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Test - Die Sims 4: Vom Hobby zum Business : Test: Mehr als nur ein Nebenjob?

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Ein eigenes Unternehmen von Zuhause aus führen, Sims als Tätowiererinnen oder Töpferinnen durchstarten lassen und kreative Geschäftsmodelle ausprobieren: Die neue Erweiterung Vom Hobby zum Business verspricht mehr unternehmerische Freiheit. Gerade weil Fans sich schon lange mehr Selbstständigkeit für ihre Sims wünschen, wirkt dieses Add-on wie eine logische Weiterentwicklung für Die Sims 4.

Lange haben sich Sims-Fans gewünscht, Geschäfte direkt von zu Hause aus betreiben zu können. Die neue Erweiterung Vom Hobby zum Business erfüllt diesen Wunsch endlich. Sims können nun ihr Wohnzimmer in ein Tattoo-Studio verwandeln, im Keller eine Fitnessbude eröffnen oder im Garten ein gemütliches Café hochziehen. Klingt nach unbegrenzten Möglichkeiten, oder? Naja, fast.

Die Grundmechanik ist im Kern nichts anderes als eine Erweiterung bestehender Sims-Interaktionen: Ihr wählt aus einer vorgegebenen Liste von Geschäftsaktivitäten, und euer Sim setzt diese dann stumpf für Kundinnen und Kunden um. Klingt erstmal flexibel – doch spätestens, wenn ihr merkt, dass nur fünf Aktivitäten gleichzeitig möglich sind, wird klar: Multi-Business-Mogule müssen sich einschränken. Also entweder Tattoo-Studio mit Café oder Fitnesscenter mit Spa-Bereich. Ein unkonventioneller Mix? Fehlanzeige.

Noch frustrierender wird es, wenn man sich ein echtes Business-Management erhofft hat. Keine dynamische Nachfrage, keine individuellen Preise, kein Wettbewerb. Statt einer durchdachten Wirtschaftssimulation bekommt man ein hübsches Sandbox-Tool für kleine Nebenhandlungen. Wer Spaß daran hat, sein Geschäft kreativ in Szene zu setzen, wird sich hier austoben können – aber wer nach einer richtigen Herausforderung sucht, wird früher oder später feststellen: Das hier ist mehr Deko als echtes Unternehmertum.

Tätowieren, Töpfern, Süßigkeitenherstellung – kreative Berufe mit Einschränkungen

Die kreativen Berufe sind definitiv spannende Features – zumindest auf den ersten Blick. Vor allem das Tätowieren bringt frischen Wind ins Spiel: Sims können jetzt eigene Tattoos designen, sie auf die Haut ihrer Kund:innen bringen und mit einer Ebenen-Funktion mehrere Motive kombinieren. Ein nettes Detail: Anfänger können sogar verhunzte Tattoos hinterlassen – ein lustiger Rückgriff auf die Sims-3-Mechanik mit missglückten Tattoos.

Doch warum gibt es keine Piercings? Gerade weil viele reale Tattoo-Studios auch Piercings anbieten, wirkt ihr Fehlen fast unvollständig. So bleibt das Tätowieren als Feature recht isoliert und wirkt wie eine nette Spielerei, aber eben nicht mehr.

Töpfern bringt ebenfalls eine kreative Note ins Spiel – Sims können Vasen, Teller oder Skulpturen formen und sie anschließend mit Glasuren verzieren. Mit einer kleinen, japanisch inspirierten Reparaturmechanik können beschädigte Keramiken wieder zusammengesetzt werden. Klingt spannend, doch leider bleibt die Fähigkeit rein dekorativ. Die hergestellten Objekte lassen sich zwar zur Zierde nutzen, haben aber keinerlei spielerische Auswirkungen. Interessanter wäre es gewesen, wenn Sims ihre Werke verkaufen oder sie vielleicht sogar als Geschirr verwenden könnten.

