Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - Spider-Man 2 : PC-Test: Schöner als auf der PS5, aber ...

  • PC
  • PS5
Von  |  | Kommentieren

Nicht einmal auf der PS5 Pro sah Spider-Man 2 je so clean, so scharfkantig und kontrastreich aus. Raytracing-Optionen, die Hochhausfassaden in magische Spiegel verwandeln, rechtfertigen jede noch so teure Grafikkarten-Anschaffung. Die PC-Version von Sonys Open-World-Superhelden-Spektakel wäre wahrlich ein Knaller, wenn man nicht gefühlt alle zwanzig Minuten aus dem Spiel fliegen würde. Wie konnten die Portierungs-Entwickler bei Nixxes eine derart verbuggte Fassung auf Steam freigeben? Die spinnen doch!

Spider-Man 2 war nie ein Musterbeispiel für eine Fortsetzung. Wie schon in unserem PS5-Test beschrieben, liefert Sonys Open-World-Actionspiel im Vergleich mit Teil 1 lediglich mehr vom Selben. Jetzt zwar mit einer weiteren Hauptfigur samt erweiterter Move-Palette und leicht veränderten Regeln, wenn es um das Freispielen der New-Yorker Stadtteile geht, aber letztendlich findet sich jeder, der Teil 1 gespielt hat, nahtlos in das Geschehen ein.

Das gibt wenig Grund zum Unken, ist diese Designentscheidung doch ein angenehmes Sicherheitsnetz für Schöpfer und Kunden. Wer den ersten Teil mochte, wird höchstwahrscheinlich auch bei der Fortsetzung zufrieden sein. Zumal die neue Geschichte rund um das Dreieck zwischen Peter Parker, Miles Morales und Harry Osborn zwar arg vorhersehbar erscheint, aber dank hervorragend choreografierter Zwischensequenzen spannend erzählt wird, mit grafischem Bombast einhergeht und aufgrund der verführerischen Venom-Kräfte im letzten Drittel einen actiongeladenen Höhepunkt erreicht.

Rund 35 bis 40 Stunden Open-World-Verstrickungen mit etlichen Sammelgegenständen, vielen Kämpfen im Batman-Arkham-Stil und sogar ein paar hauchzarten kulturell wertvollen Einwürfen? Und dieses Mal sogar ohne PSN-Anmeldezwang? Wer will da meckern?

Der PC-Fluch

Spider-Man 2 wäre auch auf Steam einen Blindkauf wert, gäbe es nicht diesen Fluch, der auf Sonys PC-Umsetzungen liegt und unterschiedlichste Blüten trägt. Wäre es für Sony kein Minusgeschäft, könnte man fast meinen, es wäre Absicht, um die Konsole besser dastehen zu lassen als den PC.

Schon die erste Mär vom Spinnenmann litt unter inkonsistenten Frametime-Ausbrüchen, die das Bild leicht stottern ließen, obwohl der Bildratenzähler jenseits der 60 verharrte. In der Fortsetzung spielt dieser Lapsus nicht mehr die Hauptrolle im Bug-Ensemble. Er ist zwar noch immer vorhanden, aber keineswegs so ausgeprägt wie zuvor, und für alle, die einen VRR-fähigen Bildschirm haben, sowieso kaum zu erkennen.

Nein, dieses Mal schmiert das Spiel alle Nase lang unverhofft ab. Ohne erkennbaren Grund, zack – zurück auf dem Desktop. Pressemeldungen versprechen Besserung durch Patches und aktualisierte Grafikkarten-Treiber, aber selbst eine Woche nach Veröffentlichung ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Im Gegenteil, so langsam wächst der Frust, weil wir manche Missionen vier bis sechs Mal spielen mussten, um durchzukommen, und der Rechner an immer derselben Stelle die Füße hochnahm. Einen größeren Motivationskiller gibt es nicht.

Kleinvieh macht auch Mist

Dazu kommen noch ein paar sekundäre Fehlerchen, die man verzeihen kann, auch wenn sie das Gesamtbild keineswegs aufhübschen. Beispielsweise schimmern die Ränder von einigen Glasobjekten (Trinkgläser, Erlenmeyerkolben und so weiter) grundsätzlich, während diese Objekte anderweitig keinen Anhaltspunkt für ihr Geometrie geben. Keine Lichtreflexion, keine Spiegelung. Sie sehen aus wie CAD-Zeichnungen mit flimmernden Rändern. Und nein, das ist kein DLSS-Symptom, das passiert in voller nativer Auflösung mit horizontalen Linien samt hochgedrehtem Anti-Aliasing. Traurig, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Haare flimmern furchtbar, sobald das Licht falsch steht, während schattige Teile von Gesichtern trotz Nvidias Strahlen-Rekonstruktion krümelig erscheinen.

