Test - The Elder Scrolls: Legends : Hearthstone für Elder-Scrolls-Fans

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Ziemlich genau drei Jahre nachdem Blizzard mit Hearthstone seine Karten auf den Tisch gelegt hat, um bei niedrigstem Einsatz einen monatlichen Jackpot von über 20 Millionen Dollar Umsatz zu knacken, fordert Bethesda den Konkurrenten heraus und spielt mit The Elder Scrolls: Legends seinen großen Trumpf.

Spätestens seit Skyrim gehört The Elder Scrolls zu den beliebtesten und bekanntesten Reihen der Branche, mit einigen sehr erfolgreichen Rollenspielen für Solisten und einem halbwegs erfolgreichen MMO. Letzteres ist für den Publisher aber ein ebenso aufwendiger wie kostspieliger Brocken, den man nur mit viel Mühe in der Gewinnzone halten dürfte. Wie schön wäre es da - das muss man sich wohl irgendwann bei Bethesda gedacht haben -, wenn man so ein lukratives Leichtgewicht wie Blizzards Hearthstone im Portfolio hätte.

Drei Jahre Verspätung

Und nun schiebt man also, mit dreijähriger Verspätung, die eigene Interpretation eines einsteigerfreundlichen Sammelkartenspiels auf den Markt, der längst nicht mehr so entspannt ist wie noch vor drei Jahren. Neben Hearthstone buhlen HEX: Shards of Fate, Runescape Legends, Heavenstrike Rivals, Gwent und unzählige andere Titel um die Aufmerksamkeit der Spieler. Das ziemlich geniale Duel of Champions wurde sogar schon wieder eingestellt. Umso interessanter ist die Frage, ob Bethesdas Kartensatz überhaupt gut genug sortiert ist, um die starke Konkurrenz auszustechen.

Wer schon einmal mit einem der erwähnten Titel oder gar einer Papiervorlage wie Magic: The Gathering Bekanntschaft gemacht hat, wird sich in TES: Legends sofort zurechtfinden, zumal ein unterhaltsames und in feinstem Deutsch vertontes Story-Tutorial die wenigen Besonderheiten des Spiels erklärt. Eine davon ist der Avatar, den man als Spieler auswählen muss und der Einfluss auf die Art der Karten haben kann, die einem im Laufe des Spiels als Belohnung zugesteckt werden. Doch keine Sorge - den Avatar kann man später beliebig wechseln.

Natürlich erfindet Bethesda mit dem Tutorial das Rad nicht neu, kann aber dadurch punkten, dass mit der Legende des vergessenen Helden Tyr ein neues Kapitel der Elder-Scrolls-Saga aufgeschlagen wird, in dem man mehr über den großen Krieg zwischen den Imperialen und dem Aldmeri-Dominion erfährt und darüber, wie besagter Tyr diesen Krieg dereinst beeinflusste. Ein Stück TES-Geschichte, die man als Fan der Reihe unbedingt mitnehmen sollte, auch wenn einem Kartenspiele nicht liegen.

Am Ende des Tutorials verfügt man dann nicht nur über ein profundes Detailwissen zur Geschichte Tamriels, sondern auch über ein kleines Sortiment ziemlich hübsch gezeichneter Karten, mit denen sich ein erstes Deck bauen lässt. Das besteht aus mindestens 50 Karten unterschiedlicher Seltenheit, Wertigkeit und Farbe. Denn Legends bringt tatsächlich Farben ins Spiel, die für Stärke, Geschicklichkeit, Intelligenz, Ausdauer und Willenskraft stehen und von denen man maximal zwei in seinem Deck kombinieren darf. Hinzu kommen noch neutrale Karten, die in jedes Deck passen. Dieses System ersetzt den typischen Helden und bringt ein wenig Dynamik ins Spiel.

Das große Comeback

Für etwas mehr Dynamik sorgen auch die beiden Reihen, auf denen Legends gespielt wird, zumal die rechte Reihe, die sogenannte Schattenreihe, die ausgespielten Karten eine Runde lang vor direkten Angriffen schützt. Als weitere Besonderheit kommen fünf Runen hinzu, die im Abstand von fünf Lebenspunkten um den Avatar platziert sind.

  • The Elder Scrolls Legends - Screenshots - Bild 1
  • The Elder Scrolls Legends - Screenshots - Bild 2
  • The Elder Scrolls Legends - Screenshots - Bild 3
  • The Elder Scrolls Legends - Screenshots - Bild 4
  • The Elder Scrolls Legends - Screenshots - Bild 5

Diese Runen haben eine bisweilen spielentscheidende Schutzfunktion, da der Angegriffene immer dann eine Karte ziehen und mitunter sofort ausspielen darf, wenn eine Rune zerstört wird. Eine Comeback-Mechanik also, mit der es oftmals gelingt, einem allzu aggressiven Gegner durch den plötzlichen Kartenvorteil Paroli zu bieten - etwas Glück vorausgesetzt, wie man das im Genre gewohnt ist.

Doch natürlich kann man das Glück in nicht unerheblichem Maße zu den eigenen Gunsten verschieben, indem man ein möglichst cleveres Deck zusammenstellt. Die dafür nötigen Karten kann man sich entweder langwierig durch Siege und tägliche Quests erspielen und craften oder man kauft sie sich über den obligatorischen Shop für Echtgeld. Ob und in welchem Maße das nun wirklich nötig ist, darüber streiten sich die Gelehrten.

Generell gilt aber: Wer über ein Mindestmaß an Talent und Erfahrung im Umgang mit dem kompletten Sortiment an Karten verfügt und von Anfang an faire Bedingungen haben möchte, spielt nicht mit dem eigenen Deck, sondern verdient sich in der Arena seine Sporen, die ganz ähnlich funktioniert wie bei Hearthstone. Das Eintrittsgeld bekommt man dort in den meisten Fällen wieder heraus.

Aktuell benötigt man für The Elder Scrolls: Legends noch einen PC, jedoch sind weitere Versionen für Tablet und Handy in Planung sowie regelmäßige Updates mit neuen Kampagnen, Karten und einem Turniermodus namens Gauntlet, der sicherlich nicht ganz zufällig an Hearthstones Tavern Brawl erinnert. Für das Update im Mai sind außerdem ein Zuschauermodus sowie die Twitch-Integration geplant, bei der anscheinend Zuschauer und Streamer gleichermaßen belohnt werden, sofern sie ihren Bethesda-Account mit der Streaming-Plattform verknüpfen.

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