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Preview - Cronos: The New Dawn : Angespielt: Sozialistischer Sci-Fi-Horror von den Silent Hill 2 Remake-Machern

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Mit Titeln wie Observer oder Layers of Fear sicherte sich Entwickler Bloober Team bereits vor einiger Zeit einen Platz im Herzen von Indie-Horror-Fans. Spätestens aber seit dem großen Erfolg des Remakes von Silent Hill 2 im vergangenen Jahr, sind die Polen eine feste Größe im Horror-Genre. Mit Cronos: The New Dawn wollen die Entwickler jetzt beweisen, dass sie auch mit einer frischen und vor allem eigenen IP astreinen Qualitäts-Survival-Horror abliefern können.

Um das zu bezeugen und die ersten zwei Stunden des Spiels anzutesten, wurde ich von Bloober Team nach Krakau eingeladen. Eine ausführliche Lektion über die Geschichte Polens nach dem Zweiten Weltkrieg später und mit mehr Pierogi intus, als gesund sein kann, bin ich nur bedingt schlauer.

Cronos sieht wunderschön aus, das retrofuturistische Design beeindruckt mit jedem Schritt, in der Beschreibung der Welt und ihren Bewohnern steckt so viel Liebe zum Detail, und dennoch will sich bei mir keine Begeisterung einstellen.

Das Lied von Mehl und Wasser

Das liegt aber zumindest nicht am Setting. Cronos ist (wie man sich bei dem Namen fast hätte denken können) eine Sci-Fi-Story mit Zeitreisen. Eingepackt in einen schweren Schutzanzug, der an diese klobigen Taucheranzüge mit Helmtauchgerät erinnert, erkunden wir als Traveller ND-3576 eine vollkommen zerstörte postapokalyptische Stadt. Unser Auftrag ist es, Zeitrisse zu entdecken, um dadurch wichtige Personen aus den 1980er Jahren zu extrahieren.

Welche Beweggründe die mysteriöse Organisation genau hat, für die wir arbeiten, ist nicht so ganz klar. Aber ganz offensichtlich sind wir nicht die erste Person, die geschickt wird, sondern die 3576te. Während unserer Erkundung stolpern wir nämlich nicht nur über praktische Rezepte mit nichts als Mehl und Wasser, welche die Regierung ihren Bürgern ans Herz gelegt hat, sondern häufig auch über die Überreste und Hinterlassenschaften unserer Vorgänger. Zum Glück haben sie den Weg bereitet für die, die nach ihnen kommen. Moment! Wieso muss ich da auf einmal an Clair Obscur denken?

Und warum zur Hölle war ich denn für ein Science-Fiction-Horrorspiel zu Gast in einem Stahlwerk in Krakau? Das Gebiet, in welchem wir im Spiel unterwegs sind, basiert auf Nowa Huta (deutsch: Neue Hütte), einem Stadtteil von Krakau. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete die kommunistische polnische Regierung Nowa Huta als sozialistisches Vorzeigeprojekt, das selbst die wunderschöne Altstadt Krakaus in den Schatten stellen sollte. Allerdings kollidierten die hochgesteckten Pläne recht schnell mit der Realität und statt prunkvoller Prachtbauten entstanden unglamouröse Wohnblöcke aus Beton. Später wurde Nowa Huta sogar zu einem regelrechten sozialen Brennpunkt, was sich erst in den letzten Jahren wieder gebessert hat.

In der alternativen Zeitlinie von Cronos waren die Stadtgründer etwas erfolgreicher und schufen tatsächlich einige wirklich beeindruckende Bauwerke. Ganz so ein herrliches Ende nimmt die Geschichte aber hier auch nicht. In den 80er Jahren leitet ein (aus Spoilergründen nicht näher beschriebenes) katastrophales Ereignis die Apokalypse ein, und im Zentrum steht eben jenes Stahlwerk in der fiktionalen Version von Nowa Huta.

Don’t let them merge!

In dem klobigen Anzug kommt man sich ein wenig vor wie Weltraum-Klempner Isaac Clarke aus Dead Space. Und genau wie Kollege Isaac stellen sich auch uns einige groteske Monstermutanten entgegen, die erstmal beseitigt werden wollen. Unsere Waffe wiederum erinnert mehr an Jesse Fadens Dienstwaffe aus Control. Denn je nach Anwendungszweck wechselt das futuristische Teil die Form von Pistole zu Schlagring und zurück. Später lassen sich noch neue Module anbringen, die zum Beispiel einen Schrotflinten-Modus hinzufügen.

