt Einzelschüssen auch schnelle Dreiersalven abfeuern oder mit der Schrotflinte aufgeladene, besonders starke Schüsse abgeben.
Zum Upgraden benötigt ihr Blaupausen, die ihr in den Levels findet und manchmal gut versteckt sind. Oftmals erhaltet ihr sie aus Safes, die ihr in einem netten Minispiel knackt. Dabei müsst ihr einen sehr flexiblen Dietrich durch das jeweilige Schloss führen und damit alle Pins runterdrücken. Fumi Games variiert dieses Minigame dadurch, dass es manchmal Stacheln gibt, die ihr nicht treffen dürft, ihr ein Zeitlimit habt und vielleicht zusätzlich noch nur eine begrenzte Anzahl an Eingaben tätigen dürft. Dadurch verkommt das Schlösserknacken nicht so sehr zur öden Routine wie beispielsweise in Skyrim.
Die Safes sind einer der Gründe, warum es sich lohnt, die Levels immer genau zu erkunden. Wer aufmerksam ist, entdeckt ständig versteckte Bereiche, in denen ihr Geld, Munition, erwähnte Blaupausen oder Sammelgegenstände in Form von Zeitungen, Baseballkarten und Comicausschnitten findet.
Außerdem erhaltet ihr im Spielverlauf immer wieder Nebenquests von NPCs, die den zentralen Hub rund um Jacks Büro bevölkern. Dazu gehören etwa die Journalistin Wanda Fuller und der Pub-Besitzer John Brown. Diese Nebenmissionen sind stets simple Botengänge, bei denen ihr bestimmte Items finden müsst. Aber einerseits lassen sie sich gut nebenbei erfüllen, weil ihr die entsprechenden Gegenstände immer bei der aufmerksamen Erkundung der Gebiete finden werdet, und andererseits sind die dazugehörigen Dialoge nicht weniger charmant und humorvoll wie der Rest des Spiels geschrieben.
Kein Raum für Langeweile
MOUSE: P.I. For Hire hat mich nicht nur mehrfach zum Lachen gebracht, sondern auch immer wieder überrascht. Fumi Games hat es vorzüglich hinbekommen, das Gameplay über die gesamte Spielzeit hinweg dadurch interessant und stets frisch zu halten, dass immer wieder neue Elemente hinzukommen. Nicht nur das Waffenarsenal vergrößert sich immer weiter, auch eure Bewegungsoptionen nehmen zu.
So erlernt ihr im Spielverlauf nicht nur einen Doppelsprung, sondern auch, Jacks Schwanz (nicht vergessen: Er ist eine Maus!) wie einen Propeller zu drehen, um größere Abgründe gleitend zu überwinden. Eine Greifhakenfunktion kommt ebenfalls nach ein paar Stunden hinzu, genauso eine Wallrun-Fähigkeit.
Passend dazu werden die Levels immer vertikaler und weitläufiger. Dadurch hat MOUSE P.I. For Hire ein tolles Progressionsgefühl und wird zu keinem Zeitpunkt eintönig. Es hilft natürlich auch, dass die Schauplätze so vielfältig gestaltet sind. Ihr besucht ein Opernhaus, Filmstudios, eine Hafengegend, ein geheimes Labor und noch vieles mehr.
Für den Preis von knapp 30 Euro erhaltet ihr hier ein wirklich gutes Inhaltspaket, das euch je nach Spieltempo 10 bis 20 Stunden beschäftigt – zumal es neben der Hauptkampagne und den Nebenmissionen auch noch ein an Baseball angelehntes Sammelkartenspiel gibt, das man locker als das Gwent von MOUSE: P.I. For Hire bezeichnen kann. Allein damit könnt ihr mehrere Stunden verbringen.
Greift zu, wenn...… euch der Grafikstil eh längst verzückt hat und ihr Lust auf einen Boomer-Shooter mit toller Story habt.
Spart es euch, wenn...… ihr von heutigen Shootern anspruchsvolle Gefechte gegen clevere KI-Feinde erwartet.






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