Test - Aerosoft Truck and Bus Wheel System : Erschwingliche Komplettlösung für angehende Busfahrer
- PC
Als Fan von Truck- und Bus-Simulatoren an einem Racing-Lenkrad zu kurbeln, hat etwas ungewollt Komisches. Da steuert man die Giganten des Asphalts mit einem Zwergen-Werkzeug. Glücklicherweise erscheinen immer mehr Alternativen in authentischen Größen, die speziell für diese Zielgruppe entworfen wurden. Darunter neuerdings das Truck and Bus Wheel System von Aerosoft. Ein Komplettset, für das ihr gerade mal 380 Euro locker machen müsst. Ist das was für den Weihnachtsbaum?
Drei Hauptbestandteile enthält das große Paket, nämlich das Lenkrad, das als zentrales Steuerelement dient, ein Satz Pedale und ein erstaunlich komplexes Schaltknüppel-Modul samt belegbaren Knöpfen. Dazu kommt dann noch Kleinkram wie eine Tischklemme, ein zwei Meter langes Netzwerkkabel für den Anschluss der Pedale an das Lenkrad und das obligatorische Netzteil. Verbunden wird alles per USB-C zu USB-A-Verbindung.
Ein Haufen Zeug für gerade mal 379 Euro, und das hat natürlich seinen Preis, wenn es um die Verarbeitung geht. Schon beim Auspacken fällt auf, wie niedrig das Gewicht des Sets ausfällt, und wie kunststofflastig es ist. Von edler Aufmachung keine Spur.
Muss aber auch nicht zwingend sein. Ihr steuert mit dem Ding ja keine Luxuslimousinen, sondern virtuelle Nutzfahrzeuge und Busse. Mobiles Arbeitsmaterial, sozusagen. Die einfache Verarbeitung authentisch zu nennen wäre wohl zu weit hergeholt, aber wir können uns sicher darauf einigen, dass in den wenigsten Stadtbussen luxuriöse Ausstattungen für den Fahrer bereitstehen.
Immerhin: Das Set ist mit sehr vielen PC-Simulationen kompatibel und die drei Hauptelemente lassen sich beliebig platzieren. Zwei wichtige Kriterien, gerade für Gelegenheitstrucker, die das Ding nicht dauerhaft am Schreibtisch lassen wollen.
Pedale gehören logischerweise auf den Boden oder auf die Fußplatte eines Rigs, während Lenkrad und Schaltmodul über je ein eigenes Klemmensystem verfügen. Die Klemmkrallen des Lenkrads sind starr, die Schraubzwinge des Schaltmoduls hingegen frei verstellbar, sodass ihr es bequem auf Armhöhe bringen könnt.
Genialer Schaltknüppel
Wenn wir schon mal dabei sind: Das Schaltmodul ist in unseren Augen der Star dieses Sets. Neben dem Schaltknüppel, der per Switch an der Unterseite zwischen H-Schaltung und sequenzieller Schaltung wechseln kann, verfügt über 12 Tasten samt übergeordneten roten LEDs, davon 6 vordefinierte für Funktionen wie Warnblinker, Anhänger-Kupplung, Nebelscheinwerfer, Parkbremse und so weiter, sowie weitere sechs unbeschriftete. Wobei euch niemand zwingt, die Knöpfe so zu belegen, wie sie vorab beschriftet wurden. Als besonderes Schmankerl kommen noch 2 runde, hintergründig rot beleuchtete Buttons zum Öffnen von Bustüren dazu.
Bei unseren Testrunden mit der Simulation „The Bus“ kamen wir aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, weil gerade diese beiden roten Buttons ein sehr authentisches Gefühl vermittelten. Es gibt wahrscheinlich kein Kind in Deutschland, das nicht schon einmal auf diese Knöpfe drücken wollte, und jetzt (mehrere Jahrzehnte später) dürfen wir endlich.
Ohne zu viel vorwegzunehmen: Aerosoft sollte das Schaltmodul unbedingt separat verkaufen. Nicht nur wegen der Knöpfe, sondern auch weil der Schaltknüppel bis zu 18 unterschiedliche Schaltpositionen zulässt. Sechs Haupt-Positionen im typischen H-Schaltungsschema, die mithilfe eines Split-Daumenhebels und eines Range-Schalters auf Zeigefinger-Höhe insgesamt drei alternierende Belegungen für High-Gear, Standard Gear und Low Gear aufweisen.
Für Truck-Fans ein Traum. Nun gut, der Knüppel dürfte für unseren Geschmack gerne etwas mehr Gewicht haben und schwergängiger sein. Ansonsten finden wir an diesem Modul keine nennenswerten Kritikpunkte, außer dass es schön wäre, die LEDs auf Wunsch deaktivieren zu können.
Generell möchten wir die autonome Funktionalität des Schaltmoduls in hohem Maße loben. Dessen Signale gehen nämlich nicht durch das Lenkrad, sondern über einen externen USB-Anschluss direkt an dem PC. So könnt ihr es auch mit anderen Lenkrädern verwenden.
