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Test - Fragments of Him : Von Liebe, Tod und Hoffnung

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Das Genre der Walking-Simulatoren ist noch recht jung. Titel wie Everybody's Gone to the Rapture zeigen, dass manchmal eine fesselnde Geschichte ausreicht, um auch ohne echte spielerische Inhalte zu unterhalten. Fragments of Him versucht das ebenfalls, scheitert aber an zu vielen Interaktionsmöglichkeiten, die keinerlei spielerische Vorteile bringen.

Ihr steht im Bad, duscht, putzt euch die Zähne und zieht euch an. Schnell nehmt ihr noch ein Frühstück zu euch, schnappt euch die Autoschlüssel und verabschiedet euch leise von eurem Partner, der noch schlafend im Bett liegt. Ihr geht in die Tiefgarage, steigt ins Auto und fahrt los – bis zu einer Kreuzung, an der ein Unfall euer Leben von einem Moment auf den anderen beendet. So beginnt Fragments of Him, das euch eine Geschichte rund um Liebe, Verlust und dem erzählt, was „danach“ kommt.

Drei Geschichten, ein Spiel

Im Laufe des Spiels begleitet ihr die Exfreundin, die Oma und den neuen Lebenspartner von Will, die euch an ihren Erinnerungen an den soeben Verstorbenen teilhaben lassen. Den Geschichten folgt ihr nicht als stummer Zuschauer, sondern müsst sie immer und immer wieder durch Klicks auf Objekte oder Personen vorantreiben. Dabei könnt ihr nicht einfach irgendwelche Dinge oder Personen anklicken, sondern nur die, die euch gezielt durch einen leuchtenden Rahmen angezeigt werden.

Genau diese Interaktionen sind es, die Fragments of Him unbewusst zerstören und die Erzählungen der Protagonisten ständig ins Stocken bringen. Kurz nach dem Anfang lauscht ihr den Geschichten von Sarah, Wills Exfreundin. Sie zieht gerade in ihre erste eigene kleine Studentenbude ein. Sie erzählt – ihr klickt auf die Autotür – Sarah steigt aus und erzählt weiter – ihr klickt auf den Kofferraum – ein weiterer Satz von Sarah – ihr klickt sie an, damit sie einige Meter die Treppe hinaufsteigt.

  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 1
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 2
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 3
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 4
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 5
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 6
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 7
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 8
  • Fragments of Him - Screenshots - Bild 9

So geht es weiter während der ganzen zwei Stunden Spielzeit. Dabei versucht euch der Titel hin und wieder zu suggerieren, dass ihr durch eure Klicks Entscheidungen trefft. Dem ist aber nicht so. Es spielt im Endeffekt keine Rolle, ob ihr am weihnachtlich gedeckten Tisch erst die linke Schale oder erst die Teller anklickt, denn ihr müsst so oder so alles anwählen, bevor die Geschichte an dieser Stelle fortgesetzt wird. Zudem dürft ihr euch immer nur so weit bewegen, wie es die aktuelle Szene gerade zulässt.

Auch hier als Beispiel die Szene vom Beginn: Ihr dürft nicht etwa die Treppe hoch an Sarah vorbeihuschen, sondern müsst ihren Ausführungen lauschen, bis sie sich in kleine Fragmente auflöst und dadurch den Weg freigibt. Auf diese Weise werdet ihr auch im späteren Spielverlauf immer wieder in sehr kleinen Bereichen festgehalten, bis euch das Spiel die nächsten Schritte erlaubt. Das ist sehr schade, denn die Story an sich ist dramaturgisch gelungen und besonders die Sprecher machen ihre Arbeit sehr gut.

Fragments of Him - PC Launch Trailer
Fragments of Him soll ab dem 03. Mai für den PC erhältlich sein; die Konsolenversion folgen später im Jahr 2016.

Leblose Optik

Optisch wird euch eher Magerkost geboten. Stellt euch den Großteil des Spiels etwa so vor, als wenn euch Ortschaften gezeigt werden, deren Texturen nicht geladen wurden. Fast alles wird mit kalt wirkenden weißen Objekten ausgefüllt. Auch die Charaktere besitzen lediglich angedeutete Gesichter, bei denen auf Mimik vollkommen verzichtet wurde. So gelingt es nur den Sprechern, Fragments of Him Leben einzuhauchen. Die Oma beispielsweise klingt mehr als entsetzt, als sie erfährt, dass Will homosexuell veranlagt ist. Durch die fehlende Mimik sieht man es ihr aber nicht an.

Schließlich sind es die vielen Ladebildschirme, die der Geschichte den Rest geben und den Spielfluss zum Erliegen bringen. Selbst nach kurzen Szenen folgt regelmäßig ein Ladebildschirm, der euch Tipps zur Steuerung und den Optionen vermitteln will, was sehr zulasten der Atmosphäre geht.

Zumal auf diese Hinweise hätte verzichtet werden können, da die Steuerung ohnehin sehr simpel ausgefallen ist. Mit WASD bewegt ihr euch, dürft wahlweise aber mit der linken Maustaste nach vorne gehen. Durch Druck auf Shift lauft ihr ein wenig schneller, viel mehr müsst ihr euch nicht merken. Musikalisch wird euch nicht viel geboten, nur ein Klavierstück, das sich gekonnt durch das ganze Spiel zieht und passend an wichtigen Abschnitten eingesetzt wird.

Fazit

Sven Wagener - Portraitvon Sven Wagener
Weniger wäre mehr gewesen

Die Geschichte und besonders die Sprecher zeigen, dass Fragments of Him ein besseres Spiel hätte werden können, als es letztendlich geworden ist. Warum soll ich permanent irgendwelche Dinge anklicken, die zum Teil nichts mit der aktuellen Erzählung zu tun haben? Warum muss ich immer warten, bis ich mich fortbewegen darf, und werde in kleinen Bereichen „eingesperrt“? Warum geht der Entwickler davon aus, dass die Spieler sich die Simpelsteuerung nicht merken können und erinnert in jedem der vielen Ladebildschirme an die richtigen Tasten?

Genau diese Aspekte lassen Fragments of Him trotz der an sich guten Story zu einem eher unterdurchschnittlichen Titel verkommen. Nach den zwei Stunden Spielzeit war ich richtiggehend froh, dass die nervende Klickerei endlich ein Ende hat, auch wenn ich gerne noch einiges von den drei Angehörigen des verstorbenen Will erfahren hätte. Bei diesem Spiel wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Die reine Erzählung der Geschichte hätte sicher besser unterhalten als die unnötigen spielerischen Elemente, die keinem etwas bringen. Schade!

Überblick

Pro

  • interessante Geschichte um Liebe, Tod und Trauer
  • gekonnt eingesetzte Klavieruntermalung
  • simple Steuerung
  • sehr gute Sprecher

Contra

  • unnötige Klickerei auf Gegenstände und Personen
  • nervende Ladebildschirme
  • sehr kurze Spieldauer
  • keine deutschen Dialoge oder Untertitel
  • detailarme Umgebungen und Gegenstände, fehlende Mimik bei den Gesichtern der Protagonisten

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