Die Orphans, wie die Monster genannt werden, haben vor allem eine sehr unangenehme Eigenschaft: Nur, weil sie tot am Boden liegen, heißt das nicht, dass sie keine Gefahr mehr darstellen. Sollte nämlich ein anderer Orphan über die Leiche laufen, dann schlürft der seinen Kollegen aus wie einen saftigen Teller Spaghetti und wird dadurch stärker, schneller und noch viel tödlicher.

Stellt sich also die Frage, wie man damit jetzt umgehen soll. Eine Option wäre, den Orphan einfach aus den Latschen zu hauen, bevor er die Verschmelzung beginnen bzw. beenden kann. Pumpt ihr in der kurzen Zeit genug Munition in den Gegner, schafft ihr es vielleicht noch, das Schlimmste zu verhindern. Allerdings sind in Cronos zwei tote Gegner oft schlimmer, als es ein einzelner ist, denn der nächste (lebendige) Orphan wartet sicherlich schon um die Ecke auf seinen Snack. Die einzige Möglichkeit, das Verschmelzen wirklich zu verhindern, ist Feuer.

Dazu benutzt ihr sogenannte Torches, eine Art Instant-Flammenwerfer, der die Umgebung um euch herum in Schutt und Asche legt, während ihr im Inneren eures Schutzanzugs nicht mal ins Schwitzen kommt. Das macht alle nahen Leichen knusprig und unbrauchbar und bringt Gegner ins Straucheln. Allerdings stehen euch nur eine begrenzte Anzahl von Torches zur Verfügung, bis ihr sie entweder wieder an einer Ladestation auffüllen oder selbst neue craften müsst. Und diese begrenzte Anzahl ist (anfangs) genau eins (in Zahlen: 1).

Stellen wir uns also mal ein typisches Szenario in Cronos vor. Ihr betretet einen neuen Bereich und plötzlich sprinten zwei Orphans auf euch zu. Für einen besseren Überblick nennen wir die beiden Monster mal Mike und Melissa. Mit etwas Mühe und dem beherzten Einsatz von grober Gewalt schickt ihr Mike auf die Bretter und als ihr seht, dass Melissa zum Verschmelzen ansetzt, zündet ihr panisch eure Torch, äschert dadurch Mikes Leiche ein, um das Mahl zu unterbrechen und könnt dann Melissa bequem zerlegen. Aber in dem Moment kommt Uwe (also Orphan 3) um die Ecke und beginnt, sich den jetzt frischen und unverkohlten Leichnam von Melissa einzuverleiben. Da ihr keine Torch mehr habt, dürft ihr euch schonmal darauf einstellen, mit hoher Wahrscheinlichkeit von Uwe aus dem Leben und damit zurück zum Checkpoint geprügelt zu werden.

Beim zweiten Anlauf wisst ihr ja jetzt aber schon, was euch erwartet. (Nämlich Uwe!) Also beschießt ihr die beiden ersten Orphans vielleicht gleichmäßig, schickt sie fast zeitgleich zu Boden und fackelt dann ihre beiden Leichen ab, um Uwe keine Nahrung zu bieten. Durch diesen Ablauf von Versuchen - Sterben - Lernen - Anpassen werden die Arenakämpfe zu einer Art Rätsel, in denen ihr herausfinden müsst, wie ihr mit euren extrem begrenzten Ressourcen am besten durchkommt. “Der Tod gehört dazu” bedeutet aber für gewöhnlich auch, dass ihr eine relativ hohe Frusttoleranz für Cronos mitbringen müsst.

Nebulöses Déjà-vu

Bereits nach kurzer Spielzeit fallen offensichtliche Parallelen zwischen Cronos und Bloober Teams letztem Spiel, dem Remake zu Silent Hill 2, auf. Beide Spiele sehen sich grafisch äußerst ähnlich, was aufgrund der in beiden Games benutzten Unreal Engine nicht sonderlich verwundert. Die Gemeinsamkeiten hören aber nicht bei der Grafik auf.

