Special - World of WarCraft: Beta-Tagebuch : Special

  • PC
Von Kommentieren

Kapitel 4: In Elwynn Forest und zurück nach Dun Morogh

 

World of WarCraftach einer unruhigen Nacht brach ich am nächsten Morgen nach Ironforge auf. Seit meiner Kindheit hatte ich diesem Tag entgegengefiebert: Aus Erzählungen meiner Eltern, von Freunden und Bekannten war ich in Gedanken bereits ein wenig mit der altehrwürdigen Stadt vertraut und meine Begeisterung hatte sich schon am Abend ins Unermessliche gesteigert. Zunächst lag jedoch ein beschwerlicher Weg vor mir, denn während eine Vielzahl reicher Ehrenmänner, die mir unterwegs begegneten, ihr Vieh für sich traben ließen, musste ich meine Siebensachen zu Fuß durch die eisigen Berge und Täler schleppen. Ich hielt mich strikt auf den Straßen, um mich nicht dem lauernden Ungetier anzubieten oder gar im Schnee zu versinken. Die Vorstellung, die imposante Hauptstadt meines Volkes zu sehen, trieb mich voran. Schließlich konnte ich sie in der Ferne erspähen, die großen Mauern, welche den Kern säumen, und ich begann, zu rennen. Mit meinen letzten Kräften erreichte ich das warme Innere – aber allein der Anblick und die mich packende Ehrfurcht verliehen mir in diesem Moment neue Kräfte. Heiß glühende Lava floss durch die Gänge und erleuchtete die Straßen in einem rötlichen Schimmer. Überall, rings um mich, ratterten Maschinen, Menschenmassen rannten wie wild umher, doch niemand schien Notiz von mir zu nehmen. Ich, der große Ymir, fühlte mich plötzlich geradezu klein und unbedeutend - die riesige Stadt hatte mich erschlagen.

Anmerkung von Ultram: Ironforge und Stormwind, von dem wir später noch lesen werden, sind lediglich zwei der sechs großen Städte in unserer Welt. In Darnassus trifft man die Nachtelfen an, Orgrimmar beherbergt die Orks, in Thunder Bluff haben die Tauren ihr Zentrum und die Untoten fühlen sich in The Undercity zu Hause. Abseits der Hauptstädte existiert außerdem eine Vielzahl kleinerer Festungen und Siedlungen inklusive Tavernen, in denen sich auch Handwerker oder Händler finden lassen.

Doch schließlich war ich nicht zum Vergnügen hier, sondern hatte mir ein festes Ziel gesetzt. Bevor ich mich aber dem Meister des Paladin-Ordens vorstellen konnte, wollte ich meine Kenntnisse erweitern und mein Äußeres ein wenig auffrischen, um nicht wie ein armseliger Bursche vom Land dazustehen. Wir Zwerge waren schon immer Männer des Handwerks und so suchte ich mir einen klugen Lehrer, der mich in die Kunst des Schmiedens einweihen konnte. Nachdem ich eine Weile durch die einschüchternden Flure geirrt war, stieß ich auf einen Greis, der auf den ersten Blick so wirkte, als könne er kaum einen Hammer in der Hand halten. Ich allerdings war froh, jemanden entdeckt zu haben, der mir bereitwillig seine Dienste anbot und so zögerte ich nicht lange, ihm mein Anliegen zu erklären. Learun war offenbar erfreut, von Nutzen zu sein und zeigte mir gar ohne Bezahlung den einen oder anderen Kniff im Umgang mit meinen Werkzeugen. 'Als ich in Deinem Alter war, gab es auch für mich nichts Wichtigeres, als die weite Welt zu erkunden', ließ er mich wissen. 'Doch vergiss dabei nicht Dich selbst: Möchtest Du später Frau und Kinder ernähren, darfst Du nicht als gebrochener Mann Deine Heimkehr antreten. Du wirst Dinge von dieser Welt erfahren, die alles Vorstellbare in den Schatten stellen. Elend und Leid werden Deine Begleiter sein, Tod und Hass Deine nächsten Verwandten. Lass Dich nicht von dem Bösen zu sehr begeistern oder es wird sich Deiner bemächtigen.'

