Test - Silent Hunter 4 : Auf Tauchfahrt mit Ubisoft

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Realistische Simulationen zählen schon seit einigen Jahren zu den stets totgesagten Spiele-Genres. Zu komplex, zu schwer verdaulich, auf eine zu kleine Zielgruppe (erwachsene Männer) ausgerichtet, zu aufwändig in der Entwicklung – so die gängigen Vorurteile. Für U-Boot-Simulationen scheint das allerdings nicht zu gelten: 'Silent Hunter 3' verkaufte sich vor zwei Jahren derart gut, dass die Entwicklung eines Nachfolgers schnell beschlossene Sache war. Insbesondere die deutschen Computerspieler sind offenbar für anspruchsvolle Simulationskost durchaus zu haben.

Im Gegensatz zur letzten Auflage, wo man den Atlantik unsicher machte, übernimmt der Spieler diesmal das Kommando über ein amerikanisches U-Boot der Pazifikflotte. Zu Beginn der Kampagne legt man aus dem Heimathafen Pearl Harbor ab – und bestaunt die detailliert gestaltete Umgebung voller anderer Kriegsschiffe und Flugzeugträger. Hat man den Hafen hinter sich gelassen und nimmt Kurs auf sein erstes Patrouillengebiet, wird es schnell ruhiger. Ein paar Mann an Deck übernehmen die Wache und melden jeden Sichtkontakt. Für lange Fahrten aktiviert man den Zeitraffer, der immer dann unterbrochen wird, wenn ein Kontakt gesichtet wurde.

Zerstörer gesichtet!

Sobald das erste japanische Schiff in Sichtweite ist, beginnt der Ernst des U-Bootfahrer-Lebens. Ein guter U-Boot-Kommandant verhält sich dann naturgemäß feige: Wehrlose Tanker, Truppentransporter und Frachtschiffe greift er an. Dem Kampf mit Zerstörern, Kreuzern und U-Boot-Jägern geht er jedoch tunlichst aus dem Wege. Ziel der U-Boot-Flotte war es ja nicht, sich heldenhafte Duelle mit U-Boot-Jägern zu liefern (denn da zieht das U-Boot meist den Kürzeren), sondern so viele Bruttoregistertonnen-Schiffe wie möglich zu versenken und dadurch die Versorgung der feindlichen Truppen auf dem Seeweg zu stören.

Was bedeutet dieses Katz-und-Maus-Spiel also in der Praxis von 'Silent Hunter 4'? Zuerst einmal, dass man als Kommandant sehr viel Zeit vor der Seekarte verbringt. Hier kann man feindliche Positionen markieren, Entfernungen messen und eintragen, mit einem Zirkel Kreise ziehen und auf diese Weise berechnen, wann welcher Gegner wahrscheinlich wo sein wird. Hat man einen Konvoi gesichtet, taucht man ab, berechnet einen günstigen Abfangkurs und setzt sich geschickt so vor den Konvoi, dass man – still, ohne laufende Motoren – nur noch warten muss, bis einem der Gegner vor das eigene Torpedorohr fährt.

Warten und taktieren

Während des Wartens sind zahlreiche taktische Entscheidungen vorzubereiten: Welche Kameraden bemannen den Torpedoraum? Wer darf sich ausruhen, wer wird für den Reparaturtrupp eingeteilt? 'Silent Hunter 4' verfügt über ein detailliertes Crew-Management. Wer seine Jungs die gesamte Zeit auf Gefechtsbereitschaft fahren lässt, darf sich nicht wundern, wenn sie im Gefecht dann schnell müde werden. Danach geht es an die Angriffstaktik: Welchen Tiefgang hat unser Ziel? Entsprechend muss der Torpedo programmiert werden, damit er nicht drei Meter unter dem Ziel hindurchtaucht. Und während man noch den Angriff plant, sollte man schon ebenso gründlich über die eigene Flucht nachdenken. Denn sobald der erste Torpedo trifft, hat man das Wespennest aufgescheucht – und die U-Boot-Jäger steuern direkt auf unsere vermutete Position zu. Bei unseren Testfahrten überzeugte die künstliche Intelligenz der japanische Kapitäne: Sie können nicht alles sehen. Aber wenn sie den Spieler entdeckt haben, ist das Entkommen nicht leicht.

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