Test - Logitech G522 Gaming-Headset : Der Sprachmeister unter den Gaming-Headsets
- PC
Der Sprachchat ist unverständlich, weil euer Mitspieler im Halbschlaf nuschelt? Eure Clan-Kumpels muten euch, weil ihr über das Mikrofon klingt wie ein Radiokommentator aus dem Jahr 1926? Kein Problem mehr, wenn ihr das neue Logitech-Headset G522 verwendet. Dieses schwarze oder weiße Schmuckstück bezirzt nämlich nicht nur durch einen erstaunlich weichen Klang für Ingame-Musik, Soundeffekte und Sprache, sondern auch mit einem guten Mikrofon samt hoher Bandbreite. Coole Sache, wenn auch nicht ohne Nachteile.
Das Beste gleich vorneweg: Nach fast zwei Wochen intensivem Test möchte ich die haptischen Vorzüge und den Tragekomfort des neuen Logitech-Headsets G522 nicht mehr missen. Mega bequem mit angenehm großen Ohrmuscheln, die selbst Dumbo genug Platz bieten würden, weichen Stoffbezügen, die sich feinfühlig, aber nicht zu schweißtreibend an das Gesicht schmiegen, kaum bemerkbarem Kopfbügel und luftigen 290 Gramm Gewicht. So muss das sein, wenn man eine längere Zocksitzung im Sinn hat. Dort liegt auch seine primäre Existenzberechtigung: Logitech möchte euch zum Kauf eines formidablen Gamer-Headsets verführen, das einerseits perfekt zum Rest der G5-Serie passt (G515-Tastatur, G502 Maus), andererseits mit etlichen Detailverbesserungen gegenüber seinem direkten Vorgänger aufwartet.
Nicht, dass der Vorgänger G733 schlecht wäre, aber er bot in beinahe jedem Teilaspekt Platz für ein Upgrade. Siehe etwa die Haptik: Beim neuen G522 hat jeder Schalter und jeder Knopf eine Form, die sich durch Ertasten identifizieren lässt, sodass ihr mühelos das Rädchen für die Lautstärke, den Mute-Knopf oder den Netzschalter findet, ohne die Kopfhörer vom Kopf nehmen zu müssen. Nur die winzige Drucktaste, mit der man zwischen den beiden kabellosen Übertragungsvarianten Bluetooth und Lightspeed umschaltet, dürfte gerne ein µm größer sein.
Selbst Kleinigkeiten wie die konfigurierbare, achtteilige RGB-Beleuchtung wirken durchdachter. Deren Lampen liegen nun seitlich bei den Verbindungsstücken zum Bügel, statt an der Front der Ohrmuscheln. So können Streamer noch immer mit ihrer Hardware flexen, ohne dass das das vielfarbige Licht in Brillen und dunklen Monitoren reflektiert oder aus dem Augenwinkel heraus blendet. Verzichtet ihr auf Beleuchtung, steigt die Batterielaufzeit von ordentlichen (bis zu) 40 Stunden auf hervorragende (bis zu) 90 Stunden.
Ausgesprochen sprachbegabt
Haptik, Design und Komfort schön und gut, aber es geht um ein Headset und nicht um ein Kopfkissen. Es steht und fällt mit seiner Klangqualität, und auch da legt Logitech einiges in die Waagschale. Etwa ausgeglichene Hohlräume in den Ohrmuscheln, in denen die 40 mm großen Treiber isoliert liegen, sodass beide Seiten exakt den gleichen Klang produzieren. Erscheint trivial, ist aber keineswegs Usus. Bei vielen anderen Kopfhörern liegt auf einer der beiden Seiten mehr Elektronik, sodass die Treiber weniger Platz haben, den Sound zur Entfaltung zu bringen. Nicht so beim G522.
