Special - PlayStation Network - Der Daten-GAU : Im Visier von Hackern

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20. April 2011, irgendwo in Japan. Sony-Chef Howard Stringer nähert sich einem großen Pult, klappt eine Plastikabdeckung hoch und steckt den am Halsband befestigten Schlüssel in die Vorrichtung. So oder so ähnlich muss es sich abgespielt haben, als sich der japanische Unterhaltungskonzern dazu entschlossen hat, die Server des PlayStation Networks infolge eines Hackerangriffs vorübergehend abzuschalten.

Schuld ist aus Sicht der Hacker Sony. Erst als der Konzern die Möglichkeit strich, Linux und andere alternative Betriebssysteme auf der großen Schwarzen zu installieren, habe sich die Szene am Knacken des als bombensicher geglaubten Sicherheitssystems versucht. Mit Erfolg, wie Sony wenig später leidvoll feststellen musste, als der Hauptschlüssel für die PlayStation 3 frei im Internet verteilt wurde. Hackern war damit Tür und Tor geöffnet, nicht nur die Firmware der Konsole zu modifizieren, sondern auch illegal kopierte Spiele abzuspielen.

David gegen Goliath

Aus diesem Grund schliff der Konzern unter anderem George „Geohot" Hotz vor den Kadi, was die Szene offenbar nur noch mehr anheizte, Sony kräftig unter Beschuss zu nehmen. PlayStation.com, Sony.com und andere Seiten des Unternehmens waren teilweise mehrere Stunden komplett vom Netz, auch das PlayStation Network klagte schon in dieser Zeit über mächtigen Schluckauf. Mit dem effektvollen Schlag des David gegen Goliath schlug aber auch die Stimmung bei den Nutzern um, schließlich waren die davon in erster Linie betroffen. Auch Anonymous, die Gruppe unbekannter Hacker hinter den Angriffen, räumte später ein, vor allem den Usern geschadet zu haben, und stellte seine Aktivitäten ein.

Ende gut, alles gut? Von wegen! Nach „externen Eingriffen" knipste Sony dem PlayStation Network am Abend des 20. April das Licht aus, um weiteren Schaden abzuwenden und die Ursache zu ergründen. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Einerseits, weil gerade erst Portal 2 mit tollem Online-Koop-Modus auf den Markt gekommen ist, andererseits, weil das Osterfest auf dem Kalender stand. Die Schuld an dem neuerlichen Ausfall des PlayStation Network will Anonymous aber nicht auf sich nehmen. Zwar könne man nicht ausschließen, dass eine kleine Splittergruppe dafür verantwortlich zeichnet, man vermute hinter den Ausfällen aber - natürlich - Sony.

Keiner Schuld bewusst

„Eine wahrscheinlichere Erklärung ist, dass Sony die bekannte Feindschaft mit Anonymous dazu ausnutzt, die Nutzer von der Tatsache abzulenken, dass der Ausfall eigentlich ein internes Problem mit den Servern des Unternehmens ist", verliest die Gruppe in einem Video. Sony bekräftigt stattdessen, das PSN zurzeit „neu aufzubauen" und die Infrastruktur so zu verstärken, um künftigen Eindringlingen einen Riegel vorzuschieben. Dieser Prozess sei „sehr zeitintensiv", was der bisher mehr als einwöchige Totalausfall eindrucksvoll unter Beweis stellt.

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