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Test - Corsair MAKR 75 Barebones-DIY-Tastatur : Test: Einstieg in die Welt der Custom-Tastaturen

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Wenn sich die Gaming-Welt weiter individualisiert, darf die Tastatur natürlich nicht hinten anstehen. Mit der Corsair MAKR 75 DIY mischt der Peripherie-Riese jetzt selbst in einer Ecke mit, die bisher eher den Spezialisten vorbehalten war. Für alle, die ein bisschen Custom-Flair lieben, ohne gleich den Nerd-Tiefgang bei Keychron oder Glorious zu suchen, hat Corsair ein hübsches Mittelding im Programm.

Wenn ihr gerade erst in die schillernde Welt der Custom-Tastaturen eintaucht, fühlt sich das Ganze manchmal an wie ein Baukastenspiel für Fortgeschrittene. Corsair, eigentlich bekannt durch unkomplizierte Plug‑and‑Play-Peripherien, serviert mit der MAKR 75 DIY jetzt genau die richtige Portion Selbstgebastel ohne völligen Bastler-Tiefgang. Die Idee dahinter ist simpel: Ihr bekommt ein hochwertiges Grundgerüst aus schwerem Aluminium und die nötigen Werkzeuge – alles hübsch verpackt ab einem Basispreis von 169,99 Euro. Alles andere könnt ihr nach eigener Wahl zusammenstellen.

Aber wie so oft im Custom-Bereich steckt der Teufel im Detail, und der beginnt gleich beim Einkauf der Schalter und Tastenkappen im Online-Store mit Konfiguration, der ein wenig an den SCUF-Store erinnert (SCUF gehört derweil zu Corsaier, daher kein Wunder). Die Grundausstattung wirkt preislich vergleichsweise fair, doch sobald ihr eure Wunsch-MLX-Switches auswählt, flitzen die Kosten in Windeseile nach oben. Klickliebhaber, die das befriedigende „Klick-Klack“ suchen, dürfen für die MLX Pulse schon einmal gut vierzig Euro pro Packung einkalkulieren, und selbst die sanfteren Linear- oder Taktil-Varianten nehmen euch jeweils mehr als dreißig Euro aus der Tasche.

Kombiniert man dann noch PBT-Doubleshot-Kappen – die mit glattem Profil und matter Oberfläche ein angenehmes Tippgefühl vermitteln und zu Cherry-Standards kompatibel sind – und möchte dann noch ein Wireless-Modul (60 Euro) summiert sich das Ganze oft irgendwo deutlich jenseits der 300‑Euro‑Marke oder gar noch mehr. Wer auf eigene Caps oder Schalter anderer Hersteller setzt, kann etwas sparen, muss aber auf die Kompatibilität achten.

Wer übrigens nicht basteln mag, kann sein Exemplar auch vormontiert bestellen und spart sich die Frickelei. Ärgerlich: die Bestellung verschiedener Switch-Sets ist derzeit nicht möglich. Wollt ihr ein gemischtes Setup, müsst ihr die anderen Tastensets wohl oder übel separat bestellen. Da geht also noch ein bisschen mehr.

Beim Auspacken erstaunt das gewichtige Alu-Gehäuse: Es strahlt Solidität aus, der wahlweise mattschwarze oder silberne Finish ist unempfindlich gegen Fingerabdrücke. Das beiliegende Werkzeug‑Kit deckt alles Wichtige ab: ein Inbus für die Montage, ein Kreuzschlitz und ein Kombi-Werkzeug, um Schalter und Caps ruckzuck auszutauschen. Eine gedruckte Anleitung sucht man vergeblich, denn Corsair führt euch via QR-Codezu den Anleitungen. 

Einstellungen der Tastatur erfolgen im Corsair Web Hub, eine browserbasierte App für Chrome, Opera oder Edge. Die Installation der leider immer noch fehleranfälligen iCUE-Software könnt ihr euch also sparen. Ihr spielt mit RGB-Beleuchtung, tastet euch durch Tastenbelegungen und könnt sogar eigene Bilder für das optionale LCD‑Modul hochladen. Doch so schick die Oberfläche auch ist, kleine Stolpersteine verstecken sich in den Ecken. Übersetzungen sind teilweise nicht durchgängig, und der Überprüfung auf verfügbare Firmware‑Updates verschwand die zuvor erkannte Tastatur wieder aus der App.

Ein Highlight ist der Hot‑Swap-freundliche Aufbau: Löten ist passé, die Schalter werden einfach in die Aufnahmen gedrückt. Ob ihr euch für eine Polycarbonat‑ oder FR4-Schalterplatte entscheidet, bleibt eurem Geschmack überlassen. In beiden Fällen verhält sich die Tastatur angenehm geräuscharm – dank achtlagiger Schalldämmung aus Schaumstoff, Folien und Silikon federt die MAKR 75 Geräusche recht effektiv ab. Selbst in der lautesten Pulse-Ausführung entsteht eher ein sanftes „Chik“ als ein Echo‑Konzert, nur die Leertaste zeigte im Test ihre rohe Natur und donnerte etwas forscher.