Das Ergebnis ist hörbar, zumal Logitech bei diesem Modell Wert auf ein weiches Klangprofil legt, bei dem selbst schnelle Frequenzwechsel ohne harte Verschiebungen der allgemeinen Klangfarbe rüberkommen. Ob markerschütternde Explosion in Doom Eternal, röhriger Motorenklang in Assetto Corsa Evo oder ein knatterndes Maschinengewehr in Gears of War Tactics, alle Soundeffekte teilten in meinem Test ein homogenes Klangspektrum, ohne an Crispheit und Einschlagskraft zu verlieren. Das ist besonders bei hochfrequenz-Tönen wie etwa splitterndem Glas und quietschenden Reifen von Vorteil, weil sie nicht schrill oder beißend rüberkommen.
Was allerdings auffällt, ist die starke Betonung der Mitten. Dadurch kommt Sprache besonders klar und direkt zur Geltung – egal ob in Sprachchats oder in Filmsequenzen. An Bässen fehlt es den Treibern dabei keineswegs, aber der mittlere Frequenzbereich wird bei unveränderten Equalizer-Einstellungen klar bevorzugt. Man muss sich erst ein wenig dran gewöhnen, denn besonders tiefen Effekten fehlt durch diese Verschiebung im Spektrum ein wenig von ihrem erdbebenartigen Rumpeln.
Wie gesagt, den Treibern fehlt es nicht an Bass-Kapazität, nur überlagern die Mitten den Bass ein wenig. Laut Logitechs Vertretern, die uns das Gerät auf der initialen Vorführung in Berlin näherbrachten, ist das Absicht. Granaten, Racing-Unfälle und andere plötzliche plötzlich einsetzende Effekte sollen euch bei hohen Lautstärken keinen Herzkasper einbringen.
Das Mikrofon
Sprachtalent hat das G522 übrigens auch auf der aktiven Seite, und zwar dank eines guten Mikrofons samt breitem Frequenzband (70Hz bis 20 kHz), also mit ordentlicher Tiefe. Im Vergleich mit vielen anderen Headsets hat das Mikrofon des G522 einen volleren Klang, der weniger nach Funkgerät klingt.
Schwächen gibt es trotzdem noch. Einerseits ist das Mikrofon nicht beliebig fixierbar. Es lässt sich dank einer Klinkenbuchse samt Mulde zwar bequem einstecken und bei Bedarf wieder abnehmen, aber der Abstand zum Mund lässt sich aufgrund des gummiartigen Umkleidungsmaterials nicht beliebig verstellen. Weg vom Mund geht immer, nah dran leider nicht.
Zum anderen ist die Öffnung des Mikrofons recht schmal. Das ermöglicht kaum Entgegenwirken bei gewissen Sprechgewohnheiten. Ich wohne zwar seit fast drei Jahrzehnten in Berlin, aber ich stamme ursprünglich aus Hessen und betone daher seit jeher S, Ch und Sch etwas tiefer als viele Leute aus anderen Regionen. Das äußert sich beim G522 durch stark hörbare, dominante Zischlaute. Beim Spielen mag das nicht so wichtig sein, aber für mich persönlich würde es sich nicht lohnen, dieses Headset für Podcasts zu verwenden. Ich müsste ständig einen auf Anschlag gedrehten De-Esser drüberjagen.
Im Vergleich mit den preislich ähnlich gestaffelten Konkurrenten Sony Inzone H5 beziehungsweise H9 oder Headsets der Turtle Beach Stealth-Reihe schneidet das G522 trotzdem weit besser ab. Die Sony-Headsets mögen das Zischlaute-Problem ein klein wenig geschickter einbetten, aber der Rest klingt wie ein Blechdosentelefon. Davon ist Logitechs Mikrofon weit entfernt.
Musik im Reich der Mitte
Wer sich ein Headset für 169 Euro zulegt, will damit garantiert nicht nur zocken, sondern auch musikhören. Theoretisch ist das G522 bestens dafür ausgelegt, denn es unterstützt einerseits die Logitech-hauseigene und sehr latenzarme Lightspeed-Übertragung per USB-A-Dongle (der übrigens sehr klein ist). Alternativ dürft ihr per USB-Direktverkabelung und über Bluetooth eine Verbindung aufbauen, wodurch das Headset mit fast allen Smartgeräten kompatibel ist, egal ob auf Apple oder Android-Seite.
