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Test - The Last Remnant : Technisch mau - und spielerisch?

  • X360
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Allgemein mangelt es The Last Remnant an Erklärungen. Neben der undurchsichtigen Befehlsvergabe gibt es einzelne Spielelemente, die euch einfach vor die Füße geworfen werden. So hat jeder Charakter ein Spezialattribut, beispielsweise Liebe, Intuition oder Autorität, dessen spielerische Bedeutung nicht beschrieben wird. Zum Glück scheinen solche Kleinigkeiten weniger wichtig für euren Erfolg zu sein, da wir auch so gut durchs Spiel gekommen sind.

Unterm Strich ist das ungewöhnliche Kampfsystem eine Bereicherung für das Genre, weil es episch wirkende Schlachten zulässt. Schließlich bekriegen sich im Idealfall mehrere Dutzend Krieger und/oder Monster. Die Hauptstory wird durch zahlreiche Nebenquests ergänzt, die allerdings teilweise das Besuchen altbekannter Szenarios erfordern. Die Spielwelt umfasst einen großen Kontinent, an dem ihr mehr als ein, zwei Abende sitzen werdet.

Doch der Einstieg fällt relativ schwer dank der vielen Neuerungen und Eigenheiten des Systems. Gleichzeitig baut die Qualität von Story und Spieldesign auf der zweiten DVD etwas ab. Die Erzählstruktur wirkt dort überhastet und ihr bekommt mehrere umfangreiche Aufträge am Stück aufgedrängt, zwischen denen die Charakterentwicklung kaum noch eine Rolle spielt.

Die vielleicht schlechteste Präsentation eines Square-Enix-Spiels

Das allergrößte Problem und sicherlich Hauptgrund für die zwiegespaltenen Wertungen aus den USA ist jedoch die technische Komponente. Diese lässt sich nur als entsetzlich beschreiben, weil Square-Enix eine phasenweise fürchterliche Ruckelorgie programmiert hat. Trotz der Power der Unreal-Engine 3 bricht die Framerate innerhalb der Kämpfe brutal ein, obwohl eigentlich außerhalb der grafischen Darstellung nichts Großartiges berechnet werden muss (etwa eine Echtzeit-K.I. wie bei Ego-Shootern). Die Spielbarkeit bleibt davon unbeeindruckt, jedoch wird der Spielverlauf zäh bis schlimmstenfalls langwierig. Die bis an die Schmerzgrenze gehenden Ladezeiten tun ihr Übriges, um ungeduldige Naturen zur Weißglut zu bringen.

The Last Remnant - TGS 2008 Trailer
Bewegte und vor allem atemberaubende Einblicke in das Rollenspiel The Last Remnant.

Alles andere als hübsch sind die extrem spät aufpoppenden Texturen: Wenn beispielsweise eine neue Szene geladen wird, dann seht ihr oftmals über mehrere Sekunden hinweg nur extrem verwaschene Flächen, während Stück für Stück die detaillierte Darstellung in den Speicher geschaufelt wird. Dieses Phänomen kennt ihr eventuell aus Mass Effect, nur dass es hier deutlich penetranter zur Geltung kommt. All das ist umso trauriger, weil die eigentliche grafische Gestaltung von Welt und Charakteren kaum Schwächen zeigt. Im Gegenteil: Manchmal habt ihr das Gefühl, eine Next-Generation-Version von Final Fantasy 12 vor Augen zu haben.

In Sachen Präsentation ist einzig der Soundtrack ohne Makel, wenn auch nicht auf gleicher Stufe mit so vielen anderen Square-Enix-Klassikern. Die Musik orientiert sich nicht stur an Final Fantasy & Co., sondern wurde mit einem feschen wie erstaunlich nervenschonenden Rockeinschlag während der Kämpfe versehen. Die englische Sprachausgabe sorgt für keine Begeisterungsstürme, kommt aber ohne Peinlichkeiten aus.

Fazit

Andreas Altenheimer - Portraitvon Andreas Altenheimer
Manchmal funktioniert ein Spiel nicht, obwohl alles zusammenzupassen scheint. Und manchmal funktioniert ein Spiel trotzdem, obwohl es in einem fetten Fehlerfass sitzt. The Last Remnanty ist solch ein Fall, der gerade in technischer Hinsicht eigentlich absolut peinlich ist. Da mögen die Texturen noch so hoch auflösend und die Kulisse noch so verspielt sein: Bei diesen vielen und ewig nervigen Ruckelorgien wird der Spielspaß in Mitleidenschaft gezogen. Könnt ihr euch daran gewöhnen und auch mit der manchmal unklaren Befehlszuordnung leben, dann ist der Titel vielleicht sogar ein kleiner Geheimtipp. Die Idee mit den Verbänden sorgt für ein tolles wie episches Kampfgefühl, die Geschichte erledigt ihre Arbeit und die Spielwelt erinnert dank diverser Grafikanleihen schwer an Final Fantasy 12. The Last Remnant ist nicht jedermanns Sache und wird euch kaum in der ersten Spielstunde vom Hocker hauen. Aber es könnte euch nach einer gewissen Einarbeitungszeit positiv überraschen.

Überblick

Pro

  • interessantes Kampfkonzept
  • mitunter epische Kampfatmosphäre
  • sehr gut komponierter Soundtrack
  • gute Story und ansprechendes Charakterdesign
  • viele optionale Nebenquests
  • tolle Art-Direction
  • große Spielwelt
  • Benutzerführung im Prinzip leicht handhabbar ...

Contra

  • ... aber aufgrund der vielen Eigenheiten relativ schwer zu erlernen
  • katastrophale technische Umsetzung
  • zäher Spielverlauf dank der technischen Probleme
  • fällt Story- und Design-technisch auf der zweiten DVD etwas ab
  • viele Spielelemente, deren Bedeutung nicht ausreichend geklärt werden
  • Zuordnung der Befehle erfolgt zwanghaft und wirkt nicht immer sinnvoll

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