Aktuell bietet Corsair selbst vier Switch-Varianten an: klickende MLX Pulse, lineare MLX Plasma, taktile MLX Fusion und die auf Speed getrimmten MLX Quantum. Switches anderer Hersteller wie Cherry sind ebenfalls einsetzbar. Schade: es gibt weder optische Optionen noch Halleffekt-Schalter, sondern lediglich die genannten mechanischen Varianten.

Praktisch, aber kostspielig, ist das optionale Wireless-Modul. Für knapp sechzig Euro könnt ihr die MAKR 75 vom Kabel befreien und dank energiesparender Übertragung bis zu 172 Stunden zocken, ehe der Akku streikt. Das zweite Highlight im Zubehör‑Regal ist ein kleines, aber feines LCD‑Display, das den traditionellen Drehregler rechts oben ersetzt. Statt Lautstärke justiert ihr dort Profilbilder, GIFs oder Statusanzeigen – nett, aber keineswegs Pflicht. Für den Einbau ist etwas mehr Arbeit notwenig, denn dafür müsst ihr die Unterplatte abschrauben und die Elemente passgenau einsetzen, ohne dabei die Lagen der Dämmung durcheinander zu bringen. Das alles ist keine Raketentechnik, ein wenig technisches Verständnis sollte aber vorhanden sein.

Auf der technischen Seite trumpft Corsair ordentlich auf: Bis zu 8.000 Hz Hyperpolling heißt, eure Eingaben wandern nahezu verzögerungsfrei ans System. Für Tüftler ist FlashTap SOCD an Bord, ein Cleaner, der widersprüchliche Tastendruckkombinationen filtert, damit beispielsweise beim gleichzeitigem Drücken von Links und Rechts nicht die Spielfigur stehen bleibt oder kuriose Manöver auslöst. Wer den Hardcore-Wettkampf bevorzugt, kann den Cleaner jedoch abschalten, da er in Profi-Turnieren mitunter als unfair gilt. Hinsichtlich Bedienbarkeit, Lautstärke und Performance kann das MAKR 75 Konstrukt insgesamt durchaus überzeugen.

Greift zu, wenn...

…ihr den Einstieg in die Custom‑Keyboard‑Szene mit moderatem Bastelaufwand sucht, Wert auf hochwertige Haptik legt und bereit seid, für Qualität und Extras mitunter deutlich über 300 Euro zu investieren.

Spart es euch, wenn...

…ihr strenge Profi‑Ansprüche habt, jeden Switch‑Typ im Shop frei kombinieren möchtet oder lieber ein vollumfängliches, "echtes" Custom‑Erlebnis mit allen Optionen wollt.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Solider DIY-Einstieg, für Profis bietet es aber zu wenig

Unter dem Strich steht die Corsair MAKR 75 DIY für einen brauchbaren Einstieg in die Custom-Szene. Ihr erhaltet ein wertiges Alu‑Gehäuse, flexible Hotswap-Funktionen, eine ordentliche Auswahl an Schaltern, Tastenkappen und Zubehör sowie eine Web-App, die im Grunde alles bietet, was man zur Einstellung braucht, aber nicht ganz fehlerfrei arbeitet. Die Schattenseite zeigt sich im zu restriktiven Onlineshop, in dem sich beispielsweise Switch-Kombinationen nicht einstellen lassen und das Fehlen von moderneren Optionen wie optische oder Halleffekt-Schalter.

Wer keine Lust auf komplizierte Lötarbeiten hat, aber trotzdem den Reiz eigener Konfiguration sucht, findet hier ein solides Gesamtpaket – sofern das Budget bis teils deutlich über die 300‑Euro‑Schallmauer mitspielt. Puristen, die jedes Limit verfluchen, bleiben besser bei spezialisierteren Herstellern wie Glorious oder Keychron. Aber für alle, die ein bisschen DIY-Einstieg mit hochwertigen Komponenten genießen wollen, ist die Corsair MAKR 75 DIY ein ziemlich solider Kompromiss.

Überblick

Pro

  • hochwertiges Alu-Chassis
  • Hot-Swap-tauglich
  • relativ simple Montage
  • achtlagige Schalldämmung
  • webbasierte Konfiguration
  • 8.000 Hz Hyperpolling und SOCD Cleaner
  • optionale Extras wie Wireless-Modus oder LCD-Display
  • alle nötigen Werkzeuge vorhanden

Contra

  • teils hohe Aufpreise
  • Kombinationen unterschiedlicher Switches im Shop nicht möglich
  • keine Halleffekt oder optische Switches
  • Web Hub läuft noch nicht ganz rund

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