Preview - Killer Inn : Zwischen Among Us, Battle Royale und dem guten, alten Cluedo
- PC
Killer Inn ist nicht der gescheiterte Versuch, sich bei der Berichterstattung über einen Mörder das Gendersternchen zu sparen, sondern Square Enix’ Vorstoß in den Bereich der Online-Multiplayer-Social-Deduction-Games. Anders als die Konkurrenz von Among Us oder Echtwelt-Äquivalenten wie Die Werwölfe von Düsterwald spart sich Killer Inn langwierige Diskussionsrunden und setzt stattdessen direkt auf Schusswaffen, Äxte, Gift und Sprengfallen.
Im Spiel erhalten die Charaktere (virtuell) eine Einladung in ein Hotel (virtuell), um an einem Death Game (virtuell) teilzunehmen. Um mir selber einen Eindruck vom Spiel zu machen, erhielt ich (nicht virtuell) von Square Enix eine Einladung in ein Hotel (virtuell), um an einem Death Game (virtuell) teilzunehmen. Und nach ein paar Runden an Lügen, Intrigen, Schusswechseln und Mord bin ich tatsächlich positiv überrascht! Killer Inn sollte man definitiv nicht voreilig aus der Luftschleuse katapultieren.
Der Wolf… Das Lamm… Hurz!
24 Spieler tummeln sich gleichzeitig auf der gar nicht mal so kleinen Karte des Hotels und der anliegenden Ländereien. Doch nicht alle davon sind nur auf Tee, Kekse und einen Besuch in der Hotelsauna aus. Die meisten Gäste gehören zu den friedfertigen Lämmern, aber acht zufällige Besucher bilden heimlich das Team der Wölfe. (Sind alles Menschen, die Teams heißen nur so.) Zu welcher Fraktion ihr gehört, wird zu Beginn jeder Runde zufällig festgelegt. Die Wölfe haben das Ziel, die Lämmer auszuschalten, ohne dabei selbst erwischt und als Wolf enttarnt zu werden.
Sollten es die Wölfe schaffen, alle Lämmer zu eliminieren, gehen sie siegreich vom Platz. Als Lamm müsst ihr entweder alle Wölfe enttarnen und ihnen anschließend das Fell über die Ohren ziehen oder lange genug durchhalten, um mit dem Schiff zu fliehen, das am Hafen des Hotels (Hat euer Hotel etwa keinen eigenen Hafen?) anliegt.
Da zu Beginn des Spiels niemand weiß, wer die Wölfe sind (außer den Wölfen selbst halt), bereitet ihr euch am besten erstmal vor. Schließlich wollt ihr nicht unbewaffnet sein, wenn ihr merkt, dass der Typ, mit dem ihr allein im Raum seid, schon geifernd die Zähne bleckt. Für Argumente ist es dann definitiv zu spät. Und was macht man, wenn man in einem Spiel bessere Ausrüstung braucht? Man erledigt ein paar Quests.
Das freundliche Hotelpersonal versorgt einen nämlich nicht nur gegen eine geringe Gebühr mit nützlichen Items, sondern erteilt euch auch Aufgaben, für die ihr mit Schlüsseln und Geld belohnt werdet, welches ihr wiederum beim Personal gegen Gegenstände und Dienstleistungen eintauschen könnt. Sehr geschäftstüchtig und clever!
Mit den Schlüsseln öffnet ihr die überall verteilten Truhen, um an Waffen, Rüstungen oder anderen Schnickschnack zu gelangen, der einem hoffentlich einen Vorteil gegenüber dem anderen Team verschafft. Doch aller Spaß hat ein Ende, wenn das erste Lamm gerissen und die erste Leiche gefunden wurde.
Mord ist ihr Hobby
Als Lamm solltet ihr euch die sterblichen Überreste eurer dahingeschiedenen Herdenmitglieder genau ansehen, denn eine Untersuchung der Leiche fördert immer Hinweise über den Mörder zu Tage. Das können Haarbüschel oder Stofffetzen in einer bestimmten Farbe sein oder sogar eine Blutprobe des Täters. Damit beginnen die Ermittlungen.
