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Test - Maquette : Test: Das Gratis-PS5-Spiel im PS+

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In diesem Monat erwartet Playstation-Plus-Abonennten die volle Packung: Neben dem Blockbuster Final Fantasy VII, der Koop-Ballerei Remnant: From the Ashes von den Darksiders-Machern und dem aufwändig produzierten VR-Shooter Farpoint geht das kleine Puzzle-Spiel Maquette fast schon ein wenig unter. Dabei könnte es sich um das heimliche Highlight im Gratispaket handeln. Denn das PS5-Spiel gibt es direkt zum Launch inklusive.

Maquette erscheint unter der Flagge von Publisher Annapurna Interactive, der in den kurzen drei Jahren seiner Firmengeschichte ein bemerkenswert feines Gespür für herausragende Indie-Spiele unter Beweis gestellt hat: Mit Spielen wie What remains of Edith Finch, Outer Wilds und Telling Lies im Portfolio befindet sich Maquette jedenfalls in allerbester Gesellschaft. Und auch im kommenden Jahr geht Annapurna in die Vollen und bringt unter anderem den Zeitschleifen-Thriller 12 Minutes, das vielversprechende Katzen-Abenteuer Stray und Solar Ash heraus, der irrwitzig rasante neue Streich der Macher von Hyper Light Drifter - der wiederum stilistisch ein bisschen nach The Pathless aussieht, ebenfalls ein Spiel von Annapurna, das es zum PS5-Launch im PS+ gab. Womit sich der Kreis schließt und wir wieder beim Thema wären …

Es kommt auf die Größe an

Maquette ist eines dieser Spiele, das wie seinerzeit Portal voll und ganz um seine pfiffige Rätselmechanik herum erdacht ist: In diesem Fall geht es um eine Spielwelt, die in verschiedenen Größendimensionen innerhalb ihrer selbst verschachtelt ist. Will heißen: Der Platz, auf dem ihr euch befindet, mit seinen ringsum angrenzenden Häusern und Gärten, ist im Pavillon in seiner Mitte nochmal in Miniaturausgabe vorhanden, wie die naturgetreue Nachbildung als Modelleisenbahn oder eine filigrane Puppenhaus-Siedlung. Reicht ihr nun einen Gegenstand von der einen Dimension in die andere, werden folgerichtig große Gegenstände klein und kleine Gegenstände riesengroß.

Der schwere Steinquader etwa, der einen Durchgang versperrt, hat in der Puppenhaus-Dimension lediglich die Ausmaße eines handlichen Würfels und kann daher mit Leichtigkeit aus dem Weg geräumt werden. In das Modell der zerstörten Brücke eingesetzt, fungiert er dort eine Dimension höher als fehlendes Mittelstück, wodurch sie wieder überquerbar wird.

Wie es nur in richtig guten Rätselspielen der Fall ist, holen die kalifornischen Entwickler von Graceful Decay aus dieser simplen und doch höchst gewitzten Spielidee erstaunlich viele unterschiedliche Situationen und Aufgabenstellungen heraus. Denn das Vergrößern und Verkleinern von Alltagsgegenständen bildet lediglich den Anfang. Im nächsten Kapitel wechselt ihr schon selbst zwischen den Dimensionen hin und her und durchwandert auf Grashalmgröße geschrumpft den riesenhaften Vorgarten, um dergestalt durchs Mauseloch zu passen. An anderer Stelle schickt ihr einen Schlüssel vor und zurück durch die Dimensionen, um ihn schlussendlich auf die richtige Größe fürs zugehörige Schloss zu bringen. Und andernorts bewegt ihr gar die Spielwelt selbst in ihrer Nussschale, um dadurch an zuvor unerreichte Orte zu gelangen.

Im Indie-Bereich bewanderte Spieler mögen beim Anschauen des Trailers sofort Assoziationen gekommen sein: Maquette erinnert auf den ersten Blick stark an das vor gut einem Jahr erschienene Superliminal, dessen Rätsel ebenfalls auf der perspektivischen Manipulation der Größenverhältnisse fußten. Noch mehr und äußerst frappierend ähnelt es allerdings dem hübschen VR-Titel A Fisherman's Tale (Test lesen), in dem ihr als Fischer in einem Leuchtturm wohnt, der genau wie das Dorf in Maquette als Puppenhaus auf seinem Tisch steht und so den Übertritt zwischen den Größendimensionen ermöglicht. „Maquette“, das ist übrigens das französische Wort für „Modell“ und bezeichnet als solches eine besonders in Frankreich gepflegte Tradition filigraner Modellbaukunst.

Szenen einer Ehe

Der visuelle Stil mit seinen farbenfrohen Pastelltönen wie aus einem Kinderbuch und klaren Formen, als habe jemand Disneyland mit Playmobil nachzubauen versucht, deutet es an: Die Entwickler verstehen ihr Spiel nicht bloß als rein abstrakte Puzzelei, sondern als künstlerische Gesamterfahrung, die nicht nur das logische Problemlösedenken ansprechen soll, sondern auch das Gefühlszentrum. Darum umweht ihre Rätselaufgaben eine Geschichte, die an Schlüsselpunkten durch Schrifteinblendungen und als Hörspiel aus dem Off von Bryce Dallas Howard (Jurassic World, The Village) und Seth Gabel (Genius, Salem) erzählt wird, die übrigens auch im echten Leben ein Paar sind.