In anderen Szenen nimmt die Kamera eine falsche Position ein, sodass man in das Innere von Peter Parkers Kopf schauen kann. Passanten clippen in Busse hinein und ähnliche Sperenzchen.

Es ist manchmal zum Mäusemelken, wobei sich Spider-Man 2 oft dadurch rettet, dass so viel auf einmal passiert. In der offenen Welt New Yorks bemerkt man nur selten Grafikfehler dieser Art, aber in ruhigeren Szenen, in Häusern und bei Nahaufnahmen in Zwischensequenzen müsste man schon blind sein, um die kleinen Hänger zu übersehen.

Kraftreserven verpuffen

Nichts davon macht Spider-Man 2 hässlich oder gar unspielbar. Es ist und bleibt ein spaßiges Spiel, wenn auch mit kleineren Störfaktoren. Die Aussage, man gewöhne sich daran, soll nicht zynisch rüberkommen. Eher beruhigend. Ja, es sind kleine Grafikmacken, aber eben nichts Wildes, und zum Glück auch nichts, was dem Stil des Spiels schaden könnte. Leblose Augen in Starfield nimmt man viel eher als störend wahr. Es geht hier teils um Schlampigkeiten, oft aber eher um Optimierungsmängel.

Genau an dieser Stelle müssen wir auch mal eine Lanze für die Umsetzung durch Nixxes brechen, denn Spider-Man 2 wurde nun mal von der ersten Code-Zeile an für die Playstation 5 optimiert. Angesichts der Kraftreserven von Sonys Konsole brennt das Spiel ein wahres Feuerwerk ab. Für diese Open-World-Gala wob Insomniac Games der Konsole einen maßgeschneiderten Smoking. Egal wie viele Geldscheine ihr dem Programm an den Kopf werft, eure Geforce Drölfneunzig wird immer nur ein Anzug von der Stange sein, der an den Schultern zu groß und im Schritt zu eng ist. Denn selbst wenn Nixxes bei unendlichem Budget bis zum Anschlag optimieren könnte, bleiben PC-Konfigurationen doch so vielfältig, dass es nie hundertprozentig passt.

Mit dieser Aussage möchten wir den PC nicht kleinreden. Dass andere Grafikperlen besser mit ihren Ressourcen umgehen, wenn sie von vornherein den Rechenknecht als Faktor mit einbeziehen, steht außer Frage. Aber es sagt eben einiges, wenn man bei Spider-Man 2 mit einer RTX 4080 bei 3440 x 1440 Pixeln gelegentlich auf 35 FPS hängenbleibt und durchschnittlich mit 50-55 nativen Bildern pro Sekunde leben muss. Fake Frames hin oder her, da wäre man um Nvidias Frame Generation durchaus dankbar, wenn diese Technik die Anzahl der Abstürze nicht noch höher treiben würde.

Zugegeben, 35 FPS ist ein Extremwert, der auch daher rührt, dass wir sämtliche Grafikeinstellungen auf Anschlag drehten. Wer Texturen verlangt, die schärfer sind als auf der Konsole, Stadtgewusel auf dem Niveau eines Ameisenhaufens einstellt und Raytracing-Berechnungen zuschaltet, die das Niveau der PS5-Version um ein Vielfaches übersteigen (was in manchen kontrastreichen Szenen einfach nur hammermäßig geile Grafik produziert), darf sich über ein Daumenkino nicht wundern.

Ärgerlich wird es nur dann, wenn Bildratenabstürze weithin so hohe Gefälle aufzeigen, obwohl man per DLSS hochskalieren lässt, um die Last abzufedern. Mir nichts dir nichts von 70 FPS in die 40 zu stürzen, nur um eine Sekunde später an den 100 zu kratzen, bleibt nämlich auch nicht unauffällig. Und das passiert öfter als einem lieb sein kann. Gerade beim Durchqueren der Stadt hält das Spiel seine Bildrate nicht für 5 Cent.

Am seidenen Faden

Ein Problem, das nicht der reinen nötigen Rechenkraft geschuldet ist, sondern auch den Anforderungen an RAM und Festplatte. Bildrateneinbrüche sind da noch der mildeste Effekt. Schlimmer wirken sich die regelmäßigen kleinen Stotterpausen aus, die in jedem Stadtteil etwa zwei Mal auftreten. Egal ob beim Segeln auf Luftströmen oder beim Schwingen per Spinnenseil, die Stadt verlangt immer wieder Pausen von etwa einer Viertelsekunde, die für das Nachladen von Haus- und Straßen-Assets nötig sind.

