Test - Railroad Tycoon 3 : Railroad Tycoon 3

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1990 erschien mit Sid Meiers 'Railroad Tycoon' ein Titel, der fast einem ganzen Genre innerhalb der Wirtschaftssimulationen einen Namen gab: Tycoon. Nun kehrt mit 'Railroad Tycoon 3' der Veteran des Transportgewerbes zurück und will sich die Krone des Genres wieder aufsetzen. Wer gerade auf der Suche nach einem Game für die kalten und feuchten Tage ist, der sollte sich besser jetzt schon mal einen gewaltigen Wintervorrat anlegen, denn das Spiel verspricht einiges an Suchtpotential.
 

Veteranen der mittlerweile 13 Jahre alten 'Railroad Tycoon'-Serie dürfte das grundlegende Prinzip der Eisenbahnwirtschaftssimulation vertraut vorkommen: Geld verdienen, reich werden und noch mehr Geld verdienen. Geschah das 1998 im zweiten Teil noch aus der 2D-Perspektive, kommen die qualmenden, quietschenden Dampf- beziehungsweise surrenden E-Lokomotiven nunmehr in zeitgemäßer 3D-Optik daher und sehen dabei unheimlich gut aus. Wie gewohnt verbindet ihr Städte, Industrien und Landwirtschaft untereinander und sorgt so für einen regen Schienenverkehr.

Die Qual der Wahl
... habt ihr nach erfolgreicher Installation, wenn ihr euch für eine der 25 Kampagnen und Szenarios entscheiden sollt. Die Kampagne ist grob historisch und geografisch unterteilt und reicht weltweit (!) von den Anfängen der Eisenbahn über die Gegenwart bis in eine mögliche Zukunft. So könnt ihr beispielsweise in drei Schwierigkeitsstufen die Pionierzeit der Dampfrösser bei der Erschließung der USA nachspielen, in Deutschland für nationale Einigung sorgen, in Südamerika die Grundlagen für ordentliches Wirtschaftswachstum schaffen, oder den legendären Orientexpress von Paris nach Istanbul steuern. Will man die jeweiligen Missionsziele schaffen, muss man bestimmte Bestmarken (Bronze, Silber und Gold) erreichen: Eine Zahl von Städten miteinander verbinden, industriellen Profit erwirtschaften, den Gütertransport organisieren. In den Szenarios spielt ihr entweder gegen die KI oder im Netzwerk respektive online gegen menschliche Konkurrenten um die begehrten Missionsziele. Reichen euch die mitgelieferten Karten nicht mehr, nutzt den sehr einfach zu bedienenden Map-Editor oder spielt doch ein bisschen im Sandkasten, das heißt dort könnt ihr euch ohne finanzielle Sorgen nach Herzenslust um eine virtuelle Miniatureisenbahn kümmern. Für Neulinge ist das Tutorial gedacht, das in zwei Szenarios zum einen den Verkehrs- und zum anderen den Wirtschaftssteil erklärt.

Herzstück bei 'Railroad Tycoon 3' sind natürlich wieder die Züge. Es stehen euch insgesamt 40 unterschiedliche Lokomotiven samt vielen Wagontypen zur Auswahl, die sich an den Anfängen der Stahlrösser bis zu den ultramodernen Massentransportmittel der Zukunft orientieren. Grafisch sind die Loks jedenfalls sehenswert, entweder wenn nostalgische Dampfrösser keuchend über die Schiene zuckeln oder die Hochgeschwindigkeitszüge des 21. Jahrhunderts mit 300 Sachen pro Stunde dem Auge davonrasen.

Wer braucht schon 3D?
Braucht eine Wirtschaftssimulation wirklich eine 3D-Grafik? Ja, denn im vorliegenden Fall sorgt die 3D-Optik nicht nur für zeitgemäßes Aussehen, denn besonders im unterschiedlich sichtbaren Terrain ergeben sich Möglichkeiten, die so eine Simulation stark beeinflussen. Es macht einen großen preislichen Unterschied, ob Gleise über das flache Land oder Tunnel durch Berge getrieben werden müssen, um die nächste Stadt zu erreichen. Auch die Höhenunterschiede und die Anzahl der Waggons wirken sich, je nach Zugkraft der Lok, unterschiedlich stark auf deren Geschwindigkeit aus.

Nebenbei sieht die komplett in 3D gehaltene Spielwelt natürlich noch äußerst schön aus. So lädt die Kamerafunktion oft zu ausgedehnten Zugfahrten durch die realistisch gestaltete Umgebung inklusive Tages- und Nachtwechsel sowie Wettereffekten ein. Die Details vermögen auch zu gefallen: Hängt man am Zug, verdunkelt der Qualm fast den ganzen Monitor, animierte Räder sind zu erkennen, Scheinwerfer bei Nacht, und schimmernde Wasseroberflächen. Hervorragend sind auch die uneingeschränkten Zoomstufen vom kleinsten Detail bis zur überblicksfreundlichen Weltansicht. Unschön fallen dabei noch ein paar Grafikfehler an manchen Brücken und Streckenverbindungen auf, wenn die Züge, nach der Brückenüberquerung auf die anschließende Schiene einfach ohne Übergang hinunterfallen.

Für die musikalische Ausstattung von 'Railroad Tycoon 3' wurden nach Entwickleraussage Stücke der besten amerikanischen Blues- und Bluegrass-Musiker verwendet. Diese sind von hervorragender Qualität und passen wunderbar zu den amerikanischen Szenarios. Schön wäre es gewesen, auch für die restlichen Kontinente landestypische, an die Zeit angepasste Musik zu ergänzen (Blues im Japan des 20. Jahrhunderts?). Auch bei den Soundeffekten und der Hintergrundmusik gibt es noch einige Bugs, so schaltet sich der Sound oft komplett aus, wenn aus der Karte herausgezoomt wird und wieder ein beim Reinzoomen.

Schiene und Transport
Das Verlegen der Gleise wie auch die Einrichtung der Verkehrsanbindungen geht erfreulicherweise sehr angenehm von statten. Zur Wahl stehen dabei ein- und zweigleisige Schienen, die automatisch an die Umgebung und bestehende Verbindungen angepasst werden: Es erscheinen unterschiedliche Brücken bei Flussüberquerungen und Tunnel in Bergregionen. Nachdem die ersten Kraftwerke entstanden sind, könnt ihr auch euer gesamtes Schienennetz elektrifizieren und so auf E-Lokomotiven umsatteln.

 

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