Auch Playstation Gamer können sich daran erfreuen, zumal alle Klangpräferenzen, die ihr per G-Hub-Software am PC einstellt, dank eines DSP-Chips und ein wenig Speicher erhalten bleiben. Wollt ihr nachträglich noch am Klang fummeln, dann solltet ihr die zugehörige G-Hub Handy-App bemühen, die zwar nicht jede Feineinstellung zulässt, aber immerhin ein paar wichtige Anpassungen einräumt. Nur Xbox-Besitzer schauen leider durchgängig in die Röhre. Die Konsole weigert sich, mit dem Gerät zusammenzuarbeiten, und es wird keine Xbox-Variante des G522 geben.
Hi-Res Audio
Wer auf Hi-Res-Audio steht und seine Flac-Sammlung auf die Probe stellen will, muss allerdings mit Einschnitten leben. Das Headset unterstützt 24 Bit, was mit ein Grund für den angenehm weichen Klang sein dürfte. Bei 48kHz ist allerdings Feierabend. Alles darüber bleibt tabu, was aber weder am PC noch am Handy ein Problem darstellen sollte, da diese Geräte automatisch auf die maximal unterstützte Frequenz heruntermixen. Bluetooth ist ja sowieso auf maximal 1000 kbps beschränkt und kann euch nicht mit extremen Werten bedienen. Flac-Dateien werden über Bluetooth also um etwa ein Drittel der Bitrate heruntergesampelt.
Viel gravierender erschein mir beim Musikgenuss die zuvor genannte Betonung der Mitten. Was bei Spielen vorteilhaft sein kann, nervt beim Musikhören leider ein wenig. Klar, man kann per G-Hub.-Software am Equalizer drehen, um die Mitten herauszunehmen, aber die Treiber scheinen auf den Mitten quasi fest verdrahtet zu sein.
Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken. Musikhören macht mit diesen Kopfhörern viel Spaß, wenn man mal die richtigen Einstellungen gefunden hat. Dennoch wirkt das Basis-Klangprofil etwas gewöhnungsbedürftig. Gesang und Lead-Instrumente wie etwa E-Gitarren und Synths stehen in der Grundeinstellung spürbar im Vordergrund, was mich ein wenig an das typische Bowers & Wilkins-Profil bei Standboxen erinnert.
Je moderner, desto mittiger
Wer präsente Sänger*innen mag, wird das sicher genießen. Und doch ist es manchmal zu viel des Guten. Bei Songs aus den 70ern und 80ern geht es in der Regel noch, aber je moderner der Track, desto mittenlastiger wird das Klangprofil im Allgemeinen. Selbst bei moderneren Songs, die absichtlich nach klassischem Soundmix klingen sollen (siehe etwa Hozier – Nobody’s Soldier, Lemon Twigs – These Words oder Valerie von Mark Ronsons feat. Amy Winehouse) erhöht sich die Vokalbetonung auf ein fast schon unangenehmes Level.Diese Eigenart war in meinem Test derart ausgeprägt, dass ich mich gezwungen sah, in G-Hub mehrere Profile für unterschiedliche Songs, beziehungsweise Genres anzulegen.
Um zu verstehen, wie ungewöhnlich das ist, solltet ihr wissen, dass ich normalerweise für einen Kopfhörer-Test etwa 50 Songs aussuche und danach weiß, in welche Richtung sich der Klanggenuss bewegt. Anschließend nehme ich mir fünf bis zehn eindeutige Kandidaten aus dieser Playliste und spiele an den Equalizer-Einstellungen herum, um Extreme auszuloten.
