Test - ZOTAC GeForce GTX 1080 Mini : Zwergenaufstand!

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ZOTAC hat mit der AMP! Extreme eines der voluminösesten GTX-1080-Modelle auf den Markt gebracht, das mit 315 mm Länge sogar einige ATX-Gehäuse zum Bersten bringt. Doch der Hersteller kann auch ganz anders. Bereits auf der CES im Januar wurde die GTX 1080 Mini angekündigt und sie entpuppt sich als Zwerg unter den Riesen. Doch welche Auswirkungen hat der kleine Formfaktor auf die Leistung? Kann der Winzling tatsächlich mit seinen großen Brüdern mithalten oder wird ihm die Sache zu heiß?

Die ZOTAC GeForce GTX 1080 Mini ist derzeit für etwa 650 Euro im Handel zu haben, könnte in den nächsten Wochen aufgrund der Ankündigung der GTX 1080 Ti aber etwas günstiger werden. Zumindest gehört die Mini ohnehin nicht zu den teuersten Modellen des NVIDIA-Flaggschiffs und richtet sich vor allem an PC-Bastler, die eher weniger Platz im Gehäuse haben oder gar in Richtung eines Mini-ITX schielen.

Der erste Blick wirft sogleich die Frage auf: Das soll eine GTX 1080 sein? Speziell im Vergleich zur AMP! Extreme mit ihren satten 315 mm Länge kommt die Mini mit ihren 211 mm wie ein Zwerg rüber. Selbst gegenüber der eigentlich platzsparenden Founders Edition mit ihren 270 mm ist die Karte noch klein. Das gesamte PCB ist nur 173 mm lang, alles darüber hinaus hat mit Kühlung zu tun. Hinzu kommt, dass die Karte bei einer Leistungsaufnahme von 180 Watt TDP lediglich mit einer 8-Pin-Stromversorgung ausgestattet ist. Das wirkt alles so unscheinbar, dass wir gar nicht so recht glauben wollen, dass dieser Zwerg 4K stemmen kann.

Dabei ist die Karte im Grunde voll ausgestattet. ZOTAC hat nicht auf Anschlüsse verzichtet. 3x DisplayPort 1.4, 1x HDMI 2.0b und 1x DVI sind vorhanden, SLI-tauglich ist die Karte außerdem. Ansonsten fällt noch auf, dass ZOTAC bei der Mini auf das typische Gelb verzichtet und sie in dezentem Gunmetal-Grau gestaltet hat. Das sieht recht hübsch aus, auch mit der recht offen gehaltenen Bauweise und der schicken Backplate, die bei der Kühlung aushilft.

Der Rest der Karte besteht aus reichlich Kupfer-Heatpipes nebst großem Alu-Heatsink. Ein Clou bei der IceStorm-Kühlung ist, dass alle hitzerelevanten Teile wie GPU oder Speicher direkten Kontakt zu einem Kupferkühlblock haben. Was an Hitze entsteht, wird erfreulich effektiv von zwei Lüftern weggewedelt: einer mit 90 mm Durchmesser, einer mit 100 mm, um den kleinen Formfaktor zu erreichen.

Die Kühlung funktioniert gut, sehr gut sogar. Unter Volllast blieb die Karte trotz ihrer geringen Größe mit maximal 73 Grad auf überaus moderaten Temperaturen – ein richtig guter Wert. Das liegt allerdings auch daran, dass ZOTAC es nicht mit der Werksübertaktung übertrieben hat. Mit 1.620 MHz (1.759 MHz) liegt der Takt etwas über der Founders Edition, aber weit unter dem der AMP! Extreme mit ihren 1.772 MHz. Hinzu kommt ein Power Limit. Damit stellt ZOTAC sicher, dass es auch in kleinen Gehäusen mit schlechter Luftabfuhr keine Probleme gibt.

Wer möchte, kann sich aber selbst ans Übertakten wagen. Diesbezüglich hat die Karte erfreulich viel Luft nach oben. Die FireStorm-Software von ZOTAC bietet genug Möglichkeiten, CPU- und Speichertakt zu erhöhen und den Lüftern noch etwas Dampf zu machen. Taktraten von bis zu 1.900 MHz sollten in der Konstellation durchaus machbar sein und der Karte noch einiges an Leistung entlocken, sofern man mit etwas Fingerspitzengefühl an die Sache herangeht.

Die starke Leistung bei geringer Größe wird allerdings mit etwas lauteren Lüftergeräuschen als bei den großen Modellen erkauft. Das ist zwar je nach Gehäuse nicht störend, zumal der Brummton nicht aufdringlich hochfrequent ist, aber mitunter durchaus hörbar. Ärgerlicher ist da schon, dass die Lüfter auch im Idle- und Desktop-Betrieb rotieren. Das hätte nicht sein müssen und ist der semipassiven Steuerung geschuldet.

Die Leistung überzeugt aber am Ende, selbst wenn die GTX 1080 Mini nicht die schnellste Karte auf dem Markt ist. Auch ohne zusätzliche Übertaktung stemmt der Winzling 4K-Auflösungen mit guten Framerates zwischen 30 und 60 Bildern pro Sekunde, die minimal über denen der Founders Edition liegen, aber natürlich bei Weitem nicht an die Werte einer AMP! Extreme heranreichen. Doch das ist Nörgeln auf einem sehr hohen Niveau. Für ihren Formfaktor ist die GTX 1080 Mini bemerkenswert kräftig und ein gutes Beispiel für die Effektivität der Pascal-Architektur.

Greift zu, wenn...

… ihr einen kleinen, handlichen Rechner mit maximaler Spieleleistung auch unter 4K ausstatten wollt.

Spart es euch, wenn...

… ihr genügend Platz im Gehäuse für stärker übertaktete Varianten habt.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Der Kraftzwerg für kleine PCs

Größe ist nicht alles. ZOTACs Versuch, die pralle Leistung der GTX 1080 auf eine Grafikkarte mit nur 210 mm Länge zu quetschen, die auch in kleine Gehäuse passt, ist gelungen. Alle Bedenken, dass darunter die Kühlung leidet, können über Bord geworfen werden, denn die Karte bleibt dank nur geringfügiger Übertaktung, cleverer Kühlung und Power Limit auch unter Volllast auf sehr moderaten Temperaturen und bietet sogar noch einiges an Luft nach oben für manuelles Overclocking.

Einzig die etwas lautere Geräuschkulisse der Lüfter sowie der semipassive Betrieb, bei dem die Lüfter auch bei niedrigen Temperaturen rotieren, kann – je nach Schalldämmung des Gehäuses – ein wenig nerven. Wer sich jedenfalls einen kleinen, platzsparenden PC mit maximaler Spieleleistung zusammenbauen will, kommt an der GTX 1080 Mini kaum vorbei.

Überblick

Pro

  • kleiner Formfaktor, passt sogar in die meisten Mini-ITX-Gehäuse
  • gute Übertaktungsmöglichkeiten
  • kommt mit 8-Pin-Stromversorgung aus
  • weg vom ZOTAC-Gelb, hin zum Gunmetal-Grau
  • gute Spieleleistung in allen Auflösungen

Contra

  • etwas lauter als normal
  • Lüfter rotieren auch im Idle-Betrieb
  • geringe Werksübertaktung

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