Auch hier sieht man wieder, wie viel Optimierung ausmachen kann, denn auf der PS5 gibt es das Problem nicht. Selbst unsere hochmoderne Samsung nVME, die mehr als 7 Gigabyte pro Sekunde schaufeln kann, ist machtlos, wenn Microsofts Direct Storage nicht richtig funktioniert oder nur mäßig gut genutzt wird. Tatsächlich berichten einige Spieler, das Reisen durch New York laufe auf ihren PCs flüssiger, wenn sie Direct Storage durch das Umbenennen gewisser DLL-Dateien deaktivierten. Mag sein, aber wir konnten dies nicht reproduzieren.

Greift zu, wenn...

… ihr ein spannend erzähltes und grafisch bombastisches Superhelden-Actionspiel zocken wollt und Nixxes vertraut, in den nächsten Wochen einige Optimierungen vorzunehmen.

Spart es euch, wenn...

… euer Rechner sowieso schon auf dem Zahnfleisch robbt und ihr nicht über kleinere Macken hinwegsehen könnt.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Tolles Superhelden-Spiel, das auf dem PC derzeit noch unter zu vielen Bugs leidet

Es ist höchst ärgerlich, dass Playstation-Umsetzungen auf dem PC nach wie vor unter Bugs und schlechter Optimierung leiden. Sowohl für Sony als auch für euch, denn Spider-Man 2 ist ein ziemlich cooles Spiel mit bombastischer Grafik und kinoreifen Zwischensequenzen. Auch der 3D-Sound überzeugt auf voller Linie. Eigentlich eine sichere Bank für 35 bis 40 Stunden beste Unterhaltung. Die Art und Häufigkeit der Bugs, die von simplen Grafikfehlern über kurze KI-Aussetzer bei Gegnern bis hin zu Komplettabstürzen reicht, verhindert jedoch derzeit eine Kaufempfehlung. Ich bringe es nicht übers Herz, euch auf vorauseilendes Vertrauen in Nexxes hin eine Kaufempfehlung auszusprechen, obwohl ich weiß, wie gut das Spiel ist.

>> Nicht super: Die 10 schlechtesten Superhelden-Spiele <<

Ich habe schlicht keine Ahnung, wann der Frust über die Fehler nachlässt und ob das Spiel überhaupt jemals ein Niveau erreicht, das dem der PS5-Fassung ähnelt. Wobei ich betonen möchte, dass ich trotz aller Fehler Spaß hatte. Eben solange es gut lief. So ein paar kleinere Grafikschnitzer und KI-Aussetzer kann man schon mal mit zugekniffenen Hühneraugen ignorieren, wenn man dafür eine vollgepackte Nachbildung New Yorks mit epischer Sichtweite, hammergeiler Beleuchtung und handfester Prügelaction vorgesetzt bekommt. No-Gos, die Nixxes hingegen unbedingt fixen muss, sind das flüssige Streaming der Assets, die wankelmütige Bildrate und die häufigen Totalabstürze. Vielleicht solltet ihr warten, bis es in dieser Hinsicht gute Nachrichten gibt.

Überblick

Pro

  • hervorragend choreografierte Prügeleien
  • knackige Bosskämpfe
  • grafisch über weite Strecken umwerfend
  • kreative Psycho- und Traumsequenzen
  • offen erkundbares New York in allen Wetterlagen und Tageszeiten
  • mitreißende 3D-Soundkulisse
  • filmreife Zwischensequenzen
  • abwechslungsreiche Missionsgestaltung
  • übersichtliches Talente- und Upgrade-System

Contra

  • viele kleinere grafische Bugs
  • gelegentliche KI-Aussetzer bei Gegnern
  • stark schwankende Bildrate beim Reisen durch die Stadt
  • selbst mit extrem schnellen nVMEs spürbare Asset-Streaming-Pausen
  • häufige Programmabstürze
  • lange Ladezeit bei Spielstart
  • gewisse Story-Wendungen sind dem Spiel dienlich, aber inhaltlich etwas peinlich
  • Handlungsbogen arg vorhersehbar
  • in manchen Missionen zu viele gesichtslose Gegner
  • zwei Superhelden, aber keine Koop-Option

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel

Marvel's Spider-Man Remastered
Gamesplanet.comMarvel's Spider-Man Remastered53,99€ (-10%)PC / Steam KeyJetzt kaufen