Ob dieser seltsamen Worte verunsichert, versuchte ich mich schnellstmöglich aus dem Staub zu machen. Ich dankte ihm recht herzlich für seinen Rat, kaufte einen Plan für ein schönes, starkes Schwert und wandte meine ganzen erlernten Fähigkeiten an, um es dem Vorbild ähnlich aussehen zu lassen. Doch die Sätze des alten Mannes wollten mir nicht aus dem Kopf gehen. War er bloß verbittert, vielleicht sogar verrückt und lebte in seiner eigenen Welt? Oder war ich nicht so gut auf das Bevorstehende vorbereitet, wie ich es mir stets eingebildet hatte? Mit einem Male wirkten die Mauern von Ironforge weniger imposant als vielmehr bedrückend. Die Dunkelheit, der Lärm und die Einsamkeit schlugen mir aufs Gemüt und ich verspürte einen schier unerträglichen Drang, diesen Ort zu verlassen. Den Paladin-Meister konnte ich genauso gut ein anderes Mal aufsuchen und so folgte ich den Schildern, die mich zum Flugplatz führten. Irritiert stolperte ich über den kalten Steinboden, wobei jeder Schritt in meinen Ohren widerhallte wie der Krach eines brüllenden Orcs. Dann endlich erblickte ich sie vor mir, die Vögel, die ich schon so oft über mich hinwegziehen sah – doch auf einem gesessen hatte ich noch nie. So erkundigte ich mich geschwind nach den angebotenen Flügen und entschied mich bei der Auswahl für Stormwind, die Heimat der Menschen. Kaum hatte ich meine letzten Münzen zusammengekratzt, schwang ich mich auf den Rücken des Tieres und schon ging es los.

Anmerkung von Utram: Ach ja, die Greifen. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Flug. Sogar heute sind sie trotz der Mounts das beliebteste Transportmittel, wenn es darum geht, weite Entfernungen zu überbrücken. Über das ganze Land verteilt findet man diese Flugplätze, die für Abenteurer die Anlaufstelle Nummer eins sind. Gegen einen geringen Geldbetrag kann man auf ihnen innerhalb weniger Minuten von Ort zu Ort fliegen, muss allerdings häufig Zwischenlandungen in Kauf nehmen, da die Flugrouten vorgegeben sind.

Die frische Luft und die Wärme der strahlenden Sonne taten mir gut, obwohl ich zu Beginn skeptisch war, ob mich der Vogel überhaupt so lange tragen könnte. Auf dem Weg ließ ich meinen Blick in die Ferne schweifen und hoffte, damit wieder klarer zu sehen. Diese wunderschöne Welt sollte wirklich so grässlich sein, wie es mir der alte Narr beschrieben hatte? Ich konnte mich plötzlich selbst kaum noch verstehen. Warum war ich bloß so überstürzt aus Ironforge geflohen? Hatte mich, den tapferen Ymir, tatsächlich die Angst gepackt? Doch es war mehr als ein Gefühl gewesen; eine Eingebung, fast eine Vision, dass sich etwas Schreckliches ereignen würde. Mit dem Erreichen von Stormwind verflogen diese bösen Geister jedoch von einer Sekunde auf die andere. Diese Stadt war völlig anders als das, was ich zuvor gesehen hatte: hell und freundlich, sogar die Menschen – in meinen Augen ohnehin viel freundlicher als wir Zwerge – hießen mich willkommen.

Nach den Strapazen des Tages wollte ich mir nicht mehr viel zumuten und mich erst am nächsten Morgen neuen Aufgaben zuwenden. Also meldete ich mich auf die Schnelle beim Wirt einer Herberge für die Nacht, verstaute mein Hab und Gut in meinem Zimmer und versuchte, mich zu erholen. Auch von Stormwind hatte ich natürlich bereits so manche Geschichte vernommen und so kam ich nicht umhin, mir einige der schönsten Gebäude der Stadt näher anzugucken: Besonders beeindruckten mich die gewaltige Kathedrale und das Zentrum. Ironforge war ja schon groß gewesen, doch was sich hier tummelte, ließ selbst meine Hauptstadt beinahe winzig wirken. Eigentlich hatte ich vorgehabt, dem Magier- und Zwergenviertel noch einen Besuch abzustatten, doch meine Müdigkeit stand mir bereits ins Gesicht geschrieben. Aber mein Wunsch, nun ins Reich der Träume zu versinken, ging nicht in Erfüllung. Leider. Kaum hatte ich die Wirtschaft wieder betreten, kam mir die Hausherrin schon aufgeregt entgegengestürmt: 'Ymir, ich habe eine Nachricht für sie erhalten. Ich denke, es eilt.'

Mit zitternden Händen öffnete ich den Zettel, den sie mir reichte. Darauf stand: 'Ymir, Du musst sofort zurückkommen. Deine Mutter - sie ist gestorben.' Die schwärzesten Tage meines Lebens hatten damit gerade erst begonnen...

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel