Test - This is the Police 2 : Eins, zwei, Polizei

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Gestohlene Videorekorder, Schutzgelderpressungen … Jack Boyd sitzt wieder an der Spitze eines Polizeipräsidiums und das FBI sitzt ihm im Nacken. Wer This is the Police stressig und emotional zermürbend fand, wird auch den zweiten Teil so empfinden. Dafür wurde am Gameplay gefeilt. Lest im Test, ob der Korruptionssimulator 2.0 damit noch rundläuft.

Auch wenn ihr aus dem Vorgänger nicht lebendig herausgekommen seid, beginnt This is The Plolice 2 kanongetreu mit einem Jack Boyd, der auf der Flucht vor Korruptionsvorwürfen und dem FBI die Stadt verlassen hat und untergetaucht ist. Dass der alte Griesgram die Füße nicht lange stillhalten kann, sollte allerdings jedem klar sein, der seine letzten 180 Tage im Dienst miterlebt hat. So kommt es, wie es kommen muss: Jack zieht es, unter falschem Namen, zurück an den Chefsessel einer Polizeiwache – zumindest mehr oder weniger.

Boyd nimmt dort eine eher beratende Tätigkeit ein, denn der frischgebackene Sheriff ist eine junge Frau, der in der männerdominierten Wache so unfassbar viel Sexismus entgegenschlägt, dass mich bereits die ersten Minuten des Spiels unglaublich wütend machen. Geschickt eingefädelt, denn so versetzt das Adventure den Spieler direkt in die Stimmung des Hauptcharakters. Also auf ein Neues. Diesmal lässt sich Jack nicht wieder in zwielichtige Machenschaften hineinziehen, diesmal schafft er es ohne Mafiaverstrickungen durchs Spiel, oder? Dann kann er endlich seinen Namen reinwaschen und wird die Feds, die ihm nach den Korruptionsvorwürfen des ersten Teils auf der Spur sind, endlich los. Oder?

Die Antwort ist: Nein!

Spielerisch behält This is the Police 2 die Grundmechaniken des Vorgängers bei. Ihr sitzt auf der Wache, bereitet die Schicht vor und schickt die Cops zu Ladendiebstählen und sexuellen Übergriffen. Dabei kommen euch immer die persönlichen Bedürfnisse der Untergebenen in die Quere: „Darf ich heute zu Hause bleiben, um ein Buch zu lesen?“, „Ich habe gestern zu viel getrunken und würde gerne schlafen, geht das?“, „Mein Hund ist einsam, ich komme heute nicht, okay?“ Die Antwort auf all das lautet: „Nein!“ So lange, bis euch jeder einzelne auf der Wache hasst und euch die Arbeit unmöglich macht.

Haushalten ist wie schon im Vorgänger an der Tagesordnung, nur dass die Angestellten diesmal noch zickiger sind und die Möglichkeiten, sie zu verlieren, zahlreich. Besonders verheerend ist ein schlechtes Verhältnis mit einem schrumpfenden Team immer dann, wenn eine der neuen Taktikmissionen auf dem Stadtplan aufpoppt. Hier müsst ihr in XCOM-Manier eure Truppen rundenbasiert Lagerhäuser räumen, Bomben entschärfen und Geiseln retten lassen. Was dem Ganzen spielerische Tiefe verleihen soll, ändert zugleich die Zielgruppe des Spiels.

Rundentaktik und tote Polizisten

Während ihr den ersten Teil überwiegend mit einem guten moralischen Kompass überstehen konntet, müsst ihr jetzt tatsächlich richtig Arbeit in die Rundenstrategiemissionen stecken, um euch über Wasser zu halten. Die kommen zwar nicht übermäßig oft vor, wenn sie jedoch erscheinen, machen sie den Löwenanteil des Tagwerks aus – sowohl spielerisch als auch in der Gesamtsumme der Dosendeckel, die ihr benötigt, um eure Wache mit neuen Polizisten und Ausrüstung für den Einsatz auszustatten. Das Problem: Viele der Missionen sind unfassbar schwer und nichts für Strategielaien, die nur wegen des Adventure-Bestandteils zum Spiel greifen.

Zum einen, weil diese Aufträge nicht isoliert mit einer festen Anzahl an Einheiten starten, sondern ihr mit dem Team arbeitet, mit dem ihr die Schicht begonnen habt, egal wie wenig, lausig oder unzufrieden die Cops sind. Zum anderen, weil die Anforderungen an einige Missionen extrem hoch sind, etwa wenn beim geringsten Blickkontakt der Verbrecher die Geiselrettung schiefgeht. Wenn ihr dabei dann auch noch Mitarbeiter verliert, fehlen die natürlich auch im Tagesgeschäft. Die einzige Möglichkeit, das systematisch anzugehen, wäre, die Mission zu beenden und den Tag zuvor zu laden (was nun dank Kalenderfunktion ganz leicht geht), damit ihr ein passendes Team in die Schicht schicken könnt, wenn ihr die Anforderungen des nächsten Tages kennt.

This is the Police 2 - Cold-Blooded Attitude Announcement Trailer
Mit This is the Police 2 wurde nun ein Sequel für PC, PS4, Xbox One und Switch offiziell angekündigt.

Das Leben ist hart

Dann kommen immer noch all die Zufallsfaktoren wie betrunkene, faule oder unmotivierte Mitarbeiter zum Tragen, die euch schon den normalen Alltag zur Hölle machen. Streitlüstern weigern sich Angestellte zusammenzuarbeiten und Befehle zu befolgen, während Jack das FBI und Schutzgelderpresser im Nacken sitzen und alles langsam wieder in die Illegalität abdriftet. This is the Police 2 macht es dem Spieler bewusst nicht leicht. Mit den Taktikmissionen haben es die Entwickler jedoch gerade bei reinen Adventure-Freunden ein Stück weit übertrieben. Man kann das Spiel zwar auch irgendwie meistern, ohne eine davon zu schaffen, befriedigend ist das aber sicher nicht.

Immerhin hat der Entwickler an der Balance zwischen Spiel und Geschichte gefeilt. Längen wie im Vorgänger werden mit Zufallsereignissen und regelmäßigen Storysequenzen aufgelockert. Zusätzlich zu emotional aufreibenden Entscheidungen zwischen Recht und Unrecht im Gameplay konfrontiert euch die Story mit üblen Klischees über Frauen in Führungspositionen und Männern, die ihren Platz nicht kennen. Dadurch zieht sich das gesamte Spiel weniger und bleibt seiner moralisch zermürbenden Linie treu.

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