Das war beim G522 aber nicht möglich. Meine Playliste bestand am Ende aus über 90 Songs, die ich dann für Equalizer-Gefummel auf 23 Tracks herunterbrach. Und zwar auf folgende (in alphabetischer Reihenfolge sortiert):
Ariana Grande – Yes, and (Flac 24 Bit / 48 kHz)
Bad Religion – Modern Man (Flac, 24 Bit / 96kHz)
Björk – Isobel (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
Busta Rhymes – Break ya neck (mp3, 320 kbps)
Christopher Cross - Ride like the wind (Flac 24 Bit / 96 kHz)
Clifford Brown & Max Roach – Joy Spring (mp3, 320 kbps)
Genesis – Get ‘em out by Friday – 2008 Digital Remaster (mp3, 320 kbps)
Hozier – Nobody’s Soldier (Flac 24 Bit / 96 kHz)
Jeff Wayne’s War of the Worlds – Forever Autumn (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
Lemon Twigs – These Words (mp3, 320 kbps)
Lenno – River (mp3, 320 kbps)
London Grammar – Hey Now (Flac, 24 Bit / 44,1kHz)
Luciano feat Bia & Aitch – Bamba (mp3, 256 kbps)
Mark Ronsons feat. Amy Winehouse (mp3, 256 kbps)
Michael Jackson – I can’t help it (Flac, 24 Bit / 96kHz)
Queens of the Stone Age – No One Knows (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
Sabrina Carpenter - Espresso (Flac 24 Bit / 48 kHz)
Seal - Fast Changes (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
Skunk Anansie – Brazen (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
System of a down – Hypnotize (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
Tears for Fears – Head over heels - 2014 Steven Wilson Mix (Flac 24 Bit / 96 kHz)
Tool – Sober (von CD, 16 Bit / 44,1 kHz)
Yes – Roundabout - 2024 Remaster (Flac 24 Bit / 96 kHz)
Wie ihr an dieser Liste erkennt, habe ich versucht, ein möglichst breites Spektrum abzudecken, Nicht nur an Genres, sondern auch an Darbietungs-Arten. Dabei gelang es mir nicht, ein Setting zu finden, das für einen Großteil der Songs eine Schnittmenge abbildet. Hoziers kräftige, aber auch hohe Stimmlage zwang mich, die Mitten im Bereich rund um 2000 Hz um 4 Dezibel herunterzuschrauben. Also beinahe völlig raus aus dem grafischen EQ-Bereich. In dieser Einstellung wäre Michael Jacksons fast schon schüchtern gehauchter Song I Can’t Help It kaum wiedererkennbar gewesen, weil die für eine Stevie-Wonder-Komposition typischen Keyboard-Harmonien beim Kampf gegen den Bass gnadenlos untergegangen wären.
Ähnlich war es beim Jazz-Klassiker Joy Spring. Die uralte Aufnahme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts ist generell zu dünn für derart starke Mitten und schreit nach etwas mehr Bass. Legt man danach aber Hey Now von London Grammer ein, verliert der Song seinen Charakter. Und wenn man dahinter noch so ein Loudness-Fest wie River-von Lenno einlegt, dessen Synth Drums einem fast die Ohrmuscheln zerbröseln, stimmt die Balance überhaupt nicht mehr.
Wie schon gesagt, wenn man einmal die richtigen Einstellungen hat, sorgt der allgemein weiche Klang des G522 für hohen Musikgenuss, egal ob ihr Hip-Hop mit viel Bass bevorzugt oder auch mal die Piccolo-Flöten eines im Crescendo aufbrausenden Orchesters heraushören wollt (siehe Björks Isobel in meiner Test-Palette). Problematisch wird’s nur bei Genre-Hopper-Playlisten mit vielen unterschiedlichen Sound-Philosophien, weil man dann alle Nase lang die G-Hub-App bemühen muss, sei es am PC oder am Handy. Schade! Für reines Musikhören müssten die Treiber des G522 von Grund auf etwas neutraler kalibriert sein. Es ist letztendlich primär ein Gamer-Headset.



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