Test - Ride 2 : Das Forza für Motorrad-Fans?

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Entwickler Milestone ist seit vielen Jahren für seine Rennspiele bekannt – leider nicht nur im positiven Sinne, denn fast jeder Titel des Entwicklers blieb zuletzt in der Mittelmäßigkeit stecken. Mal waren es zu lange Ladezeiten, mal war es die schwache Optik und ein anderes Mal eine verkorkste Steuerung. Auszusetzen gab es immer etwas. So auch beim Ride-2-Vorgänger Ride, der im März 2015 erschien. Ride 2 verspricht wieder viel, aber gelingt Milestone diesmal der Sprung aus dem Mittelfeld?

Sei es nun Sébastien Loeb Rally Evo, Valentino Rossi: The Game oder MXGP 2, wenn es um Motorsport geht, ist Entwickler Milestone mit einem passenden Spiel nicht weit. Im letzten Jahr versuchte der Entwickler, mit Ride eine Art „Forza für Motorrad-Fans“ zu entwickeln. Das klappte nicht so ganz, was unter anderem an der arcadigen Steuerung des Spiels lag. In Ride 2 soll nun alles besser werden. Auf den ersten Blick scheint das zu stimmen: Fast 200 lizenzierte Motorräder, 30 Strecken, Anpassungsoptionen und mehr sollen für Spielspaß sorgen.

Spartanische Charaktererstellung?

Doch gleich zu Beginn erwartet euch die erste Ernüchterung: Die Charaktererstellung des Fahrers präsentiert sich eher spartanisch. Gerade einmal den Namen, die Nationalität und die Hautfarbe könnt ihr festlegen, bevor euch das Spiel im ersten Rennen auf ein vorgeschriebenes Bike setzt. Aber keine Angst, dabei bleibt es nicht. Im späteren Spielverlauf erhaltet ihr jede Menge Möglichkeiten, um euren Fahrer zu individualisieren. Wenn ihr möchtet, könnt ihr euren Biker sogar in Jeans auf die Strecke schicken. Auch müsst ihr euch nicht mehr auf ein vorgegebenes Motorrad setzen, bereits nach dem ersten kurzen Rennen stehen euch gleich vier zur Wahl.

Ihr dürft euch aussuchen, ob ihr auf einer kleinen 125-ccm-Maschine oder einer der wesentlich stärkeren Maschinen beginnt. Insbesondere Neulinge sollten hierbei klein anfangen. Wer schon in der 125-ccm-Klasse nicht mit der Steuerung des Spiels zurechtkommt, hat in höheren Klassen kaum noch eine Chance, auf der Strecke zu bleiben. An dieser Stelle kommen wir dann auch gleich zu einem der größten Mankos des Titels, nämlich der Steuerung. Schon im ersten Rennen merkt ihr, dass die Umsetzung eurer Eingaben eher schwerfällig geschieht und es gar nicht so einfach ist, die Maschine im Gleichgewicht zu halten.

Obwohl ihr das Fahrverhalten und viele andere Kleinigkeiten in den Optionen einstellen dürft, fühlt sich die Steuerung zu träge an. Besonders stark fällt das auf, wenn ihr die Ideallinie einschaltet. Konstant auf ihr zu fahren, ist nahezu unmöglich. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch an die Trägheit und kommt mit ihr und demnach auch mit dem Spiel besser zurecht. Da wir gerade bei den Einstellungen waren: Hier könnt ihr auch die KI-Stärke festlegen, auswählen, ob ihr mit oder ohne Ideallinie fahrt, einstellen, ob automatisch gebremst werden soll, und vieles mehr.

Viele Optionen

Somit können Einsteiger das Spiel so anpassen, dass sie nicht weit abgeschlagen vom Feld ins Ziel kommen. Profis hingegen finden hier alles, um gefordert zu werden. Gefahren wird in unterschiedlichen Spielmodi, sei es das schnelle Spiel oder die World Tour, die in Ride 2 eine Art Karriere darstellt. Eine Story gibt es hierbei zwar nicht, stattdessen gilt es lediglich, sich in einer Rangliste an die Spitze zu kämpfen. Das wird einige Zeit dauern. Die Rangliste umfasst mehr als 300 Fahrer, die ebenfalls auf Punktejagd sind. Bringt ihr keine guten Leistungen auf der Strecke, kann es daher passieren, dass ihr auf den letzten Platz durchgereicht werdet.

Die World Tour besteht nicht nur aus einfachen Rennen, die eine gewisse Anzahl von Runden andauern, sondern auch aus anderen Herausforderungen. Dabei müsst ihr in einigen Wettbewerben eine vorgegebene Rundenzeit unterbieten, eine gewisse Anzahl an Fahrern überholen oder auf einem Hindernisparcours möglichst wenig Pylonen umstoßen. In jedem Wettbewerb sammelt ihr damit Punkte für die Rangliste und virtuelles Geld. Das ist wichtig, um euer Bike zu modifizieren oder euch gleich ein neues zu kaufen. Fast 200 verschiedene Motorräder stehen euch diesmal zur Wahl, eine ganze Menge mehr als im Vorgänger.

Die Bikes könnt ihr diesmal nicht nur kaufen, sondern sie darüber hinaus tunen und ihnen ein anderes Design verpassen. Beim Tunen baut ihr neue Teile in den Motor, zieht bessere Reifen auf, wechselt die Felgen oder verbaut kräftigere Bremsen. Über 1.000 Teile stehen insgesamt bereit. Bei den Designs ist die Auswahl ein wenig kleiner, euch stehen „nur“ etwa 600 zur Verfügung. Selbst einfärben könnt ihr die Bikes allerdings nicht, ihr seid auf die unterschiedlichen vorgefertigten Designs angewiesen.