Brummi-Freude mit kleinen Macken
Die anderen beiden Teile des Sets kommen leider nicht ganz so gut davon. Wir hatten mit beiden unseren Spaß, und doch stießen wir immer wieder Kritikpunkte, die kaum zu ignorieren waren. Angefangen mit den dreiteiligen Pedalen für Kupplung, Bremse und Gas, deren Plastik stabil genug ist, um schweren Füßen Widerstand zu leisten. Auch die Federung beziehungsweise die Gegenwehr von Gas und Bremse fühlte sich ordentlich an. Jedenfalls gut genug, um nach wenigen Minuten Eingewöhnung einschätzen zu können, wie stark man gerade auf die Tube drückt.
Die etwas steife Verkabelung, die sich bei Unachtsamkeit gerne mal im Gaspedal verhakt, sowie das geringe Gewicht des gesamten Moduls störten jedoch auf Dauer. Immer dann, wenn wir mal heftiger auf die Bremse traten, verschoben wir das Pedal-Set, obwohl die Pedale in authentischer Weise einen flachen Winkel haben und eher nach unten als nach vorne gedrückt werden. Vier Gummi-Patches auf der Unterseite sollen das Verrutschen eigentlich verhindern, schaffen es aber nur in „normalen“ Verkehrssituationen. Vielleicht stellen wir uns ja bei Vollbremsungen (die man in Bus und Truck sowieso vermeiden soll) zu ungelenk an, aber wir hätten dennoch gerne einen Alu-Boden gesehen, der dem Ganzen etwas mehr Stabilität verleiht.
Klingt geschrieben schlimmer als es in Wirklichkeit ist, und zeigt dennoch, dass für den angepeilten Preis des Sets gespart werden musste.
Das merkt man beim Herzstück – dem Lenkrad – sogar noch eher. 40 Zentimeter Durchmesser misst das dick umkranzte, aber gefühlsmäßig hohle Lenkelement, das links ein etwas überdimensioniertes, flaches Steuerkreuz mitbringt und rechts einen Analogstick sowie vier Face-Buttons mit typischer Xbox-beschriftung. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass keine Kompatibilität zur Xbox besteht. Es geht um reines PC-Equipment.
Mit einem Maximaleinschlag von 1080 Grad lässt es sich nur halb so weit drehen wie viele echte Trucks es erlauben. Daran stören sich aber nur pingelige Puristen, die unbedingt darauf bestehen, sich beim Rangieren einen Wolf zu kurbeln. Wir gehen starkdavon aus, dass Aerowsoft diese Zielgruppe gar nicht erst anpeilt.
Ebenfalls mit dabei: eine Taste zum Starten des Motors und ein Knauf am Kranz. Letzterer ist in Deutschland bei echten Trucks und Bussen gar nicht zulässig, beziehungsweise wenn, dann nur als Hilfe für Menschen mit Behinderung. Halb so wild, den muss man ja nicht nutzen. Über Hebel für Blinker und Licht, die beim Zentrieren der Lenkposition authentisch auf die Ausgangsposition zurückkehren, beschwert sich dagegen niemand, auch wenn diese – wie schon der Schaltknüppel - etwas zu leichtgängig wirken.
Der Motor ist der Schwachpunkt
So weit, so gut. Was allerdings massiv stört, ist der verbaute Force Feedback-Motor des Lenkrads, der auf einer Zahnrad-Mechanik basiert. Sein Geräuschpegel ist leider störend laut, weil man die Reibung der Zahnräder bei jedem Lenkeinschlag vernimmt.
Es wäre nun müßig, eine Abhandlung darüber zu halten, in welcher Form Zahnradgetriebe in Lenkrädern altmodisch und längst überholt sind. Keiner würde ein dieser Preisklasse ein Direct Drive-Wheel erwarten. Aber ein Riemenantrieb dürfte es schon gerne sein, zumal der Motor kaum Kraft mitbringt.
Die Gegenwehr beim Lenkeinschlag lässt sich mit der eines Logitech G923 vergleichen, was nicht besonders stark ist und sicher auch daher rührt, dass die Hebelwirkung des 40-Zentimeter-Kranzes viel von der Motorkraft schluckt. Das Wie und das Warum spielen aber kleine Rolle. Am Ende ist das Lenkrad eben doch einen Tick zu laut, um nicht zu nerven, und etwas zu schwach, um einen ordentlichen Lenkeinschlag zu vermitteln.
Greift zu, wenn...… ihr ein günstiges und weitreichend kompatibles Truck- und Bus-Komplettsystem sucht. Ihr sollte bei Lautstärke und Verarbeitung kompromissbereit sein.
Spart es euch, wenn...… reibende Lenkgeräusche und dominantes Plastik-Fahrgefühl bei euch schnell Abneigung wecken.


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