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Preview - Deadpool VR : Brutal, genial und irre komisch

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Auf der Gamescom bekamen Pressevertreter viele gute, aber oft todernste Actionspiele zu sehen – je brutaler, desto verkniffener. Genau wie in den Comics und im Kino stellt Marvel-Antiheld Deadpool diese Regel durch rotzfrechen Mangel an Respekt auf den Kopf. Wir durften den Action-Kracher anspielen und kringelten uns dabei vor Lachen.

In manchen Momenten sieht Deadpool VR aus wie das nächstbeste Actionspiel aus dem Virtual-Reality-Fundus. Wir arbeiten uns durch einen Höhlenkomplex in der Nähe eines fernöstlichen Tempels und versuchen, auf akrobatische Weise Hindernisse und Abgründe zu überwinden. Warum? Tia, das ist in der geschätzt fünfzehn Minuten kurzen Demo nicht auszumachen. Lediglich die Tatsache, dass wir in bester Deadpool-Manier zur falschen Zeit am falschen Ort sind und deswegen von den Wachen der Superschurkin Lady Deathstrike in Scheiben geschnitten werden, ist haften geblieben. Wie üblich wachsen dem Titelhelden aber schnell alle Gliedmaßen nach, und so können wir uns durch die genannten Tunnel kämpfen.

Typische Merkmale: Es wird viel per Doppelsprung gehüpft und mit Schwertern beziehungsweise Pistolen gekämpft, man darf per Wallrun an Wänden entlanglaufen und ein Enterhaken hilft beim Überbrücken größerer Höhenunterschiede. In groben Zügen ganz ähnlich wie in Batmans VR-Abenteuer und vielen anderen Meta-Quest-Actionspielen, nur dank Cell-Shading-Look erheblich farbenfroher. Klingt nicht sonderlich ungewöhnlich, doch wäre ein solches Urteil bei Deadpool VR nicht einmal die Hälfte der Wahrheit. Ein Stuhl mag vier Beine haben, deswegen kann er noch lange nicht an Wettläufen teilnehmen.

Genauso verhält es sich bei dieser Marvel-Adaption, denn gewisse Gameplay-Mechaniken mögen bei einem Spiel wie diesem unvermeidbar sein, aber sie lassen trotzdem keinen echten Vergleich zu. Sie sind nur die Grundzutat für ein außergewöhnliches Spektakel, das den ein oder anderen Fan garantiert vom Kauf eines VR-Headsets überzeugen wird. Genauer gesagt, einer Meta Quest 3 beziehungsweise 3S – älteren Meta-Geräten fehlt die nötige Power und anderen Herstellern die Lizenz für diesen Exklusiv-Knüller. Deadpool VR ist schnell, in einigen Kampfpassagen geradezu experimentell und ungewöhnlich flexibel – und das verlangt offenbar seinen Tribut von der Hardware.

Marvel wird Meta

Aber eines nach dem anderen. Fans des Antihelden freuen sich zuallererst über die Information, dass sich diese Adaption mehr an den Comics orientiert als an den Filmen, dennoch beiden Interpretationen Respekt zollt und zugleich etwas ganz Eigenes auf die Beine stellt. Denn Deadpool weiß, dass er Teil eines Spiels ist. Der Bruch der vierten Wand nimmt hier Formen an, die in anderen Medien nicht greifen würden.

Der Titelheld – gesprochen von Neil Patrick Harris, den viele wahrscheinlich noch als Barney Stinson aus der TV-Serie „How I Met Your Mother“ kennen – ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Alle fünf Meter hagelt es Kommentare über den Levelaufbau, wie gut es doch ist, dass wir in den Tutorials aufgepasst haben, wie lahm das Design eines Puzzles ausfällt und so weiter. Meta-Humor vom Feinsten und gerade dann komisch, wenn wir mal wieder eine Passage versaubeutelt haben. Nach dem dritten Sturz in einen Abgrund hören wir ihn schimpfen, wir hätten ihn nicht lieb.

Klar, das klingt alles total kindisch, aber wer diesen außergewöhnlichen Marvel-Helden kennt, der weiß, in welcher Weise es vorgetragen wird. Neil Patrick Harris gibt alles, um euch vom kleinsten Kichern bis zum lauten Prusten alles abzuringen, was die Situationskomik hergibt. Und das ist viel, denn das Gameplay zielt auf Könner ab.

Mögen typische VR-Hilfen wie Vignetten bei Bewegung und abgehackte Drehungen noch so einsteigerfreundlich erscheinen, die Action selbst verlangt nach schneller Analyse und abgebrühter Interaktion mit Umwelt und Gegnern, wie sie nur VR-Erfahrene liefern können. Mit beiden Pistolen ballern, das leere Magazin auswechseln, indem ihr einem Gegner die Kanone an den Kopf werft und sie wieder auffangt, andere Gegner per Enterhaken aufspießen und sie mehrfach auf den Boden schleudern, schneller als Super Mario über abstürzende Felsformationen springen – puh, das ist kein Anfänger-Material!