Die größte Enttäuschung bildet jedoch die Süßigkeitenherstellung. Während Tätowieren und Töpfern immerhin eigene Fähigkeiten mit Fortschrittssystem aufspannen, ist das „Candy-Making“ nichts weiter als eine Erweiterung der Kochmechanik. Und nicht nur das – die Optik der Süßigkeiten wirkt, als hätte jemand sich in der Kinderspielzeug-Abteilung verirrt: Überdimensionale Lollis und klobige Zuckerwatte erinnern mehr an einen Cartoon als an realistische Kreationen. Besonders ärgerlich: Es gibt nicht einmal eine neue Küchentheke, um das Feature sinnvoll in bestehende Küchen zu integrieren.

Nordhaven – wunderschön, aber ohne Tiefe

Die neue Spielwelt Nordhaven ist optisch ein echtes Highlight – zumindest auf den ersten Blick. Die Stadt teilt sich in zwei Ortsteile auf: Greisbucht, eine malerische Altstadt mit verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern und nostalgischem Charme, und Iverstad, ein Hafengebiet mit industriellen Elementen und einem moderneren Look. Besonders Greisbucht punktet mit liebevoll gestalteten Details – von Kopfsteinpflasterstraßen bis hin zu beeindruckenden Fassaden, die ein Gefühl von skandinavischer Gemütlichkeit vermitteln.

Doch je länger man sich in Nordhaven aufhält, desto deutlicher wird: Die Welt sieht zwar hübsch aus, hat aber spielerisch kaum etwas zu bieten. Viele Gebäude sind nichts weiter als hübsche Kulissen, mit denen sich nicht interagieren lässt. Warum gibt es keine funktionierenden Cafés oder Läden, in denen Sims einkaufen können?

Statt ein lebendiger Ort mit ebensolchen Straßen und Geschäften bleibt Nordhaven eine hübsche, aber leere Fassade. Sogar eine einfache Rabbit-Hole-Funktion für angedeutete Läden, also dass eure Sims in das Haus verschwinden und dann ein Menü aufploppt, hätte gereicht, um das Stadtleben etwas greifbarer zu machen – doch Fehlanzeige.

Besonders fragwürdig mutet die Anzahl der unbebauten Grundstücke an. Von zwölf verfügbaren Grundstücken sind vier komplett leer – für ein Business-fokussiertes Erweiterungspack eine verpasste Gelegenheit. Warum keine weiteren bereits eingerichteten Geschäfte oder Community-Grundstücke, die den Unternehmergeist der Welt unterstreichen? Ein Fitnessstudio oder auch ein Kunstatelier hätten Nordhaven deutlich lebendiger wirken lassen. Stattdessen fühlt sich die Welt seltsam unfertig an.

Geschäftsmodelle – kreativer Sandkasten oder eintönige Routine?

Die größte Neuerung von Vom Hobby zum Business ist zweifellos das Kleinunternehmersystem, das Sims die Möglichkeit gibt, ihr eigenes Geschäft zu gründen. Die Auswahl ist breit gefächert: Tattoo-Studios, Fitness-Center, Kitas, Kunstgalerien, Spas oder kleine Cafés – theoretisch lässt sich fast alles umsetzen. Wer will, kann sogar Workshops anbieten, als Mentor Nachwuchssims ausbilden und ihnen Vorteile fürs Leben beibringen oder Familienrezepte in einem eigenen Café verkaufen – nette Details, die das Konzept abrunden, aber keinen spielerischen Tiefgang bieten.

Zwar gibt es einige Individualisierungsoptionen – etwa durch die Wahl der Zielgruppe, Preisgestaltung oder die Verwaltung von Angestellten –, doch die Geschäftsmechanik selbst bleibt erstaunlich repetitiv. Wer auf ein tiefgehendes System gehofft hat, wie es Die Sims 2: Open for Business mit Verkaufsstrategien und Fokus auf Kundenservice bot, wird enttäuscht. Statt eines dynamischen Wirtschaftssystems setzt das Pack auf simple Interaktionen ohne langfristige Planung oder Wettbewerb. Kund:innen betreten den Laden, interagieren nach einem festen Muster, bezahlen, und das war’s.

