Special - PES und eFootball : Zum 30. Geburtstag: ein Blick in die Vergangenheit und Gegenwart der Fußball-Reihe
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Im Jahr 1995 erschien International Superstar Soccer hierzulande für das Super NES. Zwar hatte FIFA International Soccer mit seiner Kombination aus Präsentation und Spielablauf bereits im Jahr zuvor den Markt der Fußballspiele kräftig aufgemischt. Dennoch gelang es Konami, mit seiner Interpretation des Sports sowohl grafisch als auch spielerisch eins draufzusetzen.
Die Kernpunkte bildeten größere Sprites, eine breitere Farbpalette, feinere Animationen und mehr Dynamik im Spielablauf. Unvergessen bleibt zudem der langgezogene Torschrei “Gooooooaaaaal!”, der unzählige Male aus dem Mono-Lautsprecher meines kleinen, dafür aber viel zu schweren Röhrenfernsehers hallte. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke …
Viele Namen, eine Konstante
Mit der Namensgebung für sein Fußballspiel tat sich Konami in der Folge schwer. Nach Zwischenschritten mit International Superstar Soccer Pro (1997-1998) und International Superstar Soccer Pro Evolution (1999-2000) hießen die Titel von 2001 bis 2017 schließlich Pro Evolution Soccer. Das Kürzel PES steht noch immer stellvertretend für die Reihe, auch wenn sie (nach einer erneuten Umbenennung) inzwischen unter eFootball läuft. Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht …
Absolut stabil blieb Konami dagegen in spielerischer Hinsicht. Die Simulations-Richtung, die man mit dem Debüt eingeschlagen hatte, wurde beibehalten und verfeinert. Damit etablierte sich die Reihe als Gegenpol zu FIFA, das eher dem Arcade-Fußball frönte. Dementsprechend teilte sich die zockende Fußball-Gemeinde in zwei Lager auf: Während die einen FIFA für seine vielen Lizenzen und die Zugänglichkeit feierten, konnten die anderen nicht ohne die spielerische Tiefe und detaillierte Grafik von PES leben.
Als frühe Sternstunde muss man das 2006 veröffentlichte Pro Evolution Soccer 6 nennen, auf dessen Spielbarkeit selbst heute noch viele eingefleischte Fans schwören. Auch PES 2017 steht hoch im Kurs, weil dabei ein hervorragend steuerbares Dribbling, nachvollziehbar pfeifende Schiedsrichter und stabil auftretende Torhüter zusammenkamen. Dank zahlreicher Mods lassen sich beide Titel bis heute problemlos mit Mannschaften und Kadern aktualisieren, um die geliebte Meister-Liga zu zocken.
Dieser Modus war über Jahre hinweg das Herzstück der PES-Reihe. Dabei wurde nicht nur die eigene Mannschaft auf dem Platz gesteuert, auch Management-Aspekte kamen hinzu, darunter das Ein- und Verkaufen von Profis und die Anpassung der Taktik. All das verlieh dem Spielablauf eine ungeheure Tiefe und motivierte dazu, gleich mehrere Saisons hintereinander zu zocken. Mit dem Start von Konamis Ultimate-Team-Variante Dream Team in Pro Evolution Soccer 2015 verlor die Meister-Liga aber an Relevanz, bis sie im Zuge der Umstrukturierung auf das Free-to-Play-Modell eFootball im Jahr 2021 komplett eingestellt wurde.
Im spielerischen Niemandsland
Im Zuge dieser Neuausrichtung verlor das Rasenschach aus Japan aber nicht nur die Meister-Liga, sondern praktisch seine gesamte Identität. Die erste Version von eFootball 2021 war ein hässliches und kaum spielbares Desaster, das langjährige Fans fassungslos zurückließ. Jede Menge Updates verbesserten über die Jahre zwar Grafik und Ablauf. Dennoch festigte sich der Eindruck, dass Konami keine Vision für seine Reihe hat, außer möglichst viel Geld über Mikrotransaktionen in Dream Team einzunehmen – abgesehen von Freundschaftsspielen ist das bis heute der einzige verfügbare Modus.
Während eine Version zarte Erinnerungen an die Eleganz früherer Tage weckt, lässt die nächste Aktualisierung mit ihren Änderungen an Dynamik, Passspiel und Defensivverhalten das Kartenhaus gleich wieder zusammenbrechen. Als jemand, der seit International Superstar Soccer jeden Teil der Reihe gespielt hat, halte ich eFootball dennoch die Treue, wenn auch mit Unterbrechungen. Manche Versionen machen mich einfach nur wütend, andere wiederum sorgen dafür, dass ich jeden Abend ein paar Matches zocken will.
Nun wird die Reihe stolze 30 Jahre alt und ich kann nicht anders, als nach monatelanger Pause wieder reinzuschauen. Denn ich muss wissen, wie Konami diesen runden Geburtstag feiert: richtig groß, mit tollen In-Game-Aktionen und feinem Fußball oder uninspiriert und fehlerbehaftet?