Nach und nach baut ihr so euren Fuhrpark aus und dürft dadurch an immer mehr Rennen und in verschiedenen ccm-Klassen teilnehmen. Einige Motorräder könnt ihr jedoch nicht kaufen, sondern müsst sie euch erspielen. Sind eure Leistungen entsprechend, werdet ihr zu besonderen Events eingeladen. Gelingt es euch dort, euch gegen die Konkurrenz durchzusetzen, könnt ihr eines der besonders guten Motorräder im Spiel gewinnen. Weiterhin warten sogenannte Herausforderungen auf euch. Von denen gibt es solche, die ihr jeden Tag erfüllen könnt, aber auch solche, die nur einmal in der Woche angeboten werden.

Herausforderungen

Die Herausforderungen verlangen von euch, in einer bestimmten Rennart einen vorgegebenen Platz zu erfahren oder eine Strecke in einer bestimmten Zeit zu absolvieren. Erfüllt ihr diese Bedingungen, bekommt ihr sogenannte Tokens. Diese sind wichtig, um neue Fahrer für euer virtuelles Renn-Team anzuheuern. Dem Team könnt ihr einen Namen geben, die ersten Fahrer sind gleich zum Spielstart vorhanden. Das Team ist wichtig, da es auch Rennen gibt, in denen die Gesamtplatzierung aus je zwei Team-Fahrern ermittelt wird. Es bringt euch daher nicht viel, als Erster durchs Ziel zu düsen, wenn euer Partner den letzten Platz belegt.

RIDE 2 - Launch Trailer
Auch RIDE 2 aus dem Hause Milestone ist ab dem heutigen Freitag erhältlich.

Für Abwechslung ist bei den Spielmodi gesorgt, und das gilt nicht nur für das Solospiel. Auch im Multiplayer-Modus könnt ihr unterschiedlichste Varianten auswählen, dürft aber auch einfach gegen bis zu elf weitere Fahrer auf einer Strecke eurer Wahl antreten. In unseren Testrennen gab es keinen Grund zur Kritik. Die Verbindung zum Server war stabil. Jedoch werdet ihr immer wieder auf Fahrer treffen, die mit einer schwachen Internet-Verbindung an den Start gehen, was sich dann durch Lags bemerkbar macht. Wer nicht mit zufälligen Gegnern spielen will, kann auch auf seine Freundesliste zurückgreifen und damit ein privates Spiel erstellen.

Die technische Seite des Spiels, lassen wir die eingangs erwähnte Steuerung einmal außen vor, ist in Ride 2 gelungen. Das gilt in erster Linie für die Optik. Die Motorräder sehen durchweg sehr gut aus, auch die Cockpits wurden sehr schön umgesetzt. Die Grafik abseits der Strecke kann sich diesmal ebenfalls sehen lassen, was bei vielen Milestone-Spielen ganz anders war. Das gilt auch für den Sound. Zwar ist die Hintergrundmusik mehr als nervend, sie kann aber abgestellt werden. Dafür klingen die Bikes sehr gut. Je größer die Maschine, umso satter das Dröhnen, das aus den Lautsprechern schallt. Sehr schön ist, dass die Ladezeiten im Gegensatz zum Vorgänger diesmal recht kurz sind.

Greift zu, wenn...

… ihr ein umfangreiches Motorradspiel sucht und gewillt seid, euch an die zähe Steuerung zu gewöhnen.

Spart es euch, wenn...

… ihr keine Motorsportspiele mögt oder mindestens vier Räder unter euch haben wollt.

Fazit

Sven Wagener - Portraitvon Sven Wagener
Kaum etwas auszusetzen

Wenn es um Motorsportspiele und den Entwickler Milestone geht, zucke ich immer ein wenig zusammen. Zu oft kamen aus diesem Hause Titel, die zwar nicht schlecht waren, aber auch nie richtig gut. Nach dem mittelprächtigen Vorgänger Ride ging ich daher eher skeptisch an Ride 2 heran. Tatsächlich erfüllten sich gleich zu Beginn meine Befürchtungen, denn die Steuerung fühlt sich in Ride 2 leider sehr träge an. Viel mehr gibt es aber diesmal kaum auszusetzen. Sowohl der Umfang als auch die Präsentation stimmen. Selbst die Ladezeiten, die im Vorgänger sehr lang ausfielen, haben die Entwickler in den Griff bekommen.

Optisch ist das Spiel eine runde Sache, was nicht nur für die Motorräder gilt. Der Sound der Maschinen passt und die Spielmöglichkeiten sind abwechslungsreich. Nur die Streckenauswahl könnte ein wenig größer sein, zu schnell fahrt ihr immer wieder auf den gleichen Strecken. So bleibt als Kritikpunkt nur die Steuerung, in die ich mich lange einarbeiten musste. Alles in allem ist Ride 2 aber ein guter Titel. Wer ein Motorradspiel mit viel Abwechslung sucht, der ist hier gut aufgehoben.

Überblick

Pro

  • fast 200 Bikes
  • vielfältige Spielmodi
  • gelungene optische Präsentation
  • online spielbar
  • Tuning-Möglichkeiten, die auch optisch dargestellt werden
  • tägliche und wöchentliche Herausforderungen

Contra

  • schwerfällige Steuerung
  • Motorräder können nicht frei eingefärbt werden
  • die etwa 30 Strecken wiederholen sich schon bald
  • Fahrzeug-DLCs gleich zum Verkaufsstart

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