Preview - Blades of Fire : Das neue Spiel der Castlevania-Macher versucht sich an einer gänzlich neuen Idee
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Eigentlich ist die Idee, in einem Spiel eigene Waffen zu erstellen, gar nicht so neu. Titel wie Monster Hunter, Fallout oder eben erst Kingdom Come: Deliverance 2 weisen zumindest seichte Elemente der Schmiedekunst auf, in Lies of P bestimmt ihr sogar die Einzelteile eurer Prügel. Doch den Castlevania-Machern von MercurySteam reichen diese halbgaren Ansätze nicht, und so drückt euch das Studio einen Hammer in die Hand und lässt euch zum Meister der Waffenfertigung aufsteigen. Das birgt jede Menge Möglichkeiten, allerdings flacht Blades of Fire an anderer Stelle massiv ab.
In meinen gut drei Stunden mit Blades of Fire versprühte das Spiel aber nicht nur Schmiedefunken, sondern auch massive Erinnerungen an das Reboot von God of War. Die Mischung aus dem bärbeißigen Hauptcharakter Aran und seinem vorlauten Sidekick Adso entfacht zwar nicht ganz den Charme und die unvergleichliche Dynamik von Kratos und Atreus, wurde aber ganz offensichtlich davon inspiriert – mitunter womöglich etwas zu offensichtlich. Die aufgewühlte Schmiedemeisterin erinnert etwa stark an Fruchtbarkeitsgöttin Freya – sie wohnt sogar ebenfalls in einem Haus, das sich auf dem Rücken eines Tieres befindet. In diesem Fall keine Schildkröte, sondern ein Hornkäfer.
So richtig zog mich die Story von Blades of Fire in ihren ersten drei Stunden noch nicht in ihren Bann. Zu schnell erhält Aran den magischen Schmiedehammer und macht sich schon auf, die Königin Nerea zu töten. Die wirkte nämlich einen Zauber, durch den sämtliche Schmiedematerialien zu Stein werden, was sämtlichen Schmieden der Welt natürlich stinkt.
Das Eisen schmieden, solange es heiß ist
Dank seines mystischen Hammers ist Aran in der Lage, Metall zu bearbeiten, ohne auf Stein zu beißen. Für euch bedeutet das, aus zahlreichen Kategorien eure Lieblingswaffen zu wählen und diese zu schmieden. In der Preview-Version standen Einhandschwerter, Hämmer und Lanzen zur Verfügung. Neue Blaupausen erhaltet ihr, indem ihr eine vorgegebene Anzahl an Gegnern besiegt, die die entsprechende Waffe führen. Beispielsweise Dolche, Zweihänder und auch ein Hakenspieß. An Auswahl sollte es also nicht mangeln.
Doch bei der Wahl für eine Waffengattung hört das Schmiedesystem von Blades of Fire freilich nicht auf. Darüber hinaus legt ihr auch Form und Länge eurer Klinge fest, entscheidet euch für einen Knauf und nutzt sogar unterschiedliche Arten von Metallen und Holzarten. Neue Varianten der Waffen sammelt ihr ebenfalls durch erledigte Gegner oder indem ihr bestimmte Statuen aufsucht. Eure Entscheidungen beeinflussen Schaden, Ausdauerverbrauch, Gewicht, sowie die Haltbarkeit.
Denn ganz wie im echten Leben halten eure Klingen nicht unendlich lange. Benutzt ihr sie häufig, müsst ihr nachschärfen, was ihren Zustand so lange verschlechtert, bis eine Reparatur unumgänglich wird.
Ebenfalls wie im echten Leben haut ihr nach der Zusammenstellung eurer gewünschten Waffe so lange auf das heiße Eisen, bis die gewünschte Form erreicht ist. Dabei verschiebt ihr das Metall mit jedem Hammerhieb und orientiert euch dabei an einer Ideallinie, definiert Stärke und Ausrichtung eurer Schwünge.Je weniger Schläge ihr braucht und je präziser ihr agiert, desto höher fällt die Sternewertung eurer Waffe aus und entsprechend länger lässt sie sich nutzen.
Meinem Eindruck nach fügt sich das System nicht nur super in ein Action-Adventure ein, MercurySteam hat auch eine gute Balance dafür gefunden. Eure Waffen zerlegt es nicht andauernd alle paar Minuten wie beispielsweise in Breath of the Wild, ihr müsst die Haltbarkeit aber schon im Blick behalten. Das Herumtüfteln und Ausprobieren erweist sich durchaus als spaßig und macht mehr Unterschied, als man im ersten Moment denkt. Wenn ihr eine besonders persönliche Bindung zu euren Klingen aufbauen wollt, dürft ihr ihnen sogar Namen geben.
Attacke aus allen Richtungen
Das Kampfsystem von Blades of Fire beschreibt man wohl am einfachsten als ein abgespecktes For Honor. Auch hier attackiert ihr eure Feinde aus mehreren Richtungen, was über Erfolg oder Niederlage entscheidet. Ihr führt leichte und aufgeladene Hiebe von oben, unten, rechts oder links aus, jeweils über den entsprechenden Facebutton des Controllers. Eingehenden Angriffen entgeht ihr durch einen Dash, eine Rolle oder ihr blockt sie weg, bei perfektem Timing führt ihr eine Parade aus und schafft euch so ein kleines Opening für einen Gegenschlag.
Blades of Fire bietet dabei ein so saftiges Trefferfeedback, dass jeder Hieb eine helle Freude ist. Ihr hört und spürt euren Stahl regelrecht, wie er von feindlichen Rüstungen abprallt oder das gegnerische Fleisch durchtrennt. Ein richtig getimter aufgeladener Hammer-Schwung lässt Köpfe wie reife Melonen platzen, und gegnerische Attackenmuster wollen genau beobachtet und ausgekontert werden.
Besonders klar machte das in der Anspielsitzung ein wuchtiger Troll. Mit dem Standard-Schwert mag er schon irgendwie zu schlagen sein, frisst aber enorm viel Schaden und haut kräftig zurück. Glücklicherweise befanden sich in meinem Inventar genügend Materialien für einen weitaus stärkeren Einhänder und so zwang ich das Biest letztlich in die Knie. Besonders cool war ein Moment, in dem er betäubt vor mir stand und ich zu einem Verstümmelungshieb ansetzen durfte. Je nach Angriffsrichtung raubt ihr Gegnern so kurzzeitig das Augenlicht, schlagt ihnen einen Arm ab oder verletzt sie anderweitig, was sich massiv auf ihr Moveset auswirkt.
Ganz allgemein müsst ihr bei allen Gegnern schauen, aus welcher Richtung ihr attackiert und ob ihr stumpfe, stechende oder schlitzende Attacken einsetzt. Blades of Fire vermittelt durch farbliche Hervorhebungen, welche Taktik der aktuellen Situation angemessen ist.
Das Kampfsystem mag ordentlich knallen, das Worldbuilding hingegen so gar nicht. Die gesehenen Abschnitte in Wald, Sumpf und Burg wirken wie aus dem Standard-Baukasten und verwirren durch ihren verschachtelten Aufbau nur unnötig. So oft wie in meinen drei Stunden mit Blades of Fire habe ich mich schon lange nicht mehr verlaufen und das will bei meinem sonst gar nicht so katastrophalen Orientierungssinn etwas heißen.



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