Stürmer oder Stümper?
Der Spaß im Dream Team steht und fällt mit den Spielern. Legenden sind dabei das Sahnehäubchen. In dieser Hinsicht hat eFootball 2025 reichlich auf Lager, und einige davon stehen in meinem Team, unter anderem Roberto Carlos, Frank Lampard, Rafael van der Vaart oder auch Didier Drogba.
Doch mein liebster Mann ist Raúl González Blanco, kurz Raúl. Zwischen 1994 und 2010 erzielte der Stürmer in 550 Einsätzen 228 Tore für Real Madrid und gewann mit dem Club sechsmal die Meisterschaft sowie dreimal die Champions League. Nicht zu vergessen sein Engagement bei Schalke, das vom DFB-Pokalsieg 2011 gekrönt wurde. Beidfüßig, dribbelstark und mit dem vielzitierten “Torriecher” ausgestattet – es war die reinste Freude, dem Mann bei der Arbeit zuzuschauen.
Leider bleibt virtuell wenig davon übrig. Der Spanier irrt mehr durch den Strafraum, als für Torgefahr zu sorgen. Seine Dribblings enden meist schon am ersten gegnerischen Bein, manchmal stoppt ihn aber auch der Rasen. Vermutlich weilt der Greenkeeper gerade im Sommerurlaub, sodass Schlaglöcher und Bodenwellen dafür sorgen, dass der arme Raúl regelmäßig zu Boden geht. Vielleicht hat sich aber auch ein Kreisliga-Kicker mit großer Ähnlichkeit zum “Señor” dessen Trikot geschnappt, um mich mit seinem Unvermögen in den Wahnsinn zu treiben.
Doch auch die übrige Truppe erweckt den Eindruck, als hätte sie noch den Kater vom letzten Junggesellenabschied in den Knochen. Da sind sie wieder, die Aussetzer in der Abwehr, die Sekundenschläfchen im Mittelfeld, die Eskapaden des Keepers. In einigen Spielen weniger, in anderen mehr, aber immer genug, dass ich kräftig an meinem Verständnis von Fußball zweifle. Vor allem fühlt sich die aktuelle Version 4.5.0 schrecklich langsam an, und das in jeder Hinsicht. Vor allem die enorm trägen Pässe machen mich fertig. Stimmt hier überhaupt irgendetwas?
Fußball mit Gewicht
Nach einer Handvoll Begegnungen fällt mir schließlich der größte Fehler auf: Ich versuche, eFootball so zu spielen wie EA Sports FC 25. In den letzten Monaten ging viel Zeit im Modus Ultimate Team drauf. Für Konamis Kick blieb da keine Zeit. Dementsprechend tief drin sitzt der Spielablauf, und der ist geprägt von Tempo in allen Bereichen. Aber mit wilden Dribblings und permanenten Steilpässen bekomme ich in eFootball 2025 überhaupt nichts gebacken.
In der nächsten Partie lasse ich darum erstmal den Ball durch die eigenen Reihen laufen, um ein Gefühl für die Geschwindigkeit und das Verhalten meiner Akteure zu bekommen. So bleibt außerdem Zeit, die geschmeidigen Animationen zu beobachten: Da wird das Körpergewicht sichtbar verlagert, der Fuß zur Ballannahme eingedreht oder beim Zweikampf kräftig mit dem Oberkörper gearbeitet. Weniger schön finde ich das Flimmer-Publikum, den blassen und strukturlosen Rasen sowie Spielergesichter, die seit locker 10 Jahren unverändert sind. Das fällt umso mehr auf, weil viele bekannte Profis sehr gut bis herausragend abgebildet werden.
Nach einer Weile habe ich mich an das geringe Spieltempo und das spürbare Gewicht von Profis und Ball gewöhnt. Nun läuft es deutlich besser, weil ich ruhig von hinten heraus das Spiel aufbaue, dabei Pässe genau abwäge und nur ins Dribbling gehe, wenn es einen Raumgewinn bringt. Hastige Aktionen jeder Art sorgen nur dafür, dass der Ball beim Gegner landet. Kann ich einen strukturierten Angriff erfolgreich abschließen, freue ich mich doppelt: über das Tor und den Schützen, nämlich Raúl. Er hat's eben doch drauf!
Spielst du schon oder schläfst du noch?
Aber gewisse Probleme lassen sich nicht umgehen, egal wie sehr ich mich auch bemühe, organisierten Fußball zu spielen. Nach einer missglückten Aktion schalten meine Leute oftmals einfach ab. Wird beispielsweise sein Torschuss geblockt, ist der Stürmer für Sekundenbruchteile nicht erreichbar - ja, ich meine auch dich, Raúl. Gleiches gilt nach Ballverlusten im Mittelfeld – das macht den Konter zum Kinderspiel für die gegnerische Mannschaft. Selbst kurz vor dem eigenen Strafraum scheinen meine Profis für Augenblicke einzuschlafen, so langsam reagieren sie auf Eingaben am Controller. Es wirkt wie ein Lag, allerdings im Offline-Spiel.