Die Charaktere in Killer Inn sind nämlich keine anthropomorphen Kartoffelsäcke in allen Farben des Regenbogens, sondern richtige Menschen mit eigener Hintergrundgeschichte und memorablem Kleidungsstil. Aber selbst, wenn ihr nicht die Farbe der Unterwäsche aller 25 möglichen Charaktere im Kopf habt, hilft euch das Spiel ein wenig aus und zeigt euch an, auf welche Person der gefundene Hinweis denn deuten könnte.
Neben modischer Varianz birgt die Auswahl des Charakters für euch aber auch noch andere Vorteile. Durch das Erledigen von Quests oder dem Entledigen von gegnerischen Spielern erhaltet ihr nämlich Erfahrungspunkte, durch die ihr wiederum im Level aufsteigt und euch je nach gewähltem Charakter andere Skills beschert.
So habe ich mich zum Beispiel für die blonde Autorin Debra entschieden, die als weltbekannte Bestsellerautorin eine Vorzugsbehandlung im Hotel genießt. Bereits auf Level 2 erhält sie automatisch wesentlich einfachere Quests als das gemeine Fußvolk. Das setzt die Schwierigkeit schonmal auf “Siehst du den Lichtschalter da drüben an der Wand? Den musst du drücken!” herab.
Auf Level 4 sind dann alle Dienstleistungen des Hotelpersonals für sie kostenlos, darunter Heilung oder das Kaufen von Hinweisen, die andere Spieler gefunden haben. Der ehemalige Boxer Fernando ist wiederum besser im Kampf, Trickbetrüger Kowloon hinterlässt bei seinen Opfern falsche Hinweise und so weiter …
Das Schweigen der Lämmer … und Wölfe!
Seid ihr euch schließlich sicher (genug), bei welchem Spieler es sich um einen Wolf handelt, folgt erst der richtig schwierige Teil. Statt ihm einfach nur im Scooby-Doo-Style die Maske vom Kopf zu reißen, gelüstet es euch auch als Lamm nach Rache und ihr macht Jagd auf den ehemaligen Jäger. Da wäre es doch gut, wenn man eine kleine Jagdgesellschaft um sich scharren könnte, anstatt darauf zu hoffen, dass man einfach besser schießt als der Wolf im Schafspelz.
Natürlich bietet Killer Inn da mannigfaltige Möglichkeiten der Kommunikation. Zwar gibt es einen Text-Chat, aber eigentlich ist ein funktionierendes Mikrofon die Voraussetzung für ein gutes Spielerlebnis. Am Ende wird nämlich auch ohne Emergency Meeting ordentlich diskutiert und gegebenenfalls auch gelogen. Der Sprach-Chat reagiert nicht nur auf die Distanz zum Sprecher, sondern bezieht auch die Umgebung mit ein. Wollt ihr euch ganz geheim mit einem anderen Spieler absprechen, dann geht einfach in ein Zimmer und macht die Türe hinter euch zu. Schon seid ihr ungestört und habt vielleicht sogar euer nächstes unwissendes Opfer an einen Ort gelockt, an dem es niemand schreien hört.
Das hat aber nicht mal in unserer Gruppe, die ja nur aus Journalisten und Entwicklern bestand, bei allen funktioniert. Viele Mikros blieben zwangsweise (oder aus eigener Entscheidung) einfach stumm. Stellt sich also die Frage, wie das später im fertigen Spiel mit zufällig zusammengewürfelten Spielern laufen soll. Wahrscheinlich entspricht die reale Spielerfahrung bei Killer Inn eher 24 stummen Einzelkämpfern, die sich auf Einblendungen und ihr eigenes Bauchgefühl verlassen.
Sein volles Potenzial könnte Killer Inn so allerdings nicht entfalten. Schlimmstenfalls bleibt euch nur noch die Kommunikation per Emotes und Stickern. In diesem Sinne: Daumen hoch, winkende Hand, Wasserpistole, Kussmund!


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