Auch diverse Mechaniken und Animationen scheinen entweder direkt übernommen oder zumindest extrem ähnlich zu sein. Der Traveller schiebt sich zum Beispiel genau wie James Sunderland regelmäßig durch enge Spalten, was im ursprünglichen SH2 vor über 20 Jahren dazu diente, dem Spiel Zeit zu geben, um neue Gebiete zu laden. Im Remake wirkte das noch wie Nostalgie, aber ein modernes Spiel wie Cronos sollte so etwas eigentlich nicht mehr in dem Ausmaß nötig haben.

Die Außengebiete in Cronos sind zudem in permanenten Nebel gehüllt. Zwar ist die Sichtweite etwas besser, als es die trübe Suppe in Silent Hill zulässt, aber eigentlich dürften moderne Systeme nicht mehr darauf angewiesen zu sein, die sichtbare Umgebung so sehr zu begrenzen, um Ressourcen zu sparen. Stattdessen wirkt es so, als wollten sich die Entwickler nicht die Mühe machen, die Stadt noch weiter zu bauen. Es hilft den Vergleichen auch nicht, dass Bloober Team uns in der Session gleich mal in einen verfallenen Wohnblock geschickt hat, was praktisch DIE Standard-Silent-Hill-Umgebung ist und eine der ersten Indoor-Locations von SH2.

Das alles muss aber noch gar nichts heißen, und Cronos könnte sich trotz all dieser Parallelen als ein großartiges Spiel herausstellen. Mehr Sorgen macht mir im Moment die Story. Bleibt man mal bei Survival-Horror-Kollegen wie SH2 oder Dead Space, dann zehren die doch sehr von den Geschichten und den charakterlichen Besonderheiten ihrer Protagonisten.

Bereits in den ersten zwei Minuten von Dead Space erfahren wir viel über die Welt, die USG Ishimura und vor allem Isaacs zerrüttete Beziehung zu seiner Freundin und wie sehr er darunter leidet. Das mittlerweile legendäre Intro zu Silent Hill 2 führt James direkt als gebrochenen Mann ein, der seine letzte Hoffnung auf ein glückliches Ende in Silent Hill sucht.

In Cronos spielen wir einfach Traveller ND-3579, die wohl irgendwie die Nachfolgerin zu Traveller ND-3500 ist. Richtig gelesen! Der Stimme nach steckt im Anzug eine Frau. Ansonsten sind wir (bisher!) nur ein generischer, gesichtsloser Charakter. Sonst wäre euch wahrscheinlich aufgefallen, dass wir gar nicht ND-3579 spielen, sondern ND-3576. Oder hieß sie vielleicht doch ganz anders? Direkt nochmal hochscrollen und nachlesen!

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Wunderschöne Retro-Apokalypse mit leichten Rissen in der Betonfassade

Cronos sieht fantastisch aus, spielt sich solide und hat ein interessantes Setting und trotzdem bleibt der Funke vorerst aus. Der retrofuturistische Stil und die postapokalyptische Kulisse rund um ein fiktives Nowa Huta sind zweifellos atmosphärisch und originell, die Kampfmechaniken mit verschmelzungsfreudigen Monstern bieten einen spannenden Kniff im bekannten Survival-Horror-Gameplay.

>>Ebenfalls miteinander verschmolzen: Die 10 besten Spiele in anderen Spielen<<

Die Story darf ruhig noch etwas Fahrt aufnehmen. Bisher klingt die verschwurbelte Zeitreise-Geschichte zwar interessant, so richtig zünden wollten die ersten zwei Stunden jedoch nicht. Zwar gaben sich die Entwickler größte Mühe, die Welt zu präsentieren, aber da es bisher nichts zu verlieren gibt (im Zweifel schickt man halt einfach Traveler ND-3577) und unser Charakter nicht wirklich in die Geschichte involviert ist, bleibt es eben nur bei „interessant“. Bleibt zu hoffen, dass die Story im weiteren Verlauf an Tiefe gewinnt – und die Hauptfigur mehr wird als nur ein weiterer Name auf einer langen Liste gescheiterter Zeitschleifentouristen.

Ob sich das noch ändert, sehen wir wahrscheinlich erst, wenn wir die fertige Version von Cronos: The New Dawn in Händen halten. Noch im Herbst 2025 soll es für PlayStation 5, Xbox Series X|S und den PC erscheinen.

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