Test - The Walking Dead Episode 1: A New Day : Zombieverseuchter Serienauftakt

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  • PS3
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Die Comicbuchreihe "The Walking Dead" von Robert Kirkman und Tony Moore ist ein Hit. Im Oktober 2003 erschienen, werden heute, neun Jahre später, immer noch fleißig neue Ausgaben veröffentlicht. Seit geraumer Zeit läuft auch eine Fernsehsendung dazu überaus erfolgreich in den Staaten. Nun sorgen Telltale Games für die passende Videospielumsetzung in traditioneller Episodenform. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die das kalifornische Entwicklerstudio allerdings bravourös meistert.

Für Lee läuft es gerade nicht so rund. Als wir ihn kennenlernen, sitzt er auf der Rückbank eines Polizeiautos, das gerade auf dem Highway unterwegs ist. Handschellen bezeugen, dass er nicht nur als einfacher Gast unterwegs ist. Und dann ist da noch dieser ältere Officer, der einfach nicht die Klappe hält. Es wird allerdings ganz schnell still, als der Streifenwagen von der Straße abkommt und nach zahlreichen Überschlägen im Straßengraben landet. Lee befreit sich nicht nur aus dem komplett demolierten Auto, sondern auch von den Handschellen.

Nur die Ruhe

Die frisch zurückgewonnene Freiheit ist nur der Auftakt für ein albtraumhaftes Abenteuer. Schnell wird klar, dass Lee nicht alleine ist. Der regungslose Officer steht auf einmal auf und greift ihn an. Gerade noch rechtzeitig schießt Lee ihm mit der Schrotflinte die Rübe weg. Sichtlich geschockt von dieser Situation muss er schon bald die Beine in die Hand nehmen, da immer weitere schlurfende Gestalten sich nähern. Er rettet sich auf ein Grundstück. Dort trifft er auf die kleine Clementine, die sicherlich auch schon mal bessere Zeiten erlebt hat.

Von hier an zieht euch die erste Episode von The Walking Dead in einen atmosphärischen Sog, der zumindest unter den Zombiespielen seinesgleichen sucht. Dabei verzichtet die Mischung aus traditionellem Point-&-Click-Abenteuer und Echtzeit-Action auf eine hektische Erzählweise. Stattdessen baut sie behutsam nach und nach die einzelnen Charaktere und Momente auf. Da das Spiel zeitlich vor den Comics angesiedelt ist, werdet ihr auf viele neue Gesichter treffen. Kenner der Bücher und der Serie werden trotzdem alte Bekannte wiedersehen.

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Die Schlinge zieht sich zu

In Sicherheit seid ihr allerdings nicht. Schon in der ersten Folge begegnet ihr des Öfteren schlurfenden Untoten. Hier wird das Spiel dynamischer, Zeitdruck spielt ebenfalls eine große Rolle. Werdet ihr attackiert, müsst ihr euch schnellstmöglich zur Wehr setzen. Unachtsamkeit wird mit dem Tode bestraft. In Quick-Time-Events müsst ihr deswegen schnelle Reflexe beweisen. Die QTEs sind allerdings simpel gehalten: Drückt möglichst schnell so oft auf eine Taste, bis eine andere erscheint. Trotzdem bleibt die Spielmechanik frisch, neben harmlosen Rätseln wartet sogar eine etwas umfangreichere Schleichpassage auf euch.

So richtig Fahrt nimmt das Spiel dann auf, wenn es gilt, Entscheidungen zu treffen. In den gut geschriebenen Dialogen müsst ihr in wenigen Sekunden schnell eine der vier Antwortmöglichkeiten auswählen. Je nach Wahl werden dadurch zukünftige Ereignisse beeinflusst. Andere Charaktere merken sich nämlich, was ihr gesagt habt, und konfrontieren euch sogar unter Umständen später damit. Wenn ihr euch dabei schon unwohl fühlt, werdet ihr im späteren Spielverlauf an eure Grenzen getrieben. So entscheidet ihr auch über Leben und Tod. Der Wiederspielwert ist hoch, da je nach Entscheidung andere Situationen entstehen können.

Virtueller Comic

Telltales Zombieausflug hält sich dabei stark an die Comic-Vorlage. Das erkennt man schon am visuellen Stil, der fast eins zu eins aus den Comics adaptiert wurde. Auch wenn die Atmosphäre damit stimmungsvoll eingefangen wird, ohne allzu sehr auf Splatter-Effekte zu setzen, hätten die Texturen an einigen Stellen deutlich schärfer sein dürfen. Trotzdem kann sich das Endergebnis sehen lassen. Nettes Detail am Rande: Die Titel der Episoden bestehen wie bei den Comics immer aus drei Wörtern. Seid ihr mit der Episode am Ende, gibt es noch eine kurze Vorschau auf die kommende Folge. Dabei werden die von euch getroffenen Entscheidungen aufgegriffen, was dafür sorgt, dass ihr am Ball bleibt.

Die Sprecher sind allesamt gut gewählt und leisten professionelle Arbeit. Allerdings braucht ihr schon solide Englischkenntnisse, da eine deutsche Sprachausgabe und Bildschirmtexte fehlen.

Fazit

Christian Kurowski - Portraitvon Christian Kurowski
Die erste Folge von The Walking Dead trifft voll ins Schwarze. Die Atmosphäre ist nervenaufreibend: Schon in der ersten Episode werdet ihr in den drei bis vier Stunden Spielzeit vor harte Entscheidungen gestellt. Die Rätseleinlagen sind zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, vom Bildschirm kommt ihr trotzdem nicht weg. Dafür sind die Charaktere zu interessant und die Situationen, in die ihr geratet, zu spannend. Euch erwartet ein erfrischend anderes Point-&-Click-Abenteuer, das sich eindeutig an Erwachsene richtet, ohne zu sehr auf explizite Gewaltdarstellung zu setzen. Die Comic-Grafik ist stimmig bis hübsch, leidet bisweilen aber an Texturarmut. Egal: Telltale Games haben mich jedenfalls geködert. Ich kann es kaum erwarten, bis die zweite Episode erscheint.

Überblick

Pro

  • schöner grafischer Stil
  • viele neue, aber auch bekannte Charaktere
  • spannende Geschichte
  • wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden
  • tolle Atmosphäre

Contra

  • seichte Rätsel
  • Grafik mit Texturenschwäche

Wertung

  • PC
    86
    %
  • X360
    86
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  • PS3
    86
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