Darin erleben wir die Geschichte von Kenzie und Michael: wie sie sich kennenlernen, verlieben, zusammenziehen, Zukunftspläne schmieden, doch auch, wie ihre Beziehung unweigerlich irgendwann Risse bekommt, wenn der Alltagstrott die Romantik verdrängt und anfangs liebenswert scheinende Macken ständiger Streitpunkt werden.

Auf geschickte Weise spiegelt die Spielwelt in jedem Kapitel die jeweilige Gefühlslage der Protagonisten: Anfangs farbenfroh wie ein Bonbonglas und verspielt wie ein Rummelplatz, bröckelt in späteren Kapiteln der Putz von der Hauswand und lässt der verwahrloste Garten auf die Gleichgültigkeit und Gefühlskälte dem Partner gegenüber schließen. Unbedingt erwähnenswert ist auch der Soundtrack, der variantenreich wie kaum in sonst einem Videospiel die jeweilige Gemütslage musikalisch kommentiert: meist verträumt in einer Spannbreite von melancholisch, romantisch bis wehmütig, dann aber plötzlich poppig verspielt oder jazzig aufgewühlt.

Leider nein

Maquette bringt alle Voraussetzungen für ein gelungenes Rätselspiel mit: eine clevere Spielidee, die abwechslungsreich variiert wird und dennoch neben dem Verstand auch das Herz anzusprechen vermag. Dennoch kam bei mir in den ungefähr vier Stunden Spielzeit nur selten übersprudelnde Freude auf. Grund dafür war das unausgegorene Rätseldesign, das sich zäh und spröde anfühlt und mich regelmäßig im Unklaren darüber ließ, was das Spiel gerade eigentlich von mir will. Im Gegenteil führt es den Spieler teilweise sogar vorsätzlich und geradezu gehässig in die Irre, indem es eine Lösung nahelegt, die aber gerade eben nicht zum Ziel führt.

Dass man an einer Stelle plötzlich über die Mauer aus der Spielwelt springen kann, habe ich ewig nicht gerafft, weil ich felsenfest der Meinung war, ich müsse an ganz anderer Stelle das Ziffernblatt durch den Zaun werfen, um es auf die passende Größe für die Turmuhr zu strecken. Das Problem ist, dass das Spiel mit Hinweisen geizt, die den Spieler dezent in die richtige Richtung schubsen, und unvermittelt neue Mechaniken einführt, ohne sie vorher an einem einfachen Beispiel zu erklären: Da muss man plötzlich realisieren, dass auch die Schwerkraft beim Wechsel der Dimensionen eine Rolle spielt, und bei dem Rätsel mit den drei Schlüsseln geht der Weg gar nicht durch die Tür mit dem zugehörigen Schloss, sondern ums Eck, das gemeinerweise im Dunkeln liegt.

Das mag von den Entwicklern genau so beabsichtigt sein, und vielleicht lag es auch ein Stück weit an mir. Regelmäßig dominierte beim Spielen das Gefühl der Befürchtung, womöglich einfach nur zu blöd dafür zu sein. Oder zumindest gedanklich auf dem völlig falschen Gleis. Eine Stichprobe bei Twitch-Streamern führte aber zu der beruhigenden Erkenntnis, dass sich die meisten Spieler noch um einiges dümmer anstellten als ich. Ausschließlich an mir kann es also nicht liegen.

Maquette - Ankündigungstrailer

Maquette ist ein Rätselspiel mit einer emotionalen Geschichte. In diesem Trailer werden die Schauspieler vorgestellt.

Als Ergebnis des sperrigen Rätseldesigns gerät der Spielfluss regelmäßig in frustrierendes Stocken und vorübergehende Ratlosigkeit, die durch die tretmühlenartige, ziellose Umherlauferei durch Playmobilhausen zwischenzeitlich zur regelrechten Tortur wird. Wer auf Däumling-Größe geschrumpft jedes Mal erst mühselig eine ganze Minute durch den riesenhaften Garten wandern muss, um eine neue Lösungsidee zu überprüfen und in die Tat umzusetzen, verliert zwangsweise irgendwann erst die Geduld und dann die Lust.

Zumal Spiele wie die genannten Superliminal und A Fisherman's Tale die gleiche Rätselprämisse bereits deutlich gekonnter umgesetzt haben. Wer durch Maquette auf den Geschmack dieser an und für sich genialen Spielidee gekommen ist, diese aber in weniger bockiger Ausführung erleben möchte, dem seien die beiden hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

Maquette ist im März für PS-Plus-Abonennten kostenlos und exklusiv für PS5 erhältlich. Das Spiel ist außerdem für ca. 16 Euro auf PC via Steam erschienen. Eine PS4-Version folgt.

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