Irre geiler Scheiß!

Viele dieser Aktionen lassen sich gar nicht recht in Worte fassen. Deadpool VR setzt auf Over-the-Top-Action, die viel zu überzeichnet abläuft, als dass Worte ihre Signifikanz korrekt einfangen könnten. Das alles passiert zwar nicht unmenschlich schnell, aber so verdammt flüssig und wie aus einem Guss, dass ihr euch manchmal selbst fragt, was ihr da gerade erlebt habt. Musstet ihr schon mal in einem Videospiel den eigenen abgeschnittenen Arm als Keule verwenden? Was glaubt ihr, was ihr für Augen macht, wenn ihr feststellt, dass ihr noch immer die Finger dieses Arms bewegen könnt. Irrer Scheiß!

Aus der Ego-Perspektive in echter 3D-Sicht ist das eine ganz andere Erfahrung als bei typischen Videospielen. So nah wart ihr noch nie an einer Allmachtsfantasie dran – und dennoch lacht ihr euch scheckig, weil manchmal nichts so läuft, wie ihr es ursprünglich geplant hattet, oder weil Deadpool rotzfrech sämtliche Medienreferenzen heranzieht, die ihm einfallen. Wenn er die Indiana-Jones-Titelmelodie summt, während ihr halsbrecherisch an einem Seil entlangrutscht, könnt ihr euch ein Kichern einfach nicht verkneifen.

Als schönes Beispiel für die irren Wendungen des Spielablaufs möchten wir euch einen Raum beschreiben, den wir nach einigen Minuten in der Demo erreicht hatten. Er war gigantisch groß und beinhaltete mehrere Statuen. Verlassen durften wir ihn erst nach dem Auslösen von vier Fallen, die viele bis an die Zähne bewaffnete Gegner aus dünner Luft nach sich zogen.

Nicht genug, dass Deadpool einen dummen Spruch nach dem anderen riss, während wir gefühlt in Zeitraffer Gegner an die Wand ballerten, am Boden entlang rutschten und Köpfe per Katana aufspießten. Wir zerschnitten Gegner vom Kopf bis zu den Klöten und sahen sie entzweibrechen wie eine Tafel Ritter-Sport-Schokolade. Kurz darauf sammelten wir ein Automatikgewehr auf, um aus weiteren Gegnern Nudelsiebe zu machen und schwangen uns danach vor einer Überzahl flüchtend auf die nächstbeste höhere Ebene, um die Situation neu einschätzen zu können. Das alles geschah in gerade mal fünfzehn Sekunden.

Der Action wurde ein Sahnehäubchen verpasst, als das Spiel uns darüber aufklärte, Deadpools Talente würden von der Anzahl an Zuschauern abhängen, die seinen Livestream verfolgen. Je spektakulärer unsere Stunts, desto besser. Was damit endete, dass wir mit einem Satz Spielkarten belohnt wurden, die wir in bester Gambit-Manier Gegnern an den Kopf warfen. Wie der offizielle Trailer bereits verrät, wird das nicht die einzige Marvel-Anleihe aus einer anderen Heldenriege sein.

Mein Gott, klingt das alles nüchtern, wenn man versucht, das Geschehen in Worte zu kleiden. Deadpool VR überrascht euch immer wieder mit Dingen, die ihr nicht kommen seht. Das muss man selbst spielen, um zu begreifen, in welche irren Situationen euch die Programmierer von Twisted Pixel versetzen wollen. Wir waren zu Tode betrübt, als uns die Präsentatoren aufforderten, das Headset abzusetzen, weil die Demo-Zeit vorüber war. Zu gerne hätten wir noch Stunden weitergespielt.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Der November kann nicht früh genug kommen – das wird ein VR-Hit!

In den ersten Minuten kam mir das Gameplay von Deadpool VR etwas träge vor, aber das lag weniger am Design als an mir selbst. Gegner schienen beinahe unbesiegbare Kugelschwämme zu sein, weil ich viel zu konservativ an die Sache heranging. Ich benötigte ein paar Minuten Eingewöhnungszeit, um die Spielregeln zu adaptieren. Irgendwann machte es klick und ich verstand, wie Deadpool VR gespielt werden muss, um alle Talente des abgedrehten Helden auszureizen. Danach hatte ich wahrlich den Spaß meines Lebens.

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Twisted Pixel legt großen Wert auf flüssigen Kampf und flexible Einsatzmöglichkeiten aller verfügbaren Waffen. Klar, man kann sich ganz klassisch durchballern, campen oder wie ein feiges Huhn in Deckung bleiben und dennoch gewinnen. Aber wer will das schon, wenn man Deadpool beinahe jeden denkbaren Stunt aus den Rippen leiern kann? Gepaart mit dem herrlich kindischen Humor und einer nicht zu verachtenden Portion Gewalt entsteht ein Gameplay-Loop, der literweise Adrenalin mobilisiert. Ich freue mich schon tierisch auf den November!

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