Auch spontane Ereignisse, die den Geschäftsalltag auflockern könnten – etwa besondere Kundenwünsche oder Herausforderungen – fehlen völlig. Das Resultat: Nach ein paar Stunden fühlt sich das Ganze eher nach Routinearbeit denn richtiges Business an.

Noch frustrierender wirkt sich die künstliche Einschränkung aus, dass jeder Sim nur ein einziges Geschäft besitzen kann. Wer also ein Café und gleichzeitig ein Tattoo-Studio führen möchte, muss das über ein anderes Haushaltsmitglied regeln – eine unnötige Begrenzung, die den kreativen Spielraum unnötig einengt.

Greift zu, wenn...

… ihr gerne kreative Berufe spielt und Lust auf Tätowieren, Töpfern oder Süßwarenherstellung habt.

Spart es euch, wenn...

… ihr euch auf komplexes Management-Gameplay mit Herausforderungen und strategischen Entscheidungen gefreut habt.

Fazit

Sandra Friedrichs - Portraitvon Sandra Friedrichs
Viel Potenzial, aber nicht konsequent umgesetzt

Die Sims 4: Vom Hobby zum Business bringt einige lang ersehnte Features ins Spiel. Sims können endlich ein eigenes Geschäft von Zuhause aus führen, sich als Tätowierer, Töpferinnen oder Süßwarenhersteller:innen selbstständig machen und sich dabei kreativ ausleben. Die visuelle Gestaltung ist auf hohem Niveau, und wer gerne kreative Sandbox-Erfahrungen genießt, kann hier Spaß haben – vor allem, wenn das Pack mit anderen Erweiterungen kombiniert wird.

Doch genau hier liegt das Problem: Es bleibt alles an der Oberfläche. Die Geschäftsmechaniken sind simpel, es gibt kaum echte Management-Tiefe, und viele Features wirken halbgar umgesetzt. Wer mehr Wirtschaftssimulation möchte, ist mit Die Sims 4: An die Arbeit (das bereits Läden und Verkaufsmechaniken enthält) besser bedient. Alternativ könnten Mods in Zukunft einige der Lücken füllen, indem sie z.B. tiefere Kundeninteraktionen ermöglichen. Die fehlende Preisgestaltung, das wenig flexible Geschäftsmodell und die eingeschränkten Interaktionsmöglichkeiten in Nordhaven lassen das Pack weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Gerade für Spielerinnen und Spieler, die sich ein tiefgehendes Wirtschaftssystem gewünscht haben, dürfte das eine große Enttäuschung sein.

>> Mehr Spiel fürs Geld: Die 10 besten Erweiterungen <<

Wer Die Sims 4 vor allem für kreatives Storytelling nutzt, findet dennoch eine solide Erweiterung mit schönen Details. Aber wer auf ein richtiges Business-Gameplay auf dem Niveau von Die Sims 2: Open for Business gehofft hat, wird mit Vom Hobby zum Business wohl nicht glücklich.

Überblick

Pro

  • kreative Geschäftsoptionen vom Tattoo-Studio bis zur Kunstgalerie
  • erstmals Unternehmen von Zuhause aus
  • neue kreative Fähigkeiten wie Tätowieren und Töpfern
  • Workshops, Mentoring & Familienrezepte: Kleine, aber nette Features

Contra

  • oberflächliches Wirtschaftssystem
  • beschränkte Business-Mechaniken: kein Sim kann mehrere Firmen besitzen.
  • Nordhaven ist größtenteils Kulisse
  • kein echter Fortschritt gegenüber früheren Sims-Teilen

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