So kippt meine Stimmung während einer Partie ständig hin und her. In einem Moment freue ich mich tierisch darüber, mit klugem Aufbau ein Tor erarbeitet zu haben. Bereits im nächsten fluche ich darüber, dass es meinen Mittelfeld-Legenden Frank Lampard und Paul Scholes nicht gelingt, einen verzögerungsfreien Pass über fünf Meter zu spielen. Detaillierte Animationen sind ja schön und gut, aber wenn sie aus der Taktik “Ballbesitz” eher das “Fehlpass-Festival” machen, stimmt etwas nicht.
Leider habe ich schon länger den Eindruck, dass gewisse Bewegungsabläufe den Spielfluss bremsen. Das ausladende Stolpern nach einem falsch getimten Tackling (oder einer bizarren Kollision), die zu lange Schuss-Animation auf engem Raum, das gemütliche Aufstehen des Keepers im Anschluss an die Parade – kein Match kommt ohne solche Einlagen aus, die sich nunmal nicht unterbrechen lassen.
Party mit Polygonen
So durchwachsen der Spielablauf ist, so dürftig fällt bisher die eigentliche Party zum 30. Geburtstag aus. In den ersten Tagen befanden sich Stars früherer Serienteile wie Roberto Baggio, Adriano (natürlich inklusive enormer Schusskraft) oder Gerard Piqué in den Packs. Eine schöne Idee: Auf diesen Karten waren die alten Polygon-Konterfeis zu sehen. Wie cool wäre es, das eigentliche Spiel noch mal in diesem Look erleben zu dürfen?
Tatsächlich brachte ein zeitlich begrenzter Modus die klobige Optik zurück. Bei den “Time Trials” galt es, so schnell wie möglich das entscheidende Tor zu erzielen. Zwar bewegten sich die Spieler nach dem aktuellen eFootball-Muster, sahen dabei allerdings aus, als hätte jemand die Playstation 2 angeworfen. Schade, dass nach einer Handvoll Herausforderungen bereits Schluss war mit der Zeitreise.
Abgesehen davon trat ich in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gegen eine reine Legenden-Truppe an, die mit Größen wie Oliver Kahn, Paolo Maldini, Steven Gerrard oder auch Fernando Torres besetzt war. Ab der Stufe Superstar brauchte es eine astreine Leistung, um die Stars schlagen zu können. Mittlerweile sind die altbekannten (und vergleichsweise langweiligen) Events zurück, in denen ich gegen allerlei Vereins- und Nationalmannschaften antrete.
Über alle Modi hinweg schalten Tore, Pässe, Siege und mehr die üblichen Belohnungen wie Zufallsdeals für neue Spieler oder auch XP-Booster frei, mit denen ich meine Leute verbessern kann. Ein sechsteiliges Artwork mit verschiedenen Messi-Covers vergangener PES-Teile sah hübsch aus, jedoch brachte die Vervollständigung über In-Game-Aufgaben lediglich ein schnödes Verbrauchsobjekt ein. Sonst bekomme ich alle Nase lang irgendwelche Spieler geschenkt. Warum gab's hier keinen jungen Lionel samt maximierten Dribbling-Skills und wallendem Haupthaar zu holen? Passender hätte eine Belohnung kaum sein können.
Fazit
Trotz ihrer inzwischen 30 Jahre ist Konamis Fußball-Reihe längst nicht erwachsen. Anstatt endlich eine Richtung einzuschlagen und an dieser festzuhalten, wird mit nahezu jedem größeren Update an Spielablauf, Steuerung und Spielerverhalten gedreht – manchmal mit gutem, viel häufiger aber mit schlechtem Ergebnis. Inhaltlich passiert wiederum viel zu wenig. An die Rückkehr der Meister-Liga braucht man aus meiner Sicht keinen Gedanken mehr zu verschwenden – dieses Thema hat Konami längst unter den Tisch fallen lassen. Somit bleibt Dream Team der einzige langfristig angelegte Modus, aber hier muss unbedingt frische Luft rein.
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Die Herausforderungen im Polygon-Look waren im Grunde eine coole Sache, doch leider viel zu leicht und dementsprechend schnell vorbei. Nun bestreite ich zum hundertsten Mal irgendeinen Cup, dessen Belohnungen meine mit Superstars vollgepackte Truppe kein Stück weiterbringen. Eine Chance auf die absoluten Top-Legenden besteht nur, wenn ich Geld ins Spiel stecke – diese Mikrotransaktionen sowie der Season Pass halten Konamis Free-to-Play-Kick am Laufen. Aber Käufe sind für mich angesichts der vielen Unzulänglichkeiten überhaupt kein Thema. Selbst zum runden Geburtstag feiert eFootball also keine große Party, sondern fackelt lediglich ein lahmes Tischfeuerwerk ab. Leider habe ich genau das erwartet.

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